Checkliste: Was alles auf die erste Seite eines Romans gehört

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Von der ersten Seite an einen spannenden Thriller schreiben? Den Krimi mit den ersten Sätzen packend beginnen? Diese Checkliste kann dabei helfen:

Spannende Eröffnung, die den Leser nicht vom Haken lässt

Irgendetwas wirklich Mitreißendes sollte passieren. Ein paar Gedanken zu spannenden Romananfänge habe ich mir hier schon gemacht. Sollte der Roman einen langsamen Aufbau erfordern, kann es notwendig werden, mit einer spannenden Szene zu beginnen, die zunächst (scheinbar) nichts mit der Haupthandlung des Romans zutun hat.

Dan Wells nennt dieses Prinzip den Eismonster-Prolog – nach George R.R. Martins Lied von Eis und Feuer, das einen komplexen, recht gemächlichen Aufbau hat und deswegen mit einer spannenden Szene jenseits der Haupthandlung beginnt. Das Prinzip ist auch aus jeder Folge Akte X oder ähnlicher TV-Serien bekannt. Viele Thriller oder Krimis beginnen mit einer Szene, in der gezeigt wird, wie das erste Opfer des Serienmörders umgebracht oder gefoltert wird.

Einführen der Hauptfigur in den ersten Sätzen

Ich bin prinzipiell kein so großer Freund von „Eismonster Prologen“. Ich habe es gerne, wenn es gleich knackig zur Sache geht und innerhalb der ersten paar Sätze auch die Hauptfigur des Romans eingeführt wird, so dass ich auch eine Beziehung zu ihr aufbauen kann. Ich bin da geprägt durch die Harboiled-Krimis, die von Anfang an aus der Perspektive der Hauptfigur geschildert werden.

Wirklich gut ist es natürlich, wenn einem beides auf der ersten Seite gelingt – Die Hauptfigur in einer spannenden Eröffnung in den ersten Sätzen einführen.

Spät rein – Der Start der Geschichte in der Mitte eines spannenden Ereignisses

Hatte ich bereits in diesem Artikel behandelt: Spät rein, früh raus. Ein alter Tipp von Drehbuchautoren. Gilt natürlich eigentlich für jedes Kapitel, aber auf der ersten Seite ist das natürlich noch wichtiger als im restlichen Roman.

Erster Hinweis auf das Setting

Möglichst früh muss der Leser mitbekommen, in welcher Welt, welcher Stadt, Region, Zeit  oder in welchem Milieu der Roman spielt. Spielt die Handlung in einer großen, bekannten Stadt, ist das weit weniger schwierig als beispielsweise bei einem Fantasyroman. Das Erwähnen des Times Square oder des Brandenburger Tors zum Beispiel, lässt bei nahezu jedem Leser sofort ein Bild entstehen.

Aber auch wenn der Roman in weit weniger bekannten oder gar fantastischen Regionen spielt, ist es wichtig, in möglichst knapper Form in das Setting einzuführen.

Ein Hinweis auf das Ziel, das die Hauptfigur erreichen will

Was will die Hauptfigur? Was treibt sie an? Mit anderen Worten: Wieso sollte es für mich als Leser spannend sein, ihr zu folgen? Möglichst subtil, aber doch unmissverständlich sollte ich das auf der ersten Seite zeigen.

Der erste Konflikt

Ohne Konflikte keine Spannung. Wenn ich etabliert habe, was das Ziel meiner Hauptfigur ist, sollte es auch schon etwas geben, was dem entgegensteht.

Ein Hinweis auf verborgene Träume, Bedürfnisse oder Ängste.

Romane werden unter anderem deswegen gelesen, weil sie eine Möglichkeit bieten, hinter den Schleier zu gucken. In einer Geschichte kann ich die Dinge zeigen, die uns im Alltag von unseren Mitmenschen meistens verborgen bleiben. Wie ich schon in diesem Artikel gezeigt habe, ist das die Methode, der sich zum Beispiel Stephen King häufig bedient.

Passende Erzählstimme für den ganzen Roman

Auf der ersten Seite muss auch schon deutlich werden, mit welcher Stimme der Roman erzählt wird. Tipps zur Erzählstimme, habe ich bereits in diesem Artikel gesammelt.

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7 Gedanken zu “Checkliste: Was alles auf die erste Seite eines Romans gehört

  1. Guten Tag Herr Johanus,

    ich bin auf Ihre Seite gestoßen, als ich nach Ideen für das Schreiben von Büchern gesucht habe.
    Eine wirklich überragende Seite mit sehr vielen und nützlichen Tipps.
    Ich komme eigentlich nicht aus dem Bereich der Literatur, sondern bin zur Zeit Student im Bereich Bioinformatik.
    Ich lese einige Bücher und Sci-Fi fasziniert mich so sehr, dass ich jetzt anfangen wollte zu schreiben.
    Nun zu meiner Frage:

    Angenommen, ich schreibe ein Buch und übernehme (unabsichtlich) einige oder viele Elemente aus den Büchern, die ich gelesen oder vielleicht auch nicht gelesen habe(Kann sein, dass man auf Ideen kommt, die andere schon vorher hatten, aber man davon nie was gehört hat).
    Kann es passieren, dass man verklagt wird?
    Ich bin eigentlich der Meinung, dass in der Kunst und Literatur ruhig voneinander abgeguckt werden muss, damit durch die Vermischung von Stilen neue Stile und neue Ideen entstehen können.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Armen H.

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    • Hallo, Armen,

      vielen Dank für diesen anregenden Kommentar. Er gefiel mir so gut, dass ich zur Antwort gleich einen Artikel dazu verfasst habe.

      Ich hoffe, dass damit ein paar Fragen beantwortet sind.

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  2. Aber nur, wenn du damit erfolgreich bist. Und ob die Klage berechtigt ist, steht auf einem anderen Stern.
    Wenn man nicht Wort abschreibst, kann man vieles machen, ohne das man dafür belangt wird.
    Viel größer ist die Gefahr, dass man nicht gelesen wird, weil zu langweilig.

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