Was ich in der dritten Woche des NaNoWriMos gelernt habe

Tja, was soll ich sagen – ich bin fertig! Eine Woche vor dem 30. November habe ich die für den NaNoWriMo erforderlichen 50.000 Wörter geschrieben.

Was habe ich in dieser Woche gelernt? Es liegt auf der Hand: Ich kann – trotz widriger Umstände – noch viel schneller schreiben, als ich gedacht hatte.

Häufig war ich in den letzten drei Wochen abgelenkt. Im Moment habe ich viel um die Ohren und kann mich nur sehr schwer aufs Schreiben konzentrieren. Deswegen sind während meiner Schreibzeit viele wertvolle Minuten draufgegangen, um zu twittern, auf Facebook abzuhängen oder eben Blogposts zu verfassen. Was man halt so tut, wenn man prokrastriniert. Aufschieberitis bekämpfen fällt mir seit jeher schwer. Und diesmal schien sie mich – gefühlt – gerade im NaNoWriMo ganz schön im Griff zu haben.

Aber es hat trotzdem geklappt. Besser als erwartet und sogar besser als die beiden Jahre zuvor. Ich vermute mal, dass rund ein Drittel meiner Schreibzeit für Schnickschnack draufgegangen ist, den ich aber auch irgendwie gebraucht habe, weil mein Gehirn zur Zeit zu ausgeleiert ist, um mich wirklich noch zusätzlich zum Tagesjob und Alltagsstress stundenlang zu konzentrieren.

Das war für mich die spannende Erkenntnis der letzten Woche: Ja, ich prokrastriniere. Ich bin sogar ein echter Prokrastrinierer vor dem Herrn. Ein Experte. Der Superprofi. Wenn es einen Doktortitel fürs Aufschieben gäbe, ich hätte ihn längst. Gäbe es Aufschieben als olympische Disziplin, ich hätte meine Wohnzimmerwand voller Goldmedaillen.

Und trotzdem habe ich 50.000 Wörter in nur drei Wochen geschafft, mit im Schnitt ungefähr einer bis anderthalb Stunden Schreibzeit am Tag.

Wie hat das funktioniert?

So ganz genau weiß ich das natürlich auch nicht. Aber ich versuche mal eine Selbstanalyse. Vielleicht springt ja der eine oder andere Tipp für dich dabei heraus:

1. Ich  tippe ziemlich schnell und für mein Tempo relativ sauber.

Soll heißen: Ich mache wenig Tippfehler, verfüge über ein gutes Gefühl für Rechtschreibung und beherrsche intuitiv Grammatik. Das heißt nicht, dass ich keine Fehler mache, aber ich muss auch nicht viel geistige Energie auf diese Dinge verwenden, um lesbare Texte zu schreiben.

Ich habe zwar nie das 10-Finger-System gelernt, aber ich hämmere auf Tastaturen herum seit ich fünf Jahre alt bin. Das trainiert. Mit Grammatik und Rechtschreibung habe ich mich allerdings schon intensiver beschäftigt. Und das würde ich früher oder später jedem, der ernsthaft schreiben will, auch raten.

Ich würde also sagen, wenn du viele Wörter in kurzer Zeit schaffen willst, hilft es, tippen zu lernen und viel zu lesen und zu schreiben. Ein Gitarrist übt und lernt auch seine Griffe. Der Pianist lernt, die richtigen Tasten zu finden, ohne hinzugucken. Der Autor muss lernen, schnell und präzise zu tippen und zu formulieren.

2. Ich überarbeite nicht. Nie. Gar nichts.

Damit meine ich natürlich nur die Phase des ersten Entwurfs. Wenn dieser erst einmal fertig ist, dann überarbeite ich mehrfach und gründlich.

Ich bremse beim ersten Entwurf nicht für Tipp- oder Rechtschreibfehler. Ich mache mir keine Gedanken über die korrekte Grammatik.

Ich lese mir auch nicht durch, was ich am Vortag geschrieben habe und bastle dann daran herum oder so. Viele Autoren machen das, um ins Schreiben zu finden und in den Text wieder einzutauchen. Das ist bestimmt nicht schlecht, hält aber auf.

