5 Gründe für eine Schreibgruppe

Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Das muss man mögen, wenn man sich darauf einlassen will. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich tagein tagaus allein sein muss. Viele Teile des Schreibprozesses lassen sich auch gemeinsam mit anderen erledigen. Mehr noch: Bei einige Phasen eines Projekts ist es geradezu notwendig, sie mit anderen zu bearbeiten.

Vier, sechs oder mehr Augen sehen mehr als zwei. Plotlöcher, schwache Figuren, mangelnde Intensität eines Textes – all das sind Dinge, die einem Autor allein irgendwann entgehen können. Mit der Zeit wird jeder für seine eigenes Projekt betriebsblind. Hilfe von außen kann hier viel Kummer ersparen und auch einfach Spaß machen. Und es gibt noch andere Gründe, sich eine Schreibgruppe zu suchen:

1. Gemeinsam einsam

Menschen, die nicht schreiben, haben für Autoren meistens wenig Verständnis. Da wir nicht körperlich schwitzen, große Maschinen bedienen oder Unmengen an Geld bewegen, ist von außen wenig erkennbar, dass Schreiben bei allem Vergnügen auch harte Arbeit ist.

Es kann sehr gut tun, wenn man sich in einer Schreibgruppe oder mit seinem Writing Buddy über Schwierigkeiten austauschen kann und einfach mal ein „Das geht mir auch so.“ hört. Sonst glaubt man noch, das bei einem etwas falsch läuft, wenn Schreiben einmal anstrengend oder frustrierend wird.

2. Ideenfindung

Wer sagt dass ich Ideen immer alleine entwickeln muss? Zu zweit über einer Romanidee brüten und brainstormen ist häufig leichter als im stillen Kämmerlein. Man kann sich Bälle hin und her spielen, Ideen durchsprechen und auch gleich verwerfen oder festhalten.

Oftmals reicht es schon, über eine Idee zu reden, dann braucht es gar kein Input. Beim Sprechen müssen Gedanken strukturiert werden, so dass neue Einfälle ganz von allein kommen. So lassen sich auch Schreibblockaden leichter überwinden als alleine vor dem Rechner.

3. Wirkung erfahren

Sich gegenseitig die eigenen Texte frühzeitig vorlesen, kann sehr lehrreich sein. Oft merkt man schon beim lauten Lesen vor Publikum, wo es bei einem Text hakt.

Manchmal erfährt man auch spontane Gefühlsäußerungen, wenn die Schreibgruppe bei einer Passage schmunzelt, lacht oder angestrengt guckt. All das kann wichtiges Feedback für den Text sein, ob nun gewollt oder ungewollt.

4. Deadlines einhalten

Mir geht’s jedenfalls so: Wenn ich mit meinem Writing Buddy Termine verabrede, dann fühle ich mich selbst auch unter Druck gesetzt, zu diesen Terminen meine Texte fertigzustellen. Manche Schreibgruppen geben ihren Mitgliedern auch gegenseitig Hausaufgaben, die bis zur nächsten Sitzung zu erledigen sind.

Das motiviert und führt dazu, dass ich produktiver werde.

5. Lernen von den Besten

Jeder Autor macht eine Entwicklung durch. Es wäre schon komisch, wenn in einer Schreibgruppe alle auf dem gleichen Stand wären. Jeder kann von den anderen profitieren.

Diejenigen, die weiter sind als andere, können ihre Erfahrungen teilen und wertvolle Tipps geben. Andere, die noch am Anfang stehen, können mit ihren Fragen bewirken, dass die alten Hasen sich über Vieles klarer werden, ihr Wissen strukturieren und ihre Fähigkeiten systematisieren müssen.

Aber wie kommst du zu einer Schreibgruppe oder einem Writing Buddy, wenn du noch „solo“ bist?

Abgesehen von Schriftstellerforen oder -seiten im Internet gibt es auch Möglichkeiten im realen Leben, um auf andere Autoren zu treffen, mit denen man Schreibgruppen gründen kann. Ich würde diese Möglichkeit stets einer Kontaktanbahnung via Net vorziehen.

