5 Tipps, wie du schnell zum ersten Entwurf deines Romans gelangst

Irgendwie ist ja inzwischen immer NaNoWriMo. Wer im November nicht kann oder will, kann im April und im Juli ins Sommercamp. Wer will, kann also im Rahmen der WriMos bis zu drei Manuskripte pro Jahr verfassen. Ein schwieriges, aber nicht unmögliches unterfangen, wenn man ein bisschen trickst:

1. Habe einen Plan

Ich bin ja bekennender Outliner, deswegen ist es für mich nicht ungewöhnlich, geplant zu schreiben. Viele andere sind eher Discovery Writer, die lieber aus dem Bauch heraus ihr eigenes Manuskript beim Schreiben entdecken. Daran ist nichts verkehrt. In der Regel dauert es nur länger.

Wer eine Straßenkarte zum Navigieren benutzt, ist meistens schneller am Ziel als jemand, der sich auf gut Glück durchbeißt. Wer durch die Gassen flaniert und ab und zu mal vom Weg abkommt, sieht dafür mehr und gewinnt mehr Eindrücke.

Wenn du, wie beispielsweise im NaNoWriMo, schnell zu deinem Entwurf kommen willst oder musst, dann wird das ohne Plan schwierig. Ja, manchmal hat man auch Glück und findet zufällig den schnellsten Weg. Aber ich würde mich nicht allzu häufig auf mein Glück verlassen.

Hier ein paar Ideen, wie du einen Schreibplan erstellen kannst.

2. Der erste Entwurf ist nur ein erster Entwurf

Viele Hemmungen beim Schreiben eines ersten Entwurfs entstehen dadurch, dass schon beim ersten Anlauf alles perfekt sein soll. Ein erster Entwurf ist jedoch eher so etwas wie eine Art Steinbruch. Man könnte ihn auch als fortgeschrittenes Brainstorming beschreiben. Vieles von dem, was in einem ersten Entwurf geschrieben wird, wird später verworfen oder umgearbeitet. Manchmal bleibt auch kein Stein auf dem anderen.

Das ist alles okay. Alles kann überarbeitet werden. Aber wenn ich nichts habe, kann ich auch nichts überarbeiten.

3. Niemand muss deinen ersten Entwurf je zu Gesicht bekommen

Das ist das Tolle an einem ersten Entwurf. Außer dir muss ihn nie jemand lesen. Tatsächlich sollte ihn vielleicht auch niemand lesen. Und zwar genau aus dem Grund, weil er eine vollkommen unfertige Version deines Romans ist. Er ist nur für dich, damit du eine Grundlage hast, mit der du weiter arbeiten kannst.

Das befreit.

4. Vergiss die Recherche

Ich habe den Eindruck, Recherche ist für viele eine heilige Kuh. Etwas, das ich nie verstanden habe, denn ich mag sowohl sehr gut recherchierte Romane, die mir viel über ein Thema beibringen, aber ich kann mich auch genauso gut von einem Text unterhalten lassen, in dem interessante Menschen einfach etwas Spannendes erleben, ohne dass ich am Ende der Lektüre Lernziele erreicht haben muss.

Da jedoch bei vielen der Eindruck entsteht, Recherche sei mehr oder weniger das Wichtigste an einem Roman, wird ellenlang recherchiert und Wissen angehäuft und der eigentliche Schreibprozess immer weiter nach hinten verschoben.

Ich weiß, wovon ich rede.

Ich hatte einmal eine Idee für einen Thriller an Bord der ISS, der internationalen Raumstation Daraufhin begann ich alles zu lesen, was irgendwie mit Raumfahrt zu tun hat. Ich habe mir sogar Modellbausätze für die ISS gekauft. Am Ende hatte ich das Gefühl, nie kompetent genug zu werden, um meine Idee auch umsetzen zu können und habe das Projekt aufgegeben, bevor ich auch nur einen Satz für das Romanmanuskript geschrieben hatte. Das Ganze hat mich fast ein Jahr Arbeit gekostet. Für nichts.

Die eigentliche Frage ist – woher soll ich so genau wissen, was ich recherchieren muss, bevor ich überhaupt weiß, wie mein Roman ungefähr aussehen wird? Eben. Ich brauche also für die Recherche eigentlich einen ersten Entwurf.

Aber wie soll ich über ein Thema schreiben, von dem ich keine Ahnung habe? Die Antwort: Fantasie. Zur Erinnerung: Niemand muss den ersten Entwurf je zu Gesicht bekommen. Deswegen ist es kein Problem, sich beim Schreiben des ersten Entwurfs einfach die Dinge, die man nicht weiß, auszudenken.

