Gedanken schreiben – 4 Tipps

Die Gedanken einer Perspektivfigur zu schreiben kann schwierig sein. Dialoge sind eindeutig geregelt. Für Gedanken gibt es im Rechtschreibduden keine Anweisungen. Auch ein Blick in Romane gibt keine eindeutige Antwort darauf, wie man Gedanken vom restlichen Text eines Romans abhebt, so dass der Leser stets weiß, was Erzählung ist, was Dialog und was sich nur im Kopf der Perspektivfigur abspielt.

Dabei ist es wichtig, dem Leser Orientierung zu ermöglichen. Vor allem beim Ich-Erzähler kann es schwierig werden, hier zwischen Erzählungen und Innenansichten zu unterscheiden. Folgende Möglichkeiten haben sich bewährt und haben alle für sich ein paar Vor- und Nachteile:

1. Gedanken als Teil des Erzähltexts

Manchmal ist es offensichtlich, welche Textstellen Gedanken sind:

Mit einem satten Glucksen starb der Motor ab. Er hämmerte mit der Faust auf das Armaturenbrett. Verdammter Mist!

Hier ist vollkommen klar, dass der Fluch im Kopf der Perspektivfigur stattfindet. Eine weitere Kennzeichnung ist nicht nötig. Die Technik bietet sich also an, wenn ich nicht plane, viele Gedanken zu schreiben, sondern mich nur auf kurze, gelegentliche Einblicke in die Innenwelt meiner Figuren beschränke.

2. Kursivschrift

Häufig werden Gedanken in einem Text kursiv gedruckt:

Er lächelte schmierig. „Du hast keine andere Wahl mehr, jetzt musst du mit mir ausgehen.“

„Hmpf.“

So ein Mist, er hat recht. So leicht gebe ich mich aber nicht geschlagen. Ich kreuzte die Arme vor der Brust und streckte ihm angriffslustig mein Kinn entgegen.

„Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“

Auch hier könnte man auf eine Kennzeichnung der Gedanken verzichten. Allerdings besteht in diesem Fall die Gefahr, dass der Leser verwirrt wird und somit sein Lesefluss gestört ist.

Gerade in Science-Fiction- oder Fantasy-Romanen, in denen Telepathie vorkommt, wird häufig Kursivdruck verwendet, wenn beispielsweise Figuren telepathisch kommunizieren. Dann müssen die kursiv gesetzten Textstellen auch mit Redebegleitsätzen versehen werden.

Ein wenig aufpassen muss man mit der Kursivschrift, wenn auch andere Textstellen kursiv gesetzt werden, die aber keine Gedanken sind – beispielsweise um sie zu betonen. Hier würde ich aber ohnehin dem Prinzip folgen, prinzipiell eher auf Kursivschrift zu Betonungszwecken zu verzichten. Der Leser sollte selbst entscheiden dürfen, wo er Betonungen setzen will oder nicht.

Natürlich gibt es Gegenbeispiele. Terry Pratchett schreibt hervorragende Dialoge, Gedanken und benutzt Kursivschrift, um Betonung zu setzen – und all das funktioniert hervorragend, ohne dass der Lesefluss beeinträchtigt wird. Im Gegenteil, das Lesevergnügen wird sogar noch gesteigert.

Nun, ich halte Pratchett schlichtweg für einen Virtuosen. Nur weil das bei ihm klappt, würde ich es nicht unbedingt nachmachen.

3. Anführungszeichen

Manchmal werden Gedanken ähnlich wie wörtliche Rede behandelt.

„Das kann doch jetzt nicht wahr sein“, dachte sie.

Der einzige Hinweis darauf, dass es sich hierbei nicht um gesprochene Sprache handelt, ist das Verb „dachte“ im Redebegleitsatz. Es besteht die Gefahr, dass der Leser verwirrt wird, denn üblicherweise erwartet jeder nach einem Anführungszeichen wörtliche Rede.

Der Verwirrung kann man ein wenig vorbeugen, indem man den Redebegleitsatz voranstellt:

Sie dachte: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein.“

Wenn man mich fragt, ist das aber wenig elegant und auch nicht gerade förderlich für den Lesefluss.

