4 Dinge, die jeder Autor von Märchen lernen kann

VierDingediejeder-2Die meisten von uns sind mit Märchen aufgewachsen. Wir haben sie als Kinder vorgelesen bekommen, sie in unzähligen Varianten im Kino oder im Fernsehen gebannt verfolgt, im Unterricht behandelt und nicht zuletzt in vielen anderen Geschichten in versteckter Form erlebt, ohne es vielleicht zu merken (wie z.B. in Star Wars).

Deswegen sind Märchen für Autoren – ganz gleich welchen Genres – immer einen Blick Wert, um von ihnen zu lernen. Hier vier Dinge, die man meiner Ansicht nach vor allem aus Märchen gewinnen kann:

1. Starke und archetypische Hauptfiguren

In jedem Märchen gibt es eine Hauptfigur, die einen wesentlichen Charakterzug besitzt und beim Leser Sympathien weckt. Mehr noch: Plot und Hauptfigur sind praktisch eins. Alles dreht sich in der Regel ganz um zentrale Eigenschaften des Helden oder der Heldin.

Hinzu kommt, dass eine wichtige psychische Eigenart und/oder Unart das Interesse des Lesers bannt. Wie lernen in Märchen viel darüber, wohin uns Gier, Eitelkeit oder Gefallsucht führen können. Aber auch, welches Verhalten erstrebenswert ist. Im Guten wie im Schlechten werden so grundlegende und zeitlose Charaktereigenschaften entfaltet, dass wir uns in ihnen wiederfinden können.

2. Teuflische Schurken

Hexen, böse Königinnen, Zauberer und Drachen bevölkern Märchen nicht von ungefähr. Sie alle stellen personifizierte, negative Dinge dar, wie Urängste und Naturkatastrophen oder grundlegende, vernichtende persönliche Eigenschaften.

Fast kein Märchen kommt ohne einen wirklich teuflischen Schurken aus, den wir als Leser verachten und fürchten können – gleichzeitig aber auch irgendwie verstehen.

3. Außergewöhnliche Settings

Nahezu jedes Märchen beginnt damit, dass die Hauptfigur das elterliche Hause verlässt, aus der heimischen Burg verbannt oder auf Reisen geschickt wird.

Die spannenden Dinge geschehen immer dort, wo man sich nicht auskennt, wo es geheimnisvoll und exotisch ist – nicht selten im Wald, fernen Ländern oder anderen Gegenden, die unserem Alltag fern sind.

Und wenn eine Geschichte mal in einer einfachen Kleinstadt spielt, dann bekommt sie durch einen außergewöhnlichen Kniff einen Hauch von Exotik.

4. Spannungsaufbau

Märchen sind klassischer Weise dreigeteilt. Im ersten Akt wird die Alltagswelt der Hauptfigur eingeführt. Meistens ist dieser Teil sehr kurz. Im zweiten erfolgt die Entwicklung des Konflikts inklusive einer überraschenden Wendung auf dem Höhepunkt der Spannung. Im dritten Teil werden die Konsequenzen der Konfliktlösung beschrieben. Auch dieser Teil ist meisten kurz.

Aber die Zahl drei spielt noch eine weitere wichtige Rolle in den Märchen. Sie ist tief in unserem Unbewussten als wichtige Zahl verankert. Viele Religionen kennen eine Form der Dreifaltigkeit. Die heiligen drei Könige haben Jesus aufgesucht und am dritten Tage ist er auferstanden.

Im Märchen gibt es meistens drei Prüfungen zu bestehen, hat jemand drei Wünsche frei oder es funktionieren manche Dinge erst beim dritten Versuch.

Wir sind auf die Zahl drei konditioniert und verwenden sie deswegen häufig unbewusst auch in alltäglichen Situationen, wenn wir z.B. Vorträge strukturieren und dabei die drei wichtigsten Dinge eines Themenkomplexes herausstellen usw.

Aus diesen Gründen bietet es sich an, auch beim Romanschreiben die Zahl drei zu beachten. Sei es, indem man eine Plotstruktur in drei Akten wählt, das magische Beziehungsdreieck verwendet und/oder drei Trial-Fail-Cycles verwendet, bis die Hauptfigur den Konflikt lösen kann.

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8 Antworten auf “4 Dinge, die jeder Autor von Märchen lernen kann”

  1. Lieber Marcus, jetzt muss ich dir einfach mal sagen, wie außergwöhnlich gut ich deinen Blog finde. Es gibt rund ums Schreiben ja vieles, was man sich im Internet ansehen kann, aber dein Blog bietet jedes Mal fundiertes Wissen, etwas Neues, was ich noch nicht kannte und ist sehr gut strukturiert und liebevoll bis ins Detail aufgebaut. Ich warte jede Woche gespannt, was es Neues gibt. Und das, obwohl ich passionierter Discovery-Writer bin. Vielen Dank für den Spaß, den ich jede Woche habe. Und viel Erfolg beim Nano! Lb. Grüße Agga

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    1. Ich kann hier Agga Kastell vollkommen zustimmen. Ich freue mich jeden Samstag auf den neuen Artikel. Deine Artikel regen zum Nachdenken an und geben mir nicht häufig Ideen, mit denen ich Probleme im aktuellen Projekt beseitigen kann.
      Danke dafür.

      P.S. Ich sollte jetzt weiterschreiben, dennder NaNo ist wirklich schön und grausam zugleich – Wenn man seinen Wordcount noch nicht erreicht hat, blinkt einem voller Zorn der Fortschrittsbalken entgegen, der noch gefüllt werden muss. In diesem Sinne: Frohes Schaffen an alle NaNos.

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    2. Vielen, vielen Dank, Agga. Das Lob freut mich natürlich sehr und den Ansporn für den NaNoWriMo kann ich gut gebrauchen. Freut mich auch sehr zu erfahren, dass mein Blog einem Discovery Writer was bringt.

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