Blogparade: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und Autor geworden?

Ich glaube, die Grundlage dafür, dass ich zum Schreiben gekommen bin, liegt sehr früh in meiner Kindheit. Noch bevor ich zur Schule ging, verschlang ich amerikanische Superheldencomics. Mit den Buchstaben in den Sprechblasen konnte ich zwar nichts anfangen, aber das feuerte meine Fantasie um so mehr an, mir anhand der spektakulären Bilder meine eigenen Storys auszumalen.

Das hat mich nachhaltig geprägt. Von Anfang an waren Geschichten nicht etwas, das ich nur konsumiere. Seit damals werden sie in meinem Kopf lebendig und von mir weitergesponnen.

Die Leidenschaft für spannende Geschichten ließ mich nie wieder los. Sobald ich zusammenhängende Wörter entziffern konnte, pilgerte ich täglich zur Stadtbibliothek, wo mich zunächst vor allem Autoren wie Isaac Asimov, Arthur Conan Doyle oder Michael Ende begeisterten.

Ich las nicht nur unaufhörlich, sondern dachte mir auch meine eigenen Science-Fiction-, Fantasy-, Krimi- und Grusel-Geschichten aus und tippte sie auf der schwerfälligen Olymp meines Vaters, damit ich mich wie ein echter Schriftsteller fühlen konnte. Zwischen den massiven Tasten klemmte ich mir zwar ständig schmerzhaft meine viel zu kleinen Finger ein, aber Schrammen und blaue Flecke konnten mich nicht vom Schreiben abhalten.

Meinen ersten Schritt, um ein großes Publikum zu erreichen, unternahm ich mit zehn Jahren, als ich eine Kurzgeschichte bei einem John-Sinclair-Schreibwettbewerb einreichte. Ich gewann zwar nicht und sie wurde nie veröffentlicht (was auch besser so ist), aber ich ließ mich davon nicht beirren und schrieb kurz nach dem Wechsel zur Oberschule meinen ersten Roman, eine Space Opera im Stil meines Lieblings-SF-Autors Robert A. Heinlein.

Als Jugendlicher und junger Erwachsener las ich alles, was mir in die Finger kam und entdeckte in diesem Alter vor allem die Autoren der amerikanischen Hard-Boiled-Schule für mich, wie Dashiell Hammett, Raymond Chandler und Mickey Spillane, und erforschte auch zunehmend „klassische Literatur“, wo mich zum Beispiel Ernest Hemingway, Franz Kafka und Heinrich Böll beeindruckten.

Zwar unternahm ich vorläufig keine neuen Romanversuche mehr, aber Schreiben gehörte für mich trotzdem einfach zum Leben. Ich verfasste weiter Kurzgeschichten, hauptsächlich aber zahlreiche Artikel für Spielemagazine, wie die Wunderwelten, den Ringboten und die Cthulhoide Welten.

Meine Faszination für das Geschichtenerleben und die Erzählungen von H.P. Lovecraft ermöglichten es mir, an den deutschen Regelwerken für mein Lieblingsspiel, das Rollenspiel Cthulhu, mitschreiben zu dürfen, worauf ich bis heute besonders stolz bin.

In meinem Leben außerhalb der Buchdeckel studierte ich Germanistik und Politologie auf Lehramt und leistete in zahlreichen Nebentätigkeiten Jugendarbeit, Familienhilfe und jobbte als Nachhilfelehrer.

Das hielt mich alles ziemlich auf Trapp und verhinderte weiterhin, große Romanprojekte in Angriff zu nehmen.

Später arbeitete ich zwischen Studium und Referendariat ein paar Jahre in einem Laden für Comics, SF- und Fantasy-Bücher und –Spiele. Ebenfalls eine fordernde und ausfüllende Tätigkeit.

Zwischendurch las ich jedes Buch über kreatives und dramatisches Schreiben, das ich in die Finger bekommen konnte und belegte jedes Seminar, das mit dem Thema zu tun hat, von dem ich erfuhr. Jahrelang habe ich auf diese Weise die unzähligen Romanideen, die mir im Kopf herumschwirrten, auf die lange Bank geschoben und viele unvollendete Versuche unternommen, die ich alle wegen „Zeitmangels“ vorzeitig einstellte. 2009 erkannte ich endlich: Wenn ich nicht trotz aller äußeren Widrigkeiten einfach mal ein Romanmanuskript durchziehe, tue ich es nie. Auf den richtigen Moment, in dem man mal viel Zeit hat, warte ich ewig, mindestens bis zur Rente.

Seitdem schreibe ich regelmäßig, jeden Tag ein bisschen (selten weniger als 1000 Wörter), Seite um Seite – und das mit wachsender Begeisterung, so dass ich inzwischen schon unter ein paar Manuskripte das Wort „Ende“ schreiben konnte.

Dieser Beitrag entstand aufgrund der freundlichen Einladung von Claudia Dieterle zur Blogparade.

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8 Antworten auf “Blogparade: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und Autor geworden?”

  1. So eine Schreibmaschine hatten meine Eltern auch! War eins meiner liebsten „Spielzeuge“ 🙂
    Sehr schöner Beitrag, aber dass Du Dich noch so gut erinnern kannst! Bei mir sind die Erinnerungen an meine früheste Jugend doch alle sehr „verschwommen“.

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  2. Hallo Marcus.
    So ähnlich war es auch bei mir. Sobald ich lesen konnte sah man mich nicht mehr ohne Buch. Im Bett mit der Taschenlampe unter der Decke bis mir die Augen zufielen. Auf dem Weg zu Schule und sogar während des Unterrichts. Mein Lehrer hatte mir erlaubt zu lesen wenn ich vor den anderen mit meinen Matheaufgaben fertig war. Seit dem war ich super in diesem Fach. 😉
    Wenn ich sage ich bin süchtig navh Büchern dann ist es die Wahrheit.Ich kann mich auch noch sehr gut an meine Aufsätze erinnern. Wenn andere 3-5 Seiten geschrieben haben war es bei mir stets mindestens das Doppelte. Bis ich einen Krampf in der Hand bekam.
    Ganz liebe Grüße Tanja 🙂

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    1. Leider hat meine Leselust nie dazu geführt, dass ich in Mathe gut war. Im Gegenteil. Aber ich hatte offensichtlich auch didaktisch nicht so erfindungsreiche Lehrer wie du 😉

      Ich würde mich nicht unbedingt als lesesüchtig bezeichnen. Aber ein Buch, das mich wirklich fesselt, ist für mich immer noch das Größte. Und obwohl ich wirklich gerne andere Formen der Unterhaltung wähle, ein echter Comicfan, Filmfreak und Serienjunkie bin, ziehe ich ein spannendes Buch anderen Medien vor, um Geschichten zu erleben.

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  3. Hallo Marcus,
    Deine Beiträge sind für mich „Multifunktions-Medikamente“. Für die unterschiedlichsten Schreib-Wehwechen die richtige Pille/Beitrag. Wenn ich mal wieder alles hinschmeissen möchte, wirken sie beruhigend; wenn mich die Zweifel plagen, weil ich denke, Andere sind besser, wirken sie motivierend. Und wenn ich denke, ich werde nie fertig, dann haben sie eine aufbauende und antidepressive Wirkung.
    Es hilft mir ungemein, zu wissen, dass ich nicht alleine mit diesen „Unpässlichkeiten“ zu kämpfen habe.
    Liebe Grüße Sabine

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