Warum es sehr wichtig ist, beim Schreiben kleine Erfolge zu feiern

Warumessehrwichtig

Einen Roman fertigzustellen ist weniger eine Frage des Talents als des Durchhaltevermögens. Viele kleine Schritte sind dazu notwendig, tägliche Anstrengungen und vor allem die Fähigkeit, den Frust auszuhalten, sich immer und immer wieder mit den gleichen Textstellen zu beschäftigen – sei es aufgrund eigener Unzufriedenheit, dank des Feedbacks von Testlesern oder der „roten Liste“ des Lektors.

Was einen Autor wirklich ausmacht

Die wichtigste Fähigkeit, die einen erfolgreichen Autor von einem erfolglosen unterscheidet, ist daher nicht Talent, Kenntnisse über die Sprache, die Literatur oder Fachkenntnisse in einem bestimmten Sachgebiet – sondern das Vermögen, Belohnungen aufschieben und/oder sich Ziele so geschickt stecken zu können, dass kleine Schritte als Erfolge gefeiert werden können.

Schließlich ist der Grund, wieso wir gerne aufschieben, dass wir gerne kleine, schnelle Erfolge gegen mühselige Arbeit, deren Belohnung in ferner Zukunft liegt, eintauschen. Für Autoren ist Aufschieberitis um so tückischer, weil die meisten von uns zusätzlich zum Schreiben einen Job haben, zu dem man sich auch noch motivieren muss. Diese doppelte Anstrengung ist für viele nur schwer zu meistern.

Eine Frage der Gewohnheit und der Perspektive

Das kann trotzdem gelingen, wenn man es sich zur Gewohnheit macht, eben auch die kleinen Erfolge zu feiern. Hier ist es oft eine Frage der Perspektive, was ich schon als Grund zum Feiern sehe oder nicht. Häufig erwächst Frust daher, dass man selbstgesteckte Ziele verfehlt.

Du hast dir vorgenommen, heute zwei Stunden zu schreiben, hast aber die meiste Zeit auf Facebook verbracht und am Ende nicht einmal eine Viertelstunde am Romanmanuskript gearbeitet? Okay, das ist verbesserungswürdig. Aber immer noch eine Viertelstunde mehr als nichts.

Die Kunst dabei, sich auf diese Weise selbst zu motivieren, besteht darin, sich einerseits nicht unbedingt mit dem Erreichten zufrieden zu geben (denn auf Dauer ist eine Viertelstunde wirklich verflixt wenig), aber trotzdem nicht in Sack und Asche zu gehen, so nach dem Motto: Jetzt habe ich mein Ziel, zwei Stunden zu schreiben, verpasst. Dann lasse ich es ganz.

Hier ein paar Ideen, welche kleinen Erfolge du beim Romanschreiben feiern kannst:

  • Das Fertigstellen der Figurenbiografie des Helden/Schurken usw.
  • Das Beenden einer Kapitelübersicht.
  • Das Finden einer entscheidenden Idee, die die Handlung rund macht.
  • Der Entschluss, am NaNoWriMo teilzunehmen.
  • Der Mut, sich anderen gegenüber als Autor zu outen.
  • Das Beenden der Recherche.
  • Der Abschluss einer Szene.
  • Den Mut zu finden, sich bei einer Agentur zu bewerben.
  • Das Fertigstellen des Exposés.

Du siehst, worauf die Sache hinausläuft. Die Methode besteht darin, eine große Aufgabe in viele kleine Teilziele zu zerlegen, deren Erreichen ich möglichst täglich feiern kann.

Wie du dich selbst belohnst, hängt natürlich von deinen Vorlieben ab. Hier ein paar Ideen:

  • Du gestattest dir eine Folge deiner Lieblingsserie.
  • Du unternimmst einen Spaziergang.
  • Du kaufst dir das Buch, dass du schon immer lesen wolltest.
  • Du triffst dich mit Freunden oder – besser – befreundeten Autoren, um mit ihnen anzustoßen.
  • Ein ausgedehntes Bad (mit deinem Lieblingsbuch).
  • Und, ja, Süßigkeiten helfen auch.

Je anstrengender die Aufgabe, je mehr du dich überwinden musst, desto größer sollte die Belohnung ausfallen.

Advertisements

6 Gedanken zu “Warum es sehr wichtig ist, beim Schreiben kleine Erfolge zu feiern

  1. Übrigens bezieht sich das nicht nur aufs Schreiben, sich kleinere Zielen zu setzen, ist generell hilfreich. Dann hält man länger durch.

    „Du triefst dich mit Freunden“ ist schon fast lustig. Fröhlicher Gemeinschaftsschnupfen!

    Gefällt mir

  2. Hat dies auf LeseWorte rebloggt und kommentierte:
    Eine Besteller-Autorin hat mal zu mir gesagt: „Man muss seinen inneren Autoren-Schweinehund überwinden und es fallen einem oft 1000 Sachen ein, die man machen muss/müsste. Der Haushalt kann warten, der Rückruf eines Freundes zum Quatschen und die vielen anderen Dinge, die einen vom Schreiben abhalten… ABER: wenn Du Dir vornimmst, JEDEN Tag mindestens 10 Minuten zu schreiben, ist das schon ein großer Erfolg und konsequent durchgeführt ein tolles Erfolgserlebnis.“ (Anmerkung: 10 Minuten klingt wenig. Aber konsequent durchgezogen jeden (!) Tag 10 Minuten, ist mehr als viele Autoren schaffen, die noch einen Brot-Job neben dem Schreiben haben. :-))

    Gefällt mir

  3. Hat dies auf Sandra-Maria Erdmann rebloggt und kommentierte:
    Dieser Artikel von Marcus Johanus ist die ultimative Motivation für alle, die der schreibenden Zunft angehören und alle diejenigen, die auch wie ich leider viel zu oft, nur das Große & Ganze als Erfolg, die kleinen Ergebnisse dagegen als Versagen erachten. Kopf hoch!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s