3 Gründe für den Erfolg des Star Trek Storytellings

Kürzlich flatterte mir die DVD des diesjährigen Star Trek-Kinofilms Into Darkness ins Haus. Schon im Kino hatte mich der Film vor Begeisterung vom Stuhl gerissen. Keine Frage also, dass ich ihn mir sofort ansah. Ich wurde auch beim zweiten Gucken nicht enttäuscht. Eher im Gegenteil. Für mich stellt Into Darkness die Spitze in einer langen Reihe von Höhepunkten des Star-Trek-Phänomens dar. Und ich fragte mich – nicht zum ersten Mal -, was die Serie seit fast 50 Jahren eigentlich so erfolgreich macht.

Es grenzt schon an ein Wunder, dass eine Serie wie Star Trek 1966 überhaupt von einem Sender finanziert wurde. Gene Rodenberry, ihr Erfinder, hatte auch einige Mühe, sie zu verkaufen, und musste immer wieder Änderungen hinnehmen.

Damit nicht genug: Schon nach der ersten Staffel sollte Star Trek eigentlich wegen schlechter Quoten abgesetzt werden. Doch die Bindung einiger Fans war so groß, dass sie nicht nur eine Verlängerung der Serie um eine ganze Staffel erreichten, sondern zwei. Und selbst nach der Absetzung blieb das Kernpublikum so begeistert, dass Anfang der 1970er eine Animationsserie und schließlich 1979 ein Kinofilm den Auftakt einer noch breiteren Wirkung des Star-Trek-Phänomens bildeten. Der Rest ist Geschichte. Eine eindrucksvolle Wirkungsgeschichte, wie ich finde.

Wie wahrscheinlich viele, verfolge ich seit meiner Kindheit die Serie im Fernsehen. Mein erste Kontakt (Wortspiel beabsichtigt) dürfte 1978 mit den Wiederholungen einiger Folgen „Raumschiff Enterprise“ im ZDF erfolgt sein. Natürlich war ich damals als Kind im Grundschulalter sofort Feuer und Flamme.

Für den ein Jahr später erschienenen Kinofilm war ich noch zu jung. Jedenfalls beschlossen das damals meine Eltern. Der erste Star Trek-Film, den ich sehen durfte, war der dritte von 1984: Auf der Suche nach Mr. Spock.

Meine Star-Trek-Begeisterung nahm 1990 mit der deutschen Erstausstrahlung von The Next Generation richtig Fahrt auf. Seitdem verfolgte ich jede Star Trek-Serie im Fernsehen. Ab der dritten Season Deep Space Nine ging ich regelmäßig in den Comic-Laden, um mir die allerneusten Folgen im Original als Videokassette zu holen.

Okay, ich gestehe, ich bin also Fanboy. Aber schmucke Raumschiffe und exzessive Panoramaaufnahmen vom Weltall allein können einen nicht über 30 Jahre bei der Stange halten, die breite Wirkung von Star Trek erklären und vor allem die außergewöhnliche Treue der Fangemeinschaft.

Meiner Ansicht nach, hat der langanhaltende Erfolg und die lange und enge Bindung der Fangemeinschaft vor allem mit diesen drei Faktoren zu tun:

1. Universelle Themen

Ja, es gibt in jeder Star Trek-Inkarnation putzige oder bedrohliche Aliens, bunte Planeten und aberwitzige  naturwissenschaftliche Grundannahmen. All das lässt ein Nerd-Herz wie meines höher schlagen. Doch diese machen nicht den Kern der Serie aus.

Entscheidender sind die Themen, die Star Trek behandelt. Und diese sind in den meisten (na gut, sagen wir, den besten) universell, persönlich und/oder gesellschaftlich relevant.

Von Anfang an haben die Star Trek-Autoren ein gutes Gespür dafür besessen, was die Menschen bewegt und auch ein wenig provoziert. Berühmteste Beispiele ist der Kuss zwischen Kirk und Uhura, der erste Kuss zwischen einer Farbigen und einem Weißen, der je auf dem Fernsehschirm zu sehen war (wiederholt in den 1990er, wo man in der Nachfolge-Serie Deep Space Nine das erste Mal im amerikanischen Mainstream-Fernsehen den Kuss zwischen zwei Frauen gezeigt hat). Im Endeffekt war diese Szene nur ein Höhepunkt dessen, was in jeder Folge zu sehen ist: Die Vision einer Gesellschaft, in der Geschlecht und Hautfarbe keine Rolle mehr spielen.

