Die praktische Körpersprachenliste

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Kleinen Sätze, wie „Er zuckte mit den Achseln.“, „Sie lächelte.“ oder „Sie seufzte.“ usw. lassen Figuren lebendiger werden. Meistens sind sie zwischen Dialoge eingestreut, um das Problem der sprechenden Köpfe zu lösen. Der Leser bekommt dank dieser Redebegleitsätze oder Ergänzungen zu den Dialogen den Eindruck, dass die Figuren sich bewegen, gestikulieren und auch ein Leben außerhalb einer Dialogzeile haben.

Oft ist es nicht notwendig, bei diesen Sätzen originell zu sein. Über einem ganzen Roman verteilt kann jemand ruhig zehn Mal seufzen oder mit den Achseln zucken. Hier zu originell zu sein, könnte den Leser eher verwirren.

Zuckt eine Figur allerdings  innerhalb einer Szene gleich mehrfach hintereinander mit den Schultern, kann dies durchaus den Leser stören. Zu viel Wiederholungen bewirken das Gegenteil vom gewollten Effekt. Der Leser wird aus der Handlung gerissen.

Obwohl es also im wahren Leben durchaus so sein kann, dass jemand im Gespräch die ganze Zeit die Augenbrauen hebt oder immer wieder lächelt, wäre es ein Fehler, dies in der Szene eines Romans auch ständig so zu schreiben. Ein wenig Abwechslung ist notwendig. Folgende Liste kann dabei helfen, auf Ideen zu kommen:

Augen:

  • Brille zurechtrücken, auf die Nase schieben, über den Rand blicken, unter der Brille hindurchspähen
  • blinzeln, schielen, zwinkern, rollen, massieren
  • Augenbrauen hochziehen, zusammenziehen
  • eine Augenbraue heben

Gesicht:

  • Schweiß abwischen/abtupfen
  • Makeup verwischen
  • Nasenflügel aufblähen
  • Nase rümpfen/reiben/kratzen/hochziehen
  • in der Nase bohren
  • Stirn reiben/kratzen/runzeln
  • Schläfen massieren
  • Wange kratzen/streichen/zupfen
  • Tränen wegwischen/abtupfen
  • am Bart zupfen, über den Bart streichen/kratzen/zwirbeln

Mund:

  • verziehen
  • auf der Unterlippe kauen/auf die Unterlippe beißen
  • Lippen auf einander pressen
  • mit den Fingern an den Lippen zupfen, über sie streichen
  • mit der Zunge die Lippen befeuchten/über die Lippen lecken
  • auf einem Stift kauen
  • mit einem Stift gegen die Zähne schlagen
  • (Kaugummi- oder Spucke-)Blasen bilden
  • Kaugummi kauen
  • Tabak kauen
  • auf einem Strohhalm/Zahnstocher kauen
  • Zigarette/Zahnstocher im Mundwinkel beim Sprechen kleben lassen
  • Lippenstift/Lipgloss auftragen/verschmieren/korrigieren
  • gurgeln/prusten/blubbern
  • lächeln/grinsen/gähnen
  • pfeifen

Ohren:

  • am Ohrläppchen zupfen/spielen
  • im Ohr bohren

Kopf:

  • Kopf oder Kinn kratzen/reiben/heben/nach vorn strecken/zurückwerfen/auf die Brust sinken lassen/zur Seite neigen
  • Haar bürsten/zwirbeln/ausreißen/hinters Ohr streichen
  • nicken, schütteln

Hals:

  • recken
  • Halswirbel knacken lassen

Körper:

  • nach vorn/zurück/zur Seite lehnen
  • aufrecht stehen
  • kerzengerade aufrichten
  • Hände in die Hüften stemmen
  • breitbeinig aufbauen
  • auf und ab wippen
  • nach vorn und hinten wippen
  • Schultern heben/kreisen/sinken lassen
  • mit den Achseln/Schultern zucken
  • Arme um den Körper schlingen

Hände:

  • knacken lassen/aneinander reiben
  • Nägel reinigen/kauen/schneiden/lackieren
  • Handrücken streicheln/massieren
  • Handgelenke kratzen/kreisen und/oder knacken lassen/streicheln
  • mit einer Tasse/Stift/Serviette/Tischtuch/Messer/Gabel/Löffel usw. spielen
  • eine Münze oder einen Stift über die Finger tanzen/wandern lassen
  • Hände reiben
  • am Daumen nuckeln
  • mit den Fingern auf dem Tisch trommeln
  • über eine Narbe/Warze streichen
  • mit dem Finger drohen/zeigen/deuten

Sonstiges:

  • mit den Füßen scharren/nach etwas treten
  • auf die Uhr/das Handy blicken, E-Mails oder SMS, Whatsapp usw. checken
  • Brillengläser reinigen
  • Beine übereinanderschlagen
  • von einem Fuß auf den anderen tänzeln
  • etwas nebenbei auf den Tisch/ein Blatt Papier/eine Serviette usw. kritzeln
  • mit einem Ring/einer Kette/Ohrring usw. spielen
  • in einer Bewegung einfrieren
  • ein Haustier/Schoßtier halten/streicheln
  • lachen, weinen, lächeln, schnüffeln, zittern, beben, schaudern, zucken, wackeln, seufzen, den Atem anhalten, niesen, schnauben, sich krümmen, sich winden, sich drehen, husten, sich räuspern
  • zu sich/mit sich selbst reden/flüstern/murmeln
  • mit dem Stuhl wackeln/kippeln/scharren

So weit ein paar Vorschläge – natürlich ist diese Liste weder vollständig, noch dazu gedacht, als Checkliste oder zum Abschreiben zu dienen. Allerdings kann man sich hier und da vielleicht ein bisschen inspirieren lassen. Mir zumindest hilft es, solche Listen als Hilfe zu benutzen, wenn ich einmal stecken geblieben bin.

Aber Vorsicht: Ich würde diese oder ähnliche Listen (die man ja auch selbst nach seinen speziellen Bedürfnissen umschreiben oder anfertigen kann) nie beim Schreiben eines ersten Entwurfs, sondern nur (zusammen mit dem Thesaurus) beim Überarbeiten benutzen, wenn es darum geht, den Dialogen und Beschreibungen einen Feinschliff zu verpassen.

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24 Gedanken zu “Die praktische Körpersprachenliste

  1. Hallo Marcus, das ist gruselig! Ich hab heute nämlich von so einer Liste geträumt und mir gewünscht, dass es sie gibt. Und dann veröffentlichst du sie! Vielen Dank für die Mühe!!!
    Viele Grüße, Annika

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  2. Da ich bei Livejournal auch gerne mal bei der einen oder anderen *Challenge* mitmache, in der in nur 5 oder 10 Sätzen eine bestimmte Szene beschrieben werden soll, verwende ich diese Beschreibungen sehr gerne, um dem Leser die Figuren und ihre Bedeutung besser erkilären zu können.
    Einfacher wird es allerdings, wenn der Leser die Figuren bereits kennt. Dann muss man aber wiederum darauf achten, dass diese nicht etwas tun, was völlig charakterfremd wäre. Das würde nur wieder nur Verwirrung stiften.

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      • Das Schwierige bei eigenen, selbst erfundenen Figuren ist es, sie glaubwürdig rüber zu bringen, weshalb ich bis jetzt immer etwas davor zurück geschreckt bin, es selbst zu versuchen, eigenen Charaktere mir auszudenken.
        Immer, wenn ich eine Idee zu einer Geschichte hatte, habe ich mir Stichworte zu den Figuren aufgeschrieben, aber irgendwann bin ich dann meistens durcheinander gekommen, habe die Gelduld verloren oder es gab Schreibblockarden, weshalb die meisten angefangenen Stories schließlich zu *Schreibtisch-Leichen* wurden und in der Schublade für *unaufgeklärte Morde* dann landeten. *grins*
        Leider habe ich bei den meisten schon die Hoffnung auf *Wiederbelebung* verloren, da sie schon zu lange in dieser Schublade liegen.
        Anders sieht es dagegen bei Figuren aus, die schon existieren, da ich bei ihnen schon die Charaktereigenschaften kenne, was es für mich relativ einfach macht, sie mir vorzustellen. 🙂

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  3. danke für die Hinweise… Sie sind lehrreich… und ich lese hier immer wieder gerne mit… 😀

    …aber kann man die Achseln eigentlich zucken? (Zeile 1) das müssten eher die Schultern sein!

