9 Tipps zum Korrekturlesen

Früher oder später kommt er für jeden der Moment, in dem der Spaß aufhört. Die schöne Zeit des Schreibens ist vorbei und die anstrengende Überarbeitung des Textes beginnt. Wer seine Leser nicht verärgern will, muss darauf achten, dass sein Werk sprachlich nicht nur möglichst korrekt, sondern auch lesbar ist. Hier meine neun liebsten Tipps, wie das Korrigieren eigener Texte ein wenig leichter von der Hand geht.

1. Ruhen lassen

Leg dein Manuskript zur Seite. Wie lange? Lange genug. Ein guter Tipp fällt hier schwer. Was mir aufgefallen ist: Ich werde betriebsblind. Vor allem Flüchtigkeitsfehler überlese ich, wenn ich nicht mindestens ein paar Monate Pause zwischen einem Entwurf und dem Korrekturlesen lasse. Ich lese sonst stets das, was ich gerne geschrieben hätte, aber nicht das, was ich eigentlich geschrieben habe.

2. Schwächen herausfinden

Niemand ist perfekt. Analysiere deine Fehlerschwerpunkte. Am besten mit jemandem zusammen, der Ahnung hat. Am zweitbesten mit Tools, wie z.B. stilversprechend.de. Wenn du beispielsweise Probleme mit der Kommasetzung hast, dazu neigst, bestimmte Füllwörter häufig zu wiederholen usw., dann ist das etwas, worauf du natürlich beim Korrekturlesen besonders achten solltest. Es bringt nichts, sich an dieser Stelle selbst zu betrügen oder zu beruhigen, so nach dem Motto: „Wo ich meine Kommas setze, ist als Autor meine künstlerische Entscheidung.“ Ja, im gewissen Maße gibt es auch bei Rechtschreibung und Grammatik künstlerische Freiheiten, aber hier gilt meiner Meinung nach: Bevor man eine Regel bricht, sollte man sie beherrschen.

3. Laut Lesen

Du kannst deinen eigenen Text selbst laut lesen, um zu hören, wie er klingt. Das ist wichtiger, als man vielleicht glauben mag. Gerade Wortwiederholungen oder Satzstellungen, die gegen den normalen Sprachgebrauch verstoßen, findest du so viel, viel leichter. Noch besser: Lass jemand anderes deinen Text laut lesen. Wenn er oder sie hier oder da über etwas stolpert, dann stimmt mit großer Wahrscheinlichkeit etwas mit dem Text nicht.

4. Umgekehrt lesen

Lies den Text von hinten nach vorn, Satz für Satz. Es ist erst einmal komisch, aber das Gute an der Methode ist, dass du dich nur noch auf jeden einzelnen Satz, seine Struktur und seine sprachliche Korrektheit konzentrierst und nicht mehr auf den Inhalt.

5. Sich mit Stilbüchern und Rechtschreibregelwerken umgeben

Den Duden bei der Hand zu behalten ist leicht, wenn du auf einem Rechner mit Internetzugang schreibst. duden.de ist unschlagbar für alle Zweifelsfragen, meiner Meinung nach besser als der gedruckte Duden und auch noch kostenlos. Für Grammatikfragen mag ich canoo.net. Hier wird halbwegs verständlich und übersichtlich die gesamte deutsche Sprache erklärt.

Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn du lieber blätterst und im gedruckten Rechtschreiben- und/oder Grammatik-Duden nachschlägst.

Um sich in Stilfragen beraten zu lassen, gibt es ebenfalls im Netz zahlreiche gute Quellen. Eine gute Serie handfester Stiltipps gibt es zum Beispiel auf der Website der ZEIT: stilkunde-deutsch.

Gedruckt sind hier meine Lieblingsbücher Ludwig Reiners „Stilfibel“ und eigentlich alle Bücher von Wolf Schneider.

6. Synonyme suchen

Wortwiederholungen sind unangenehme Stilfehler. Beim lauten Lesen findest du sie am schnellsten heraus, danach wird es Zeit, den Thesaurus anzuwerfen, um nach Alternativen zu suchen.

7. Rechtschreibprüfung nutzen

Jede Textverarbeitung hat eine Rechtschreibprüfung. Ja, diese Tools haben ihre Grenzen, aber einfache Buchstabendreher finden sie allemal. Und allein das kann schon eine große Hilfe sein. Du solltest dich natürlich nicht allein auf die Rechtschreibprüfung verlassen.

8. Druck’s aus

Es kann helfen, Texte nicht nur am Monitor zu korrigieren, sondern auf dem Papier.

9. Such dir jemand anders zum Korrekturlesen

Bestimmt hast du jemanden in deinem Bekanntenkreis, der ein großer Fan von Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung ist. Solche Leute haben häufig Spaß daran, auf Fehlersuche zu gehen. Nutze das und halte deinen Text nicht aus falscher Scham geheim.

