Von Null auf Bestseller in drei einfachen Schritten

Mit Matthias Czarnetzki habe ich einen neuen Gastautor für meinen Blog gewonnen, über den ich mich sehr freue. Hier berichtet er über seine Erfahrungen beim Self-Marketing, die ich für sehr wertvoll halte. Mehr über Matthias am Ende des Artikels.

Was haben ein literaturnobelpreisverdächtiges Manuskript und ein Kassenzettel vom Aldi gemeinsam? Richtig: in dem Augenblick, in dem sie aus dem Drucker kommen, interessiert sich kaum jemand für ihre Existenz.

Während es der Kassenzettel oft nicht weiter als bis zum nächsten Papierkorb schafft, liegt jedem Autor viel daran, sein Buch bekannt zu machen. Bloß wie? Leider verstehen viele unter Buchmarketing nichts anderes, als zu wirklich jeder Gelegenheit mehr oder weniger ausformuliert zu sagen: „Kauf mein Buch!“ – egal ob es jemand hören will oder nicht. Und sich damit jede Sympathie zu verscherzen.

Wie mache ich aber mein Buch bekannt, ohne alle vor den Kopf zu stoßen?

Es gibt keine Patentlösung und erst recht keine Schritt für Schritt Anleitung. (Die Überschrift hat mir doch nicht wirklich einer geglaubt, oder?)

Der Grund ist einfach: genauso, wie jeder Autor anders ist, ist auch seine Leserschaft anders. Hier folgen ein paar Tipps, wie diese ganz persönliche Leserschaft gefunden und angesprochen werden kann. Das teile ich der Einfachheit halber in drei Schritte auf.

1. Schritt – Eine solide Basis.

Das Erste und Wichtigste ist: Schreib ein gutes Buch!

Das klingt trivial, ist aber die Basis für jeden Erfolg – und wird am häufigsten vernachlässigt.

Dabei meine ich mit einem guten Buch weniger die Geschichte – die Geschmäcker sind so verschieden, dass sich wohl für jede noch so abstruse Story Leser finden lassen – anders ist der Erfolg von Twilight nicht zu erklären.

Was ich meine ist: ordentliche Rechtschreibung, Grammatik, Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung. Gegen den einen oder anderen Fehler, der sich selbst nach gründlichster Prüfung im Manuskript versteckt, ist kein Kraut gewachsen, das kann passieren. Aber Verzicht auf die Einhaltung jeglicher Regeln der deutschen Sprache ist kein Zeichen künstlerischer Freiheit, sondern eine Respektlosigkeit dem Leser gegenüber.

Die Endkorrektur mache ich übrigens nicht mehr selbst, sondern beauftrage ein Korrektorat. Das Geld ist auf jeden Fall gut angelegt, den meine Nähe zu meinen Texten macht mich blind gegenüber meinen Fehlern. Begriffen habe ich das, nachdem ich ein Buch nach der fünften Überarbeitung und Korrektur testweise noch einmal prüfen ließ – und das Ergebnis mehr Rot enthielt als die Staatsbilanzen von Griechenland.

Ein handwerklich ordentliches Buch ist die Grundlage für späteren Erfolg – wer das nicht hat, kann sich das Weiterlesen sparen.

2. Schritt – Social Marketing oder lieber Social Networking?

Die zwei Grundregeln für erfolgreiches Networking sollte eigentlich jeder kennen – aber nach dem, was ich in der Blogosphäre, in Foren und sozialen Netzwerken gelesen habe, scheint es mir notwendig zu sein, sie hier zu wiederholen.

1. Sei freundlich! Auf der anderen Seite der Kommunikation stehen immer Menschen. Behandle sie, wie du selbst behandelt werden möchtest.

2. Verwende Bitte und Danke häufig – lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig.

Mit diesen zwei Regeln im Kopf kannst du dich in die weite Welt der sozialen Netzwerke aufmachen.

Dabei sagt schon der Name Netzwerke, worauf es ankommt. Denn Facebook, Twitter & Co. sind keine Marketingkanäle sondern Plattformen, auf denen Menschen miteinander kommunizieren. Twitterer, die am Tag zwanzig Mal „Kauf mein Buch!“ zwitschern und sonst nichts, landen bei mir schnell im digitalen Aus. Denn dort, wo eine neue Verbindung nur einen Mausklick kostet, ist sie auch ebenso schnell gelöscht. Um nicht nur einen Follower zu haben, sondern einen Menschen, der sich für dein Werk interessiert, musst du dir sein Vertrauen verdienen. Wie geht das?

Die Lösung heißt: Biete Mehrwert! Beantworte Fragen, die jemand stellt, kommentiere Statusmeldungen, teile interessante Inhalte, gib Tipps – dann kannst du ab und zu einen Hinweis auf dein Buch einstreuen und es wird dir niemand übel nehmen. Das nennt man das Mehrwertsteuer-Prinzip der Autorenpromotion. 81% Inhalt 19% Werbung. (Eigentlich ist 90/10 besser, aber das Bundesfinanzministerium widersteht bisher meinen vernünftige Argumenten.)

