3 Tipps, mit denen Flashbacks gelingen

3Tippsmitdenen

Flashbacks – also Rückblicke auf Dinge, die vor der aktuellen Romanhandlung geschehen sind – gehören zu einem der schwierigsten Mittel, die man in einem Roman verwenden kann. Es ist immer heikel, die Haupthandlung zu durchbrechen und  somit den Lesefluss zu stören. Mit den folgenden drei Tipps kann es trotzdem gelingen.

1. Der Flashback muss vollwertig zur Spannung beitragen

Der Flashback muss – genauso wie jedes andere Element des Romans – auf den Ebenen Figuren, Plot und Setting funktionieren.

Erfährt der Leser in ihm etwas Wichtiges über die Figuren des Romans? Treibt er die Handlung voran? Trägt er dazu bei, das Setting zu transportieren und/oder von einem anderen, wichtigen Blickwinkel zu betrachten?

Und nicht zuletzt: Findet in dem Flashback etwas statt, das dazu dient, die Prämisse zu beweisen?

Finde ich auf all diese Fragen befriedigende Antworten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Flashback funktioniert.

Es gibt weitere Fragen, mit denen ich herausfinden kann, ob ein Flashback auch wirklich seine Berechtigung hat:

  • Reiche ich nur Informationen nach, die ich auch in der Haupthandlung unterbringen kann?
  • Benutzte ich den Flashback, um mir selbst als Autor über ein bestimmtes Detail aus der Hintergrundgeschichte und/oder einer Figur Informationen zu verschaffen?
  • Ist der Flashback einfach nur schön für mich, trägt aber nicht wesentlich zum Plot bei?

Lautet auf eine der Fragen die Antwort „ja“, sollte ich den Flashback spätestens bei der ersten Überarbeitung streichen.

2. Der Flashback muss zur Spannung beitragen und in sich spannend sein

Die Schwierigkeit beim Flashback besteht vor allem darin, einerseits spannend und andererseits aber nicht spannender als die Haupthandlung zu sein. Ein schwieriger Balanceakt, der viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Trotz des Flashbacks darf der Spannungsbogen des gesamten Romans nicht abflachen. Stimmt die Scene-Sequel-Struktur? Wird vor dem Flashback eine bedeutende Frage aufgeworfen, zu deren Beantwortung er auch beiträgt?

Ist der Flashback nur in sich spannend und hat zu wenig mit der Haupthandlung zu tun – dann besteht die große Gefahr, den Leser zu irritieren.

Ideal ist es natürlich, wenn reguläre Romanhandlung und Flashbacks dazu beitragen, die Spannung insgesamt zu steigern. Das kann z.B. dadurch erreicht werden, dass der Informationsfluss auf beiden Zeitebenen parallel geplant wird.

3. Der Leser darf trotz Flashbacks nicht die Orientierung verlieren

Wie wird dem Leser deutlich, dass es sich um einen Flashback handelt? Immerhin ist ein Flashback ein tiefer Einschnitt in die Romanhandlung. Da darf es zu keinen Zweifel geben, auf welcher Zeitebene etwas geschieht.

Flashbacks können folgendermaßen eingebracht werden:

  • eigene Kapitel
  • eigene Szenen
  • Erzählungen/Träume/Berichte usw.

Jeder dieser Wege, auf Vergangenes zurück zu blicken, birgt Vor- und Nachteile. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht von alleine funktionieren. Der Leser braucht ohne weiter Hilfe mindestens ein paar Sätze, bis er begreift, dass die Zeitlinie durchbrochen wurde.

Manche Autoren versuchen dies einfach durch Kapitelüberschriften, wie z.B. „Zwei Jahre zuvor“ zu lösen. Das funktioniert und ist besser als nichts. Ich zumindest als Lesers achte allerding auf solche Kapitelüberschriften selten. Demzufolge erwarte ich, dass mir im Text sofort bewusst wird, dass etwas anderes beginnt.

Subtiler und wirkungsvoller ist beispielsweise das Verwenden von Anachronismen, die sofort deutlich machen, dass die Zeitebene gewechselt wurde. Wenn in einem Roman in der Gegenwart plötzlich eine Droschke über das Kopfsteinpflaster rattert, ist das ein Signal, dass die Zeitebene gewechselt wurde.

Auch im Dialog lassen sich Flashbacks gut unterbringen. Hier kann man ruhig explizit werden: „Kennst du die Geschichte, wie mir mein Vater den Säbel vermacht hat, der über dem Kamin hängt? Nein? Dann hör gut zu …“

Eine weitere Möglichkeit ist auch das Wechseln des Tempus. Kommt es im Roman zu vielen Flashbacks, könnten zum Beispiel die Haupthandlung in der Gegenwart und die Flashbacks in der Vergangenheit erzählt werden.

Advertisements

7 Gedanken zu “3 Tipps, mit denen Flashbacks gelingen

  1. Hallo Marcus.

    Schöner Beitrag – allerdings generalisierst Du mir etwas zu viel.

    Denn Romane sind facettenreich – bedeutet: Es gibt nicht *den* Roman, sondern eine Diversität, die auch welche umfasst, die eine Vielzahl an rückblickenden Ausführungen beinhalten – und dennoch angenehm zu lesen sind. Natürlich sind solche Romane fordernder, verlangen die Konzentration des Lesers.

    Gruß

    Walter

    Gefällt mir

  2. Im Dialog einbauen kann natürlich recht lang werden.
    Das mit den Überschriften hatte ich auch schon mal gesehen. Ich denke, ein neuer Absatz könnte das auch transportieren. Vielleicht im Stile von „…und X dachte zurück an das Ereignis vor 35 Jahren…“

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s