3 Tipps für spannendere Dialoge

3Tippsfrspannendere Wie ich Dialoge formal so gestalte, dass sie beim Leser eine größere Wirkung entfalten können, habe ich in dem Artikel Wie Dialoge besser werden dargestellt. Inhaltlich kann es schon schwieriger werden, jeden Dialog spannend zu schreiben. Manchmal gilt es ja auch, Figuren in ihrer Alltagswelt zu zeigen, ohne dass welterschütternde Ereignisse das Geschehen beherrschen. Diese drei Tipps helfen mir dabei, auch solche Dialoge aufzupeppen. 1. Maximalkapazität Maximialkapazität ist ein Begriff, den ich bei James N. Frey gelernt habe. Hinter ihm steckt die Frage, ob die an einer Szene oder einem Dialog beteiligten Figuren auch tatsächlich Funken sprühen oder nicht – soll heißen: Reize ich als Autor auch wirklich alle Möglichkeiten aus, um die Figuren so schillernd wie möglich darzustellen? Nehmen wir zum Beispiel eine typische Alltagsszene aus einem Jugendbuch. Die jugendliche Heldin ist auf dem Weg zur Schule und geht an der Küche vorbei, in der ihre Mutter sitzt: „Warum hast du es denn so eilig?“ „Schon mal auf die Uhr geguckt? Ich komm zu spät!“ „Ich hab dir schon hundertmal gesagt, dass du früher aufstehen musst. Du gehst mir nicht ohne Frühstück aus dem Haus!“ „Mama! Ich krieg Ärger.“ Bis hierhin zwar konfliktträchtig, aber auch nicht gerade so spannend, dass ich mir die Nägel abkaue. Die Figuren handeln noch nicht auf ihrer Maximalkapazität. Ich zumindest bin in meinem Alltag darum bemüht, Konflikte zu vermeiden oder konstruktiv zu lösen. Für spannende Dialoge im Roman tödlich. Unsere Figuren müssen also voll in den Konflikt einsteigen und alle ihre Möglichkeiten ausreizen, sich zu behaupten. Um die Sache interessanter zu machen, muss ich also meine innere Handbremse lösen und die Figuren voll ausreizen. „Das ist mir egal. Du setzt dich jetzt gefälligst hin und isst was!“ „Bist du schon schwerhörig, du alte Schachtel? Ich muss los!“ „Du verzogene Göre. Tu gefälligst, was ich dir sage!“ „So? Seit wann? Gleich bin ich weg. Und dann lasse ich dich allein mit deinem scheißlangweiligen Leben.“ 2. unerwartete Wendungen Unerwartete Wendungen sind gerade in Alltagssituationen besonders effektiv. Denn je Alltäglicher etwas ist, desto überraschender und wirkungsvoller ist die Wendung. „Jetzt hast du noch eine große Klappe. Aber du weißt, dass du großen Ärger bekommst, wenn Papa erfährt, dass ich dich ohne Frühstück aus dem Haus gehen lasse.“ „Nein …, nicht … Papa. Er schläft doch noch.“ „Ja, noch.“ „Er wird …“ „Genau das wird er tun“, flüsterte sie. „Also tu uns beiden den Gefallen und setz dich auf deinen Hintern und iss gefälligst was! Oder es wird uns beiden dreckig gehen.“ „Ich … ach, weißt du was? Ich hab das alles satt. Soll er doch einen von seinen Anfällen kriegen. Mir egal.“ „Kind, du weißt ja nicht …“ „Doch, ich weiß ganz genau, was ich tue. Der blöde Penner soll verrecken. Du kannst verrecken. Ihr seht mich nie wieder.“ 3. Mehrdimensionalität Jedes Element eines Romans sollte stets auf drei Ebenen funktionieren:

  • Plot
  • Figuren
  • Setting

Der Leser sollte also in jedem Dialog etwas Neues über die Figuren lernen, einen Aspekt des Settings erfahren und der Dialog sollte den Plot vorantreiben. Nicht alle drei Ebenen müssen gleichwertig behandelt werden. Eine davon sollte im Vordergrund stehen, sonst könnte der Dialog überladen wirken. In unserem Beispiel erfahren wir auf der Figurenebene, dass Mutter und Tochter ein, sagen wir, belastetes Verhältnis haben. Auf der Plotebene erfahren wir, dass die Tochter von zu Hause weglaufen will. Und das Setting beinhaltet irgendein Geheimnis um den Vater. Trotzdem steht die Figurenebene im Vordergrund. Auch wenn es vielen Lesern nicht bewusst wird, spüren die meisten die Mehrdimensionalität, denn diese verleiht einem Dialog Bedeutung und macht ihn somit interessanter.

