11 Dinge, die einen Autor als Anfänger entlarven

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Die folgenden Dinge führen dazu, einen Text schnell wieder ins Ausgangsfach eines Agenten oder Lektors wandern zu lassen:

1. Angeberische Sprache

Es ist keine gute Idee, mit der Sprache zeigen zu wollen, wie gebildet man als Autor ist. Umberto Eco verdient vielleicht damit seinen Lebensunterhalt. Bei den meisten von uns wird das aber nicht funktionieren. Jedes Kapitel mit lateinischen Text zu beginnen oder clevere Zitate aus der Literatur seinen Kapitel voranzustellen, macht einen Text nicht besser.

2. Perspektivfehler

Die Perspektive zu wahren ist keine leichte Übung. Trotzdem gilt es, sie zu meistern, wenn man veröffentlicht werden will. Denn Perspektivfehler führen dazu, dass der Leser den Überblick verliert.

3. Infodump

Über Infodump habe ich vor nicht allzu langer Zeit hier eine eigenen Beitrag verfasst.

4. Alltägliche Szenen und langweilige Dialoge

Unser Alltag besteht aus Smalltalk und Routine. Das ist auch ganz gut so.

Im Roman nicht.

Niemand möchte dem Helden dabei über die Schulter schauen, wie er Brötchen kauft. Oft hat man das Gefühl, etwas Alltägliches schreiben zu müssen, z.B. damit der Roman realistischer wirkt oder erklärt wird, wie die Hauptfigur von A nach B gelangt. Meistens sollte man dieser Versuchung widerstehen.

5. Zu viele und/oder die falschen Redebegleitsätze

Den richtigen Redebegleitsatz zu schreiben, erfordert viel Fingerspitzengefühl.

6. Die Alter-Ego-Falle

Es heißt ja: „Schreibe über das, was du kennst.“ Deswegen gibt es wahrscheinlich so viele Romane, in denen die Hauptfiguren Schriftsteller sind. Die Gefahr, sich selbst als Hauptfigur in den Roman zu schreiben, ist dabei ziemlich groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein eher langweiliger Roman herauskommt, der nur für den Autor selbst spannend ist, ist hoch.

7. Unpräzise Wortwahl, Grammatik-, Zeichen- und Rechtschreibfehler

Kein Text ist perfekt. Auch Verlage und Agenten wissen das. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Flüchtigkeitsfehlern und schluderigen Texten. Nur weil später noch ein Lektor über den Text guckt, ist das keine Ausrede dafür, sich keine Mühe mit der Sprache zu geben.

8. Abgegriffene Anfänge

Wenn man Krimis oder Thriller schreiben will, ist man versucht, besonders spektakuläre Einstiege für seinen Roman zu wählen. Schade, wenn dieser dann nicht originell und speziell auf die Geschichte und die Hauptfigur (oder den Schurken) zugeschnitten ist, sondern austauschbar und schon tausendmal dagewesen.

Mit einer Verfolgungsjagd anzufangen ist für James-Bond-Filme vielleicht ganz nett. Lockt aber auch dort niemanden mehr hinterm Ofen hervor.

Das Gleiche gilt für das Erwachen ohne Gedächtnis.

Oder für Anfänge wie: „Mein Name ist …“.

Noch schlimmer: eine Spiegelszene, in der die Hauptfigur sich selbst sieht und anfängt, sich zu beschreiben: „Meine Güte, sahen meine blonden, halb langen Haare an diesem Morgen aber strubbelig aus. Ganz zu schweigen von den dunkeln Ringen unter meinen stahlblauen Augen …“.

Eine ganz schlechte Idee sind auch Traumszenen. Erstens ist das nicht so originell wie man vielleicht denkt. Und zweitens sind Traumszenen in der Regel surreal und haben nicht unmittelbar etwas mit der folgenden Handlung zu tun. Es könnte also sein, dass Agenten und Lektoren einen vollkommen falschen Eindruck vom Roman bekommen.

