Angst vor dem Erfolg?

AngstvordemErfolg

Kommenden Freitag, den 11.07.14, erscheint der erste Thriller „Asphalt. Ein Fall für Julia Wagner“ meines Writing Buddys Axel Hollmann beim Ullstein Inprint Midnight. Ich freue mich sehr für ihn und möchte für mich in Anspruch nehmen, an der Veröffentlichung nicht ganz unschuldig zu sein, denn ich habe Axel ein bisschen dazu überreden müssen, sein Manuskript an Midnight zu schicken, um es als E-Book veröffentlichen zu lassen.

Zunächst dachte ich, Axel ziert sich ein wenig, weil er Angst vor Ablehnung hat. Ein Gefühl, dass ich gut kenne, so wie wahrscheinlich die meisten Autoren.

Bei jedem Anschreiben an eine Agentur oder einen Verlag, schwingt sie mit, diese Hürde, über die man sich ganz schön schleppen muss. Denn ein neues Anschreiben bedeutet mit großer Wahrscheinlichkeit eine neue Ablehnung. Und wer behauptet, dass Ablehnungen ihn kalt lassen, der lügt meiner Vermutung nach.

Als ich ein wenig über Axels Reaktionen nachdachte, habe ich auch über meine eigenen Hemmungen, mich mit meinen Manuskripten zu bewerben, nachgedacht. Dabei fiel mir eine Anekdote ein, die mich stark verunsicherte.

Ein (wahrscheinlich eher scherzhaft gemeinter ) Nebensatz meiner Agentin hatte vor einiger Zeit in mir mittelmäßige Panik ausgelöst: „…, wenn du dann bei Stefan Raab auf der Couch sitzt.“

Der Satz hat mich (wie man sieht) nicht losgelassen. Bei Stefan Raab auf der Couch sitzen? Okay, ich gehe davon aus, dass die Aussichten dafür eher gering sind. Trotzdem habe ich mich gefragt, ob ich so etwas denn eigentlich will.

Und dann habe ich mich gefragt, wieso ich mich denn überhaupt frage, ob ich das will.

Kann einem denn was Besseres passieren, als mit seinen Werken ins Fernsehen zu kommen (ganz gleich, ob nun bei Stefan Raab oder sonstwo). Wieso sollte ich das nicht wollen?

Und in mir stieg eine ganze Kette von Bildern hoch: Lesungen, sogar Lesetouren, Interviews mit Zeitungen und Zeitschriften, Promo-Aktionen auf Messen usw. usw. …

Als Bestsellerautor muss man ganz schön seine Komfortzone verlassen. Zumindest gehört es nicht zu meinen Vorstellungen eines gemütlichen Nachmittags, vor Fernsehkameras oder großem Publikum in Messehallen zu stehen.

Dieser Gedanke kann einem schon Angst einjagen. Mir jedenfalls. Denn wie die meisten Autoren bin auch ich ein eher introvertierter Mensch und fühle mich mit meinem Laptop auf dem Schoß und in meinen eigenen vier Wänden am wohlsten. Die Rampensäue findet man in unseren Reihen eher selten.

Andererseits will ich nun auch nicht für die Schublade schreiben, sondern meine Romane auch veröffentlicht – und natürlich auch erfolgreich veröffentlicht sehen.

Trotzdem bemerke ich immer wieder, dass ich zwar mit dem Schreiben keine (oder sagen wir ehrlicher Weise mal lieber wenig) Probleme habe, aber vor den Konsequenzen einer erfolgreichen Veröffentlichung schon irgendwie wenigstens Respekt empfinde.

Es ist also meiner Beobachtung nach nicht nur die Angst vor Ablehnung, die einen manchmal mit angezogener Handbremse agieren lässt, also Schreibblockaden hervorruft oder verhindert, dass man sein Manuskript bei großen Verlagen oder renommierten Agenturen einschickt.

Manchmal ist es auch die – eher unbewusste – Angst vor dem Erfolg, vor dem, was die Sache mit sich bringen könnte, die einen – zumindest mich – zurückhält und die Motivation killt. Genau genommen ein Akt der Selbstsabotage. Verrückt, aber so tickt man manchmal.

Ich denke, es hilft nur, sich bewusst zu machen, was man wirklich will. Und dann muss man halt im Zweifelsfall auch in den sauren Apfel beißen und den Gedanken akzeptieren, irgendwann vielleicht bei Stefan Raab auf der Couch zu sitzen.

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14 Gedanken zu “Angst vor dem Erfolg?

  1. Mal wieder ein schöner Artikel, Marcus. Und an dieser Stelle auch noch einmal ein herzliches Dankeschön: Ja, ohne dich wäre „Asphalt“ nicht bei Ullstein-Midnight gelandet 🙂

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  2. Hm, ich gehöre da wohl tatsächlich eher zu der Ausnahme, ich bin ne Rampensau 😀 Die Angst, dass mein Buch verrissen und niedergemacht wird, ist da viel größer, weil das an meinem Selbstbewusstsein rüttelt. Aber alle, die die Bühne scheuen, können durchatmen: Die Wahrscheinlichkeit, wirklich richtig groß rauszukommen ist geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass das Buch verrissen wird 😉

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  3. Ich habe da ebenfalls wenig Angst. Schon in der Schule konnte ich problemlos grössere Vorträge halten. Wobei wir das zu Schulzeiten regelmässig machen mussten. Von Aufführungen am Anfang in der alle dasselbe sagen und machen mussten, bis zu Theaterstücken und Abschlussarbeiten vor 1000 Menschen alleine auf der Bühne.

