Warum es jeden Text als E-Book geben sollte. Eine Antwort auf Friedrich Forssman

Diese Woche hat der Blogartikel von Friedrich Forssman „Warum es Arno Schmidts Texte nicht als E-Book gibt“ hohe Wellen geschlagen. Als E-Book-Enthusiast konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, mich hier mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen. Wer Forssmans Polemik noch nicht gelesen hat, sollte es noch tun. Es lohnt sich. Sehr amüsanter Text.

E-Books: „alberne Dateien, die gern Bücher wären, es aber niemals sein dürfen“?

Wie viele andere in der E-Book-vs.-gedrucktes-Buch-Debatte vermischt Forssman verschiedene E-Book-Phänomene, wenn er zum Beispiel sagt, E-Books seien „alberne Dateien, die gern Bücher wären, es aber niemals sein dürfen“.

Forssman spricht mit großer Wahrscheinlichkeit von Werken, die von Selfpublishern als E-Books veröffentlicht werden. Denn dass Klassiker und Neuheiten inzwischen auch als E-Book erscheinen, kann er nicht meinen. Die waren ja mal gedruckte Bücher oder sind es nach wie vor.

Er setzt voraus, dass Gedrucktes prinzipiell wertvoller sei als Digitales. Ich streife das Thema nur. Detaillierter und kompetenter hat sich damit Zoe Beck auseinandergesetzt.

Nur so viel: Forssman ignoriert, dass es schon immer Selbstveröffentlichungen gegeben hat.

Was haben wir früher Kurzgeschichtenbände und Romane mit dem Fotokopierer gebastelt, Fanzines zusammengestellt und eigene Comics gedruckt. Die wurden dann mühsam auf dem Schulhof, in der Uni oder per Post vertickt, nur die wenigsten schafften es auch in Läden. Heute kann ich das alles mühelos auf Amazon oder auf meinem eignen Blog als E-Books veröffentlichen.

Es hat sich also nur der Vertriebsweg geändert. An dem Phänomen selbst hat sich nach meiner Beobachtung nichts getan. Auch die Reichweite dürfte sich bestenfalls minimal erhöht haben.

Was sich massiv gesteigert hat, ist die Wahrnehmung. Zum ersten Mal stehen auf Plattformen wie Amazon selbstpublizierte Werke neben Verlagsbüchern mehr oder weniger gleichberechtigt.

Das ist für meine Begriffe eine Demokratisierung des Buchmarktes, die den Leser von der Aufsicht von Verlagsprogrammen befreit. Als überzeugter Demokrat finde ich das gut.

Was spricht gegen mehr Wettbewerb, außer, dass etablierte Verlage sich in Zukunft (vielleicht) noch mehr anstrengen müssen, um ihre Käufer zu finden? Ich bin unter dem Eindruck groß geworden, dass Konkurrenz das Geschäft belebt.

Die Vergänglichkeit von E-Books und der Wert von Büchern

Das Medium E-Book werde der Verbreitung von Büchern schaden, da man nur die Lizenz zu deren Nutzung erwerbe, sie jedoch nicht verleihen oder seine Bibliothek vererben könne, meint Forssman.

Ob ich eine Datei auf meiner Festplatte oder in einer Cloud habe, spielt meiner Meinung nach keine Rolle. Sicherlich, z.B. Amazon könnte Pleite machen und meine dort erworbenen Bücher könnten dann futsch sein.

Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Was tatsächlich mit meinen E-Books geschieht, wenn der unwahrscheinlich Fall eintritt, dass Amazon den Bach runtergeht, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich würde es einen Insolvenzverwalter geben, einen Nachfolgebertreiber oder was weiß ich, der mir mein Angebot weiterhin sichern wird. Mit den Dingern lässt sich Geld verdienen, also wird das Modell nicht sang- und klanglos verschwinden.

Falls doch – nun gut, dann ist meine „Bibliothek“ futsch. 95% meiner Bücher werde ich nicht vermissen, denn ich lese sie ohnehin nur einmal. Die restlichen 5% würde ich neu erwerben. So wie ich auch meine gedruckten Lieblingsbücher schon mehrmals gekauft habe, weil es neue Übersetzungen, schickere Ausgaben oder sonstwas gab (Manchmal habe ich sie auch verliehen und nie wiedergekriegt. Ein Nachteil von gedruckten Büchern, den Forssmann verschweigt.).

Also, was ist mit dem „Wert“ der Bücher?

Ganz einfach: Es gibt keinen.

Bücher haben für mich einen ideellen Wert. Dieser hängt aber nicht davon ab, ob sie gedruckt oder digitalisiert vorliegen. Texte leben vor allem in meiner Erinnerung und in meiner Fantasie. Dafür sind sie da, nicht fürs Regal.

Der monetäre Wert strebt gegen Null. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe erfolglos versucht, meine Papierbuch-Bibliothek zu verkaufen (und es war Einiges an klugen Sachbüchern, „wertvoller“ Literatur und/oder schicken Ausgaben dabei).

E-Books und Ausleihen

Wo Forssman auch irrt: E-Books könnten nicht verliehen werden.

Mal abgesehen davon, dass es Ausleihportale für digitale Inhalte gibt, kann ich selbst  die bösen Kindle-E-Books ausleihen.

E-Books seien nicht praktisch, meint Forssman weiter.

Auch auf die Gefahr hin, auf das Niveau einer Sandkastenschlacht abzusinken: Doch, das sind sie.