Seminare bilden einen guten Anlaufpunkt. Hier kannst du Kontakte mit Gleichgesinnten knüpfen, die vielleicht auch eine Schreibgruppe suchen. Neben Volkshochschulen gibt es auch Angebote von speziellen Schreibschulen oder -lehrern. Hier solltest du darauf achten, auch einen Kurs zu finden, der möglichst nah am Wohnort ist, so dass du neue Kontakte in Zukunft auch pflegen kannst.

Auch der NaNoWriMo kann dir dabei helfen, neue Autoren kennenzulernen. Es gibt in vielen größeren Städten Write-Ins, also Abende am 31. Oktober, an denen sich Teilnehmer in Kneipen und Cafés treffen, um gemeinsam ab Mitternacht loszulegen. Auch über die Website des NaNoWriMo lassen sich Kontakte knüpfen.

Welche Erfahrungen hast du mit Schreibgruppen oder Writing Buddies gemacht?

Folgende Artikel könnten dich ebenfalls interessieren:

Advertisements

9 Antworten auf “5 Gründe für eine Schreibgruppe”

  1. Ich persönlich bin in einer Community, die Autoren der verschiedensten Couleur auf ihrer Plattform vereinigt.
    Da kann man sich super in Gruppen austauschen, findet gerne mal Betaleser und kann sich auch über alles Mögliche austauschen. Vom Alltagsproblem bis zur Korrektur von Texten, auch Covergestaltung und Vermarktung kann man dort besprechen.
    Aber auch Ideen einbringen und sich helfen lassen, wie auch zu zweit an einem Projekt schreiben und es dann der geneigten Leserschaft zur Verfügung stellen. Das ist besonders spannend, den man lernt,wie aus einer kleinen Idee etwas Großes werden kann, wenn zwei sich die Bälle gut zuwerfen, aber auch fangen. Das Denken sollte allerdings dafür schon ähnlich sein.
    Mein Fazit: Jederzeit und gerne mit Kollegen, es gibt mittlerweile sogar gemeinsame Schreibnächte. Alle treffen sich virtuell, und alle schreiben. Das spornt an, wenn man liest, wie viel die anderen geschafft haben.

    Gefällt mir

  2. Ist lustigerweise gerade so ein Thema. Ich hätte gerne eine offline-life Schreibgruppe. Das wäre sehr gut, wenn man sich wenigstens einmal im Monat zum Brainstorming und zur gegenseitigen konstruktiven Kritik treffen könnte. 🙂

    Gefällt mir

  3. Also ich habe noch keine Erfahrungen in einer Schreibgruppe gesammelt, habe aber mal selbst versucht eine in einem Forum auf die Beine zu stellen, habe nur leider eher verhaltene Rückmeldungen erhalten. Man hätte keine Zeit, weil man sich zu sehr auf das eigene Buch konzentrieren müsste. Tipps, Ratschläge usw. könnte man sich ja auch im passenden Thread suchen usw. usf. War nicht gerade von Erfolg gekrönt. XD
    Dank dem NaNoWriMo habe ich aber ein klein wenig in so eine Gruppe dank meiner Cabin Mates reinschnuppern können und bin froh darüber. Es tut gut sich gegenseitig zu motivieren.
    An sich finde ich die Idee einer Schreibgruppe super, ist halt nur schwierig Leute zu finden, die sich miteinander austauschen mögen und nicht argwöhnen ob man ihnen nicht vielleicht die Ideen klauen könnte und die auch wirklich Lust dazu haben. O.ô
    Im Reallife treffen ist natürlich auch nicht übel. Ich denke nur, da wird es schwierig, ähnlich wie bei einem Buchclub, sich regelmäßig zu treffen bzw. Leute in der näheren Umgebung zu finden.
    Ich bin ja schon immer ganz froh, wenn mein Bruder mich auf meine Projekte anspricht und wir dann zusammen einige Ideen ausspinnen (was immer herrlich schräg endet). Es ist auf jeden Fall schön, wenn man jemanden findet mit dem man über seine Projekte plaudern kann, denn es stimmt schon: Schreiben ist eine einsame Tätigkeit.

    Gefällt mir

    1. Eine Schreibgruppe zu finden ist nicht leicht. Deswegen umfasst ja meine seit fünf Jahren so ziemlich konstant zwei Personen – Axel und mich 🙂 Aber es lohnt sich, nein, es ist wirklich unerlässlich, jemanden zu haben, mit dem man Ideen und Texte diskutiert.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s