Spannender schreiben mit epischen Vorausdeutungen

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Die epische Vorausdeutung (die im Englischen mal wieder etwas griffiger Foreshadowing heißt) ist ein wirksames Mittel, um eine spannende Geschichte noch spannender zu erzählen. Richtig eingesetzt kann sie vor allem für Autoren, die Thriller oder Krimis schreiben, den Unterschied zwischen einem spannenden Roman und einem echten Page Turner ausmachen.

Was ist Foreshadowing?

Foreshadowing bedeutet, dass ich in meinen Roman Elemente einfüge, die auf kommende Komplikationen, Gefahren oder Enthüllungen hinweisen, die den Leser im weiteren Verlauf der Handlung noch erwarten. Diese Elemente entfachen im Leser Erwartungen und Sorgen anlässlich der vielen aufregenden und/oder schlimmen Dinge, die die Hauptfigur erwarten.

Diese Elemente können zum Beispiel Gespräche sein (in denen Figuren Befürchtungen oder Vermutungen äußern), Gegenstände oder Hinweise (deren Funktion zunächst rätselhaft bleibt), Prognosen, Prophezeiungen, Weissagungen, Ahnungen oder mysteriöse Träume …

Die hohe Kunst des Foreshadowings

Gut eingesetzt, weisen epische Vorausdeutungen auf etwas hin, das jedoch nicht eintritt, dafür aber etwas anderes, das trotzdem logisch mit dem Hinweis verknüpft ist.

Ein klassisches Beispiel dafür ist die Prophezeiung, die einer Figur ein furchtbares Schicksal offenbart. Diese Prophezeiung kann z.B. in einer Fantasy-Story von einer Wahrsagerin oder einem Magier erfolgen. In einer SF-Geschichte könnte eine solche Vorausdeutung mittels Berechnungen oder Prognosen erfolgen. In einem Krimi oder Thriller könnte der Schurke in Rätseln auf seine Taten hindeuten.

Die Hauptfigur versucht mit dieser Vorausdeutung zu arbeiten, ihr Schicksal zu erfüllen oder ähnliches, scheitert aber zunächst.

Beispiele dafür finden sich gerade in Thrillern häufig, wenn alle Beweise auf den Täter eindeutig zu sein scheinen, die Polizei jedoch trotzdem in die Irre führen und erst die besondere Intelligenz des Helden und/oder ein erneutes Beleuchten aller Hinweise unter einer neuen Perspektive dann für die eigentliche Aufklärung sorgen.

Ein gutes Beispiel findet sich meiner Ansicht nach in Harris‘ Das Schweigen der Lämmer, sowohl im Film wie auch im Buch.

Benutzt man Foreshadowing richtig, erzeugt es also nicht nur Spannung, sondern verschafft dem Werk auch eine geschlossene Form und Glaubwürdigkeit. Für den Leser ist die Lektüre dann ein besonders befriedigendes Erlebnis, da er das Gefühl bekommt, ein konsistentes und logisches Ganzes vor sich zu haben und keine Ansammlung zufälliger Ereignisse.

Gefahren des Foreshadowings

Gutes Foreshadowing ist nicht leicht zu schreiben. Reine Discovery Writer kommen hier in Schwierigkeiten, da sie ja aus dem Bauch heraus schreiben und auf Seite eins kaum ahnen können, was im Finale alles wichtig wird. Aber auch für geübte Outliner ist Foreshadowing eine schwierige Disziplin.

Es kommt nicht nur darauf an, Vorausdeutungen zu platzieren, es kommt vor allem darauf an, sie richtig zu platzieren. Sie dürfen weder zu durchsichtig, noch zu subtil für den Leser sein.

Als Autor muss mir klar sein, dass ich mit Foreshadowing starke Erwartungen im Leser wecke, die am Ende auch erfüllt werden müssen. Um dies zu gewährleisten müssen Vorausdetungen sehr sorgfältig geplant und geschrieben werden. Etwas, das ich nur in vielen und gründlichen Überarbeitungsschritten erreichen kann.

Auf jeden Fall sollte darauf verzichtet werden, Vorausdeutungen als Erzähler zu treffen. Was im Nibelungenlied und anderen Sagen noch eine gute Idee war, funktioniert beim modernen Leser nicht mehr: „Kriemhild war eine schöne Frau, deretwegen viele Krieger ihr Leben verlieren sollten.“ Zu plump, zu vorhersehbar.

Ideen für Foreshadowing

  • Seltsames Verhalten: Arbeitskollegen ignorieren die Hauptfigur. Wissen sie mehr als sie? Wird sie ihren Job verlieren? Hat sie einen fatalen Fehler gemacht, von dem sie noch nichts ahnt?
  • Ängste: Der Leser wird ahnen, dass sich der Höhepunkt des Romans im Wasser abspielt, wenn die Hauptfigur eine entsprechende Phobie hat.
  • Setting: Stürme, Gewitter oder Naturkatastrophen können andere unheimliche Ereignisse einleiten.
  • Symbole: eine verdorrte Pflanze, ein zerbrochener Spiegel u.ä. können auf Unglücke hinweisen.
  • Gegenstände: Der seltsame Koffer, der zu Beginn des Romans auftaucht und dessen Inhalt mysteriös bleibt, spielt beim Höhepunkt der Geschichte eine entscheidende Rolle.
  • Gefahren: Steven Spielberg nutzt dieses Mittel in nahezu jedem seiner Action-Filme. Wenn Indy beispielsweise aufgespießte Schrumpfköpfe vor dem Heiligtum findet, deutet dies darauf hin, dass die Bewohner des Dschungels nicht gerade zimperlich mit Fremden umgehen. Um so wirksamer ist dann die Begegnung mit den Leuten.
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8 Gedanken zu “Spannender schreiben mit epischen Vorausdeutungen

  1. Jupp, discovery writer bekommen Schwierigkeiten, und auch Leute, die mit einem halben bis dreiviertels Plan loslegen (also, ich).
    Es lebe die Überarbeitung! Und meine Alphaleserin.

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  2. Was diese Methode angeht, da hat z.B. J. Michael Straczynski schon in der ersten Staffel von Babylon 5 Informationen und „Visionen“ gestreut, was in Staffel 3 und 4 alles auf den Zuschauer zukommt. Das war ein herrliches Mitraten beim ersten Schauen. Ich denke, in der geschriebenen Version klappt es garantiert ebenso gut. Setzt natürlich voraus, man weiß schon genau, was letztendlich passieren wird.

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