Sie setzen keinen Staub an, vergilben nicht oder werden auf andere Weise unansehnlich. Ich kann dank E-Book-Reader jeden noch so dicken Wälzer bequem in einer Hand halten usw.

Ja, wenn mein iPad ins Badewasser fällt, wie Forssman befürchtet, habe ich (vielleicht) ein Problem. Ich hab’s noch nicht ausprobiert. Mein Handy hat ähnliche Unfälle bisher überlebt.

Die meisten gedruckten Bücher überstehen aber intensiven Kontakt mit Badewasser auch nicht unbeschadet. Gerade um meine 200-Euro-Echtleder-Ausgabe von Arno Schmidts „Leviathan“, die Forssman so sehr schätzt, wäre es doch besonders schade – im Gegensatz zu einem 49-Euro Kindle.

E-Books und der Buchmarkt

Natürlich sind illegale Kopien ein Problem, wie Forssman anmerkt. Aber er kann sich nicht so ganz entscheiden, ob das kostenlose Weitergeben von Inhalten nun gut oder schlecht ist:

Verleihen ist gut, Raubkopieren ist schlecht? Worin besteht der Unterschied?

Beides hat gemeinsam: Ein Buch wird einmal gekauft, hat im Laufe der Zeit aber mehrere Leser, die für die erneute Lektüre nicht zahlen. Das war schon immer so, sei es, dass man das Buch im Freundeskreis herumgereicht, verschenkt, weiterverkauft oder fotokopiert hat.

Digitale Raubkopien mögen die Anzahl der nichtbezahlten Kopien, die im Umlauf sind, beträchtlich erhöhen. Aber weder die Film- noch die Musikindustrie hat das Raubkopieren bisher gekillt (sehr wahrscheinlich geschadet, doch auch das ist bekanntermaßen strittig).

Ich bin weit davon entfernt, illegales Kopieren schönzureden. Sollte man nicht tun. Ist ein Problem. Neu ist das Phänomen allerdings nicht und schon gar nicht an E-Books im Besonderen gebunden.

Gedruckte Bücher und Ästhetik

Forssman nennt viele weitere Argumente: Bücher könnten überall herumliegen, schick gestapelt werden, ein Archiv dessen bilden, was bereits gelesen wurde oder noch gelesen werden soll, mit dem man vor Besuchern prahlen kann, zwischen die Bücher in die Regale könne man schmucke Schneekugeln stellen usw.

Alles Dinge, die ich mit meinen Büchern eben nicht machen will.

Ich hasse die Bildungsprotzerei, bei der „wertvolle“ Literatur im Regal dem Gast präsentiert wird, damit er gefälligst ehrfürchtig vor mir zu erschauern hat, weil ich bereits so viel Hochgeistiges gelesen habe.

Ich möchte auch in keinem Trödelmarkt wohnen, zwischen Dekoration, Papierstapeln und Kleinkram. Meine Mutter nannte so was früher „Räum gefälligst dein Zimmer auf!“. Und auch wenn ich das damals anders gesehen habe: Recht hatte sie.

Aber das ist Geschmackssache. Ich möchte niemandem sagen, wie er seine Wohnung zu gestalten hat. Wieso will Forssman es also mir vorschreiben?

Die Macht der Konzerne

Letztlich kommt Forssman mit dem Kulturpessimismushammer (klar, er ist ja Arno-Schmidt-Fan): Große Konzerne würden mittels E-Books in Zukunft entscheiden, was wir lesen dürfen.

Es stimmt, wir lesen fremdgesteuert. Das war schon immer so.

Ob es nun Literaturkritiker, Verlagslektoren, Programmplaner oder Konzernmanager sind, die bestimmen, was lesenswert ist und was nicht – ich wage nicht zu beurteilen, was davon besser oder schlechter ist.

Und auch hier ist das von Forssman benannte Problem die eigentliche Lösung: Je mehr Selfpublisher und E-Book-Kleinverleger es gibt, desto größer ist die Auswahl für den Leser.

Im Prinzip kann jeder Autor sein eigenes Buch heute ohne großen finanziellen Aufwand auf seiner Website zum Download anbieten. Ob man das tatsächlich tun sollte, ist eine andere Frage.

Somit bieten E-Books jedenfalls das Potenzial, den Leser vom fremdgesteuerten Lesen zu befreien.

Mein Fazit

Es gibt meiner Ansicht nach keine vernünftigen Argumente gegen E-Books. Jeder Text sollte in absehbarer Zeit als E-Book verfügbar sein. Ich kann daran keinen Nachteil erkennen.

Es gibt nostalgische oder persönliche Vorlieben, die ich niemandem nehmen möchte. Wer es liebt, seine Papierbücher zu lesen und zu sammeln – warum nicht?

Aber ich finde es befremdlich, wenn gegen ein fortschrittliches Medium pauschal und polemisch gewettert wird.

Ich habe schon häufiger auf ähnliche Weise den Untergang der abendländischen Kultur prophezeit bekommen, als ich zählen kann.

In meiner Kindheit fühlte sich der Kulturbetrieb durch Comics bedroht. Die Hefte würden den Charakter der Jugend verderben, schlechte Lesegewohnheiten etablieren, fragwürdige pädagogische Einflüsse ausüben usw. Ähnliches galt in meiner Jugend für SF- und Fantasyliteratur oder Rockmusik.

Und die CD war das Ende von Musik als Kulturgut, genauso wie ein paar Jahre später das mp3-Format.