Wozu dann trotzdem Anführungszeichen verwenden? Manchmal will ich als Autor in einer Szene mehr als eine Figur denken lassen. Frank Herbert macht das beispielsweise im „Wüstenplaneten“. Hier kann der Leser in einer Szene häufig die Gedanken aller Figuren lesen. Auf diese Weise stellt Herbert dar, wie unterschiedlich die inneren Einstellungen und äußeren Handlungen der Figuren sind. Außerdem erzeugt er dadurch eine Menge Spannung, da die Konflikte mit dieser Technik auf die Spitze getrieben werden.

Nun, Herbert ist ein herausragender Autor gewesen, mit viel Erfahrung. Bei ihm liest sich das Ganze flüssig und Spannung. Prinzipiell wäre ich mit dieser Technik vorsichtig.

4. Einfache Anführungszeichen

Normalerweise werden einfache Anführungszeichen verwendet, um Anführungszeichen innerhalb von Anführungszeichen zu verwenden:

„Ich zitiere gerne den ‚Faust‘. Da stecken so viele Weisheiten drin“, sagte sie.

Einfache Anführungszeichen sind ein ungewöhnlicher Weg, Gedanken zu schreiben. Auch hier gilt: Die Technik muss zunächst für den Leser etabliert werden. Ich finde, diese Möglichkeit bietet sich eher für künstlerische Texte an, weil sie doch eher ungewöhnlich ist und sehr versierte Leser erfordert, die solche Spielereien auch mögen. Dann jedoch kann das Verwenden einfacher Anführungszeichen durchaus wirkungsvoll sein.

Am Ende ist die Frage, für welche Technik ich mich entscheide, eher zweitrangig. Wichtiger ist, dass ich eine Technik konsistent im Roman beibehalte, wenn ich mich entschieden habe. Alles andere führt zu Verwirrungen.

Wie kennzeichnest du Gedanken in deinem Roman?

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23 Antworten auf “Gedanken schreiben – 4 Tipps”

  1. Hallo Marcus,

    über dieses Thema habe ich mir auch schon stundenlang den Kopf zerbrochen. 🙂
    Anfangs probierte ich, die Gedanken meiner Figuren in Kursivschrift darzustellen, konnte mich damit aber überhaupt nicht anfreunden. Deine Versionen 3 und 4 schließe ich für mich komplett aus. Dem fühle ich mich einfach nicht gewachsen.
    Ich habe mich dafür entschieden, Gedanken als Teil des Erzähltextes wiederzugeben. Wie du schon geschrieben hast, ergibt sich oftmals aus dem Kontext, welche Stellen Gedanken sind. Ab und zu füge ich dem Gedanken einen Redebegleitsatz hinzu, zum Beispiel so:

    Jetzt brauche ich einen Kaffee, dachte Konstanze und ging die schmalen Stufen der Wendeltreppe hinunter.

    Das kann man natürlich nicht so häufig hintereinander machen, aber ich denke, wenn man diese Technik sparsam einsetzt und die Begleiter variiert, kann es ganz gut funktionieren.

    Liebe Grüße
    Karina

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  2. Eine kurze Zeit habe ich zum kennzeichnen von Gedanken französische Anführungszeichen verwendet. Ich meine diese hier: >> und <<. Das geht in Printbüchern sehr gut, aber bei der Konvertierung in Epub führt es leider zu Problemen, weil es sich wohl leider auch um HTML-Zeichen handelt. Seitdem arbeite ich überwiegend mit einfachen Anführungszeichen, das geht mittlerweile ganz gut.

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    1. Entschuldige bitte, dass das Freischalten deines Kommentars so lange gedauert hat. Das war keine böse Absicht.

      Ich würde auch stark davon abraten, verschiedene Anführungszeichen in einem Text zu verwenden.

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  3. Man kann die Gedanken auch indirekt ausdrücken. Manchmal mache ich sehr filmisch nämlich durch ein Gespräch, meistens ein Streitgespräch, der eine kotzt sich beim anderen aus und der andere versucht eine andere Perspektive aufzuzeigen.

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  4. Ich melde mich mal als Nachzügler. 😉

    Ich nutze für Gedanken Kursivschrift, das finde ich am eindeutigsten. Wobei ich das beim ersten Mal mit einem Zusatz einleite, also etwa so:
    Er wird mich doch nicht vergessen haben?, dachte sie.
    In der Folge weiß der Leser dann, dass kursiv gesetzter Text Gedanken kennzeichnet.

