Warum ich dieses Jahr am NaNoWriMo scheiterte

WarumichdiesesJahr-2Seit 2011 habe ich jeden NaNoWriMo mitgemacht, dieses Jahr sogar das Sommercamp besucht – und von Mal zu Mal habe ich es geschafft, meinen Wordcount zu steigern. Der NaNoWriMo 2014 zeigte mir nun meine Grenzen. Statt der 50.000 Wörter habe ich nur rund 45.000 geschafft. Hier eine Selbstanalyse, wie es dazu kommen konnte.

Die üblichen Verdächtigen

Dieser November war einer der härtesten, die ich je hatte. Im Vorfeld war ich lange krank gewesen. Das hat mich nicht davon abgehalten, im November noch einmal krank zu werden. Und die Familie wurde natürlich auch krank, was die häusliche Situation nicht gerade entspannte.

Mitte Oktober kam ich auf die Idee, Wasser über meinen Laptop zu gießen, just bei der Arbeit an meinen Vorbereitungen für den diesjährigen NaNoWriMo. Figuren, Exposé, Treatment waren fast fertig.

Der Laptop ging nicht mehr an und war vollkommen im Eimer. Und natürlich hatte ich kein Update, das aktuell genug war.

Bis in die erste NaNoWriMo-Woche hatte ich deswegen auch kein vernünftiges Notebook zum Schreiben – für mich sehr wichtig, da ich fast nur unterwegs und/oder zwischendurch, jedenfalls so gut wie nie am Schreibtisch schreiben kann.

Kurzum: All das waren nicht gerade unbedeutende Hindernisse, die 50.000 Wörter zu schaffen – aber so ziemlich jeder hat die  zu so ziemlich jeder Zeit. Gut, sie traten dieses Jahr bei mir arg gehäuft auf. Aber so ist das im Leben nun einmal. Ideale Bedingungen findet man nie vor. Wer darauf wartet, Zeit zum Schreiben zu haben, wartet ewig.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten hatte ich auch die anderen Jahre zu kämpfen – und habe dann meistens trotzdem weit mehr als 50.000 Wörter geschrieben. So gerne ich also diese Krankheiten und einen kaputten Laptop als Ausreden gelten lassen würde, um das Verpassen meines Schreibziels zu rechtfertigen – es kann eigentlich nicht hauptsächlich an ihnen gelegen haben.

Der wahre Grund

Der eigentliche Grund für mein Scheitern sind nicht die erschwerenden Begleitumstände. Wie gesagt, die gibt es immer. Und viele andere Autoren haben gezeigt, dass sie unter viel schwereren Bedingungen trotzdem ihre Ziele erreichen.

Stephen King z.B. schrieb Duddits nach einem schlimmen Autounfall im Krankenhausbett und konnte sich dabei kaum bewegen. Terry Pratchett ist seit Jahren schwer an Alzheimer erkrankt und kann nicht mehr tippen. Trotzdem erscheinen weitere Scheibenwelt-Romane, um nur zwei Beispiele zu nennen, die mir spontan einfallen.

Der eigentliche Grund, wieso ich den NaNoWriMo nicht erfolgreich abgeschlossen habe, ist nach intensiverem Nachdenken folgender:

Kurzzeitig hatte ich, nachdem ich mein Notebook geschrottet hatte, überlegt, ob ich noch einmal neu mit dem Planen anfange, bzw. meine Planungen aus dem Gedächtnis rekonstruiere und beende – oder ob ich halt warte, bis ich mein repariertes Notebook oder  wenigstens meine gerettete Festplatte mit den Daten rechtzeitig wiederbekomme.

Ich entschloss mich fataler Weise zu Letzterem, weil ich erstens Lust hatte, ein altes Projekt zu überarbeiten und zweitens dachte: „Ach was, die Planungen reichen aus. Das bisschen, was dir fehlt, kriegst du auch so hin und im Zweifelsfall hast du ohnehin alles im Kopf. Das wird schon klappen.“

Nach diesem November habe ich die starke Vermutung, dass diese Worte später mal meinen Grabstein zieren werden.

Meine Daten bekam ich erst nach der ersten Novemberwoche wieder. Und zu meiner Überraschung stellte ich dann fest, dass ich weit weniger von meinem NaNoWriMo-Projekt geplant hatte, als ich geglaubt hatte. Und der Rest war, wie ich dann beim Schreiben feststellen durfte, auch weit weniger gut durchdacht, als ich es gehofft hatte.

Fazit: Ich habe mich schlichtweg überschätzt. Ein Anfall von Größenwahn, weil ich im NaNoWriMo bisher nie gescheitert bin und auch schon 60.000, 70.000 und fast 80.000 Wörter in den vier Wochen geschafft hatte – trotz Krankheit, Job, Familie und was einem halt so alles passiert.

Der kaputte Laptop war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – und ich habe nur zugesehen, wie er auf das Wasser platschte, anstatt mir rechtzeitig einen Strohhalm zu greifen, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern.

Und die Moral …

Am Ende war das wahrscheinlich der lehrreichste und wichtigste NaNoWriMo für mich bisher. Ich habe gelernt, Probleme nicht zu unterschätzen und darauf zu achten, mich gründlich vorzubereiten.