Inzwischen sind sowohl Comics als auch Rockmusik im Mainstream angekommen, Science Fiction und Fantasy gelten in vielen Kreisen sogar als ernstzunehmende Kunstform. Tolle Musik gibt es auch weiterhin.

Die abendländische Kultur ist nicht untergegangen.

Das werden auch die albernen Dateien nicht schaffen, die gerne Bücher wären.

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42 Gedanken zu “Warum es jeden Text als E-Book geben sollte. Eine Antwort auf Friedrich Forssman

  1. Hallo Marcus,

    ich musste erst mal googlen, wer dieser Forssman überhaubt ist. Ich konnte mir auch nur die Hälfte seines Textes durchlesen. Dieser Mensch hasst alles Fortschrittliche, zumindest habe ich das Gefühl. Mir past die Firmenpolitik von Amazon und Weltbild auch nicht. Ich muss die E-books dort aber auch nicht kaufen. Es gibt andere Anbieter, deren E-books auf fast allen Readern funzen und ohne lästige Werbung.
    Ich finde es befremdlich, wenn Menschen sich hinstellen und etwas anprangern, was sie nicht mögen, sich aber nicht wirklich und intensiv mit der Materie auseinander gesetzt haben. Das spreche ich Herrn Forssman nämlich ab. Er hat sicherlich einige negative Seiten des E-Book’s angesprochen. Meiner Meinung nach überwiegen aber die Vorteile. Ich kann jederzeit, überall lesen und habe mein 5 Zoll Smartphone in einer Hand. Ich brauche für einen dicken Schmöker keinen Rucksack mitnehmen und wenn ich das eine Buch ausgelesen habe, kann ich gleich ein Neues anfangen.
    Ich habe diverse Bücher als Festband für damals 50,- DM gekauft. Sie haben schöne Schutzumschläge und ansonsten groß und schwer und garantiert nichts für den Strand. Die habe ich immer nur zu Hause gelesen, weil ich sie nicht beschädigen wollte. Später habe ich nur noch Taschenbücher gekauft, die viel billiger waren und auch verknicken durften.

    Ansonsten, kann ich Emma nur beipflichten. Guter Text.

    Carsten

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    • Man sollte sich Forssmanns Text schon durchlesen. Er hat meiner Ansicht nach nur formuliert, was sehr, sehr viele E-Books-Skeptiker denken und gibt damit einen Einblick in die Vorurteile, die mehr oder weniger unausgesprochen existieren. Und er zeigt, wie die „Kulturschaffenden“ ticken.

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      • Hi Marcus,

        habe jetzt mal alles durchgelesen und auch die Kommentare. Ich war vor einem Jahr auch noch kein E-Book-Jünger. Meine Zweifel lagen aber wo anders. Da ich als SciFi Fan davon ausgegangen war, nicht alle Bücher als E-Book zu bekommen, habe ich mich gar nicht so damit beschäftigt. Herr Forssmann sieht die E-Books als Gefahr für das geschriebene Buch, das sehe ich nicht. Ich glaube, dass e-Books gerade auch von Leuten konsumiert werden, die eher kein Buch in die Hände nehmen. Die aber in dieser neuen Form zum Lesen geführt werden.
        Wo ich ihn aber Recht gebe, ist die DRM Geschichte, die ist grundsätzlich von übel, und die „Abzocke“ von einigen Anbietern. Hier ist aber wieder der gesunde Menschenverstand gefragt. Ich muss ja nicht beim bösen Anbieter kaufen.

        In einem der Kommentare stand auch, dass Jungautoren, die von keinem Verlag eine Chance bekommen hätten, jetzt kostengünstig ihre e-books durch Selbstvermarktung kostengünstig und einfach vermarkten können. Ich sehe die e-books als Chance. Das Radio gibt es doch auch immer noch, neben TV und Internet. Warum soll es denn ausgerechnet keine Papier-Bücher mehr geben.

        Carsten

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  2. ich finde bereits den titel von Friedrich Forssman sehr abgehoben. Arno Schmidt kenne ich, weil ich ein paar semester litertatur bei Jörg Drews studiert habe. die meisten menschen kennen Arno Schmidt nicht und lesen werden sie ihn auch nicht unbedingt können oder wollen. daraus etwas negatives für eBooks zu schließen, halte ich für schlichtweg falsch.

    Volker Oppmann schreibt in seiner replik „http://www.logbuch-suhrkamp.de/forum/volker-oppmann-warum-das-ebook-arno-schmidt-braucht-eine-replik-auf-friedrich-forssman“, dass Schmidt selbst sich der maschinen bediente. Oppmann: „Und ich mag mir gar nicht ausmalen, was Arno Schmidt alles mit einem modernen Computer und den Möglichkeiten der digitalen Technik angestellt hätte,…“. Arno Schmidt hätte vermutlich das potenzial gesehen, ausgereizt und etwas völlig neues erschaffen. Forssman jedoch sieht nur die beschränkung…

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    • Vielen Dank für den Link. Den Text kannte ich noch nicht.

      Allerdings gefällt er mir auch nicht. Er ist ja keine Antwort, im Sinne einer Gegenthese zu Forssmann, sondern eher eine Ergänzung. Es ist meiner Meinung nach jedoch sehr, sehr wichtig, den Kulturpessimisten zu widersprechen.