3. Schritt – Such Leser, keine Autoren

Wahrscheinlich jeder Autor hat schon einmal von einem Kollegen das Angebot bekommen, gegenseitig Rezensionen zu schreiben. Das ist an sich kein schlechter Vorschlag – bekommt man doch die Meinung eines kompetenten Lesers für das eigene Buch. Leider wird das oft missbraucht, um Jubelrezensionen zu schreiben. Reine Lobeshymnen, selbst wenn das besungene Buch grottenschlecht ist. Auch das zeugt von mangelndem Respekt den Lesern gegenüber. Außerdem schrecken solche Rezensionen ab – spätestens nachdem ein Leser zum ersten Mal auf so etwas reingefallen ist. Leider schlägt der schlechte Ruf dann gleich auf alle Indie-Autoren zurück. Laut einschlägigen Foren geht Amazon auf seiner .com-Seite deshalb sogar so weit, Rezensionen von Autoren gar nicht mehr zuzulassen – egal für welches Buch. Denn Rezensionen sind – entgegen landläufiger Meinungen – keine Marketingwerkzeuge für Autoren, sondern sollen dem Leser helfen Bücher zu finden, die ihm gefallen.

Wie gelingt es nun, dem eigenen Buch mehr Bekanntheit zu verschaffen? Ganz einfach: Geh dorthin, wo Leser zu finden sind. Die Amazon-Foren, lovelybooks.de, librarything.com, goodreads.com – dort treffen sich Menschen, die es lieben, Bücher zu lesen. Beteilige dich an Diskussionen, sei hilfreich, unterlasse jegliche Selbstdarstellung. Erst wenn du die Leute dort kennst – und erst dann! – wende dich per eMail oder privater Nachricht an einzelne Mitglieder, von denen du weißt, dass sie dein Buch wahrscheinlich mögen werden und bitte sie um ihre Meinung. Wenn dein Buch wirklich so gut ist, wie du denkst, dann verbreitet sich die Kunde von ganz allein.

Ein anderer Weg sind private Buchblogs. Wichtig ist auch hier, sich vorher zu erkundigen, welche Bücher dort besprochen werden. Den eigenen Krimi bei einem Fantasyblog zur Besprechung anzubieten zeigt, dass sich hier jemand nicht für den Inhalt das Blogs interessiert – warum sollte sich der Blogger also für den Autor interessieren? Wenn du in seiner eMail zeigst, dass du die Arbeit des anderen schätzt, dann hast du den schwierigsten Teil geschafft und gute Chancen, eine ehrliche Rezension zu bekommen.

Was aber, wenn dein Buch gar nicht gut ankommt? Wenn die Rezension ein Veriss wird? Dann bis zehn zählen. (Notfalls auch bis zehntausend; das kommt auf das individuelle Temperament an.) Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Wenn einer von zehn Rezensenten dein Buch Schrott findet, gehört er wahrscheinlich nicht zu deiner Zielgruppe. Wenn Neun von Zehn dein Buch Schrott finden – dann ist es Schrott.

Aus jeder Kritik lässt sich etwas lernen. Also wenn jemand meint, dass dein Buch ihm nicht gefällt – frag nach, was genau ihm nicht gefällt. Wenn du eine Antwort bekommst, lerne daraus und verbessere dein Schreiben. Wenn du keine Antwort bekommst – unqualifizierte Kritik kannst du ignorieren.

Das Einzige, was du niemals tun darfst, ist, den Kritiker persönlich anzugreifen. Schließlich sind wir Profis und nicht im Kindergarten.

Bonustipp

Wer nur ein Buch hat, hat es schwer. Der ganze Aufwand, die ganze Zeit, die ins Marketing investiert wird, endlich hat man einen Leser gefunden – und dann? Er liest dein Buch, ist angemessen begeistert und hätte gern mehr davon. Muss er sich auf die lange, mühevolle Suche nach einem neuen Lieblingsautoren machen?

Oder hast du mehrere Bücher geschrieben? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jemand, dem eins deiner Bücher gefällt, es auch mit einem anderen probieren würde. Deshalb mein Bonustipp: wenn du ein großartiges Buch hast, schreib ein weiteres.

Dass es sich lohnt, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn ich die Verkaufszahlen meiner Lutetia Stubbs Reihe beobachte, stelle ich immer wieder fest, dass von allen Bänden pro Monat ungefähr gleich viel über den Ladentisch gehen. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, einen Band der Reihe an meine VIP-Leser zu verschenken, weil ich sicher bin, dass niemand bei nur einem Band bleibt. Anfixen ist der Fachbegriff dafür. Der stammt aber nicht aus der Marketingwelt.

Und zum Schluss

Was ich beschrieben habe, ist nicht der Weg, um von jetzt auf nachher die Bestsellerlisten zu stürmen. Davon halte ich auch nicht viel, denn mir ist nicht daran gelegen, ein One-Book-Wonder zu werden. Vielmehr möchte ich mir langsam und nachhaltig eine Leserschaft aufbauen, die noch in vierzig Jahren gespannt auf meine Bücher wartet.

Über den Autor

Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen.

Seine skurrilen Krimis um Lutetia Stubbs und ihre Familie sind nur etwas für Leser mit extrem hoher Intelligenz und abgrundtiefen Humor – beides Attribute, die VIP-Leser vom Rest der Menschheit unterscheiden. Zur Zeit ist der vierte Fall in Arbeit.

Web: MCzarnetzki.de

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11 Antworten auf “Von Null auf Bestseller in drei einfachen Schritten”

  1. „Wenn einer von zehn Rezensenten dein Buch Schrott findet, gehört er wahrscheinlich nicht zu deiner Zielgruppe. Wenn Neun von Zehn dein Buch Schrott finden – dann ist es Schrott.“
    Das gefällt mir sehr gut.

    Gefällt mir

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