Meine 6 Lieblingsfehler beim Schreiben

Fehler sind ja eigentlich etwas Ärgerliches. Mit der richtigen Perspektive können sie jedoch auch Spaß machen. Ein entdeckter Fehler im eigenen Text zeigt, dass man etwas gelernt hat und ein kleines Stückchen schlauer ist als vorher. In diesem Sinne – hier meine liebsten Fehler, die ich immer wieder „gerne“ mache:

1. Langweilige erste Kapitel

Als Autor muss man sich häufig für einen Text warmschreiben. Wer sind die Figuren? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Wo ist der Konflikt? Wie lässt er sich anbahnen? Das sind alles Fragen, die ich zu Beginn eines Romans ergründen muss. Meistens brauche ich dazu als Autor jedoch viel mehr Zeit und Platz, als es für den Leser gut ist.

Eine zweite Quelle für langweilige erste Kapitel ist das Anhäufen von wichtigen Informationen – salopp auch Infodump genannt. Gerade in Fantasy- und Science-Fiction-Romanen oder historischen Geschichten lese ich das häufiger. Der Autor oder die Autorin muss dem Leser ja auch irgendwie vermitteln, wie das fremdartige Setting des Romans beschaffen ist.

Aber auch in Romanen, die im Hier und Jetzt spielen, kann man nur allzu leicht ins Infodumping geraten, vor allem, wenn man den Handlungsort seiner Geschichte gut recherchiert hat. Romane sind halt keine Reiseführer.

Für mich eine der heikelsten Fehler, denn wenn die ersten Kapitel nicht stimmen, hat der Roman keine Chance. Andererseits muss der Leser ja auch mit dem Setting und den Figuren des Romans vertraut gemacht werden.

Hier helfen nur Kürzen und Überarbeiten. Meistens braucht der Leser viel weniger Informationen, als man glaubt. Oft entdecke ich, dass ich es mir nur als Autor bequem mache, anstatt einen Anfang zu finden, der den Leser packt und nicht mehr loslässt.

Was gut gegen langweilige Anfänge hilft, ist der alte Drehbuchtrick „Spät rein, früh raus„.

2. Zu viele und zu detaillierte Beschreibungen

Ähnlich wie mit den Anfängen, muss man sich als Autor gelegentlich auch beim Schreiben selbst erst klar darüber werden, wie manche Elemente im Roman aussehen, riechen, sich anfühlen usw. Auch hier gilt meiner Meinung nach, dass dieses Warmschreiben zwar okay ist, um Ideen zu entwickeln, aber später aus dem Text unbedingt wieder gestrichen werden muss.

Durch zu detaillierte Beschreibungen fühlt sich der Leser unterfordert. Er möchte ja gerne seine Fantasie spielen lassen und sich die Dinge selbst ausmalen.

Hinzu kommt: Ganz gleich, wie detailliert ich etwas beschreibe – keine zwei Leser werden sich das Beschriebene gleich vorstellen. Und das ist eigentlich auch ganz gut so, wenn man mal genauer darüber nachdenkt.

Sobald ich merke, dass ich etwas länger, als mit zwei bis drei Sätzen beschreibe, frage ich mich – wo ist hier das spezifische Detail, das das Wesen eines Objektes auf den Punkt bringt und es dem Leser eine sinnliche Erfahrung vermittelt? Sehr viel mehr braucht’s nicht.

3. Aufgeblähter Text

Auf der Suche nach dem besten Wort, reihe ich viele aneinander, die eigentlich alle das Gleiche sagen. So kommt es zu großen, gigantischen Höhlen, die einem riesigen dunklen, bodenlosen Loch gleichen, das mit absoluter Schwärze gefüllt ist.

Das geht auch einfacher.

