8 einfache Zutaten, die garantiert die Spannung erhöhen

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Es gibt ein paar ganz grundlegende Dinge, vor denen wir uns fürchten. Flicht man sie halbwegs geschickt beim Schreiben in seinen Roman ein, sind Gänsehaut und Spannung beim Leser praktisch vorprogrammiert. Wichtig bei all diesen Elementen ist, dass sie meistens nicht zu sehr im Vordergrund stehen sollten. Werden sie zu plakativ verwendet und somit ins Bewusstsein des Lesers gezerrt, verpufft die Wirkung schnell oder verkehrt sich ins Gegenteil.

1. Die Furcht vorm Tod

Liegt auf der Hand. Unter anderem deswegen sind Krimis so beliebt – weil es in ihnen so gut wie immer eine Leiche gibt. Und in jedem anständigen Thriller steht das Leben der Hauptfiguren auf dem Spiel.  Der Tod fasziniert und erschreckt uns zugleich, was ihn zu einem perfekten Element der Spannungsliteratur macht. Sowohl der Fund von Leichen hat etwas Furchteinflößendes, das uns in Aufregung versetzt, als auch der drohende Tod, sei es aus Krankheit oder durch Gewalt. Je früher und je länger der Tod in einem Roman die Rolle spielt, desto spannender wird er.

2. Dunkelheit

Schon einmal einen Horrorfilm bei strahlendem Sonnenschein gesehen? Seine Wirkung verpufft. Die Nacht hat ihren eigenen Zauber, in dem alles noch unheimlicher wirkt. Szenen, die bei Nacht spielen, haben mehr Atmosphäre. Als Autor kann man die Fantasie des Lesers für sich arbeiten und ihn sich ausmalen lassen, was alles in der Dunkelheit lauern könnte. Die Vorstellung von etwas Grausigem ist häufig spannender als alles, was Autoren in Romanen schreiben können.

3. Insekten und anderes Ungeziefer

Wenn der Leser nicht gerade in einem Biologielabor arbeitet und tagtäglich mit Spinnen, Käfern, Ratten oder Schlangen zutun hat, stehen die Chancen gut, dass ihn die Vorstellung, solche Tiere oder Insekten könnten auf seiner Haut krabbeln oder kriechen, erschreckt. Wenn dann noch das Scharren von Krallen oder das Trippeln von Insektenbeinen in der Dunkelheit zu hören ist …

4. Unheimliche Orte

Friedhöfe, alte Häuser, Wälder voller verkrüppelter Bäume, Verliese, Dachböden. Keller … Es gibt einfach Orte, an denen wir lieber nicht sind. Meistens sind sie dunkel und es lauern Insekten oder anderes Ungeziefer darin. Es lohnt sich also, einfach noch einmal darüber nachzudenken, ob nicht der Höhepunkt des Romans an einem Ort spielen könnte, den die meisten Menschen mit Mysterien, Unbehagen und Ängsten in Verbindung bringen.

5. Entstellungen

Entstellte Bösewichte lassen uns schaudern. Deswegen ist Frankensteins Monster ein so  wirkungsvoller Leinwandschurke, wie auch das Phantom der Oper, der Glöckner von Notre Dame oder Captain Hook. Im Roman sind Entstellungen schwieriger zu schreiben, weil die visuelle Komponente fehlt. Aber geschickt eingesetzt, kann diese Zutat auch hier funktionieren, wenn zum Beispiel dem Leser gezeigt wird, wie einschränkend eine bestimmte Entstellung (fehlender Arm oder fehlendes Bein usw.) sein können. Wenn diese Entstellung auch noch eine Rolle in einem Konflikt spielt und diesen verschärft, dann ist das perfekt.

6. Verstümmelung

Niemand von uns ist scharf darauf, auch nur seinen kleinen Finger zu verlieren. Deswegen vergeht zum Beispiel keine Folge der Thriller-Serie 24, ohne dass nicht irgendjemand irgendwie wenigstens damit bedroht wird, irgendetwas abgeschnitten zu bekommen. Oder man denke an die erfolgreiche Filmreihe SAW. Subtiler und damit wirkungsvoller ist die Ankündigung, dass jemand verstümmelt werden könnte.

