6 Gründe, wieso es nie zu spät ist, mit dem Schreiben anzufangen

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Ab wann bin ich zu alt, um noch ernsthaft eine Karriere als Autor oder Autorin beginnen zu können? Sollte ich aufgeben, wenn dreißig Jahre in Folge meine Manuskripte abgelehnt werden? Diese sechs Gründe verraten, wieso „Ach, dazu bin ich zu alt.“ keine Ausrede ist, um es nicht mit dem Schreiben und Veröffentlichen zu versuchen.

1. Wer viel erlebt hat, kann viel schreiben

Lebenserfahrung ist eine wichtige Voraussetzung zum Schreiben und auch eine Quelle für Inspirationen – auch wenn man keine Autobiografie schreiben will.

Autoren müssen wissen, wie sich Menschen verhalten und welche unterschiedlichen Charaktere es gibt. Hier ist ein intuitives Kennen wichtiger als angelesenes psychologisches Wissen.

Lebenserfahrung hilft dabei, Figuren authentischer sprechen und handeln zu lassen. Je ausgefallener desto besser. Menschen mit viel Lebenserfahrung waren an Orten, an denen die Mehrheit der Bevölkerung vielleicht nicht hinkommt und haben Dinge erlebt, die nicht unbedingt zum Erfahrungsschatz der meisten Mengen gehören.

Kurzum: Lebenserfahrung kann das Schreiben bereichern und schlägt Jugend.

2. Sprache wird mit der Zeit besser

Mit Zeit und Übung gewinnt auch das Ausdrucksvermögen. Das geschieht zum Teil automatisch und kann noch gesteigert werden, je bewusster und gezielter man daran arbeitet.

Wer viel liest – und noch mehr schreibt und bereit ist, das Geschriebene auch kritisieren zu lassen – , kann mit dem richtigen Feedback viel über seine Stärken und Schwächen lernen und sich enorm verbessern. Doch das kostet Zeit und Geduld.

3. Schreiben bedeutet lebenslanges Lernen

Autoren sind nie fertig. Es gibt immer Neues zu lernen und Möglichkeiten (und die Notwendigkeit), die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Wichtig für das Schreiben sind eine schonungslose Selbstanalyse der eigenen Fähigkeiten, das Aufdecken von Stärken und Schwäche und der Wille, ernsthaft an seinen Texten zu arbeiten.

Das Alter spielt dabei keine Rolle. Wahrscheinlich ist es für all diese Dinge sogar besser, ein wenig Lebenserfahrung zu besitzen und ein gefestigtes Selbstvertrauen zu besitzen. Denn Schreiben ist hart, Kritik kann wehtun, das Arbeiten an den eigenen Fähigkeiten mühselig und frustrierend sein.

In der Regel kann man das mit ein paar Jahren auf dem Buckel besser ab als in der Jugend.

4. Der entscheidende Faktor zum Veröffentlichen lautet Glück

Wer seit zehn, zwanzig oder dreißig Jahren regelmäßig an Agenten und Verlage seine Manuskripte sendet und nur Ablehnungen kassiert, muss keine schlechter Autor sein – vorausgesetzt, man holt sich ehrliches Feedback bei kompetenten Lesern und Kollegen und arbeitet hart und viel an seinen Fähigkeiten.

Nicht nur die Qualität der eigenen Texte entscheidet darüber, ob man veröffentlicht wird. Ein wichtiger Faktor ist schlichtweg Glück.

Vielleicht passt das Genre gerade nicht zu den Trends auf dem Buchmarkt? Keine Sorge, alles kommt früher oder später wieder. Wer einen langen Atem hat, kann so auch mit Genres erfolgreich sein, wenn der Wind sich wieder gedreht hat.

Das kann sogar zu einem großen Vorteil werden. Je mehr ich geschrieben habe, umso größer ist meine Backlist als Autor. Schaffe ich erst im fortgeschrittenen Alter den Durchbruch als Autor, habe ich vielleicht schon zehn, zwanzig oder mehr fertige Manuskripte in meiner Schublade, die plötzlich attraktiv sind.

5. Materielle Sicherheit kann ein Vorteil sein

Vom Schreiben allein können nur wenige leben. Junge Menschen haben in der Regel keine finanzielle Grundlage, um eine Autorenkarriere verfolgen zu können. Es kann ungemein beruhigend sein, die wichtigsten materiellen Bedürfnisse bereits befriedigt zu haben, um dann als zweites Standbein eine Karriere als Autor starten zu können.

6. Zum Autorendasein gehören Fähigkeiten, die mit dem Alter besser werden

Eine der wichtigsten Eigenschaften als Autor ist Geduld.