Texte lassen sich sogar auf der Wortebene aufblähen. Oft meint Technologie nichts anderes als Technik und eine Problematik ist nichts weiter als ein Problem. Nicht immer ist das, was gebildeter klingt, auch besser. Im Zweifelsfall macht man es dem Leser leichter, wenn man einfache Wörter mit so wenig Silben wie möglich verwendet.

4. Unnötige Wiederholungen

Manchmal ist Wiederholung etwas Gutes. Gegen Mitte eines Romans kann es vielleicht nicht schaden, wenn hier und da ein paar wichtige Informationen vom Anfang wiederholt werden, damit der Leser nicht die Orientierung verliert.

Wenn eine Figur einer anderen jedoch beispielsweise von einem Ereignis erzählt, dass sich gerade vor den Augen des Lesers abgespielt hat, kann das innerhalb der Erzählwelt zwar logisch sein. Hier jedoch alle Ereignisse noch einmal in wörtlicher Rede zu wiederholen, würde den Leser vollkommen langweilen.

In solchen Momenten ist es absolut angebracht, vom Show Don’t Tell abzuweichen und schlichtweg so was zu schreiben wie: „Sie erzählte ihm alles.“

5. Das Verlassen auf die Rechtschreibprüfung

Die Rechtschreibprüfung der Textverarbeitung ist ein wichtiges Werkzeug. Es wäre falsch, sie in Überarbeitungsphasen nicht zu benutzen (Wenn ich am ersten Entwurf arbeite, schalte ich sie aber ab, denn da interessiert mich Rechtschreibung erst einmal nicht.). Sie hilft dabei, einfache Fehler in der Groß- und Kleinschreibung aus einem Text zu filtern oder Buchstabendreher zu erkennen.

Das war’s aber eigentlich auch schon, was die Software in der Regel kann. Komplexere Fehler findet sie nicht. Die meisten Programme scheitern schon an der Getrennt- und Zusammenschreibung, ganz zu schweigen von Kommasetzung oder komplexeren Grammatikfehlern.

Ich nehme jede Hilfe an, die mir Software beim Korrekturlesen bietet, verlasse mich aber nicht auf sie.

6. Miese Enden

Mit Abstand der wohl schlimmste Fehler – aber auch der, der am schwierigsten zu bearbeiten ist. Wie oft hast du schon eine Geschichte gelesen, die dich einfach umgehauen hat – deren Ende dann aber grottig gewesen ist?

Tja, das liegt daran, das Enden nun einmal wirklich, wirklich schwierig sind. Das Ende eines Romans muss alles einlösen, was der Anfang versprochen hat. Jeder Konflikt, jede Beziehung zwischen Figuren, jedes Rätsel – alles muss am Ende logisch und auch noch spannende auf den Punkt gebracht werden.

Gleichzeitig muss das Ende auch noch emotional für den Leser befriedigend sein, sollte ihn überraschen, darf aber nicht aus heiterem Himmel kommen, muss originell, darf aber nicht zu abgefahren sein usw.

Zum guten Schluss muss unter Umständen das Ende auch noch die Möglichkeit einer Fortsetzung in Aussicht stellen, darf aber auch wiederum nicht zu offen sein, so dass der Leser unbefriedigt die Geschichte verlässt.

Es gibt keine Alternative: Gute Enden sind einfach richtig harte Arbeit und können nur dadurch erreicht werden, dass man seinen Roman sorgfältig plant und/oder überarbeitet, so dass alles, was am Ende eine Rolle spielt auch lange vorher, am besten schon am Anfang, auch angelegt ist.

Verrate mir deine Lieblingsfehler beim Schreiben und was du gegen sie tust.

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4 Antworten auf “Meine 6 Lieblingsfehler beim Schreiben”

  1. Bei Science-Fiction und Fantasy lässt sich oft nicht vermeiden, viele Infos zu bringen, aber dann soll man die Informationen in einem Konflikt oder in einem Streitgespräch einführen.

    Ich neige dazu, sehr, sehr dialoglastig zu sein. Alles, was geht, wird in einen Dialog gepackt.

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