Utopien sind ein weiteres großes Thema bei Star Trek. Die Sehnsucht nach dem Guten im Menschen wird bedient: Nicht nur, dass die Menschen im Star-Trek-Universum Krieg und Krankheiten – weitestgehend – hinter sich gelassen haben. Sie haben auch den Kapitalismus überwunden und sich zu einem Volk aus idealistischen Forschern entwickelt.

Nicht zuletzt ist Star Trek auch für seinen Humor berühmt geworden, der nahezu jede Folge und jeden Film mit einem kleinen Augenzwinkern begleitet und der Behandlung großer, universeller Themen eine unterhaltsame Leichtigkeit verleiht und verhindert, dass zu aufdringlich der moralische Zeigefinger geschwenkt wird.

2. Spezielle Beziehungen

Viel entscheidender noch als die großen, universellen Themen, die Star Trek von Anfang an behandelte, ist meiner Meinung nach, dass sich alle Star-Trek-Serien viel Zeit für die Beziehungen der Figuren nehmen – was für das SF-Genre nicht unbedingt ein Markenzeichen ist. Die Männerfreundschaft zwischen Kirk, Spock und McCoy ist da nur ein Beispiel dafür. Die Schwierigkeiten junger Eltern, Karriere und Familie zu vereinbaren, die Miles und Keiko O’Brien in Deep Space Nine erleben, sind ein weiteres.

Auch hier wird eine Utopie verfolgt, nämlich die Utopie (quasi-)familiärer Bindungen in familienfeindlicher Umgebung. Eigentlich bewegen sich alle Figuren im Star-Trek-Universum in einem Milieu, das enge Bindungen eher erschwert. Klare Kommandostrukturen, Konkurrenzsituationen in einer karrierezentrierten Berufswelt, ständige Bedrohungen von außen – eigentlich der Tod für enge Beziehungen.

Wir alle wollen aber weniger in einer funktionalen bürokratisch-gefühlskalten Arbeitswelt, sondern lieber in einer liebevollen, durch Freundschaft und Vertrauen geprägten Umgebung leben. Star Trek vereinbart hier das eigentlich Unvereinbare, allerdings nicht, indem alles mit einer süßen Konsenssoße überzogen wird, sondern durch das zivilisierte Austragen von Konflikten.

Star Trek zeigt uns Wege, wie unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Interessen in schwierigen Situationen zusammenfinden und enge Bindungen entwickeln, die wiederum großen Belastungen ausgesetzt werden und trotzdem standhalten.

3. Solide Produktion

Mal abgesehen von den letzten beiden Star-Trek-Filmen von J.J. Abrams hatten alle Star-Trek-Produktionen mit einem geringen Budget zu kämpfen. Trotz (oder wegen?) chronischer Unterfinanzierung haben die Produzenten auf die richtigen Details wert gelegt, um sich in die Herzen des Publikums zu spielen.

Die Drehbücher der meisten Folgen sind solide. Die oben genannten Faktoren spielen in ihnen fast immer eine mehr oder weniger zentrale Rolle. Darüber hinaus gibt es natürlich viel Spannung und das Bearbeiten moralischer Dilemmata, was der Serie teilweise philosophische Tiefe verleiht – und damit den Kern jeder guten Science Fiction trifft.

Darüber hinaus hat jede Serie, jeder Film, wunderbare Soundtracks – was gerade für die Originalserie in den 1960ern keine Selbstverständlichkeit ist. Ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor, um Zuschauer emotional in das Geschehen zu verwickeln.

Und natürlich ist auch die Qualität der schauspielerischen Leistungen ein wichtiger Faktor für die langfristige Bindung des Publikums. Allen voran ist natürlich Leonard Nimoy zu nennen, der mit Mr. Spock wohl eine der bekanntesten Ikonen der Popkultur geschaffen hat (und nach Into Darkness der Schauspieler ist, der in den meisten Star-Trek-Inkarnationen mitgespielt hat). Aber auch der viel gescholtene William Shatner ist in seiner Rolle als Kirk in meinen Augen besser als sein Ruf. Hier hilft es, die Serie mal im Original zu sehen.