Es hilft, die Erfahrung gemacht zu haben, dass große Projekte viele kleine Schritte und tägliche Anstrengung erfordern. Wenn ich aus Erfahrung weiß, dass ich mich heute bemühen muss, um in eine paar Jahren erst die Früchte meiner Arbeit ernten zu können, ist das wichtiger, als der Enthusiasmus der Jugend, alles im Hier und Jetzt erleben und erledigen zu wollen.

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18 Gedanken zu “6 Gründe, wieso es nie zu spät ist, mit dem Schreiben anzufangen

  1. Glück haben ist wohl mit der größte Faktor. Ich hab vor vielen Jahren Sachen in die Hand bekommen, da hätte sich so mancher bekannter Autor eine Scheibe von abschneiden können. Die Sachen haben teilweise kein Glück bei der Verlagssuche gehabt oder aind später nur als Ebooks oder BoD – Bücher aufgetaucht.
    Leider hat das BoD – Buch immer noch einen relativ niedrigen Ruf.

    Weiterentwicklung ist auch wichtig. Wenn ich so sehe, was ich vor gut 15 Jahren geschrieben hatte, die Hälfte würde heute ganz anders klingen…

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  2. Lieber Marcus,
    vielen Dank für diesen Artikel und für all die Folgen der SchreibDilettanten. Ich habe Euch im Frühjahr entdeckt und damit erst die Bandbreite, was es alles an Informationen im Internet zum Schreiben gibt. Ich selbst gehe mittlerweile auf auf die Sechzig zu und immer fehlte irgendwie die Zeit zum Schreiben. Das Leben rennt. Aber ich habe dieses Jahr schon mehr geschrieben als im ganzen letzten Jahrzehnt. Übrigens kosten mich Eure Wochentipps mittlerweile ein kleines Vermögen und auch viel Zeit :). Ich habe mittlerweile alle Folgen aufgearbeitet und freue mit immer schon auf Mittwochabend, wenn es eine Neue gibt.

    Ich bin ein begeisterter Hörer/Seher der SchreibDilettanten, vielen Dank für die tolle Motivation und die vielen Tipps.
    Ich glaube in der letzten Folge sagte Du „Euer Lohn ist ein Kommentar“. Hiermit erledigt.

    Viele Grüße und bitte weiter so,

    Dirk

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  3. Ein sehr motivierender Artikel, vielen Dank! Ich bin überzeugt, dass es nie zu spät ist, mit dem Schreiben anzufangen. Und der Erfolg stellt sich ein, wenn man fest daran glaubt, nicht aufgibt und … eine Portion Glück dabei ist! 🙂

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  4. Lieber Marcus,
    ich freue mich immer auf die neuen Beiträge und sauge sie förmlich auf.
    Sie ermuntern mich, weiterzuschreiben. Manche Zweifel konnte ich schon dank eurer Beiträge beseitigen. Vielen Dank dafür. Macht bitte weiter so.
    Liebe Grüße
    Sabine

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  5. Lieber Marcus,
    dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Als ich vor knapp einem Jahr ernsthaft mit dem Schreiben begonnen habe, war ich aufgrund meines Alters (jetzt 43) voller Selbstzweifel, ob ich nicht einfach zu alt dafür bin.
    Nach einiger Recherche zu diesem Thema bin ich der Meinung: egal!
    Wenn man Lust daran hat, das Handwerk zu lernen, wie eine neue Sprache oder ein Instrument (dafür gibt es ja auch kein Limit), und gerne Geschichten ersinnt – warum denn nicht?
    Mein NaNoWriMo-Projekt beispielsweise hätte ich vor fünf Jahren nicht so schreiben können. Erstens hatte ich absolut keine Ahnung, was man dafür an Handwerk braucht. Und zweitens fließen Erfahrungen meines Lebens mit hinein, die ich damals einfach nicht besaß.
    Sollte es ein Bestseller werden, bekommst Du natürlich Bescheid 🙂
    Liebe Grüße,
    Jaelle43 / Carmen

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  6. Zu: Schreiben bedeutet lebenslanges Lernen
    Schreiben bedeutet für mich auch Gehirnjogging. Nach täglichen Besprechungen in kleinem und im größeren Rahmen, vielen Vorträgen vor unterschiedlichen Mengen an Zuhörern während des Berufslebens, bin ich in der Zeit des „Renteneintritts“ ein begeisterter Blogger geworden. Häufig beinhaltet dabei das Posten eines Beitrags eine kleine Recherche, auch dabei lerne ich. Wesentlich ist aber das Reflektieren von Erlebtem. Das Ergebnis muss dabei nicht in Hunderten von Seiten mitgeteilt werden. Manchmal reichen 100 Wörter.

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