Nika Lubitsch – das Erfolgsgeheimnis der Kindle-Thriller-Queen

Die Amazon Top 100 Kindle-Bestseller sind ein hart umkämpftes Terrain. Immer wieder sind dort auch Self-Publisher vertreten. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Berliner Autorin Nika Lubitsch hat geschafft, wovon viele andere Autoren, die im Selbstverlag ihr E-Book auf Amazon veröffentlichen, nur träumen – sie ist über lange Zeit hier zu finden, nicht selten unter den Top 10. Hat sie dafür ein Erfolgsrezept?

Ich denke schon.

Das Genre macht den Kindle-Bestseller

Zunächst einmal fällt auf, dass sich unter den Top 10 der Amazon-Charts der Kindle-Bücher vor allem Thriller, Krimis und Liebesromane befinden. Eine einleuchtende Entwicklung. Der Kindle eignet sich besonders für schnelles Lesen und unterhaltsame Lektüre.

Hinzu kommt wahrscheinlich, dass der Krimi-, Thriller- und Liebsromanleser oft ein Vielleser ist. Der bibliophile Genießer, der sich gerne seine Hardcover-Ausgaben ins Regal stellt, um zärtlich über ledergebundene Buchrücken zu streichen und am Papier zu schnüffeln, greift natürlich nicht zum Kindle.

Anders als manch andere Genreliteratur, wie Science Fiction und Fantasy, spielen Kriminalromane, Thriller und Liebesgeschichten meistens im Hier und Jetzt und nicht in wirklichkeitsfernen Welten, deren eigene Gesetzmäßigkeiten vom Leser bei der Lektüre erst mühsam erforscht werden müssen. Auch das trägt dazu bei, dass sie das Lesetempo beflügeln und den Leser so schnell wie möglich in die Welt der Geschichte eintauchen lassen.

Letztlich stehen in diesen Genres starke Gefühle, die Spannung erzeugen, im Vordergrund. Und wer liest nicht gern spannende Bücher? Wer also einen Krimi, Thriller oder Liebesroman schreibt, stellt sicher, dass es potenziell eine breite Leserschaft gibt.

Nun strotzt die Kindle-Abteilung jedoch vor lauter Thrillern. Wieso schafft es dann ausgerechnet Nika Lubitsch, sich gegen die harte und zahlreiche Konkurrenz durchzusetzen? Am Genre allein kann es nicht liegen.

Professionelles Auftreten

John Locke, amerikanischer Self-Publishing-Millionär, schwört vor allem auf virales Marketing via Twitter und seinem Blog. Auf beides verzichtet Nika Lubitsch. Sie hat zwar einen Blog, ist auf Facebook vertreten, benutzt beide Medien jedoch nicht annähernd im Sinne Lockes, sondern bleibt hier eher erfrischend natürlich.

Was sie jedoch mit Locke teilt, sind die Punkte Lektorat und Coverdesign. Ihre Romane sind sauber und professionell geschrieben und haben ein schickes Bild, unterscheiden sich also in diesen Punkten nicht von Verlagsprodukten.

Im Gegenteil. Die Cover von Lubitschs Romanen sind eher für das Kindle-Format optimiert, als manche Verlagsprodukte, da diese noch hauptsächlich auf den Printbereich setzen, so dass ihre Titelbilder in einer briefmarkengroßen Ansicht nicht mehr wirken.

Der Inhalt ist König

So schick die Bücher auch aussehen und so fehlerfrei sie auch seien mögen, all das bringt nichts, wenn der Inhalt nicht überzeugt. Hier erweisen sich Nika Lubitschs Romane nicht nur als grundsolide, sondern auch als optimal für das Lesen auf dem Kindle.

In „Der 7. Tag“ geht es darum, dass Sybille ihren Mann umgebracht hat. Oder nicht? Sie kann sich nicht daran erinnern, aber alles spricht gegen sie.

Der Roman erzählt im Prinzip dreimal die gleiche Geschichte, nämlich Sybilles Suche nach der Wahrheit, nur immer wieder aus einer etwas anderen Perspektive und mit neuen Details. Stück für Stück werden Geheimnisse enthüllt und neue Fragen aufgeworfen. Die Handlung steckt voller überraschender Wendungen und interessanter Innenansichten, die das Buch zu einer ungemein spannenden Lektüre machen.

Ob Nika Lubitsch dies nun beabsichtigt hat oder nicht, der Text passt hervorragend zum Lesegerät. Kurze Sätze und kurze Kapitel erhöhen die Lesegeschwindigkeit, transparente  Sprache erhöht die Übersichtlichkeit. Das Element der Wiederholung führt zum Ansteigen der Lesegeschwindigkeit zum Ende hin, so dass ich Textstellen, die mir mehr oder weniger Bekanntes präsentieren, geradezu überfliege, um mich hungrig auf die neuen Informationen zu stürzen.