Ich habe dafür mein Stufendiagramm. Auf weniger als einer halben Seite habe ich dort je ein Kapitel zusammengefasst. Das lese ich mir vor dem Schreiben durch, damit ich weiß, was dran ist. Und dann geht’s rund.

3. Ich habe ein Tagesziel

Ich habe mir 2000 Wörter pro Tag als Ziel gesetzt. Da ich in den letzten beiden Jahren des NaNoWriMos gemerkt habe, dass ich die 1667 erforderlichen Wörter schaffen kann, habe ich dieses Jahr die Latte für mich ein wenig höher gelegt.

Es ist ein bisschen wie bei Liegestützen. Schaffe ich zehn locker, mache ich beim nächsten Mal halt elf.

Natürlich habe ich die 2000 Wörter nicht jeden Tag geschafft. Manchmal waren es nur 800 oder sogar noch weniger. Aber an den meisten Tagen habe ich deutlich mehr als 2000 Wörter geschrieben, 2176/Tag im Durchschnitt.

Ganz wichtig: Ich bin in keinen Abwärtsstrudel geraten. So nach dem Motto: Oh, jetzt habe ich nur 500 Wörter geschafft. Ich bin so schlecht. Es hat keinen Zweck mehr. Das hole ich ja nie ein … usw.

Habe ich an einem Tag wenig geschafft, habe ich mir nicht vorgenommen, am nächsten Tag mehr zu schreiben, damit ich von der Last, ein zu hohes Pensum zu haben, nicht erdrückt werde. Ich habe stets nur die 2000 Wörter angepeilt – und am Ende doch meistens mehr geschafft. Die Misserfolge, also die Tage mit geringem Output, habe ich abgehakt und keinen Gedanken mehr dran verschwendet.

4. Ich höre am Vortag immer auf, wenn es am Spannendsten ist

Ich arbeite nie ein Kapitel ab und höre dann auf. Ich setze mir also keine inhaltlichen Ziele, sondern gehe nur nach dem Wordcount. Habe ich die 2000 Wörter geschafft, höre ich erst auf, wenn ich an einem wirklich spannende Punkt in der Story bin, an dem ich genau weiß, wie es weitergeht.

Dann gelingt es mir am nächsten Tag viel leichter und schneller, ins Schreiben zu kommen. Bestenfalls arbeitet mein Hirn in der Zeit zwischen dem Schreiben auf Hochtouren weiter, so dass ich es gar nicht erwarten kann, wieder in die Tasten zu hauen.

5. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht

Der Plot des Projekts ist sauber geplant, die Figuren sind alle entworfen und benannt, die Backstory (der Plot hinter dem Plot) ist ausgearbeitet.

Ich würde nicht behaupten, dass alles perfekt ist. Im Gegenteil. Es gibt noch einige Dinge, die überarbeitet werden müssen.

Aber das Grundgerüst steht so weit, dass mich beim Schreiben nicht so lästige Gedanken aufhalten wie: Wie hieß der noch mal? Oder: Wo spielt die Szene? Noch schlimmer: Das muss ich erst einmal recherchieren, bevor ich weiterarbeiten kann. Mach ich einfach nicht.

6. Ich arbeite mit Scrivener

Scrivener ist eine App, die wie für den NaNoWriMo gemacht ist. Ich habe dort neben meinem aktuellen Dokument, an dem ich gerade schreibe, eine Seitenleiste, in der ich mir alle wirklich wichtigen Informationen und die Struktur meines Plots die ganze Zeit anzeigen lassen kann. So muss ich mich nie auf mein Gedächtnis verlassen.

In einer anderen Seitenleiste halte ich Kommentarfelder offen. Fällt mir was ein, was ich vielleicht doch recherchieren müsste oder worüber ich erst einmal noch eine Weile nachdenken sollte, markiere ich die entsprechende Stelle schnell und vermerke mir, dass ich das bei der nächsten Überarbeitung unbedingt nachholen muss oder halte die wichtigsten Gedanken in ein, zwei Sätzen fest und weiter geht’s.