      Um der Gefahr entgegenzuwirken, als unkritisch wahrgenommen zu werden: Natürlich sehe ich auch negative Begleiterscheinungen, die der E-Book-Markt mit sich bringt. Aber wer sich z.B. vor der Datenkrake Amazon fürchtet, hat Alternativen. Diese Fixierung auf einen Anbieter leistet genau dem Phänomen Vorschub, gegen das sich die Kritiker eigentlich wenden. Das verstehe ich nicht.

      Als mündiger User kann ich meine E-Books auch bei vielen anderen Anbietern kaufen oder nur leihen oder was auch immer. Das ist ungefähr so, als wenn ich gerne Cola trinke, es aber sein lasse, weil Coca Cola mir nicht schmeckt und dagegen wettere, dass dahinter ein internationaler, böser Konzern steckt. Von der billigen Hausmarke eines jeden Supermarkts bis hin zu Konkurrenten, die auch geschmackliche Alternativen bieten (bin ein großer Fan von Dr. Pepper), habe ich doch eine riesige Auswahl. Am Ende kann ich mir auch meine eigene Cola machen, wenn mir alle Anbieter nicht gefallen. So schwer ist das nun auch wieder nicht.

      Wie ich bereits im Artikel angedeutet habe, sehe ich E-Books nicht als Geißel, sondern als Mittel zur Emanzipation des Lesers. Ich habe als Leser dank E-Books nicht nur eine viel größere Auswahl als noch zu Zeiten, zu denen allein die Verlage mit ihren Programmen mir vorschreiben, was ich zu lesen habe, ich kann auch noch das einzelne Buch, das ich gerade lese, mit dem Schrifttyp und in der Schriftgröße lesen, die ich bevorzuge.

      Klingt nur nach einer Kleinigkeit, ist mir persönlich aber sehr wichtig. Ich hasse eng bedruckte Seiten mit kleinen Buchstaben. Ich habe beim Lesen gerne viel weiße Fläche.

      Andere Leute mögen das nicht und wollen so viel Text wie möglich auf einer Seite haben. Aber das ist ja eben das Tolle an E-Books, ich kann meine Lektüre auf vielen Ebenen so gestalten, wie ich es möchte.

      Dadurch lese ich lieber, mehr und schneller als je zuvor. Das kann nicht ernsthaft als Nachteil gelten – außer, ich verdiene mit dem Gestalten von Büchern mein Geld.

      Und hier sind wir doch bei der Verlogenheit der Diskussion: Oppermann und Forssmann stellen sich selbst als Hüter der Lesekultur dar. Oppermann fordert sogar, „einen Jony Ive der Buchbranche“, der den Buchschaffenden zeigt, was die neue Technik kann. Allein schon diesen Satz finde ich peinlich.

      Er zeigt nicht nur die Ohnmacht und den Unwillen der Buchbranche, sich mit einem neuen Medium auseinanderzusetzen, er zeigt auch, dass im Ansatz nicht kapiert wurde, worum es geht.

      Es geht nicht darum, mit dem neuen Medium möglichst gut so weiterzuarbeiten wie bisher und die Strukturen so zu belassen, wie sie sind. Es wird eine Umwälzung geben, bzw. sie ist schon längst im Gange. Und diese stellt den Leser viel, viel mehr in den Mittelpunkt. Er ist nicht mehr reiner Konsument, der ehrfürchtig das nachvollziehen darf, was sich Kulturschaffende ausgedacht haben. Er ist selbst Teil dieses Prozesses geworden, entweder, indem er seine Lektüre ganz nach seinen Bedürfnissen gestaltet oder sogar selbst kreativ wird und Bücher veröffentlicht.

      Hinter der ganzen Argumentation von Forssmann und Oppermann steht die Überzeugung, dass der Leser unmündig ist und dringend auf Verlage und andere Buchgestalter angewiesen ist, die ihn als Profis mit dem Beglücken, was gut und richtig ist, weil er selbst das nicht entscheiden kann.

      Ich halte Verlage nicht für unwichtig, im Gegenteil. Aber sie sind EIN Teil des ganzen Buchbetriebs, nicht der Dreh- und Angelpunkt. Manche Verlage, wie Knaur, Carlsen, Bastei oder Ullstein (um nur ein paar positive Beispiele zu nennen), haben das bereits verstanden und versuchen den neuen Markt mitzugestalten – auf Augenhöhe mit dem Leser, nicht von oben herab, wie es Forssmann und Oppermann versuchen.

      Der wichtigste Faktor im ganzen Buchbetrieb ist der mündige Leser. Und von dem halte ich viel. Er ist es, der selbst entscheiden kann, was er für lesenswert hält und was nicht, der sich seine Bücher so gestalten darf, wie es seinen Lesegewohnheiten entspricht und der sich verdammt noch mal seine Bücher auch dort kaufen kann, wo und in welcher Form er möchte.

      So lange Buchgestalter das nicht kapiert haben, werden sie in der E-Book-Branche verlieren.

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    • „Arno Schmidt hätte vermutlich das potenzial gesehen, ausgereizt und etwas völlig neues erschaffen.“ – A. Schmidt war zwar lebenstechnisch ein ziemlich konservativer Knochen, aber wer weiß! Auf jeden Fall ein paar Gedanken wert. Und „Zettels Traum“ geht doch eigentlich nur digital, oder? ;->=>

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    Ein jeder kann ja selber entscheiden, in welcher Form er Geschriebenes bevorzugt.

