5 typische Fehler, die es beim Schreiben eines Romans zu vermeiden gilt

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Meiner Erfahrung nach sind folgende Punkte die häufigsten Quellen für Schreibblockaden. Mich hat es Jahre gekostet, folgende Produktivitätskiller zu erkennen und zu überwinden:

1. Zu eindimensionale Figuren

Der Schurke ist wirklich böse und der Held so richtig gut? Klingt einleuchtend? Im Prinzip ist es das auch. Aber wenn man nicht gerade Parodien auf Heftromane schreibt, nimmt einem der Leser nie ab, dass eine Figur nur Licht und kein Schatten besitzt und umgekehrt.

Abgesehen davon, dass zu eindimensionale Figuren nicht nur unglaubwürdig sind – sie sind auch langweilig. Die Geschichten werden automatisch interessanter, wenn eine Figur scheinbar Unvereinbares aufweist.

2. Zu komplexer Plot

Wie oft habe ich schon an Plots gebastelt und gebastelt – mit dem Gefühl: Das kann doch nicht alles sein. Da muss doch noch …

Nein, muss es nicht. Meistens ist die Befürchtung, der Roman würde mit einem einfachen, geradlinigen Plot zu trivial oder zu langweilig sein, unbegründet. Und gerade, wenn man beim Schreibprozess stecken bleibt, liegt das nicht selten daran, dass es eher zu viele Wendungen gibt, als zu wenige. Je mehr Handlungsstränge und je mehr unerwartete Wendungen es gibt, desto aufwändiger wird das Projekt – was nicht unbedingt bedeuten muss, dass es besser wird.

In Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ geht ein alter Mann fischen. Huh? Was für ein Plot. Simpler geht’s kaum. Trotzdem eine grandiose Geschichte. Die Reduktion auf das Wesentliche bringt eine Geschichte in meinen Augen häufig eher zum Strahlen als umgekehrt.

3. Zu wenig Planung und Recherche

Sich an den Computer setzen und drauf lostippen, nur mit einer Grundidee bewaffnet … Herrlich. Meistens trägt diese Anfangseuphorie einen auch über die ersten dutzend Seiten. Doch früher oder später kommt der Punkt, an dem die Arbeit stockt.

Wie soll’s weitergehen? Wichtige Details zur Handlung, zu den Figuren oder dem Hintergrund fehlen. Das hält auf und frustriert.

Manchmal ist es auch dann noch möglich, fehlende Informationen zu recherchieren und einen Plan zu machen, Biografien für Figuren zu schreiben und am Plot zu basteln.

Oft ist dann aber auch die Luft raus – was schade ist. Vielversprechende Projekte bleiben so auf der Strecke.

4. Zu viel Planung und Recherche

Ich fange morgen an zu schreiben – wenn ich noch herausgefunden habe, welche Pferderasse in Irland eigentlich die häufigste ist. Ach nein, he, Ponys sind viel besser. Und was fressen die eigentlich? Was sind ihre typischen Krankheiten? Wobei – was genau macht eigentlich ein Veterinär?

So vernichtend es für ein Projekt sein kann, ohne Planung und Recherche zu starten – es ist mindestens genauso unproduktiv, hier keine Grenzen zu setzen. Gerade Recherchen verselbstständigen sich schnell, da sich beinahe jedes Thema beliebig vertiefen lässt.

Zugegeben, 3. und 4. sind etwas widersprüchlich. Aber wie so oft gilt es hier meiner Meinung nach ein vernünftiges Mittelmaß zu finden, das die Arbeit beflügelt und nicht behindert.

5. Zeitraubendes Feilen an der Sprache

Viel zu viele Autorenzitate gehen darauf ein, wie wichtig es ist, die richtigen Wörter zu finden. Und klar, spätestens, wenn ein Text auf Testleser oder sogar Agenten oder Lektoren treffen soll, will niemand sich die Blöße geben, Fehler in seinem Werk zu haben.

Die traurige Wahrheit lautet jedoch: Kein Text wird je fehlerfrei sein. Und es lohnt sich auch nicht, ewig an Formulierungen oder am Ausdruck zu basteln. Denn was dem einen Leser gefällt, findet der andere doof. Gerade in Stilfragen gibt es kaum festen Regeln.

