Spannendere Thriller und Krimis mit dem MacGuffin schreiben

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Alfred Hitchcocks berühmter MacGuffin ist ein zweischneidiges Mittel, um Spannung zu erzeugen. Einerseits kann er sehr wirkungsvoll sein, andererseits besteht die Gefahr, den Leser zu vergraulen. Richtig angewendet kann er als Basis für einen extrem spannenden Thriller oder Krimi dienen.

1. Was genau ist ein MacGuffin?

Mit MacGuffin beschreibt Hitchcock das Motiv eines Romans (gut, in seinem Fall Drehbuchs), das den Plot vorantreibt, ja, sogar in dessen Zentrum stehen kann, selbst aber von untergeordnetem Interesse ist und deswegen auch kaum erläutert wird.

Der MacGuffin ist sozusagen eine Art Black Box der Handlung.

Berühmte MacGuffins aus Film und Fernsehen sind beispielsweise die Insel in LOST oder der Koffer in Pulp Fiction. Vorsicht Spoiler: Stephen King geht in seinem Krimi „Colorado Mit“ sogar so weit, den Mörder zum MacGuffin zu machen, ähnlich wie es Frost und Lynch in der Fernsehserie Twin Peaks versucht haben.

Auch Figuren können also MacGuffins sein. Das kommt nur seltener vor, was daran liegt, dass Leser und Zuschauer im Allgemeinen doch gerne etwas über die Figuren, die die Handlung prägen, erfahren und weniger akzeptieren, dass deren Hintergründe im Dunkeln bleiben.

Gemeinsam ist jedem MacGuffin, dass er einerseits halt eine große Rolle in der Handlung spielt, andererseits aber nicht weiter erläutert wird.

2. Wie wirkt ein MacGuffin?

Schön und gut – aber wieso funktioniert ein MacGuffin eigentlich? Immerhin sind Leser ja neugierige Menschen und wollen über die Dinge, die sie lesen, mehr erfahren. Sonst würden sie nicht lesen. Oberflächliche Unterhaltung bieten Film und Fernsehen genug.

Auch für mich als Romanautor verstößt ein MacGuffin im Prinzip gegen die Grundlagen des Romanschreibens, denn eigentlich sollte ich als Autor ja ordentlich recherchieren und mich mit den Details meines Projektes auskennen.

Tatsächlich ist es auch so, dass manche Leser auf MacGuffins allergisch reagieren. Sie wollen alles ganz genau ergründen und fühlen sich getäuscht, wenn zentrale Geheimnisse des Plots nicht gelöst und/oder wichtige Informationen vorenthalten werden.

Nun ja, man kann es nicht alle recht machen.

Aber auch für alle anderen Leser muss eine Geschichte mit einem MacGuffin gut konstruiert sein, damit sie funktioniert. Der entscheidende Punkt ist, dass die Handlung, die der MacGuffin auslöst, so interessant ist, dass das Interesse an ihm selbst in den Hintergrund gerät.

Nicht umsonst hat Hitchcock einen großen Schwerpunkt auf Gefühle gelegt. Alle seine Thriller sind im Prinzip melodramatische Liebesgeschichten, zumeist gewürzt mit spritzigen Dialogen und Humor. Es gibt also genügend andere Faktoren, die seine Geschichten aufregend machen, so dass der MacGuffin im Hintergrund bleiben kann.

3. Wie setze ich einen MacGuffin  am effektivsten ein, um Thriller und Krimis zu schreiben?

Ein MacGuffin darf keine Ausrede für schlechte Vorbereitung sein – und sollte es auch nicht. Manche MacGuffins, wie beispielsweise die 40.000 Dollar in Hitchcocks Psycho, erfordern keine Recherchearbeit. Dann bin ich aus dem Schneider. Andere hingegen schon.

Der Leser wird schnell merken, ob ein MacGuffin eine Ausrede für schlechte Recherche ist oder ob er nur deswegen im Hintergrund bleibt, weil andere Elemente des Plots spannender sind. Niemand will einen Roman über die Grundlagen der Astronomie lesen. Aber einen Thriller, in dem ein Astronom ermordet wird, weil er ein astronomisches Geheimnis von großer Tragweite entdeckt hat, schon eher.

Kenne ich mich nun als Autor gar nicht mit Astronomie aus, werden mir auch manche Details im Roman misslingen. Welche Ausbildung genau hat das Opfer genossen? Wo arbeitet es? Woran forscht es? Wie sieht sein Alltag aus usw. Obwohl alle diese Dinge keine zentrale Rolle spielen werden, muss ich trotzdem darüber Bescheid wissen.

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4 Antworten auf “Spannendere Thriller und Krimis mit dem MacGuffin schreiben”

  1. Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Ein guter Tipp. Ich möchte aber hinzufügen, dass eine Blackbox nicht eine Blackbox bleiben muss *zwinker* Was spricht dagegen die Box in einer Fortsetzung zu entschwärzen? Das ist dann oftmals das „Das kenn ich doch, war das nicht im Vorgänger schon?“ Erlebnis.
    Das BlackBoxen keine Ausrede für mangelnde Recherche ist, wissen wir aber nun auch :3

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  2. Warum will niemand ein Roman über die Grundlagen der Astronomie lesen? Wenn es gut gemacht ist, warum nicht. Ohne Zweifel erfordert es mehr Gehirnschmalz.

    Wenn man es gut macht, dann sind auch MacGuffins möglich.

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  3. Das ist ein spannendes und schwieriges Thema! Da im Artikel Filme und Kriminalromane erwähnt werden, ist eine Frage vielleicht auch, ob Anwendung und Wirkung des Stilmittels in den beiden Künsten unterschiedlich gut einsetzbar sind.

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    1. Vollkommen richtige Bemerkung. Der MacGuffin ist natürlich in allererster Linie ein filmisches Mittel, bzw. etwas, das sich im Film einfach besser macht, da das Medium nicht so in die Tiefe geht.

      Trotzdem denke ich, dass man als Autor von Filmen durchaus lernen kann und auch muss.

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