    Die Vorstellung, jemand, den ich respektiere, mein Lebenswerk runterputzt, dass würde mich schon sehr sehr treffen.

    Das es immer jemanden gibt, der blöd findet was du tust, ist klar.
    Ich bin 28 und selbstständig in einen Job der kaum Aussicht auf finanzielle Verbesserung bringt. Und ja, wenn ich diesen Job weiter mach, werd ich immer nicht über 1200 Brutto kommen.

    Ich kann mit Kritik an dem was ich mache leben. Solange ich 100% überzeugt bin für mich das Richtige zu tun.

    Aber weiss man beim Schreiben jemals, ob es richtig gut ist?
    Ich zweifle ständig, was vermutlich gut so ist 🙂

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  4. Oh ja, dass ist auch so ein Punkt der mir schwer auf dem Magen liegt. Ich bin auch eher ein zurückhaltender Mensch und mir hat es schon in der Schulzeit nie behagt vor der Klasse oder größeren Gruppen etwas zu sagen. XD
    Auch so ein Grund, warum ich mich noch etwas ziere etwas an einen Verlag zu schicken, aber du hast schon Recht, es gehört eben zum Leben dazu, ab und an mal etwas zu tun, was einem nicht so behagt.
    Stefan Raab finde ich eigentlich nicht so schlimm. Ich habe mal gesehen wie er die Autorin Jenny Mai-Nuyen interviewt hat und das war eigentlich sehr spaßig und interessant. Im Gegensatz zu seinen sonstigen Scherzen hat er sich da eher zurückgehalten. ;D
    Kann also gar nicht so schlimm sein und sollte man doch mal bei ihm auf dem Sessel landen, erreicht man immerhin eine größere Menge an Leuten.
    Aber ich denke bei so vielen Autoren, die es mittlerweile gibt, ist die Chance eher gering beim Raab zu landen.
    Ich scheue mich allerdings auch eher davor, was bei einem Verlag so auf einen zukommt, nicht unbedingt das Abschicken des Manuskripts oder die möglichen Ablehnungen, sondern eher Leserunden, Signierstunden und so weiter. Man denkt sich halt immer, ach da kommt ohnehin niemand hin oder ach herrje, was soll ich bloß sagen oder was mache ich, wenn ich meine Texte vorlesen muss? <- ich bin eine miserable Vorleserin. XD lol

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  5. Kenn ich, diese Angst.
    Ich sehe es da so: Lerne Nein sagen, und zwar vehement. Bleib souverän, egal was die Leute von dir wollen – tu nicht, was du nicht wirklich tun willst.
    Hab mir aber auch schon Gedanken gemacht, was wäre wenn. Wenn es wirklich un-un-unbedingt nötig wäre, dass da eine Kohlenstoffeinheit irgendwo herumgeistert und sich als Verfasser meiner Werke ausgibt. Da spielte ich mit dem Gedanken, für solche Zwecke einen Schauspieler oder so zu engagieren, der den Leuten eben das Gesicht gibt, nach dem sie verlangen.
    Ich habe bisher Vorträge weitestgehend vermieden, in der Schule gerne eine schlechtere Note in Kauf genommen, wenn ich dafür einem Vortrag ausweichen konnte. Der Gedanke, physisch von Menschen umringt zu sein, die etwas von mir wollen, jagt mir Gänsehaut über den Rücken. Dennoch, in sehr starken, geradezu manisch größenwahnsinnigen Minuten traue ich mir eine Lesung zu. (Vermutlich mit großzüiger Sedierung im Vorfeld.)
    Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich Self-Publishing bevorzuge, da hab ich das besser in der Hand. Als ich mal wo las, dass die Verlage zu den Manuskripten aus Promogründen „ein Gesicht“ wollen, war diesbezüglich bei mir Sense, es sei denn, sie stellen eben einen Schauspieler in meine Schablone.
    Nun, so denke ich, mit dem Erfolg einher muss auch die Souveränität gehen, so zu agieren, dass man sich wohlfühlt, und das Nein sollte da sehr gefestigt auf den Lippen sitzen. Zum Erfolg gehört dann auch, den Weg so zu wählen, dass er zu einem passt. Allerdings ist es nicht einfach, das herauszufinden, nach unserer verprägten Erziehung.

    Grüße
    Kooky

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    • Also, gegen Lesungen habe ich rein gar nichts. Im Gegenteil. Im mehr oder weniger intimen Kreis anderen was vorzulesen, dann auch noch meine eigenen Texte – das finde ich toll.

      Ins Fernsehen zu gehen. Hm. Mit diesem Gedanken müsste ich mich im Ernstfall noch anfreunden. Liegt aber auch daran, dass ich prinzipiell nicht viel vom Medium Fernsehen halte. Von allen anderen Dingen einmal abgesehen.

      Wo du natürlich Recht hast: Nein sagen zu können ist eine sehr wichtige Angelegenheit. Und wenn man etwas gar nicht mir sich ausmachen kann, sollte man es lassen, das sehe ich auch so. Auf der anderen Seite: Wenn es der Autorenkarriere dienen kann, würde mich das in einen argen Gewissenskonflikt bringen.

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