5 Tipps für runde Figuren

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Es reicht nicht, im Roman sympathische Figuren auftreten zu lassen. Sie müssen auch rund sein, damit der Leser mit ihnen mitfiebern kann.

Ich habe an mir selbst beobachtet, dass ich dazu neige, Figuren vor allem in ihrer Funktion für den Plot zu betrachten. Das kann gut für den Plot sein, führt aber in der Regel nicht zu runden Figuren, sonder zu eindimensionalen Marionetten.

Folgende 5 Tipps haben mir dabei geholfen, runde Figuren zu entwerfen, mit denen Leser sich noch besser identifizieren können:

1. Die Veränderung der Rolle

Jeder spielt im Leben eine bestimmte Rolle, meistens sogar mehrere, je nach Situation und Umfeld. Die liebevolle Mutter zu Hause ist unter Umständen die kühne Geschäftsfrau im Unternehmen und die rebellische Tochter bei ihren eigenen Eltern.

Im Roman ist es sinnvoll, sich auf eine dieser Rollen einer Figur zu konzentrieren. Besonders interessant wird es für den Leser, wenn diese Rolle sich im Laufe der Handlung verändert. Die Kinder sind irgendwann aus dem Haus. Das Geschäft geht den Bach runter. Die Eltern sterben. Wie reagiert diese Figur auf die Veränderung ihrer Rolle?

Selbst wenn es manchen Lesern nicht bewusst sein mag, so teilt jeder diese grundlegende Erfahrung früher oder später. Aus der Schülerin wird eine Studentin. Aus dem Arbeitnehmer ein Rentner. 

2. Die Erschütterung des Glaubens

Jeder von uns hat ein System aus Überzeugungen, die für ihn die Mitmenschen, die Gesellschaft und das Universum erklären. Der eine meint, dass Gier die Gesellschaft prägt, der nächste glaubt, dass Gott unser Schicksal lenkt.

Es ist nicht nur wichtig, genau zu wissen, woran eine Figur glaubt. Es ist auch interessant für den Leser mitzuerleben, wie Glaube und Überzeugungen der Figur erschüttert werden. Macht die Figur einen Wandel durch? Erkennt sie, dass das, woran sie geglaubt hat, am Ende nicht funktioniert?

Wir alle suchen nach der Erklärung für die Phänomene, die uns in der Realität begegnen. Diesen Kampf um Weltverständnis mitzuerleben, kann eine hohe Bindung des Lesers bewirken.

3. Die enthüllten Geheimnisse

Jeder von uns hat seine kleineren oder größeren Geheimnisse. Geheimnisse haben es an sich, dass sie, hm, geheim bleiben sollen. Niemand möchte, dass diese Details aus den intimsten Teilen seines Privatlebens nahestehende Personen bekannt oder sogar in der Öffentlichkeit breitgetreten werden.

Geschieht dies doch, so wird die Figur verletzlich. Dass private Geheimnisse enthüllt werden, ist eine unserer unangenehmsten Situationen und größten Ängste. Um so interessanter und vor allem emotional herausfordernder ist es, mitzuerleben, wie dies einer Romanfigur geschieht und wie sie damit fertig wird.

4. Der Kampf um Kontrolle

Einerseits müssen vor allem die Hauptfiguren einer spannenden Geschichte Entscheider sein, die ab einem bestimmten Punkt des Plots das Geschehen in die Hand nehmen. Wissen die Figuren einer Geschichte, zumindest eine gewisse Strecke des Romans über, nicht, was auf sie zukommt und wie sie mit den Ereignissen fertig werden können, erhöht dies die Bindung mit dem Leser, da er dieses Gefühl mit großer Wahrscheinlichkeit kennt und als ausgesprochen unangenehm empfindet. Er fühlt mit.

5. Verlust und Tod

Keiner Geschichte schadet das Erlebnis von Verlust. Tod ist der größte Verlust, den ich erleiden kann. Nahezu jeder hat dieses starke Gefühl bereits durchgemacht und kann deswegen besonders gut nachvollziehen, wie sich eine Figur fühlt, die einen ähnlichen Verlust erlebt hat.

Es muss jedoch nicht gleich der Tod einer nahestehenden Person sein, der die Figuren leiden lässt. Manchmal reicht auch schon der Verlust des Jobs – eine Angst, die nahezu jeder teilt und eine Erfahrung, die ebenfalls viele Leser bereits gemacht haben – oder der Heimat usw.

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9 Antworten auf “5 Tipps für runde Figuren”

  1. Anne, das kann man umsetzen, mehrmals selbst in mehreren Geschichten umgesetzt.

    An sich gute Ideen. Vielleicht sollte man hinzufügen, dass Dilemmas und verständliche Widersprüche eine Figur auch rund machen.

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  2. Danke für die tollen Tipps. Mir gefällt vor allem der zweite, aber ich sehe ihn sehr breit. Persönlich lese ich auch gerne Romane/Geschichten, wo der Protagonist von einem Augenblick zum nächsten aus seiner sicheren Welt ins Chaos katapultiert wird. Und dann setzt die Handlung ein, wo er mitten in dieser Herausforderung steht.

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  3. Weiß nicht, ob du’s vielleicht woanders geschrieben hast – Anonym hat’s erwähnt:
    innere Widersprüche sind ganz wichtig. Jeder Mensch hat Schwächen, die machen ihn erst menschlich und verleihen der Figur Farbe und Plastizität. Sie müssen nicht unbedingt verständlich sein! Gerade das Irritierende ist der Stachel im Fleisch, der den Leser oft auch nach der Lektüre nicht mehr loslässt.
    Das Schlimmste sind Klischees: Der Arbeitslose säuft (von mir aus aus Frust, macht’s aber auch nicht besser), der Sozialarbeiter hat ein warmes Herz unter einer coolen Schale, und der Inspektor ist sowieso immer ein vom Leben enttäuschter einsamer Wolf mit Beziehungsproblemen, der allem zum Trotz für die Gerechtigkeit kämpft.
    Was eine Figur erst wirklich interessant macht, sind Dinge, die man von ihr oder ihrem Typus gar nicht erwarten würde. Solche Brüche müssen, versteht sich, natürlich sparsam eingesetzt werden.

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