Comics lesen auf dem iPad

Comics nehmen in meiner Lektüre seit meiner Kindheit einen ganz besonderen Platz ein. Inzwischen lese ich sie zwar verhältnismäßig selten, aber hin und wieder genehmige ich mir doch gerne die eine oder andere Graphic Novel oder schnuppere in eine Serie hinein. Dabei habe ich, ähnlich wie bei Romanen, den Papierversionen seit einer Weile abgeschworen, was viele Vorteile und für mich nur wenige und erträgliche Nachteile hat.

Digitale Comics stehen und fallen mit dem Lesegerät

Wie ich in meinem Umfeld merke, bin ich einer der wenigen, der inzwischen nahezu ganz auf digitale Comics umgestiegen ist. Das mag vielleicht daran liegen, dass zwar schon einige Leser auf E-Book-Reader wie den Kindle umgestiegen sind, wenn es um Bücher geht. Comics hingegen werden in digitaler Form selbst (oder gerade?) von eingefleischten Fans gemieden.

Eine Skepsis, die ich kaum verstehen kann. Ich vermute, es liegt teilweise daran, dass nicht unbedingt jedes Tablet für Comics gleich gut geeignet ist. Erstens muss das Format stimmen 9,7″-Display sollte schon sein, darunter macht es keinen Spaß. Ich lese zur Zeit auf dem iPad 3. Mit dessen Display stellt sich – vor allem bei Comics – ein tolles Lesevergnügen ein, da die Auflösung so hoch ist, dass die Bildqualität besser ist als auf gedrucktem Papier.

Die Vorteile

  • Keine Werbung. Einzelhefte amerikanischer Comics strotzen nur so vor Werbeseiten, die zumindest mich aus der Geschichte immer wieder rausreißen. Ein Grund, wieso ich vor dem iPad Einzelhefte gemieden habe.
  • Leseproben rocken. Was für E-Books gilt, gilt in eingeschränktem Maße auch für Comics. In viele Serien kann man erst einmal hineinschnuppern. Für fast alle Hefte gibt es eine dreiseitige Leseprobe, manchmal sogar die erste Nummer kostenlos.
  • Schick ist auch die Guided View-Ansicht, bei der per Fingertip einzelne Bilder auf das volle Display vergrößert werden und an einem Vorbeiziehen, so dass schon eine beinahe kinoartige Atmosphäre beim Lesen entsteht.
  • Was mich am meisten begeistert ist jedoch das Managen der Sammlung. Wenn ich will, lagere ich alle Hefte in die Cloud aus und lade sie mir nur bei Bedarf runter. In jedem Fall werden alle Hefte automatisch übersichtlich nach Serien geordnet. Was habe ich früher an Zeit verschwendet, um Hefte aufzubewahren und zu sortieren.
  • Die großen Verlage haben große Archive, vor allem, was die populären Serien angeht. Will ich Batman komplett seit 1938 lesen, ist das nun möglich. Ohne Sammlerpreise oder teure Luxusnachdrucke. Auf jedes Heft kann ich sofort zugreifen, die meisten kosten nur ein paar Cent.
  • Robustheit: Digitale Hefte können nicht knicken oder Staub ansetzen, keine Risse bekommen und nicht vergilben. Für den Comic-Genießer in mir perfekt.
  • Keine Wartezeiten und Wege: Ja, man wird bequem. Allerdings habe ich seit rund vier Jahren kein neues Comic mehr angefasst, schlichtweg aus dem Grund, weil ich keine Zeit mehr hatte, um in einen Comicladen zu gehen. Zumal es ja bei einem Weg häufig nicht bleibt. Just die Nummer, die einen interessiert, ist gerade nicht da und muss bestellt werden, was bei US-Importen schon mal ein paar Wochen dauern kann. Auch Shops im Netz mit Versandservice stellen keine echte Alternative dar. Hier entfallen zwar die Wege, aber die Wartezeiten bleiben. Und wenn der Postbote mal wieder zu arbeitnehmerunfreundlichen Zeiten klingelt, habe ich den Weg zur Post. Dann ist mir der Brick-and-Mortar-Store doch lieber. Mir tun Comichändler angesichts der digitalen Konkurrenz aufrichtig  leid. Andererseits lese ich dank digitaler Comics wieder aktiv neue Serien, was ich zuvor schon seit Jahren nicht mehr tat.