7. Suspense

Suspense ist die Vorstellung oder die Erwartung, dass etwas Schlimmes passieren kann. Zu dem Thema gibt es bereits ausführlichere Beiträge auf meinem Blog.

8. Gewitter

Schon einmal darüber gewundert, wieso es in Filmen an dramatischen Stellen so häufig regnet? Und damit ist nicht nur gemeint, das Blitz und Donner ausgerechnet dann vom Himmel zucken, wenn der Schurke fies lacht. Dieses Mittel ist zum Klischee geworden, so dass es fast nur noch parodistisch eingesetzt wird. Aber subtiler kommt es immer wieder vor. Auch im Roman wirken die Dinge einfach spannender, wenn es stürmt und kracht.

>Wie bereits angedeutet, ist gerade die Kombination mancher Zutaten effektiv. Aber wie gesagt – es gilt vorsichtig mit diesen Motiven umzugehen. Schnell ist die Suppe versalzen. Eine Szene sollte in der Regel nicht um eines dieser Elemente herum konstruiert werden (mit der Ausnahme von Suspense). Vielmehr sollte man nach dem ersten Entwurf seine Story durchgehen und sich fragen, was von diesen Dingen vielleicht einer bereits bestehenden Szene guttun könnte.

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9 Gedanken zu “8 einfache Zutaten, die garantiert die Spannung erhöhen

  1. Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Grusel und mehr Grusel wusel.
    Interessanterweise funktionieren viele Horror und Gruselklischees nur bedingt. Es müssen ziemlich viele Dinge stimmen, damit die Wirkung einsetzt.
    Einen richtig Urtirolerischen Horrorstreifen kannste knicken, schon wegen der Sprache 🐾🐱

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  2. Eine tolle Zusammenstellung, Marcus. Diese Punkte sollte jeder (Thriler)Autor in seinem Werkzeugkasten haben.
    Auf die Insekten und Krabbelviecher bin ich selbst noch gar nicht gekommen. Vielen Dank für die Anregung.

    Liebe Grüße
    Karina

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  3. Zu Punkt 5: Autor*innen mögen sich beim Schreiben über behinderte Personen darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen enstellte Bösewichte auf die Wahrnehmung von behinderten Personen im Allgemeinen haben können.
    Menschen mit Feuermalen im Gesicht, Vitiligo, nur noch zwei Fingern etc. werden schon oft genug schräg angeschaut/begafft, da braucht’s nicht auch noch durchweg „hässliche“ fiktionale Schurk*innen, denen eins die Bosheit quasi ansieht.

    Ansonsten: Jupp. Sogar von einer, die beim besten Willen keine reinen Action-Plots zusammenkriegt.

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  4. Ich habe mal gelesen, dass Drehbuchautoren tunlichst davon abgeraten wird, Szenen enzubauen, in denen es regnet. Erstens wohl, weil der Regisseur es nicht immer regnen lassen kann und echten Regen benötigen würde und zweitens, weil es mittlerweile unerträglich ist, wenn man sieht, dass es während dem finalen Kampf anfängt zu regnen. Das verzeihe ich nur Peter Jackson.

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  5. Was für eine schöne Liste. Natürlich ist jedes Klischee dazu da, für die eigenen Zwecke benutzt zu werden. Diese acht Dinge sind universelle Angstmacher, die für die meisten Menschen funktionieren. Was ich besonders angsteinflößend finde, sind alle Arten von abnormen Augen (komplett schwarz, komplett weiß) und roboterhafte, ferngesteuert wirkende Menschen (Schlafwandler, Hypnotisierte, Zombies oder so.)
    Und – lieber Kuschelflummi – die verstörendsten österreichischen Filme handeln in Tirol. Du weißt offenbar zu wenig über Tirol, um genügend Fantasie zu entwickeln, wie beängstigend Tiroler sein können….

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