5 Wege, Plots zu brainstormen

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Das Plotten eines neuen Romanprojekts erfüllt mich immer mit gemischten Gefühlen. Plotten macht Spaß. Ich kann meiner Fantasie freien Lauf lassen und eine Geschichte erträumen, die ganz nach meinen Ideen und Vorlieben beschaffen ist. Aber Plotten ist auch richtig harte Arbeit. Plotten bedeutet, in logischer Abfolge einen Schritt nach dem anderen zu tun.

Kein Wunder also, dass Plotten anstrengend ist und auch ziemlich respekteinflößend. Zum Glück gibt es ein paar Wege, das Brainstorming systematisch anzugehen, so dass ich der Sache etwas lockerer begegnen kann.

1. Die Grundlagen

Ich beginne ein Brainstorming, indem ich die Grundidee oder den Pitch meines Projektes in die Mitte eines Blattes schreibe (entweder echtes Papier oder auch virtuell mittels einer App wie z.B. Scapple). Nun schreibe ich wild darum herum alles, was mir noch Grundlegendes dazu einfällt. Dabei konzentriere ich mich zunächst voll und ganz auf die Hauptfigur meines Romans. Wie soll ihre Entwicklung aussehen? Wie lautet meine Prämisse? Welche konkreten Szenen bieten sich an, um diese zu beweisen?

Anfang und Ende der Geschichte und die wesentlichen Entwicklungspunkte habe ich meistens schon im 7-Punkte-System erarbeitet. Hier geht es darum, konkrete Ideen für Szenen zu finden, die diese Punkte in Handlung umsetzen.

2. Konflikte und Komplikationen

Ich neige dazu, zu geradlinig zu plotten. Ich muss mich häufig darum bemühen, Try fail Cycles und Konflikte zu finden. Was könnte alles schiefgehen? Welche Schwierigkeiten liegen auf dem Weg der Hauptfigur, um ihr Ziel zu erreichen. Was tut der Schurke des Romans, um ihr das Leben schwer zu machen? Was ist das Schlimmste, das ihr passieren kann? Wer kann sie noch hintergehen und betrügen? Was kann oder muss sie verlieren?

Je mehr eine Figur leidet, desto größer ist später die Sogwirkung des Romans. Natürlich darf auch nicht übertrieben werden. Aber die Bremse kann ich später beim Überarbeiten wieder anziehen. Noch geht es darum, aus dem Vollen zu schöpfen.

3. Überraschende Wendungen

Oft haben die Ideen, die nun auf dem Papier stehen, gemeinsam, dass sie nicht besonders originell sind. Was mir als erstes einfällt, ist in der Regel auch das, womit der Leser mit großer Wahrscheinlichkeit rechnet. Und obwohl es nicht verkehrt ist, die Erwartungen des Lesers hier und da zu bestätigen, muss es auch Situationen geben, in denen er überrascht wird.

Was kann ich Ungewöhnliches einer Szene hinzufügen? Womit rechnet der Leser – und wie kann ich diese Erwartungshaltung nutzen, um ihn zu überraschen?

4. Subplots, Plot hinter dem Plot und was der Leser (vielleicht) noch so alles nicht sieht

Ich in ein zielstrebiger Mensch. Wenn ich einkaufen gehe, gucke ich mir nicht an, was der Laden so alles im Angebot hat. Meistens weiß ich genau, was ich will, gehe drauf zu, schnappe es mir und renne auf dem kürzesten Weg zur Kasse, um die Sache hinter mich zu bringen.

Beim Plotten neige ich zu einem ähnlichen Verhalten.

Was mir beim Einkaufen viel Zeit und Stress erspart, ist für das Brainstorming eines Romans tödlich. Hier geht es genau darum, Seitenarme der Handlung, Komplikationen und überraschende Wendungen zu finden, also darum, im Ideenwald ein wenig herumzustreunen und zu schauen, was es noch rechts und links vom Weg gibt.

5. Keine Struktur!

Wohlgemerkt, noch kommt es nicht darauf an, ein großes, plausibles Ganzes zu erschaffen. Das Brainstorming bleibt steinbruchartig und unzusammenhängend. Hier will ich nur Ideenbruchstücke sammeln, aus denen ich später auswählen kann.

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13 Antworten auf “5 Wege, Plots zu brainstormen”

  1. Vielleicht kann man sich bei der Konkurrenz umschauen, um zu sehen, wie sie es gemacht haben und sich da Anregungen holen. Vielleicht kann man sich überlegen, was man warum anders machen will. Wie kann man es anders aufziehen? Woran haben die anderen Autoren noch nicht gedacht, was trotzdem sinnvoll ist? Welche Klischee nerven? Wodurch kann man sie klug ersetzen?
    Ansonsten kommen manche Ideen durch die Recherche. Solche Hindernisse sind möglich.