9. Geschwafel

Im richtigen Leben neigen die meisten Menschen dazu, das Gleiche mehrfach zu sagen oder das Offensichtliche festzustellen. Wir wollen sichergehen, dass unser gegenüber auch wirklich verstanden hat, was wir sagen wollen:

„Du darfst bei Rot nicht über die Straße gehen. Das ist verboten. Niemals darfst du das tun! Hast du das verstanden? Und wenn ich nie sage, dann meine ich nie. Ohne Ausnahmen. Ist das klar? Ich habe dich gefragt, ob das klar ist. Es ist mir wichtig, dass du das verstehst.“

Im Roman kann man aus so einer Aussage locker einen Satz machen – und der Leser hat alles mitbekommen, was er wissen muss.

10. unprofessionelles Anschreiben

Hier gilt es, auf zu viele Informationen zu verzichten, aber auch nicht Wichtiges wegzulassen. Komplette Lebensläufe interessieren niemanden. Wichtiger ist die Frage: Warum hat der Autor ausgerechnet diesen Roman geschrieben? Was qualifiziert ihn? Und noch wichtiger: Was hat er bisher veröffentlicht, wie und wo?

Ein kurzer – sehr, sehr kurzer – Pitch sollte im Anschreiben noch enthalten sein. Mehr muss nicht drinstehen. Auf keinen Fall darf das Schreiben länger als eine Seite sein.

Es empfiehlt sich auch, auf ausgefallene Schrifttypen, buntes Papier, lustige Sticker und/oder Parfum zu verzichten. Mit dem Anschreiben muss ein Autor unter Beweis stellen, dass er ein Profi ist. Selbstgemalte Herzchen auf dem Briefumschlag sind nicht professionell.

11. Das falsche Exposé

Das Schreiben von Exposés muss genauso gelernt werden wie das Schreiben von Romanen und ist mindestens genauso wichtig. Dazu gehört auch, dass ich mich als Autor erkundige, wie das Exposé für die Agentur, an die ich mein Manuskript schicke, beschaffen sein muss. Hier gibt es immer wieder spezielle Unterschiede.

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35 Gedanken zu “11 Dinge, die einen Autor als Anfänger entlarven

  1. Zu 1: Ich würde es nicht so radikal aburteilen. Manchmal kann ein gewisser Wortschatz auch die Figur charakterisieren.
    Gegen die Zitate am Anfang habe ich nichts, nur lese ich sie meistens nicht. Oder ich lese sie erst im Nachhinein.

    Ich bin auch kein Freund von Schriftstellern als Hauptfiguren. Das ist nur in Ausnahmefällen spannend.

    at Melanie Waldhardt: Wahrscheinlich liegt es daran, dass die meisten Schreibanfänger durch die Regeln nichts mehr wagen, was dagegen verstößt. Ihnen fehlt der Mut, mal was auszuprobieren. Vielleicht sollte man die Regeln als Trampolin sehen. Oder als Gerüst?

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    • Ich bin auch eine Schwaflerin, und ich habe mich lange selbst dafür kasteit. Der Versuch, das Schwafeln gänzlich zu unterbinden, führte dazu, dass ich beim Schreiben total blockiert war.
      Heute handhabe ich es so: Das ausführliche, oft adjektivverseuchte, blumige Geschwafel ist wie ein kleines Brainstorming während des Schreibens. Es hilft mir, mich intensiv in die Szene einzufühlen und sie mir detailiert auszumalen. Beim Überarbeiten schäle ich dann aus dem Wust heraus, was wirklich wichtig ist.

      Mir selbst die Erlaubnis zu erteilen, all die wundervollen Details erst einmal aufzuschreiben und später wieder zu streichen, fällt mir viel leichter, als zu versuchen, sie von Anfang an zu unterbinden.

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  2. Ich denke, so eiune Traumszene kann auch einen vorgeschmack auf das Kommende geben. Kommt ja immer darauf an, was für eine Story man schreibt…
    Was Punkt 1 angeht, da muss ich „anonym“ etwas unterstützen. Wenn ich mich in „höheren Kreisen“ bewege, dann muss auch die Sprachwahl dazu passen. Man sollte ich schon im Klaren sein, was man letztendlich will… irgendwo mittendrin wechseln wäre natürlich fatal.

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  3. Hat dies auf Wortreigen rebloggt und kommentierte:
    Am besten erkenne ich die Fehler beim Schreiben, indem ich Bekannte auch daran teilhaben lasse. Da wird mir meist schnell klar, ob das, was ich über das Selbstgeschriebene halte, auch mit den Rückmeldungen zusammen trifft. Das ist eigentlich ganz oft der Fall!