    Ich für meinen Teil habe in den vergangenen 30 Jahren über 4000 Bücher zusammengesammelt und gekauft – meist gebraucht aus zweiter oder dritter Hand: auf Flohmärkten, in Antiquariaten etc.

    Und, ja: zumindest bei Romanen, Dramen und Lyrikbänden ziehe ich gebundene Ausgaben mit Schutzumschlag Taschenbüchern vor.

    Von diesen gut 4000 gehorteten Werken habe ich bislang gerade mal rund 800 gelesen – etwa 1/5 meines aktuellen Bestandes. Und wenn ich irgendwann in circa 20 oder 30 Jahren ins Gras beiße (natürlich kann’s auch schneller gehen), habe ich voraussichtlich maximal die Hälfte meiner Hausbibliothek konsumiert. Mehr als 2000 Bücher wurden von mir also quasi „unnötig erworben“ und stehen Jahrzehnte ungelesen im Regal.

    Dennoch möchte ich keinen einzigen Titel missen. Auch verkaufe/tausche/verschenke ich selten bis nie gelesene Bücher weiter. Das meiste bleibt in der Sammlung.

    Eine gut sortierte Hausbibliothek, volle Bücherregale im Wohnzimmer, Schlafzimmer etc. – dies ist nicht nur äußerst dekorativ und ‚heimelig‘. Sondern sorgt immer auch für einen gewissen Kick und nie versiegende Entdeckungslust:

    Zwischen verschiedenen Autoren, Ländern und Epochen zu wandeln, nach Lust und Laune spontan einen Band aus dem Regal zu ziehen und loszulegen – dies ist und bleibt in meinen Augen ein besonderes Vergnügen.

    Nix gegen hochauflösende Laptops und XXL-Bildschirme.

    Doch eine Buchausgabe in Leinen, gelesen bei Tageslicht auf der Veranda oder abends im Lehnstuhl mit Lampe, im Zugabteil, Schwimmbad oder sonstwo – auch dies hat einiges für sich….. 🙂

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    • Das ist für mich der entscheidende Punkt: Jeder kann selbst entscheiden. Und jede Entscheidung hat ihre Berechtigung. Der eine mag nun einmal Bücher als Deko in seinen vier Wänden, andere lesen gerne, wollen das Zeug aber eben nicht herumstehen haben.

      Ich weiß gut, wovon ich rede. Ich habe in der Vergangenheit alles gesammelt. Bücher, Comics, CDs, DVDs … ganz früher Videos und Vinylplatten … Irgendwann machte es KLICK und ich erkannte, dass ich das allermeiste von dem Zeug, das mir in der Wohnung den Platz zum Atmen nimmt, nie wieder anfasse. Es steht einfach nur rum und hat keine Bedeutung für mich.

      Womit ich meine: Die physische Gestalt dieser Gegenstände hat keine Bedeutung für mich.

      Was zählt sind das Erlebnis, die Erinnerung, die Gedanken, die ich damit verbunden habe. In sehr, sehr wenigen Fällen ist mir die physische Gestalt noch wichtig – entweder, weil sie besonders aufwändig und schick ist oder weil ich halt doch sentimental bin. Aber das betrifft wirklich nur sehr wenige Gegenstände. Das sind doch auch Dinge, an denen ich zwei bis dreimal am Tag vorbeigehe und die dann ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern.

      Aber seien wir ehrlich: Gerade Bücher gewinnen mit der Zeit in der Regel nicht. Die meisten Taschenbücher sehen nach dem ersten Lesen nicht mehr hoffähig aus. Und selbst Hardcover werden, wenn sie nicht sehr hochwertig verarbeitet sind, mit der Zeit nicht besser.

      Wenn jemand seine Wohnung in ein Museum verwandelt und darin einige wenige seltene und kostbare ansehnliche Erstausgaben ausstellt, dann verstehe ich das. Es ist nicht mein Ding, aber ich verstehe es. Regalmeter mit hässlichen Staubfängern zu füllen, so wie ich das Jahre lang gemacht habe, das kann ich nicht mehr nachvollziehen.

      Für mich der entscheidende Punkt: Wie viel Zeit habe ich damit vertrödelt, Bücher zu sortieren, immer wieder neu, mal nach Größer oder Farbe, mal nach Autoren, Titel oder Erscheinungsjahr oder Reihen, Serien und Genres … Man ist ja nie zufrieden. Was habe ich an Energie darauf verwendet, Comics einzutüten und aufzubewahren, neue CD-Systeme auszuprobieren, damit ich einen besseren Überblick habe usw. …

      Das ist alles Zeit, die ich viel besser zum Schreiben verwenden kann – um mal zum Thema des Blogs wieder zurückzukehren. Kein abgestaubtes, einsortiertes und schick präsentiertes Buch macht mich auch nur einen Funken zu einem besseren Autor. Die Zeit, die ich statt Bücher zu sortieren zum Lesen und Schreiben verwende, schon.

      Und noch etwas habe ich festgestellt:

      Den größten Teil meiner Büchersammlung habe ich verschenkt. Oft standen Freunde mit einem großen Stapel an Büchern in den Händen da und meinten ungläubig lächelnd: „Wie – und die willst du einfach so verschenken?“

      Ich habe das vorher gar nicht so für möglich gehalten, aber verschenken macht glücklich. Dieser kurze Moment des Weitergebens hat mir emotional mehr gebracht, als die Bücher zu horten, zu hegen und zu pflegen. Meine Leute haben sich wirklich darüber gefreut und mir viel mehr zurückgegeben, als es das Buch im Regal je könnte.