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  2. Viele Ratgeber hören genau da auf, wo Du nun auch aufgehört hast. Schreib doch bitte mal über die Gretchenfrage, wie man denn nun diese Bruchstücke zusammenfügt und worauf man da achten muss. Im Abschnitt 1 sagst Du, dass Du Anfang und Ende und die wesentlichen Wendungen bereits im 7-Punkte-System erarbeitet hast. Bist Du denn damit nicht schon weiter, als dem Punkt des Ideen-Suchens und Plottens?

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    1. Es hat einen Grund, denke ich, dass deine Frage so schnell niemand beantwortet, denn es ist halt einfach ein Puzzlespiel, das weder objektiv noch allgemeingültig geklärt werden kann.

      Kennst du James N. Freys The Key? Dort brainstormt und entwickelt er einen ganzen Roman am praktischen Beispiel. Das hilft dir vielleicht weiter.

      Axel und ich machen es so ähnlich in unseren Brainstorming-Podcast-Folgen, nur nicht so ausführlich wie Frey. Kennst du die?

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    2. Die Bruchstücke setzt man zusammen (oder ich mach das zumindest so), indem man sie 1. nach dem Wann sortiert – also in welcher Reihenfolge sie sich in der Geschichte ereignen, und 2. nach dem Wo – also an welchen Orten innerhalb der Welt der Geschichte Konflikte und Charakterentwicklungen sich ereignen könnten.

      Nicht alle Szenen, Konflikte und Entwicklungen lassen sich gleich zuordnen und es wird riesige Lücken geben, aber so kannst du erstmal ein ganz grobes Gefühl dafür kriegen, wie der Plot strukturiert werden könnte.

      Als nächstes siehst du dir die Lücken an. Was fehlt? Was könnte passieren, um z.B. deinen Charakter in die Richtung zu entwickeln, die du in der grob anvisierten Mitte der Geschichte brauchst? Und wenn das nicht geht, kannst du an der Mitte was ändern? Wie wirkt sich das auf die späteren Szenen aus?

      Behalte dabei die Bruchstücke im Auge, die du in den ersten beiden Schritten noch nicht zuordnen konntest. Passen sie in eine der Lücken? Was müsste passieren, damit eines hier oder da hin passt?

      Bei mir läuft das in der Regel so, dass ich irgendwann die ersten paar Kapitel gut ausgeplant habe, aber danach ist alles eher ungewiss mit kleinen Inseln aus ‚Diese Szene muss auf jeden Fall passieren‘ und ‚Diese Szenen müssen auf jeden Fall in dieser Reihenfolge passieren‘.

      Ich fang dann schon an, Fließtext zu schreiben, vor allem weil meine Charaktere erst durch Detailarbeit so wirklich Profil bekommen und ich ausprobieren muss, was wie wirkt, was funktioniert usw. Dabei kommen mir viele Ideen für die spätere Handlung, mal Bruchstücke, mal was zur Reihenfolge o.ä. was ich dann im Grobentwurf ergänze.

      Ich gehe immer wieder mal über den Grobplot drüber, baue ihn aus und um mit den neuen Ideen und Möglichkeiten, die ich beim Schreiben entdeckt habe.
      Außerdem mache ich immer wieder Brainstormings zu den Lücken, die noch existieren. Also, ich fokussiere dann auf eine ganz bestimmte und versuche, sie irgendwie zu füllen. Dabei kommt auch viel bei rum, das in andere Lücken passt oder an anderen Stellen ergänzt werden kann.

      Ein wichtiger Aspekt an der ganzen Sache ist auch, Szenen und Entwicklungen rauszuwerfen, die einfach nicht passen.

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      1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Sie füllt die Lücken, die mir noch nicht klar waren. Besonders Dein Hinweis, Fliesstext zu schreiben und so Ideen zu gewinnen, ist spannend. Das Verknüpfen der einzelnen Ideen- und Szeneninseln ist die hohe Kunst des Schreibens.

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      2. @tinu vo Heimberg: Fließtext kann super hilfreich sein. Ich schreib oft Szenen aus, die in der Geschichte noch nicht ‚dran‘ sind, entweder von Hand oder in ein separates Textfile. Dabei fällt so viel auf, was die Szene an weiterer Vorbereitung braucht und/oder was sie später möglich oder notwendig mache könnte 🙂
        Manche Autor_innen kommen besser damit zurecht, Planung und Fließtext streng zu trennen, aber ich hab mit dem Mischen nur gute Erfahrungen gemacht.

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  3. Ich denke, bei dem „bei der Konkurrenz umschauen“ läuft man schnell Gefahr, ähnlich oder gleich zu werden. Dieses sogenannte anders machen wirkt dann eher wie eine versuchte Kopie der Konkurrenz.

    Brainstorming oder Mind Mapping finde ich da weitaus besser.

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  4. Beim Brainstorming und Mindmapping benutzt man ja auch mitunter bekanntere Ideen, die man irgendwo aufgeschnappt hat.
    Konkurrenzbeobachtung wird wahrscheinlich ein Teil sein, um auf neue Ideen zu kommen. Man weiß, was möglich ist. Ach, so kann man Hürden einbauen. Natürlich muss man sie auch so anpassen, dass daraus etwas Eigenes entsteht.

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