Damit hat die Autorin genial das Medium genutzt.

Nika Lubitschs zweiter Roman, „Das 5. Gebot“ ist etwas konventioneller, aber ähnlich gut auf das Medium abgestimmt:

Die Britin Vicky, die in Berlin lebt, erfährt, dass ihre Mutter in England getötet wurde. Während sie wegen der Beerdigung wieder zu Hause ist, versagen die Bremsen ihres Autos und sie überlebt den Unfall stark verletzt nur durch Glück. Ein Zufall?

Eher nicht, denn im Krankenhaus fühlt sich Vicky verfolgt. Wer will ihre Familie auslöschen – und warum? Bei der Suche nach Antworten stößt Vicky auf ein altes Familiengeheimnis und muss entdecken, dass sie nicht die ist, die sie bisher zu sein glaubte.

Während „Der 7. Tag“ eher aus Innenansichten besteht und weitestgehend rückblickend erzählt wird, ist „Das 5. Gebot“ eine Art Roadmovie. Vicky fährt einmal quer durch Europa, um die Geheimnisse ihrer Vergangenheit zu ergründen und ihren Verfolgern zu entkommen. Ganz zufällig streift sie dabei ein paar der schönsten Touristenorte, was den Roman zur perfekten Urlaubslektüre macht – vor allem für Ferien auf Balkonien, um doch ein wenigsten im Kopf durch die Welt zu touren.

Lubitsch macht nicht den Fehler, das Strickmuster ihres ersten Bestsellers zu wiederholen, bleibt sich jedoch trotzdem treu und glänzt vor allem dadurch, dass ihr Text formal wiederum auf das Lesegerät abgestimmt ist: Kurze Kapitel, schnelle Perspektivwechsel, durchsichtige Sprache, die den Plot in den Mittelpunkt stellt. All dies führt dazu, dass man den Roman auch häppchenweise im Bus oder am Strand lesen kann, ohne dass er an Spannung verliert – wofür der Kindle ja unter anderem auch gemacht ist.

Die Marke Nika Lubitsch

Nicht nur, dass die Cover der Bücher professionell gestaltet sind, sie besitzen auch einen hohen Wiedererkennungswert. Beide Cover sehen sich ähnlich und die Titel sind verwandt.

Nicht zuletzt hat Lubitsch ihr Pseudonym ausgesprochen geschickt gewählt. Sie nennt sich nicht Anna Müller, ein Name, der unscheinbar wäre und untergehen würde. Nika Lubitsch hat Klang und ist ungewöhnlich, trotzdem aber einprägsam. Nicht zuletzt erinnert das Pseudonym an den bekannten Regisseur Ernst Lubitsch, der ja für sich gesehen ebenfalls schon eine Marke ist und Qualität verspricht.

Eine kleine Warnung zum Schluss

Ich glaube nicht an Erfolgsrezepte. Das heißt, es gibt sie schon – in dem Sinne, dass es viele Dinge gibt, die man richtig machen kann, damit es die Chance auf Erfolg gibt. Ob tatsächlich ein Erfolg daraus wird, ist noch lange nicht gesagt.

Trotzdem kann es nicht falsch sein zu versuchen, von den Besten zu lernen. In diesem Sinne würde ich allerdings niemandem empfehlen, sich Ernst Lang zu nennen und Thriller mit weißem Cover und roter Schrift zu veröffentlichen. Wichtiger ist die Erkenntnis, dass ein qualitativ hochwertiges Produkt, das den Anforderungen eines bestimmten Publikums entspricht, eine Chance hat, sein Publikum auch zu finden.

Welche Kindle-Autoren liest du gerne und warum?

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7 Gedanken zu “Nika Lubitsch – das Erfolgsgeheimnis der Kindle-Thriller-Queen

  1. Ich habe Lubitsch‘ Roman aus eben dem Grund gelesen – es hat mich fasziniert, wie schnell sie an die Spitze vorgestoßen ist, sie hat ja selbst zuvor nicht daran geglaubt. Mein Kindle hat mir knapp 200 Seiten angezeigt, als ich angefangen habe, und ich dachte mir „Nun, besonders lang ist das aber nicht“ – aber mir kam das Buch nie kurz vor, sondern als wäre die Story ausführlich, aber kurzweilig (wichtig, nicht kurz) geschrieben. Ich bin normalerweise kein Fan von Rückblenden, aber Lubitsch hat das Problem des Plusquamperfekt indes perfekt gelöst, da sie die Gerichtsszenen im Präsens, die Rückblenden im Perfekt geschrieben hat. Dadurch hat alles seinen Fluss behalten.
    Mich hat es nach der Lektüre nicht gewundert, warum sie auf Platz 1 war. Das Buch ist wirklich gut, auch gut geschrieben. Was mich viel mehr gewundert hat, ist, dass kein Verlag das erkannt zu haben scheint.

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