Was ich in der zweiten Woche des NaNoWriMos gelernt habe

Der NaNoWriMo hat mich in seinen Klauen, ich hinke meinem Schreibplan hinterher, deswegen nur kurz meine wesentliche Erkenntnis der Woche:

Viel und schnell schreiben ist gut.

Mehrmals wurde ich in der letzten Zeit gefragt, was das denn solle, mit diesem Wörterzählen, dieser Vielschreiberei in einem Monat – 50.000 Wörter in so kurzer Zeit, das sei doch Wahnsinn, Kunst sei doch nicht quantifizierbar …

Das Unverständnis, mit dem manche dem NaNoWriMo begegnen,beruht  darauf, dass der Prozess, wie ein Roman entsteht, nicht bewusst ist. Zugegeben, der ist auch von Autor zu Autor immer etwas unterschiedlich. Aber im Großen und Ganzen wird er bei jedem, der einen Roman schreibt, ungefähr so aussehen.

  1. Konzept: Ob nun im Kopf oder auf Papier, grob oder fein, entdeckend oder geplant – irgendein Konzept liegt jedem Manuskript zugrunde, bevor es getippt wird.
  2. Erster Entwurf: Irgendwann muss ich mal damit anfangen, den eigentlichen Text eines Romans zu schreiben. Manche beginnen damit früher, manche später – also basierend auf einem sehr rudimentären oder einem sehr ausgefeilten Konzept.
  3. Überarbeitung: Ein erster Entwurf ist nur ein erster Entwurf, es braucht noch den Feinschliff. Auch diese Phase kann länger oder kürzer sein, je nach dem, wie viel Zeit und Mühe ich in den ersten Entwurf gesteckt habe.

An einem dieser drei Schritte muss ich mich hinsetzen und gründlich meine Hausaufgaben machen. Entweder bastle ich Jahre an meinem Konzept, so dass der Roman praktisch schon geschrieben in meinem Kopf existiert und ich ihn nur noch zu Papier bringen muss. Dann dauert die Überarbeitung nicht lange, weil ich in meinem ersten Entwurf höchstens noch ein paar Rechtschreibfehler korrigieren muss.

Oder ich mache mir über das Konzept nicht so viele Gedanken, setze mich möglichst schnell an den ersten Entwurf, merke dann beim Schreiben, dass Vieles noch nicht richtig durchdacht ist, entdecke aber das Meiste beim Verfassen des Manuskripts und bastle in dieser Phase an vielen Details. Dann habe ich Zeit in Phase eins und bei der Überarbeitung gespart, brauche aber in Phase zwei sehr lange.

Letzte Variante: Ich zimmere mir ohne großes Konzept in Windeseile einen ersten Entwurf zusammen – brauche dann aber viel Zeit bei der Überarbeitung.

In welche Phase ich die meiste Zeit und Mühe stecke, spielt am Ende keine große Rolle. Zeit und Mühe brauche ich auf jeden Fall. Wo ich meinen Schwerpunkt setze, ist vielleicht eine Frage der persönlichen Einstellung. Ich denke jedoch, dass es am besten ist, den ersten Entwurf so schnell wie möglich zu schreiben.

Und die vielen NaNoWriMo-Teilnehmer auf dem ganzen Globus denken das offensichtlich auch.

Ein Konzept ist ein Konzept. Es ist wichtig, aber es ist halt eben noch kein Roman. Ich habe unzählige Konzepte entworfen, manche gedanklich, manche schriftlich. Nur ein Bruchteil davon ist je zu einem ersten Entwurf geworden. Konzepte sind wichtig, aber sie sind ohne dazugehörigen Roman vollkommen wertlos. Kein Leser geht in eine Buchhandlung, um ein Konzept zu kaufen. Kein normale Mensch (höchstens wir verrückte Autoren) will ein Konzept lesen.

Überarbeitung ist gut und wichtig – nur ohne ersten Entwurf habe ich nichts zum Überarbeiten.

Es leuchtet also ein, dass Phase zwei zentral ist. Deswegen ist sie auch die, die häufig am schwersten fällt. Viele Zweifel entstehen hier, eben weil jeder Autor – wenigstens unbewusst – merkt, dass sie die bedeutendste ist:

  • Ist mein Konzept überhaupt interessant genug? Alles hat sich in meinem Kopf so gut angefühlt, jetzt, da es konkret wird, ist es nur ein schaler Abklatsch von dem, was ich mir vorgestellt habe.
  • Ich kann gar nicht schreiben. Der Text liest sich doof. Ich mache so viele Fehler.
  • Das ist alles nicht spannend genug. Andere schreiben so viel spannender als ich …
  • Und so weiter.

Machen wir uns nichts vor, Schreiben macht Spaß, aber ein erster Entwurf kann einen auch manchmal um den Verstand bringen. Es gibt viele tolle Moment – aber es gibt auch die dunklen und tiefen Täler, die einen verzweifeln lassen. Dummerweise sind diese Tiefpunkte im Schaffensprozess nicht selten auch das Ende eines Projekts, so dass ich nie in die Phase drei gelange, womit das Manuskript dann gestorben ist. Was bedauerlich ist, denn vielleicht wäre aus einem ersten Entwurf mit dem einen oder anderen Makel doch noch dank Überarbeitung ein toller Roman geworden.

Deswegen ist es meiner Ansicht nach wichtig, den ersten Entwurf so schnell wie möglich zu schreiben, um diese besonders heimtückische Form der Schreibblockade zu überwinden. Ich muss mich einfach mit viel Tempo aus meinen Tälern herausschreiben, damit der Prozess nicht steckenbleibt. Die Zeit zum Reifen und Gedeihen, die Ruhe und damit der qualitative Anspruch, den so viele an das Entstehen eines Romans stellen – all das gibt es natürlich trotzdem. Nur halt eben eher in Phase eins oder Phase drei.

Und jetzt muss ich wieder schnell in die Tasten hauen, um meinen ersten Entwurf weiterzuschreiben.

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4 Gedanken zu “Was ich in der zweiten Woche des NaNoWriMos gelernt habe

  1. Halbzeit erreicht :-). Schreibe viel und schneller als ich dachte, dass ich es könnte. Ergebnis: Geschichte und Konzept nehmen Formen an. Das Konzept gibt meiner Geschichte einen ersten roten Faden. Trotzdem wollen meine Charaktere sich nicht immer ans Konzept halten… Aber das kennst du bestimmt auch. Was mir in Phase 2 hilft: Andere Schreiber treffen und Nichschreibern erzählen, dass ich im November 50.000 Wörter schreibe. Das inspiriert und motiviert. Jetzt muss ich aber auch weiterschreiben… Lassen wir die Buchstaben fließen!

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