      Schade nur, dass ich bald keine Bücher mehr habe, um diese Momente noch häufiger zu genießen. Schon fast ein Grund, mir doch wieder Papierbücher zuzulegen 😉

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    Nur Sammeln um der Dekoration willen ist auch nicht mein Ding. Doch je größer eine Hausbibliothek wird, desto unwahrscheinlicher ist es nun einmal, dass man bis an sein Lebensende alles davon lesen kann, selbst bei hohem Zeitaufwand.

    Da ich ja wie gesagt selten Neuware, sondern meist second hand gekauft habe – und dies oft sehr günstig und kistenweise von Flohmärkten, Haushaltsauflösungen etc – mache ich mir um Wertverlust und Verschleiß auch keine Sorgen. Gut erhaltene Hardcoverausgaben, sofern es sich nicht um veraltete Übersetzungen (fremdsprachiger Autoren) handelt, sind oft auch noch nach Jahrzenten ihren Preis wert und nutzen sich auch nach mehrmaligem Lesen nicht zwingend ab.

    Der Vorteil einer großen Auswahl vor Ort ist überdies, wie oben geschrieben, dass man eben spontan und regelmäßig nach Lust und Laune stöbern kann. Auch ein (vergleichendes) Quellenstudium wird so manchmal einfacher und spannender.

    Etwa 300 meiner über 4000 Bücher sind übrigens Fachbücher aus der Sparte Film: Portraits und Analysen zu Regisseuren, Genres, Stilen, Schauspielern weltweit aus mehr als 80 Jahren Kinogeschichte. Und gerade diese Bände im Regal möchte ich als Präsenzbestand zum schnellen Nachschlagen oder auch zur ausführlichen Vertiefung nicht missen.

    Rund 300 weitere Bücher stehen bei mir in der ‚Kunst-Ecke‘: Malerei, Blidhauerei, Radierungen, etc. Viele dieser Bände sind meist sehr großformatig und enthalten möglichst authentische Reproduktionen der Werke dieser Künstler. in Bei solchen Bildbänden wäre ein E-Book für mich ebenfalls beim besten Willen keine überzeugende Alternative.

    Gleiches gilt für (Bild-) Bände aus den Sparten Natur, Architektur, Weltgeschichte und Fotografie (zusammen genommen knapp 400 Titel).

    Mindestens 1000 Bücher aus meiner Hausbibliothek sind also unmöglich 1:1 oder auch nur annähernd gleichwertig durch E-Books zu ersetzen…. 🙂

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  5. Kann man E-Bücher nicht auch verleihen?
    Was ist der Unterschied zwischen verleihen und kopieren? Wenn man es verleiht, kann man es in diesem Moment nicht selbst benutzen, beim Kopieren kann man es.

    Na ja, manche Bücher leben durch die grafische Gestaltung, die kann ein Buch durch ein Mediumwechsel einbüssen, deshalb sollte nicht jedes Buch als E-Book verkauft werden.

    Bei den vielen Selfpublishern wird es für den Käufer zunehmend schwieriger Perlen zu finden, weil die Auswahl zu groß ist. Wahrscheinlich verschärft es die Lage nur.

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  6. Es ist fast rührend zu sehen, mit wieviel Verve und guten Argumenten Du Forssmann entgegentrittst. Während ich hier an meinem Schreibtisch sitze, kann ich gut auf die Wand des Regals neben mir blicken. Dort hängen mehrere Postkarten mit Zitaten, eines davon ist von Kaiser Wilhelm II:

    „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

    Das mag, menschheitsgeschichtlich am Ende sogar stimmen, wer weiß, wie es nach der nächsten Globalkatastrophe aussieht. Aber vorerst…

    Dabei bin ich, im Gegensatz zu Dir, gar kein E-Book-Enthusiast. Die meisten meiner Romane und Kurzgeschichten sind nicht als E-Book erschienen (weil die entsprechenden Verlage keine E-Books machen) und ich selbst hänge wirklich an der Optik und Haptik eines Buches. Aber das ist mein persönlicher Geschmack. Es gibt viele, sehr viele gute Argumente für E-Books. Einige davon bringst Du oben.

    Was mich in dieser ganzen Diskussion wirklich stört, ist die Unterstellung, E-Book-Selfpublisher würden allesamt nur Müll produzieren. Das ist Blödsinn, und das sage ich als Autor, der (mit bisher einer Ausnahme aus Neugier) nur bei Verlagen veröffentlicht. Dieses prinzipielle elitäre Herunterschauen vieler verlagsgebundener Autoren auf die E-Book-Kollegen entbehrt jeder Grundlage. Selbstverständlich ist es einfacher, Müll über die E-Book-Schiene zu publizieren, als über Verlage. Das gilt zumindest für unbekannte Neuautoren. Andererseits – wenn ich aus irgendeinem Grund, der nichts mit Schriftstellerei zu tun hat, berühmt bin, ist es sehr einfach, schriftstellerischen Müll zu produzieren und dafür einen Verlag zu finden. Nicht selten kommen gar die Verlage auf die Prominenten (bzw. deren Management) zu und bitten von sich aus um die Produktion des Mülls.