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19 Gedanken zu “3 Tipps für spannendere Dialoge

  1. Tipp zwei und drei finde ich gut, Tipp eins nicht so. Ich weiß, dass Frey so etwas propagiert, aber für mich sind seine Beispiele, wie man es machen soll „over the top“. So redet kein Mensch im richtigen Leben oder in Büchern. Ich würde wirklich ein Buch nicht lesen, in dem die Dialoge so wie bei Frey geschrieben sind ( Mir ist noch keines untergekommen). Tinka, hat mir mehrere Dialogbeispiele von ihm vorgelesen, ohne dass ich wusste, ob es die von Frey favorisierte Version ist und mir ( aber auch anderen ) gefiel immer das eigentliche Negativbeispiel besser. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich bei Tipp 1 auch eher das erste Beispiel in einem Roman verwenden. Das zweite Beispiel würde ich nur verwenden, wenn beide Figuren schon vorher als so impulsiv dargestellt worden sind.

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      • Klar, das ist vollkommen legitim 🙂 Aber ich fand vor allem Freys eines Paradebeispiel so witzig, wo er ständig irgendwelche Sprichwörter einbaut. Das hat mich dann doch irgendwie eher an die „Börsenexperten“ erinnert, die immer mittags auf ARD und ZDF kommen…Ja die Axt im Haushalt haut dem Autor noch keinen Zacken aus dem Fass…oder so ;D

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        • Mit Beispielen ist das aber auch so eine Sache, weswegen ich in der Regel mich meistens dagegen entscheide, welche zu bringen. Einerseits ist ein Beispiel gut, weil sonst alles so theoretisch und schwer vorstellbar bleibt. Andererseits sind Beispiele immer aus dem Kontext gerissen und müssen in der Kürze pointiert sein. Das verleiht ihnen häufig eine ungewollte Komik, bzw. lenkt die Aufmerksamkeit in eine falsche Richtung.

          So wie in dem Beispiel würde ich in einem Roman auch nicht schreiben. Aber es illustriert halt gut, was gemeint ist. Dass man das im Ernstfall viel, viel besser und eleganter machen kann, ist eine ganz andere Sache.

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    • Ich seh die Beispiele ähnlich kritisch. Das Positivbeispiel vom ersten Punkt klingt nach RTL-Nachmittag. Furchtbar. Lieber das Individuelle in diesem Konflikt und den Personen suchen. Also schauen, was zu den Personen passt.

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  2. […] Nehmen wir weiterhin das schöne Beispiel „sagen“. Jemand spricht mit jemand anderem und tut es auf eine bestimmte Art. Die Schwierigkeit besteht an diesen Stellen in der wörtlichen Rede, die den Schriftsteller dazu zwingt, sie neben den Gänsefüßchen irgendwie als solche zu kennzeichnen. In Dialogen müssen zudem oft mehrere Sprecher gebändigt werden, die auch noch gewisse Eigenschaften mitbringen, und dann sollte man bitte nicht immer schreiben „er sagte, sie antwortete, er fragte, sie meinte“ etc. Ich habe dazu in den letzten Tagen einen Beitrag von XXX rebloggt, den man sich ruhig öfter zu Gemüte führen sollte: https://marcusjohanus.wordpress.com/2014/10/04/3-tipps-fur-spannendere-dialoge/ […]

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  3. […] Nehmen wir weiterhin das schöne Beispiel „sagen“. Jemand spricht mit jemand anderem und tut es auf eine bestimmte Art. Die Schwierigkeit besteht an diesen Stellen in der wörtlichen Rede, die den Schriftsteller dazu zwingt, sie neben den Gänsefüßchen irgendwie als solche zu kennzeichnen. In Dialogen müssen zudem oft mehrere Sprecher gebändigt werden, die auch noch gewisse Eigenschaften mitbringen, und dann sollte man bitte nicht immer schreiben „er sagte, sie antwortete, er fragte, sie meinte“ etc. Dazu hat Marcus Johannes einen interessanten Blogpost geschrieben: https://marcusjohanus.wordpress.com/2014/10/04/3-tipps-fur-spannendere-dialoge/ […]

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