Beides, das richtige und das schöne Schreiben, ist auch Übungssache. Natürlich lohnt es sich, auch auf die Sprache zu achten, ab und zu mal den Duden zu zücken, sich mit Rechtschreibung und Grammatik auszukennen und lesbar zu schreiben.

Aber auch das kann zur Besessenheit werden. Lieber mal ein Komma ein Komma sein lassen und sich weiter auf das Wesentliche und Große Ganze konzentrieren, als an Kleinigkeiten aufhalten.

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18 Gedanken zu “5 typische Fehler, die es beim Schreiben eines Romans zu vermeiden gilt

  1. Hat dies auf Wortwelten rebloggt und kommentierte:
    Bei Punkt 5 schau ich eher weniger 😉 aber der komplexe Plot ist oftmals mein Fehler bei der Umsetzung von Ideen. Auf alle Fälle ist das wieder ein sehr interessanter und hilfreicher Artikel.

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  2. Wieder einmal schön auf den Punkt gebracht. Ich kann das nur bestätigen. Es ist wie bei den meisten Lebensthemen immer eine Frage der richtigen Balance. Nicht zu viel und nicht zu wenig in Recherche und Textüberarbeitung stecken. Ein Tipp, der mir mittlerweile weiterhilft: Termine und Zwischenschritte setzen. Gerade als Indie-Autor kann man endlos bei Recherche oder Textüberarbeitung hängen bleiben, ohne dass eine Deadline einen bremst. Deshalb: Zwischenschritte planen und sich selbst Termine setzen. Und auch wenn ich immer noch ungeplottet vorgehe, sollte für jeden Text bereits zu Beginn ein gewisses Grundgerüst feststehen, worauf die Geschichte hinauslaufen soll.

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  3. Natürlich ist kein Text fehlerfrei. Als geübter Leser merkt man, wenn jemand sich bei der Sprache Mühe gibt, dabei geht es nicht nur um die richtigen Wörter, sondern auch um den Rhythmus. Ich neige daher eher zum Rat, sich etwas mehr Zeit zu gönnen.
    „Der alte Mann und das Meer“ überzeugt doch auch durch seine Sprache.

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    • Ja, aber Sprache ist nun wirklich etwas, das in vielen. vielen Überarbeitungsschritten poliert wird. Meiner Ansicht nach etwas, das ganz am Schluss getan werden sollte, wenn schon alles andere steht. Und auch dann würde ich da nicht zu viel tun und nicht zu lange warten, bis ich meine Arbeit dann an einen Agenten oder Verlag schicke. Sprache ist meiner Erfahrung nach der Punkt, an dem Perfektionismus am fatalsten zuschlägt.

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      • Kann man Form und Inhalt so gut trennen. Guter Inhalt, gute Form!
        Wird ein Text mit der richtigen Sprache und den richtigen Sound nicht auch spannender oder berührender?
        Man muss sich trennen können, ja, aber bitte nicht zu früh, der Sound ist wichtig, sonst lege ich das Buch weg, da kann es noch so spannend sein.

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  4. Hallo lieber Markus, vielen dank für die Tipps 🙂 das mit dem „zu viel Plot“ kenne ich nur zu gut. Manchmal braucht man einfach auch mal eine andere Person, die sich deine Ideen anhört, damit so etwas klar wird.
    Ich hatte dir eine Mail geschrieben, in der ich etwas gefragt hatte und gehe auf deine Bitte ein, es öffentlich für jeden zu stellen. Ich würde mich über einen Artikel darüber freuen:
    Welche Techniken gibt es, um am Besten Hintergrundinformationen zu vermitteln, ohne, dass es langweilig wird? Und noch ergänzend: Wie taucht man am Besten in einen Flashback ein?

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  5. Vielen Dank für diesen hilfreichen Artikel.
    Gerade beim Thema Recherche und Worldbuilding neige ich häufig zur Übertreibung. Da hilft es mir immer eine Deadline zu haben. Niemand kann alles wissen und kleine Details kann man immer noch in der Überarbeitung recherchieren. Die meisten Wissenslücken tauchen meinem Empfinden nach sowieso erst während des Prozesses auf, Dinge an die man vorher gar nicht gedacht hat.

    Liebe Grüße und frohes Schaffen
    Martin

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