Ja, ich weiß, der innere Kritiker rebelliert an dieser Stelle. Aber der hat beim Schreiben eines ersten Entwurfs ohnehin zu schweigen.

5. Setze eine Deadline

Auch wenn du keine Agenten oder Verleger im Nacken hast, die wutschnaubend auf einen Vertrag pochen, kann es sinnvoll sein, sich selbst mit einer Deadline unter Druck zu setzen. Das ist der Sinn der WriMos.

Wenn ich keine Deadline habe, gelange ich schnell in einen Schlendrian. Wozu heute mit dem Schreiben beginnen? Ich habe ja eh noch Zeit. Wie viel? Keine Ahnung. Aber viel.

Das Problem dabei ist für viele: Wer viel Zeit hat, nimmt sie sich auch. Und so können sich Projekte über Jahre erstrecken.

In ganz extremen Fällen fange ich sogar an, mir eine Stoppuhr zu stellen. Wenn ich mit einer Figur nicht zurecht komme oder ein Absatz querliegt, schätze ich realistisch ab, wie lange die Aufgabe dauern könnte, das Problem zu lösen, und stelle mir dann den Wecker. Der kleine Trick hilft mir, die Konzentration aufrecht zu erhalten.

Mit welchen Tricks schaffst du es, schnell zum ersten Entwurf zu gelangen?

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22 Antworten auf “5 Tipps, wie du schnell zum ersten Entwurf deines Romans gelangst”

  1. Marcus, ich bekomme Angst. Kannst du meine Gedanken lesen?

    Nein, ich wollte keine Geschichte über die ISS schreiben. Aber mir passiert es immer wieder, dass ich tolle Ideen in Sekundenbruchteilen verwerfe, weil ich befürchte, die Recherche gar nicht leisten zu können. Dann sehe bzw. lese ich, wie andere spannende Geschichten über Themen schreiben, die vermutlich auch nicht zu ihrem persönlichen Umfeld gehören, und frage mich, warum ich nicht den Mut habe meine Ideen auszuprobieren.

    Gut, lass uns die heilige Kuh schlachten, wo sind die Messer? Während ich sie hole, kannst du ja nochmal über deine ISS-Story nachdenken. 😉

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    1. Lester Dent hat das schön auf den Punkt gebracht. Sinngemäß meinte er zu dem Thema: Streu ein paar Fachbegriffe ein, schreibe mit Überzeugung, dann nimmt dir der Leser schon ab, dass du Ahnung hast.

      Nun, jetzt muss man sich nicht unbedingt an Lester Dent ein Beispiel nehmen, aber mir hilft der Gedanke, dass es dieses Extrem halt auch gibt. Und der Mann war zu seiner Zeit immerhin ganz schön erfolgreich.

      Ob ich zu der ISS-Idee je wieder zurückkehren werde, wage ich zu bezweifeln. Aber das hat inzwischen nichts mehr mit dem Rechercheaufwand zu tun.

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  2. Zur Recherche: Um das Schreiben nicht zu vernachlässigen, kann man auch schon während des alten Romans mit der Recherche anfangen, ansonsten kann man mittendrin und in der Überarbeitung Dinge recherchieren.
    Ein Stück Vorrecherche braucht man, um überhaupt zu wissen, was eigentlich möglich ist.
    Recherche hilft dabei, nicht zu sehr in das Bekannte abzurutschen, also Recherchieren hilft dabei, Klischee zu vermeiden.

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    1. In dem Artikel ging es mir um den ersten Entwurf. In dem stören meiner Meinung nach auch Klischees nicht. Das einzige Ziel eines ersten Entwurfs besteht für mich darin, fertig zu werden. So schnell wie möglich.

      Richtig, meiner Ansicht nach ist es das Klügste, in den Überarbeitungen zu recherchieren.

      Allerdings will ich auch nicht ausschließen, dass es Autoren gibt, die beim Recherchieren überhaupt erst Lust auf ein Projekt bekommen. Das ist ja das Schöne am Schreiben, jeder findet seinen eigenen Weg. So lange man fertig wird, ist ja alles okay.

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  3. Es stimmt, viele Klischees kann man auch mit Recherche im Nachhinein verbessern.
    Manches wird allerdings so sehr zum Gerüst der Handlung, dass man es nicht verbessern kann, beispielsweise weil man ein Klischeekonflikt zu sehr in den Vordergrund drängt. Bei einer Recherche hätte man vielleicht einen interessanteren anderen und nicht so ausgelutschten Konflikt bekommen.
    Um es mal konkret an einem Beispiel zu illustrieren: Irgendwann wird der arrogante, reichtumsfixierte Schönheitschirurg langweilig, der durch irgendwelche Lebensumstände in einer Arztpraxis im Neuköllner Kiez anfangen muss.

