Wie man ein verdammt gutes E-Book schreibt

Wie man ein verdammt gutes E-Book schreibt

Heftromane sind die Schmuddelkinder des Literaturbetriebs. Sie sind auf dem Buchmarkt das, was in der Schule die bösen Jungs sind, die jeder lieber ignoriert, wenn es geht – die aber trotzdem alle kennen. Niemand gibt gerne zu, mit ihnen abzuhängen, doch wer sich  auf sie einlässt, kann eine verflixt spannende Zeit haben.

Heftromane sind im E-Book ein lohnendes Genre

Die Blütezeit der Trivialliteratur als Romanheft, das am Kiosk verkauft wird, ist vorbei. Dafür erleben Heftromane im Veröffentlichungsmedium E-Book gerade ihren zweiten Frühling.

E-Book-Reader wie Amazones Kindle sind ideal für das Lesen von Trivialliteratur. Heftromane sind ein kurzlebiges Medium. Sechzig Seiten sind schnell weggelesen, da braucht man rapide Nachschub.

Dank E-Books entfällt der lästige Gang zum Kiosk oder das Schleppen von Heftstapeln.

Außerdem ist ein Kindle immer ein Kindle, ganz gleich, was darauf gelesen wird. In Bus und Bahn kann jeder ganz ohne Scham seinem Lieblingsschmöker frönen, ohne dabei Naserümpfen zu ernten, weil er ein Romanheft liest.

Heftromane sind ideal für Self-Publisher

Deswegen wählen  viele Self-Publisher Formate und Inhalte für ihre Werke, die denen der Heftromane – wenigstens teilweise – ähneln. Der Umfang eines Heftromans hat sich für E-Reader bewährt. Kunden erwarten für einen Preis von 0,99 Cent kein Epos.

Für den Autor, der seine Werke selbst auf Amazon oder ähnlichen Plattformen veröffentlichen will, bietet ein am Heftroman orientiertes Format den Vorteil, dass er nur ca. 25.000 Wörter schreiben muss.

Auf diese Weise lohnt es sich für Self-Publisher im Medium E-Book eher, über das Jahr verteilt viele kleinere Romane zu veröffentlichen, als einen 250.000-Wörter-Schmöker, den sie bestenfalls für 2,99 oder 3,99 verkaufen können.

Trivialliteratur schreiben – so wird’s gemacht

Eine wirklich gute Anleitung zum Schreiben von Heftromanen bietet das Buch „Heftromane schreiben und veröffentlichen“ von Anna Basener.

In knapper und klarer Form präsentiert Basener einen praktischen Schreibratgeber. Sie liefert das ABC (buchstäblich) des Heftromanschreibens, eine praktische Formel, mit der Liebesromane entworfen und umgesetzt werden können.

Sie zeigt, wie Ideen für den Plot eines Heftromans entwickelt werden, wie diese zunächst zu einem Exposé, dann zu einem Treatment reifen, wie man Figuren entwickelt, in praktischen Übersichten festhält und schließlich das fertige Werk erstellt.

Darüber hinaus verrät die Autorin, wie der Arbeitsalltag von Heftromanautoren aussieht und wie es gelingen kann, in der Branche Fuß zu fassen.

Die Techniken des Heftromans – Rüstzeug für jeden Autor

„Heftromane schreiben und veröffentlichen“ ist jedoch nicht nur für angehende Heftromanautoren oder Self-Publisher eine wichtige Lektüre. Ich meine, es ist für jeden Autor interessant.

Denn neben allen Berührungsängsten, die mancher vor Trivialliteratur empfinden mag, muss jedem, der Schreiben ernst nimmt, klar sein, dass auch Schriftsteller anderer Literatursparten ihr Handwerk gründlich lernen müssen.

Und nur in wenigen anderen Schreibratgebern deutscher Autoren habe ich das bisher so klar formuliert und auf den Punkt gebracht gelesen wie in Anne Baselers Buch.

Das Verfassen von Exposés beispielsweise gehört in den Werkzeugkasten  eines jeden Autors, der sich bei einem Verlag oder Agenten bewerben will. Der Umgang mit Figurenübersichten und Treatments kann nicht schaden. Und so weiter.

Ergänzt wird alle Theorie mit einem Beispiel, so dass am Ende der Lektüre keinerlei Fragen mehr offen bleiben.

Mich hat besonders die Effizienz beeindruckt, die hinter der Arbeitsweise an Heftromanen steckt. Wer eine Karriere als Heftromanautor anstrebt, muss in kurzer Zeit lesbare Texte verfassen können. Die Techniken, die Basener in ihrem Buch vorstellt, sind auf diesen Zweck abgestimmt. Aber auch jeder andere Autor, der nicht hauptberuflich schreibt und dessen Schreibzeit knapp ist, muss darauf achten, effizient zu arbeiten. Hier kann man sich dafür viele Anregungen holen.

Ein kleines Manko ist für mich, dass in „Heftromane schreiben und veröffentlichen“ nur auf das Schreiben von Liebesromanen eingegangen wird. Andere Genres werden nur am Rand erwähnt.

Allerdings dürfte es jemandem, der sein Genre gut kennt, wenig Probleme bereiten, Baseners Buch auch für sich zu adaptieren.

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8 Gedanken zu “Wie man ein verdammt gutes E-Book schreibt

  1. Ein schöner Artikel, nur in einem Punkt stimme ich nicht überein … wenn ein Heftroman ca. 60 Seiten umfasst, dann reicht meiner Berechnung nach auch eine Wortzahl von ca. 18.000 bis 20.000 Worten … mehr muss es für 99 Cent dann auch nicht sein … eigentlich müsste es sogar teurer sein …

    Ich persönlich biete ja auch Kurzgeschichten mit weniger als 5.000 Worten zum Preis an … sonst stimmt die Relation ja nicht mehr, im Vergleich zu den normal erscheinenden Romanen mit 25.000 bis 30.000 Worten, die dann 2,99 € oder 3,99 € kosten
    Denn nicht jeder schreibt dicke Wälzer mit über 100.000 Worten, ebenso, wie es auch Leser gibt, die eher kurze Sachen lesen mögen, eben weil sie schneller konsumiert sind.

    Allerdings bin ich auch immer wieder irritiert, wenn ich Bücher bei Amazon sehe, bei denen 12 Seiten für 2,68 € angeboten werden … wohlgemerkt keine Ratgeber, sondern echte Trivialliteratur.

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    • Ich hab die Zahlen nur aus dem Buch übernommen und nicht noch einmal nachgerechnet oder überprüft, um ehrlich zu sein.

      Ich denke allerdings, dass der Preis eines Buches wahrscheinlich nicht allein vom Umfang abhängt.

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      • Danke für den Tipp.

        Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, was die technische Seit angeht, da ich ja (zumindest noch) kein Self-Publisher bin. Zu privaten Zwecken habe ich mal ein E-Book mit Scrivener erstellt. Das ging per Knopfdruck binnen Sekunden und konnte mit dem Kindle, iBooks und gängigen Apps dann problemlos dargestellt werden.

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