Außerdem hat Scrivener eine Wordcount-Funktion. Ich kann mir zu jederzeit die exakte Statistik meins Projekts anzeigen lassen und ein Tagesziel festlegen, wie viel ich schreiben will. Die App benachrichtigt mich automatisch, wenn ich das Tagesziel erreicht habe, ich kann mich also auf das Tippen konzentrieren und muss nicht zählen oder aus der Schreibansicht rausgehen, um nachzuschauen, wie weit ich bin.

7. und am wichtigsten: Ich habe Writing Buddies

Ich habe auf der NaNoWriMo-Seite viele, viele tolle Writing Buddies. Eine Handvoll von ihnen war schon lange vor mir im Ziel. Das hat mich angespornt und mir gezeigt, dass es möglich ist, noch schneller zu schreiben.

Es macht einfach Spaß, sich mit anderen zu vergleichen und sich von Erfolgen anderer beflügeln zu lassen. Der tolle Kontakt hier auf dem Blog, Twitter oder Facebook mit meinen Buddies hat mich zusätzlich motiviert.

Ich habe den Eindruck, in einer Gemeinschaft zu schreiben. Es spornt mich auch an, meine Ergebnisse zu posten, Erfolge mit anderen auf diese Weise ein wenig zu feiern und Unterstützung zu erfahren, wenn ich mein Tagesziel mal nicht erreicht habe.

Im NaNoWriMo-Forum habe ich mich absichtlich nicht herumgetrieben. Twitter, Facebook und mein Blog (und auch der Blog der Die SchreibDilettanten) kosten schon genug Zeit.

Trotzdem: Wenn es was Sinnvolles gibt, um im NaNoWriMo zu prokrastrinieren, dann sollte man auf der NaNoWriMo-Website abhängen oder sich über seinen Fortschritt oder seine Schwierigkeiten im sozialen Netz austauschen.

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13 Antworten auf “Was ich in der dritten Woche des NaNoWriMos gelernt habe”

  1. Respekt! Ich hab mich dieses Jahr komplett um den Nano herumgedrückt, aber allein deine motivierenden Worte bestärken mich, es mir im nächsten Jahr wieder als großes Ziel auf die Fahne zu schreiben.

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      1. Es gibt sogar zwei Sommercamps. Dieses Jahr waren die im April (gut bei Schnee und Temperaturen um den Nullpunkt ist das nicht unbedingt ein Sommercamp ;)) und im Juli.
        Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall daran teilnehmen. Jetzt muss ich aber weiter schreiben, mein Roman ist am großen Höhepunkt angelangt und aus einem Anflug von Wahnsinn habe ich mir gestern die 100k als Ziel für den November gesetzt.

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        1. Oha. Jetzt, da du es sagst, fällt mir das im April auch wieder ein. Das hatte ich aber verpasst und offensichtlich auch wieder verdrängt.

          Ich werde beides mal für’s nächste Jahr im Auge behalten.

          100k? Sehr ehrgeizig, das finde ich gut.

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  2. Herzlichen Glückwunsch! Und wie gehts jetzt weiter? Ab Montag kann man hochladen. Wie machst du das? Machst du in Scrivener eine Datei und kopierst die komplett in das Mini-Fenster oder kapitelweise? Gib mir mal bitte einen Tipp, du hast das ja doch schon einige Male gemacht.

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  3. Hey,
    herzlichen Glückwunsch Marcus!
    Ich werde es zwar nicht mehr bis zu den 50.000 schaffen, aber dennoch habe ich von diesem – meinem ersten NaNo – unheimlich viel mitgenommen und gelernt.
    Ich werde nach dem NaNo wie gehabt in meinem Tempo weiterschreiben, bis ich den ersten Entwurf fertig habe 🙂
    Ist für mich kein Weltuntergang einen Monat später fertig zu werden. Hauptsache weiterschreiben.
    Konntest du deinen ersten Entwurf denn mit den 50.000 schon fertigstellen oder wie viel wirst du noch brauchen?

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    1. Danke für die Glückwünsche. Mir geht es ähnlich wie dir. Bei 50k ist nicht Schluss, aber das war auch nie so geplant. Ich rechne so mit 70 bis 80000 Wörtern. Und du hast Recht, nur die Ruhe, auch wenn es mit den 50k nicht klappt. Lernen ist ein Gewinn für sich.

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