Auf der Plus-Seite aller Schwierigkeiten habe ich das gute Gefühl mitgenommen, dass ich trotz allem immerhin noch 45.000 Wörter geschrieben habe. Ich habe auch an den düsteren Tagen und in finsteren Stunden noch meinen Laptop gezückt und bin am Ball geblieben, auch wenn es am Ende nur eine Handvoll Wörter waren und schon abzusehen war, dass ich keine 50.000 Wörter schaffen würde.

Advertisements

17 Gedanken zu “Warum ich dieses Jahr am NaNoWriMo scheiterte

  1. Mach dir nichts draus. Schließlich lernt man aus Fehlern.
    Außerdem ist ein geschrotteter Laptop nun wirklich nicht das alltäglichste Problem.

    Ich finde, dass das Wichtigste ist trotzdem drann zu bleiben. Schließlich hast du am Schluss noch mal richtig Gas gegeben.

    Liebe Grüße

    Martin

    Gefällt mir

  2. 45.000 Wörter in einem Monat, trotz aller Widrigkeiten… ich erblasse vor dieser Schaffenskraft!

    Hänge seit Mai an einem (meinem ersten) Manuskript, an dem ich seitdem fast TÄGLICH arbeite, und bin gerade mal bei 62.000 Wörtern. Wo nehmt ihr nur den Gedankenfluss her, der euch so produktiv schreiben lässt? Macht das bloß die Übung oder gibt es ein Geheimnis, dass dazu verhilft, sich „in einen Tunnel“ zu begeben und loszutippen, ohne nach jedem Satz innezuhalten und über den nächsten nachzusinnen? Und all den Ablenkungen zu widerstehen, die einem erst beim Schreiben einfallen und dann eben dabei immer wieder ausbremsen? Hach, Frustration.

    Danke auf jeden Fall für diesen Blog und die Einsichten in die Arbeit eines so produktiven Geistes! Habe hier schon so viele Tipps finden können, die mir in der Praxis geholfen haben.

    Gefällt mir

    • Ja, das Geheimnis, schnell zu schreiben, besteht wirklich darin, NICHT zu stark beim Schreiben die Qualität zu reflektieren oder sogar im Text zurückzugehen und zu korrigieren. Sobald man Schreiben und Überarbeiten trennt, kommt man schneller voran, was die Produktivität steigert und – zumindest meiner Erfahrung nach – den Arbeitsprozess insgesamt verkürzt.

      Gefällt mir

  3. Hut ab: Selbstüberschätzung oder Größenwahn als Grund für’s Nano-Scheitern anzugeben, ehrt dich ja, ist aber in meinen Augen für dich zu demotivierend. Du hast nun wirklich plausible Gründe angeführt, warum es nicht klappen konnte. Kann jeder verstehen. Aber klar, dass du selbst dich ganz besonders darüber ärgerst, zumal es den Nano nur einmal im Jahr gibt. Wir wissen doch, dass du nicht größenwahnsinnig bist, sonst würdest du wohl kaum diesen bodenständigen, sachkundigen Blog führen. Die Schreibdilettanten mit Axel sprechen auch für sich. 45.000 Wörter sind ein beachtliches Pfund (auch wenn das mathematisch seltsam klingen mag). Dein Ego muss einfach mal auch widrige Umstände akzeptieren und nicht nach Wegen suchen, deine Motivation in Stücke zu schlagen. Letzten Endes wirst du es doch wieder im Sommer-Camp einholen.

    Obwohl ich mich auch an einen zuvor festgelegten Handlungsverlauf entlang hangle, gefällt mir das Bild mit der Grabinschrift „Das wird schon klappen“ besser als „Hat sich zu Tode geplottet“ …

    Gefällt mir

  4. Sehr spannender Artikel, insb. weil ich dieses Jahr zum ersten Mal am NaNoWriMo teilgenommen habe. Und ich muss sagen, ich hatte zwischenzeitlich große Angst, es auch nicht zu schaffen.

    Zum Start war ich echt motiviert dabei, sogar ein kleines Polster angeschrieben. Dann kam das erste Wochenende, weg zu Freunden in eine andere Stadt gefahren, dort übernachtet. Also Samstag weg und Sonntags so übernächtigt, dass nichts gelingen wollte. Also weg war das Polster.

    Im Job war im November auch die Hölle los, gleich 3 Tage ohne Schreiben sind für eine Dienstreise draufgegangen. Ich habe bis zum letzten Tag des NaNoWriMo immer unter dem Strich gehangen.

    Was mir jedoch eigentlich das Genick gebrochen hätte war ähnlich wie bei dir die schlechte Vorbereitung. Ich habe zwar vorgeplottet aber pro Szene waren das nur 4-5 Sätze. Im Endefekt habe ich dann doch immer wieder nebenbei recherchiert, Namen ausgedacht, Szenen umgebaut und eher wie der Discovery Writer geschrieben. Uff!

    Nächstes Jahr (wobei ich aktuell noch in Frage stelle, ob ich den Stress nochmal mitmache) werde ich definitiv viel viel mehr vorplanen oder eine Geschichte wählen, die man etwas leichter runtertippen kann als ein rechercheintensives Werk im Kalten Krieg.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s