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    • Nein, nein, Jutta, das liegt nur daran, dass ich diese ganzen Fehler anfangs gemacht habe und mich deswegen so gut auskenne. So sehr unterscheiden wir uns alle in solchen Dingen dann halt doch nicht.

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  4. Hat dies auf Dr Tinu vo Heimbärg rebloggt und kommentierte:
    Marcus Johanus beweist mit seinen Analysen immer wieder seine messerscharfe Urteilsfähigkeit. Ich bin froh um diese 11 Dinge, die einen Autoren als Anfänger entlarven. Obwohl das kein Verbrechen ist… 🙂

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  5. Eine interessante Liste – vielen Dank für die Präsentation.
    Seit ich mich in Bloggerwelten bewege fällt mir auf, dass in Ihrer Liste die Punkte 2, 4, 5, 7 und 9 mich bei vielen Blogs schnell weiterklicken lassen. Und dies obwohl es sich um interessante Themen handelt, jedoch ungeniessbar in einem Silbenwortsatzgewebe verwurstelt ist.
    In Ihren hilfreichen Beiträgen fallen mir häufige Wertungen auf hinsichtlich dessen, was man besser macht oder besser lässt. Ich könnte mir vorstellen, dass es für nicht wenige Leser hilfreich sein könnte, darauf hinzuweisen, dass auch Schreibstile Moden unterworfen sind. Was heute in ist, wird morgen eventuell schon als abgedroschen empfunden und was vorgestern altbacken ankam, ist heute retro und in.

    Ich lese gerne in Ihrem Blog und sende abenddruhige Grüsse aus dem herbstlichen Bembelland – Herr Ärmel

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  6. Ich sitze gerade an der Überarbeitung der Perspektive. Als ich den Roman angefangen habe, hatte ich davon noch reichlich wenig Ahnung, habe es also eher nach Gefühl gemacht. Deswegen mein Rat: Lieber früher informieren und lernen. Es ist im Prinzip gar nicht schwer, aber ich musste jetzt meiner Korrektur einen ganzen Arbeitsschritt dafür hinzufügen.

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  7. also, zu Punkt 8: ich glaub es gibt schon so verdammt viel auf der Welt, dass es egal ist welchen Anfang jemand für sein Buch verwendet. Wenn es eine Verfolgungsjagd sein soll, dann soll es so sein. Es kommt ja auch immer drauf an was für ein Genre dieser Roman haben soll. Wenns passt dann passts. Und die Traumsequenzen: auch Martin Suter hat hat genug surreales in seinen Büchern wo es vielleicht nicht immer passt, dem sagt keiner was. Wieso sollte man keine Traumsequenzen einbauen?
    Ich glaube beim kreativen Schreiben ist nichts falsch und, solche dinge entlarven einen Autor nicht als Amateur.
    Genausowenig wie Punkt 1: wenns passt, dann passts. Und man merkt beim Lesen ohnehin ob das ganze gezwungen wirkt oder nicht.
    Lässt sich meiner Meinung nach nicht verallgemeinern.
    Die Punkte 11, 10, 7 und 2 lassen sich erlernen, und müssen ja auch gelernt werden, denn die betreffen konkret das Business mit dem Verlag. Der Rest ist Geschmacksache und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. (oder betrifft diese Aussage jetzt von mir die Punkte 9 und 8)?

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    • Natürlich gibt es keine Schreibpolizei, die einem Autor bestimmte Dinge verbietet. Verfolgungsjagden und Traumszenen zu Beginn eines Manuskripts beispielsweise sind nur Dinge, die – so weit ich weiß – die meisten Verlagslektoren und Agenten ein Manuskript sehr schnell in den Postausgang wandern lassen. Wenn man breit dazu ist, dieses Risiko einzugehen, kann man so was natürlich machen.

      Klar, dass jemand wie Martin Suter Freiheiten genießt. Es gibt auch andere Erstlingsautoren, die mit einigen Dingen druchkommen, weil sie z.B. einfach Beziehungen haben und Lektoren das Manuskript vorab bereits kennen. Für diese gelten einfach andere Bedingungen als für Erstlingsautoren, die keine persönlichen Kontakte ins Verlagswesen haben.

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