    Und dann sollten wir Verlagsgebundenen bitte nicht vergessen, wieviel Glück dazu gehört, entdeckt zu werden. Es reicht eben nicht, ein Produkt zu produzieren, das es durch ein Lektorat und eine Programmkommission schafft. Man muss auch einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, die richtige Person anschreiben, das richtige Stichwort sagen… irgend etwas davon. Man muss GLÜCK haben. Und ob man dieses Glück hat oder nicht hat sagt nichts über die Qualität des eigenen Werks aus.

    Ich habe vollen Respekt vor jeder Kollegin und jedem Kollegen, der/die mit professionellem Anspruch schreibt, das Werk dann als E-Book herausbringt, selbst vermarktet und sich eine Leserschaft über Freunde und Familie hinaus erarbeitet. „Professionell“ bedeutet für mich zum Beispiel, dass man sich einem professionellen Lektorat unterwirft (es gibt viele freie Lektoren), dass man Marketing betreibt oder betreiben lässt und, dass man einen nennenswerten Teil seiner Zeit auf die literarische Produktion verwendet. Wer so arbeitet, dann als Selfpublisher vermarktet und (wichtig!) Leser von sich überzeugen kann, ist nicht weniger ein professioneller Autor als ich, er nutzt nur einen anderen Vertriebsweg.

    Von Lyrik und wissenschaftlichen Texten rede ich dabei nicht einmal – da hat selbst höchste Qualität oft nicht die geringste Chance, einen Verlag zu finden.

    Und noch ein ganz kurzes Wort zum Unterschied von Verleih und Raubkopie: Den gibt es selbstverständlich. Wenn 5000 Leute eines meiner Bücher kaufen, und jeder es an einen Freund verleiht, haben zwar 10.000 Leute das Buch gelesen, aber es gibt immer noch nur 5000 Bücher. Wenn die Hälfte der Entleiher das Buch auch besitzen möchte, werden 2500 Bücher mehr gedruckt und verkauft. Wenn die 5000 Besitzer aber jeder eine Kopie anfertigt, gibt es plötzlich 10.000 Bücher, ohne dass ich auch nur ein Einziges zusätzlich verkauft hätte. Wir Menschen, die vom Schreiben leben, ist das ein gewaltiger Unterschied. Verleiht meine Bücher fröhlich und soviel Ihr wollt. Kopiert sie bitte nicht.

    Aber auch hier: Die Kopie eines E-Books ist natürlich leichter herzustellen als die eines Papierbuchs. Aber weniger verwerflich finde ich das kopierte Papierbuch deshalb nicht. Kopie ist Kopie.

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    • Wie gesagt: Raubkopien sind schlecht. Aber ich denke, dass der Schäden hier überschätzt wird. Ist nur meine Meinung, keine Tatsache. Man muss mir da nicht zustimmen.

      Ich vermute allerdings, dass viele Raubkopien, gerade im Buchbereich, nur Kopien sind, die nie gelesen werden.

      Und früher haben wir Vinylplatten auch auf MCs kopiert auf dem Schulhof kreisen lassen. Trotzdem haben wir auch platten gekauft. Ich habe mir auch viele Platten noch einmal gekauft! die ich schon als Kopie hatte. Wahrscheinlich hätte ich sie mir nie gekauft, wenn ich nicht vorher gehört hätte, was für eine coole Scheibe das ist.

      Raubkopien sind ein Problem, ja, die Dimensionen sind größer als beim Verleihen. Einzelne Autoren mögen sie schmerzlich treffen, was ich auch wirklich mies finde. Das Buchgeschäft werden sie nicht zu Fall bringen.

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      • Das eine Hauptproblem mit Raubkopien sehe ich auch eher darin, dass viele (oder zumindest viele, die laut sind) glauben, ein Recht darauf zu haben und uns Künstlern das Recht auf unsere eigene Arbeit und deren Früchte absprechen. Aber da ändert sich gerade einiges in der Mentalität, wenn ich das richtig sehe.

        Das andere Hauptproblem sind Abmahnspezialisten, die das einzige Werkzeug das wir haben, um uns gegen Raubkopien zur Wehr zu setzen, hemmungslos nutzen um Menschen zu terrorisieren und damit Profit zu machen. Das diskreditiert jeden, der mit Recht und Grund abmahnt.

        Aber ich sehe die Bedrohung sowieso weniger im einzelnen Leser, da hilft ganz oft wirklich ein kurzes Gespräch, in dem man das Problem deutlich macht, habe ich schon mehrmals erlebt. Die Bedrohung sind die großen Plattformen, die mit dem massenhaften Vertrieb von Raubkopien Geld machen.

        Mit Verleihern habe ich dagegen gar kein Problem, im Gegenteil. Mit professionellen Verleihern (Bibliotheken) arbeite ich sehr gerne zusammen. Die haben meine Bücher ehrlich erworben und sorgen auf ebenso ehrliche und ehrenhafte Weise dafür, dass auch Leute sie lesen können, die vielleicht gar nicht in der Lage sind, sich dauernd neue Bücher zu kaufen.

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        • Absolute Zustimmung in allen Punkten. Möchte auch noch einmal ausdrücklich betonen, dass ich keineswegs für Raubkopien bin, ganz gleich in welcher Form. Ich glaube (und die Betonung liegt auf glauben, nicht wissen) nur, dass das Problem nicht ganz so groß ist, wie es vielerorts diskutiert wird und nicht das Ende des Wirtschaftszweigs Buch bedeutet. Verharmlosen möchte ich es auch nicht. Ich denke halt, dass die Wahrheit, wie meistens, irgendwo in der Mitte liegt.