    Für wörtliche Rede nutze ich tatsächlich die frz. Anführungszeichen. Das ist man bei literarischen Texten so gewohnt, finde ich. Ich habe eben noch einmal einen Stapel Bücher unterschiedlicher Publikumsverlage aufgeklappt, da nutzt niemand die deutschen Anführungszeichen. Früher habe ich in Word auch die deutschen genutzt, klar. Das reicht auch, um die Texte in ein Forum zu stellen oder sie auf der Festplatte zu horten. Aber in Scrivener habe ich mir das so eingestellt, dass automatisch die französischen genommen werden. Immerhin könnte es sein (wenn ich mich fürs Selfpublishing entscheide), dass ich diese Dateien als Quelle für das Endprodukt nutze. Und da finde ich diese Anführungszeichen besser und professioneller. Ist aber sicher eine subjektive Wahrnehmung.

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    1. Tatsache. Habe gerade mal ein paar Stichproben gemacht und nur französische Anführungszeichen gefunden. Ist ja ein Ding. Ist mir noch nie aufgefallen.

      Okay, ich leugne alles und behaupte das Gegenteil.

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  5. Ich hätte noch einen Weg im Angebot Gedanken wieder zu geben. Er ist vielleicht nicht ganz klar und eindeutig, schubst den Leser aber in die richtige Richtung. Ich lasse meine Figuren ihre Stimmung oft über ihren Tonfall oder ihre Körpersprache deutlich machen. Da kann man die Gedanken dann „erraten“.

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  6. Hallo Markus. Ich versuche gerade meinen ersten Roman zu schreiben. Gerade sitze ich aber etwas auf dem Schlauch. In meiner Geschichte können manche Menschen über Telepathie kommunizieren. Nur leider weiss ich nicht, wie ich einen Dialog, der lediglich über den Austausch von Gedanken stattfindet, darstellen soll. Am Anfang der Story, stelle ich einzelne Gedanken des Protagonisten noch in Kursiv dar. Aber wie soll ich es machen, wenn daraus ein Dialog wird? Ist es konform, wenn ich normale Anführungszeichen und Kursivschrift verbinde? z.B „Kursiv (konnte leider nicht formatieren. Ansonsten hätte ich ein kreativeres Beispiel gewählt.“

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    1. Als langjähriger SF-Leser weiß ich, dass Kursivschrift ohne Anführungszeichen da durchaus üblich ist. Du hast natürlich schon klar erkannt, dass es verwirrend werden kann, auf diese Weise längere Dialoge, unter Umständen vielleicht sogar noch mit mehr als zwei Beteiligten darzustellen. Ich würde also versuchen, das auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.

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      1. Danke für die schnelle Antwort. Doch denkst du das es legitim ist Anführungszeichen und Kursivschrift zu verbinden? Natürlich auf einem notwendigen Minimum? Natürlich führe ich es ein, bevor ich es zum ersten mal anwende. Hier ein Beispiel: Einem Bund den nur der Tod lösen konnte und es ihnen ermöglichte über Telepathie zu kommunizieren. „Kursivh“

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          1. Fällt dir vielleicht ein Titel ein, bei dem Telepathische Dialoge vorkommen? Da ich den dann auch gerne lesen würde, wäre es toll, wenn der Roman auch was taugt. =D

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  7. Hallo Marcus, gerade eben habe ich diese tollen Hinweise zum Thema „Gedanken schreiben“ gefunden. 🙂 Das hat meine vorher gestellte Frage beim Thema „Dialoge“ beantwortet. Herzlichen Dank für deinen genialen Blog! Sehr sehr hilfreich! Vlg Tina

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  8. „(Eine sehr koriuose Methode wäre es auch, Klammern zusätzlich zu verwenden)“, dachte ich mir, als ich mir einen Kommentar überlegt habe.
    Ich meine, es sieht komisch aus, aber das wird manchmal in Spielen verwendet, um die Gedanken einer Person darzustellen. Gut, dabei muss man aber bedenken, dass es kein Fließtext gibt, sondern jedemenge Bildmaterial und Textboxen…

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