Die Qualität der Schauspieler bleibt auch in den Nachfolgeserien hervorragend. Patrick Steward als Jean-Luc Picard ist ein Erlebnis, Avery Brooks als Captain Sisko könnte ich stundenlang zuhören – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Am Ende ist es ziemlich interessant, dass eigentlich alle Star-Trek-Inkarnationen, mal abgesehen von den Kinofilmen Nr. 11 und 12, ausgerechnet an dem Punkt sparen, wo man es bei einer SF-Serie am wenigsten vermuten würde: bei den Special Effects.

Von Anfang an jedoch scheinen die Produzenten ein sicheres Gespür dafür gehabt zu haben, dass es besser ist, wenn die Schauspieler beim Beschuss des Raumschiffs ein wenig albern hin und her springen, statt aufwändig die ganzen Bühnenbauten zum Wackeln zu bringen, als die Qualität der Drehbücher, der Schauspieler oder des Soundtracks leiden zu lassen.

Was sind deiner Ansicht nach die Erfolgsfaktoren hinter dem Star-Trek-Phänomen?

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14 Antworten auf “3 Gründe für den Erfolg des Star Trek Storytellings”

    1. Na ja. Weiß nicht so genau, was du mit „vollkommen Neues“ meinst. Es gab schon einige Science-Fiction-Serien vor Star Trek. Es gab halt nur keine SF-Serie wie Star Trek vorher. Hinterher aber eigentlich auch nicht.

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  1. Für mich war es immer der große Raum, der den Charakteren zur Entwicklung gegeben wurde. Das hat berührt, den Zugang erhöht und mitfiebern lassen.

    Wenn ich an Spock, Data, Odo, Seven und so ziemlich jeden Captain denke und da die erste und letzte Folge des jeweiligen Auftretens Revue passieren lasse, habe ich immer so ein Gefühl, als ob ich einem Kind beim Erwachsen werden zugeschaut habe. Man liebt die Charaktere einfach, und je mehr in einer Folge auf einmal eine Rolle spielen, umso höher schlägt das Fanherz. 🙂 Ich sage nur: Immer Ärger mit den Tribbles. :))

    Mal was anderes – ich finde, einer der am wenigsten erwähnten Faktoren bei den Stärken-Aufzählungen der Star Trek Autoren ist das Pacing/Dialog – Gleichgewicht. Achtet man einmal darauf, findet man in beinahe JEDER Episode folgendes Szenario mit immer derselben Struktur: Shuttleflug – Dialog zur Verhältnis/Charaktervertiefung – Piepen der Anzeigen/Shuttle unter Beschuss/Turbulenzen. Wenn man bei einem Staffelmarathon ein Trinkspiel daraus macht, jedes Mal, wenn so eine Szene kommt… hui. 😀

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  2. Soweit ich weiß, war Star Trek damals etwas vollkommen Neues in der damaligen Zeit, mir fallen nicht so viele Science-Fiction-Serien vor Star Trek ein. Buck Rogers war ja ein Kinoserial.

    Na ja, Andromeda hatte schon Gemeinsamkeiten mit Star Trek, Babylon 5 mit Deep Space NIne.

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      1. Und beides Serien scheinen mir eher Science-Fantasy zu sein. Auch wenn sie im Fernsehen wiederholt werden mochten, blieben sie doch Kinoserials. Und Fernsehserien sind doch etwas anderes, zudem ist Star Trek mehr Science-Fiction.

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  3. Für mich hat Star Trek eine ganz besondere Bedeutung, ich verdanke dieser Serie meine geistige Freiheit und den Glauben, dass sich „Menschlichkeit“ in seiner gütigsten Form durchsetzen kann; sie lehrte mich Toleranz und Neugier. Kurzum: Star Trek prägte mein Leben, prägt es noch immer, veränderte mich (zum Guten), erzog mich. Die Frage beispielsweise „Wem gehört Data?“ oder TuVix … es gäbe so viele Episoden zu nennen, aus allen Star Trek Universen, die meine Familie, Freunde und mich nicht nur einen Abend lang beschäftigten und zum Diskutieren und Nachdenken anhielten.

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