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    Was die Musik angeht:

    Rund 800 Vinylplatten habe ich heute noch in der Sammlung. Ein Schwerpunkt sind amerikanische Westcoast & Psychedelic-Bands aus den späten 60er und frühen 70er Jahren; englischer Prog-Rock aus der gleichen Epoche; Folkrock-Klassiker (Steeleye Span, Fairport Convention, Pentangle, Planxty, Five Hand Reel); schwazer Blues; 80er Jahre Postpunk (X, Black Flag, Dead Kennedys, Hüsker Dü) , Desert Rock (Giant Sand, Green on Red, Naked Prey…).

    Zwar stehen im Regal mittlerweile auch 500 CDs. Doch bereue ich heute, dass ich in den 90er Jahren viele Platten (über 600) weiterverhökert und diese teilweise durch CD-Veröffentlichungen ersetzt habe.

    Ein großformatiges Plattencover mit Original-Artwork (und gerade viele Westcoast-Alben von Bands Grateful Dead oder Quicksilver besitzen – von legendären Grafikdesignern wie Mouse & Kelley entworfen – höchst eindrucksvolle, farbenprächtige Motive) ist eben doch etwas anderes als kleine Plastikhüllen mit Mini-Booklet.

    ´

    Was den Klang betrifft: – von MP3-Dateien halte ich gar nichts.

    Durch die starke Komprimierung geht da in der Tat oft einiges verloren. Und auch CDs bieten bekanntlich nicht die gleichen Möglichkeiten in Sachen Aufnahmequalität und -kapazität wie Vinylscheiben oder Blu-Rays.

    Altmeister, Gitarrist und Songwriter Neil Young äußerte sich in einem (ins Deutsche übersetzten) Interview dazu gegenüber der Süddeutschen Zeitung im Jahre 2012 wie folgt:

    —————————-

    Neil Young:

    >>Die vollständige Musik lässt sich nur auf Vinyl oder eben auf Blue Ray hören.

    Andere digitale Medien bieten im Vergleich aufgrund der Komprimierung nur einen Bruchteil der Daten, die wir im Studio aufgenommen haben: CDs 15 Prozent, MP3s sogar nur fünf Prozent. Minderwertige Trägermedien wie MP3 und CD ruinieren das ganze Hörerlebnis.

    Wer zwei gesunde Ohren hat, sagt sich: Da mache ich nicht mit. Behaltet euren Dreck. Ich gehe lieber fischen.

    Selbst wenn du im Internet heute alles findest, klingt es meist schlichtweg scheiße. Ich empfehle jedem, mein neues Album auf Vinyl oder auf Blue-Ray zu kaufen…..<<

    ——————————.

    😉

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    • Bin selbst großer Neil Young-Fan und Musikliebhaber, aber das sehe, bzw. höre ich einfach nicht. Ich höre nur zu gerne mp3s über Kopfhörer. Ja, bestimmt wird mir dabei einiges entgehen, aber ich bin nicht so fanatisch, um für das bessere Klangerlebnis die vielen Nachteile in Kauf zu nehmen, die Vinylplatten für mich mit sich bringen.

      Auch Cover lassen sich hervorragend auf dem iPad betrachten und haben sogar eine höhere Auflösung als die gedruckten.

      Aber wie gesagt, ich will niemandem seine Gewohnheiten madig machen. Wer Vinylplatten liebt, soll sie haben. Ich finde eine Gesellschaft erstrebenswert in der jeder nach seinen Bedürfnissen leben kann, so lange man mich nicht versucht zu missionieren.

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  8. ´

    Unten ein Link zu einem Artikel in der ‚Zeit‘. Dort gibt der 1948 geborene Journalist, Autor und Bücherliebhaber Alberto Manguel interessante Einblicke in seine „Sammelwut“:

    http://www.zeit.de/2009/32/Manguel

    Aufsehen erregte Manguel u.a. 1996 mit seinem Werk ‚Die Bibliothek bei Nacht‘, hierzulande erschienen im Fischerverlag:

    http://www.fischerverlage.de/buch/die_bibliothek_bei_nacht/9783596159444

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    Und hier noch ein paar Impressionen in Sachen ‚hässliche Staubfänger‘ 😉

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  9. Vieleicht bin ich jetzt ein bißchen altmodisch, aber eine handgeschriebene Widmung und Signierung finde ich nun doch schöner und persönlicher. Das macht der Autor selbst, beim elektronischen Signieren kann das auch jemand anderes machen. Einmal eingescannt, geht das praktisch von selbst. Dann lieber gar keine Signierung.
    Bei der Personalisierung gebe ich Dir absolut recht. Das E-book hat da natürlich viel umfangreichere Möglichkeiten.

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  10. Hi Marcus

    Solche versnobten und schlecht informierten Hasspredigten lassen mich je länger desto mehr nur noch mit dem Kopf schütteln und auf die Uhr schauen. Lange kann es hoffentlich nicht mehr dauern bis der deutschsprachige Genie-Dünkel ausstirbt. Wobei, wenn ich von Goethe bis heute … Vielleicht erlebe ich es doch nicht mehr 😦

    Ich danke jedenfalls für die differenzierte, fachlich fundierte und sachliche Auseinandersetzung mit dieser Schmähschrift. Ich spreche diesem Herrn nicht seine Qualifikation in seinem Beruf ab, aber der Schuster sollte hier wirklich lieber bei seinen Leisten bleiben.

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