    Mit der Achsel ist nämlich meist die Achselhöhle gemeint oder allenfalls noch der Bereich zwischen Brustwand und Schulter gemäss Wikipedia… (?)

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  4. Weil ich da auch gern unoriginell bin, habe ich mir mittlerweile „The Emotion Thesaurus“ zugelegt. Das Teil ist zwar auf Englisch, aber die meisten Vorschläge, wie jemand Schuldgefühle, Freude, Neugier etc ausdrückt, lassen sich gut ins Deutsche übertragen.

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  5. Hallo Marcus,

    Das ist ja wirklich eine praktische Liste. Gerade bei Dialogen habe ich immer das Gefühl, dass ich ständig das Selbe schreibe. Aber ich bin sowieso der Meinung, dass richtig gute Dialoge erst beim Überarbeiten entstehen und dafür ist so eine Liste natürlich super, wenn man mal etwas austauschen will, aber nicht weiß wie.

    Ganz liebe Grüße,
    Kim

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  6. Vor einem Jahr habe ich (endlich) damit begonnen, meine Lust aufs Schreiben in hobbymäßigem Rahmen in die Tat umzusetzen. Bei der Suche nach guten Tipps stieß ich auf ihren Blog, den ich nun seit einiger Zeit regelmäßig ansurfe. Die Artikel mit eigenen Worten zusammenzufassen und dem Dilettanten-Podcast zu lauschen, haben meinen Ideen und Abläufen sehr viel Kontur und System verliehen. Auch der aktuelle Eintrag zur Körpersprache bietet mir nützliche Hilfestellungen. Personengruppen und Dialogen glaubwürdiges Leben einzuhauchen, ist eine der kniffligsten Aufgaben beim Designen einer Szene – aber auch eine der spaßigsten!

    Vielen Dank und Grüße aus Bayern.

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  7. Lieber Herr. Johanus, ich wollte mich bei ihnen für ihre Artikel bedanken.
    ich versuche mich schon seit längerem als Autorin, auch wenn dies nur als Hobby gedacht ist, denn als Teenager hat man leider noch nicht so viele Möglichkeiten.

    Besonders möchte ich mich aber für diesen Artikel bedanken, denn genau so etwas habe ich gebraucht.

    Dankeschön, und ich hoffe das ich noch mehr Artikel Lesen kann 🙂

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    • Vielen Dank für diesen Kommentar. Er hat mich ganz besonders gefreut. Ich finde es toll, wenn gerade junge Autoren an ihren Fähigkeiten arbeiten.

      Als ich Teenie war, habe ich auch schon geschrieben. Nur gab es damals weder Internet, noch gedruckte Schreibratgeber oder frei zugängliche Seminare und ich fühlte mich ganz schön einsam. Es ist einer meiner Beweggründe, diesen Blog zu betreiben, gerade Jugendliche zu unterstützen, die nicht das Geld oder andere Möglichkeiten haben, Seminare zu besuchen oder Bücher zu kaufen.

      Wenn das, wie in deinem Fall, funktioniert, macht mich das sehr glücklich.

      Und noch was:

      Natürlich ist es okay, Schreiben „nur als Hobby“ zu betreiben. Dies allerdings damit zu begründen, dass du „als Teenager“ keine Möglichkeit hast, dieses Hobby zu professionalisieren, sehe ich allerdings nicht so.

      Denk an Christopher Paloni oder Helene Hegemann. Sicher, sie sind Ausnahmen. Aber es gibt Beispiel von professionell schreibenden und veröffentlichten Jugendlichen.

      Mach dich nicht klein wegen deines Alters. Das kann auch ein großer Vorteil sein. Du fängst früh an, lernst schneller als ältere Menschen und hast viel Zeit, Manuskripte anzufertigen und anzubieten, dir einen Namen zu machen.

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