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  4. Ein amerikanischer Western-Autor, dessen Namen ich vergessen habe (nein, nicht Elmore Leonard), hat mal gesagt:“ Wenn ich zwei Wahrheiten geschrieben habe, nimmt mir der Leser die nächsten drei Lügen ab.“
    Das sollte die Recherche schon wesentlich verkürzen.
    Und bedenke, die wenigsten Leser waren selber auf der ISS.
    Gruß
    Siegmar

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  5. Der Punkt mit der Recherche hat mir echt einen Stein vom Herzen genommen!
    In einem meiner NNWM-Romane, den ich so gern veröffentlichungstauglich machen würde, geht es u.a. um Sorgerecht, und ich habe im Internet keine Antwort auf das im Roman vorliegende Problem gefunden. Ich habe sogar ernsthaft überlegt, deswegen einen Anwalt aufzusuchen und mich beraten zu lassen, ob die die Handlung, wie ich sie entworfen habe, rechtlich überhaupt möglich ist. Aber wer kann sich das leisten?
    Nun kann ich es ja einfach so lassen und im Vorwort erwähnen, dass ich unsicher bin und man es einfach als künstlerische Freiheit betrachten soll. Und seien wir mal ehrlich: Wie hoch ist die Chance, dass einer meiner Leser so viel Ahnung von Sorgerecht hat, dass er diekt sagt „HA, das geht so gar nicht!“? Eben ^^
    Danke!

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    1. Du bist natürlich frei, in deinem Roman zu tun und zu lassen, was du möchtest. Ich fürchte nur, du hast mich ein wenig missverstanden. Ich bin nicht der Meinung, dass Recherche prinzipiell etwas Schlechtes ist. Ich bin auch nicht der Ansicht, dass man sie sein lassen sollte, wenn es schwierig wird. Ich denke nur, dass man sich nicht davon abhalten lassen sollte, den ersten Entwurf eines Romans fertigzustellen, wenn es Schwierigkeiten beim Recherchieren gibt.

      Ich an deiner Stelle würde auf jeden Fall die Srogerechtfrage gründlich recherchieren – allerdings lieber in einer Überarbeitungsphase. Vielleicht muss du ja dazu nicht unbedingt gleich kostenpflichtigen Rat bei einem Anwalt einholen. Versuche doch einmal, in entsprechenden Foren Rat zu finden oder hau mal ein paar Jurastudenten. Die finden die Frage vielleicht sogar als Übung interessant oder können dir wenigstens sagen, wo du nachschauen kannst, um eine Antwort zu finden.

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      1. Nee, so war das auch nicht gemeint ^^ Ich habe sehr wohl recherchiert, aber alle kostenlosen Quellen ergebnislos ausgeschöpft. Und für eine echte Rechtsberatung fehlt mir einfach das Geld.
        Ich bin jetzt einfach nur erleichtert, dass es nicht schlimm ist, wenn man hier und da statt knallharter Fakten auch einfach mal ein bisschen Raten und Schätzen einbauen kann, ohne zu sterben 😉

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      2. Bei Jura ist auch vieles Auslegungssache. Hast du mal die entsprechenden Gesetze dir angeguckt, vielleicht ist es nach den Buchstaben des Gesetzes möglich, was du vorhast.
        Das Gesetz ist, soweit ich weiß, in der letzten Zeit mehrmals verändert worden.
        Kannst du die Geschichte, die Figurenkonstellation vielleicht so anpassen, dass es passt? Müssen die wirklich geheiratet haben, wenn nicht, dann ist es für die Mutter jahrelang sehr einfach gewesen, das Sorgerecht für sich zu behalten, für Väter verdammt schwierig, es zu bekommen, bis fast unmöglich.

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  6. Ja, man darf sich beim NaNo-Entwurf nicht verrückt machen.
    Ich hatte letzten August auch einfach was zusammenphantasiert, das ich dann noch wirklich recherchieren muss(te). Das ist ok.
    Außerdem hat mir diese erste Camp NaNo Erfahrung letztes Jahr sehr viel gebracht, zu lernen, dass man in einem Monat einen Entwurf hinbekommen kann, zu lernen, dass man wirklich Output hinbekommt, wenn man sich auf den Hosenboden sitzt und damit anfängt. Doch ich finde NaNo eine coole Sache und werde es vorläufig auch weiterhin nutzen. 🙂

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  7. Danke für die Tipps, besonders die „Deadlineoch den Abend…)“.
    Ich bin nämlich in einen ziemlichen Schlendrian geraten.
    Immer scheint irgendetwas anderes grad wichtiger zu sein.
    (Manchmal ist es das ja auch: Sonne genießen. Aber dann gibt’s immer n

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