Aber sei nett zu deinen Korrekturlesern und wende zuvor die Tipps an, um ihre Geduld nicht zu sehr zu strapazieren. Ganz gleich, wie akribisch du selbst an deine Texte gehst – es werden für andere noch genug Fehler übrig bleiben, die sie finden können. Garantiert.

Welche Methoden haben sich für dich beim Korrekturlesen bewährt?

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23 Gedanken zu “9 Tipps zum Korrekturlesen

  1. Ein wahres Wort über das Korrekturlesen. Aber bei allem was man selbst tut, ein guter und vorallem kritischer Testleser ist Gold wert! Eine weile Schmollen ist erlaubt, aber er oder sie wird meistens rechthaben wenn man ehrlich in sich geht … Wenn es unklare Formulierunge gibt, die nicht mit einem Wort oder Zeichen zu beheben sind: den Satz oder die Sätze brutal löschen und sich überlegen: „Was will uns der Autor an dieser Stelle wirklich sagen?“

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  2. Die Idee, den Text rückwärts zu lesen, finde ich klasse. Darauf bin ich noch nicht gekommen.
    Ansonsten finde ich es hilfreich, den Text in verschiedenen Darbeitungsformen wahrzunehmen. Neben den erwähnten Monitor, Ausdruck und Vorlesen gehört dazu bei mir auch der E-Book-Reader.
    Besonders gut an deinem Beitrag finde ich, dass du da gleich Korrekturleseübungen drinnen versteckt hast, wie diese hier: „Aber sei nett zu deinen Korrekturlesern und wende zuvor die Tm ihre Geduld nicht zu sehr zu strapazieren.“ 😉

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  3. Hallo Marcus,

    zu meinen Erfahrungen mit dem Korrekturlesen kann ich leider noch nichts sagen, da mir meine erste große Überarbeitung noch bevorsteht. Ich lass dich jedoch gern wissen, wie mir deine Tipps geholfen haben.
    Einen wichtigen Tipp habe ich bereits von dir und Axel gelernt: öfter durch Handlung zeigen als nur zu erzählen und mich immer fragen, ob ich das, was ich gerade beschreibe nicht auch als Dialog schreiben kann.
    Liebe Grüße
    Karina

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  4. Punkt 9 kann ich nur empfehlen. Und dazu noch einen Tipp: Sucht Euch jemanden unter 30. Über 30 lässt die Erkennungsfähigkeit von Satzfehlern nach. Ab 50 kannst du kaum noch dein eigenes Geschreibsel richtig erkennen. Es erschreckt mich immer wieder, wie Freundinnen, altgediente Sekretärinnenhaudegen, die früher 10.000 Anschläge fehlerfrei rausgehauen haben, plötzlich schreiben. Oder ich selbst, wenn ich mal eine Seite von mir nach ein paar Tagen lese. Früher habe ich ein halbes Buch ohne Tippfehler und ohne Hinsehen produziert. Aber der Zahn der Zeit…
    Liebe Grüße Nika

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  5. Den Satz rückwärts lesen, dieses Tipp hatte mir einen Lehrerin gegeben. Mir ist aufgefallen: Wenn ich meinen Text auf ein Lesegerät lese, finde ich eine Menge Fehler, die ich am Bildschirm überlese. Daher wende ich bei der letzten Korrektur folgenden Trick an, bevor ich Manuskript ausdrucke. Ich ändere die Schrift (z.B. von New Times… auf Arial Bold) und siehe da, so mancher neuer Fehler taucht auf. Offensichtlich gewöhnt sich das Gehirn an das Schriftbild.

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  6. Hallo!
    Ich finde solche Tipps zum Korrekturlesen kann es gar nicht oft genug geben.
    Die erste Korrektur mach ich immer auf dem Tablet und schaue ob die auch alles „gefühlt“ passt. Dann mach ich mich an die Feinarbeit: Wortwiederholungen, Füllwörter etc.
    Meine Tipps zum Überarbeiten: Notizen! Am besten an den Rand, oder im Schreibprogramm (ich mach das meist am Tablet, komfortabler geht´s ja nicht 😉 ) Und viel Zeit und Ruhe, wenn die Buchstaben anfangen zu tanzen, dann höre ich meist auf. Bei der Wichtigkeit eines Testlesers (oder auch Lektors) kann ich nur zustimmen. Wenn ich das nicht hätte, wäre einer meiner größten Fehler einfach so an die Öffentlichkeit gelangt. Ich würde mich heut noch dafür schämen, weil es eigentlich total offensichtlich war.
    Grüße
    Sarah

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  7. Ich benutze zum Vorlesen lassen den linguatec Voice Reader. Die automatisierte Stimme dieses Programms deckt gnadenlos auf, wenn es irgendwo hakt. Gerade weil es weder melodisch noch betont gelesen wird, stechen Unebenheiten eben so gut hervor. Und Fehler findet der immer – weil er nicht mitdenkt.
    Ich finde diese Methode auch deswegen gut, weil man kaum jemanden findet, der die Ausdauer hat, einen 300-Seiten-Roman (oder länger) mal eben laut vorzulesen…

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