Die Nachteile

  • Man braucht unter Umständen verschiedene Apps um Comics verschiedener Verlage zu lesen. Beispielsweise schätze ich die Serien vom Dark Horse-Verlag, die jedoch nicht über die Comixology-App zu beziehen sind. Das nervt, da die Apps auch leicht unterschiedlich zu bedienen sind. Außerdem hat man so nicht alle Comics auf einen Blick.
  • Manche kleineren Serien sind nicht im Programm. So suche ich beispielsweise „Alias“ vergeblich. Ich hoffe, dass solche Lücken bald geschlossen werden, denn gerade für ausgefallenere Titel ist das digitale Medium eigentlich besonders gut geeignet.
  • Die Preispolitik ist undurchsichtig. Viele, vor allem ältere Nummern, bekommt man für 0,79 Cent, aktuellere Hefte sind meistens wesentlich teurer, bis zu 2,69 Euro für Hefte, die zum Teil nur 21 Seiten haben. Hier schrecke selbst ich als Enthusiast schon allein aus preislichen Gründen zurück. Dann gibt es „Sammelbände“, die manchmal recht billig sind, häufig jedoch nur Download-Bundles sind, die im Vergleich zu den Einzelheften keinerlei Vorteil bieten. Manche Hefte werden ein paar Wochen nach erscheinen deutlich billiger, da lohnt sich das Warten, andere nicht. Ich hoffe, dass sich das mit der Zeit auswächst.
  • Auf das Gefühl, ein echtes Heft in den Händen zu halten, muss man natürlich zwangsläufig verzichten. Mich persönlich stört das nicht, zumal ich schon seit langer Zeit lieber auf Tradepaperbacks als auf Einzelhefte zurückgreife. Das echte Comic-Lesegefühl hat mich also ohnehin nie interessiert, sondern mehr der Inhalt. Aber für wahre Enthusiasten ist das natürlich ein Manko.

Fazit

Für mich ist das Lesen von Comics auf dem iPad (vom Display her vergleichbare Tablets habe ich noch nicht ausprobiert) ein konsequenter Schritt, bei dem die Vorteile die Nachteile eindeutig überwiegen. Serien, die ich als E-Comic nicht kriege, kaufe ich halt einfach nach wie vor auf Papier, aber gerade für das Verfolgen aktueller Serien, ist das iPad ein ideales Medium.

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6 Antworten auf “Comics lesen auf dem iPad”

  1. Bin hier voll und ganz auf deiner Wellenlänge. Gerade zum Lesen von Comics sind Tablets wirklich ideal. Ich mag das IPad zwar nicht, aber schon sehr bald kommen sicherlich günstigere Tablets auf den Markt, bei denen ich nicht an der silbrigen Apple-Strippe hängen muss.

    Addendum:

    Platz ! Comics zu verwahren kann unheimlich platzaufwändig sein, noch mehr als Bücher – haben wir ja schon einmal drüber diskutiert. Sie sind ausserdem schwieriger zu handlen (kleineres Format, brauchen diese US-Sonderboxen) und müssen immer mit allen möglichen Artgenossen zusammenbleiben, um nicht im Regal hinzufallen und liegenzubleiben. Ausserdem sind sie sehr verletzungsanfällig. Iregdnwann habe ich auch keine Lust mehr, den Geek-Trottel zu spielen und durch Abstellkammer-Dschungel voller eingetüteter Einzelhefte (ALLE Ausgaben von 889-1034! ^^) zu laufen.

    Musikbegleitung gibt es gleich mit dazu – eine wunderbare Möglichkeit, zu Star Wars-Comics auch gleich den MP3-OST von John Williams anzuhören, während man schmökert. Hier gibt es nun alles in einem, auch wenn der Walkman, die Ultraleicht-Kopfhörer und das leicht vergilbte Spider-Man-Heft #17 aus der Kindheit einen sehr starken nosztalgischen Reiz versprühen. Wir können uns ja mal darüber unterhalten, welche Soundtracks zu welchen Comics als Begleitmusik eignen :O)

    Nachschlagen im Netz – wer war nochmal der Manhunter ? Nein, nicht J’onn Jo’nnzz aus der JLA, sondern der Detektiv-Typ aus den Comics der frühen 1940ern. Häh ? Alan Moore hat seine Watchmen-Inspirationen von den Charlton Comics geholt – was weiß ich darüber ? Jetzt kann ich gleich die Charaktere oder die relevanten Storylines bei Comic-Wikis nachschlagen, also alles, was mich comic-geschichtlich interessiert (und meistens zu weiteren lesenwerten Comics hinführt). Natürlich ist dies meist Sonderwissen, aber hey, sonst würde ich vermutlich auch keine Comics lesen und Silver Samurai von Silvermane und Silver Sable voneinander unterscheiden können :o)

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    1. Die günstigeren Tablets sind es ja bereits auf dem Markt. Alternativen gibt es genug.

      Soundtracks zu Comics? Inzwischen sind ja die „Klassiker“ alle bereits verfilmt. Die haben ihren Score schon 🙂

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  2. lese selbst Comics (USA) auf dem iPad. Aber es gibt ein Problem. Im Bett ist das iPad zu schwer und unangenehm zu halten. Schon nach wenigen Minuten rutscht es aus der Hand. Und wenn man mit kleinen Fingern abstützen will, tun die sehr bald weh. Ne, das Teil müsste mal so leicht sein wie ein Taschenbuch. Dann sehen wir weiter.

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