Kindle vs. iPad – Welcher Reader passt am besten zu mir?

Kurz vor Weihnachten stellt sich der eine oder andere vielleicht die Frage, ob er sich nicht einen E-Book-Reader kaufen, wünschen oder einen verschenken will. Während ich vor rund einem Jahr noch jeden E-Book-Reader, den ich im Elektronikhandel genauer betrachtete, schnell wieder fallen ließ wie eine heiße Kartoffel, sind inzwischen die Geräte so ausgereift, dass das Lesen auf ihnen wirklich Spaß macht.

An der Spitze der Auswahl dürften Apples iPad und Amazons Kindle sein. Natürlich haben auch Firmen wie Sony E-Book-Reader im Angebot oder man kann beispielsweise zum Kobo greifen, der in vielen Beziehungen zum Kindle gleichwertig ist. Entscheidend für meine Auswahl ist, dass sowohl Amazon und Apple das größte Angebot an Büchern haben, worauf es bei einem E-Book-Reader ankommt.

Nicht verschweigen will ich die Nachteile beider Geräte im Vergleich zur Konkurrenz. Denn wer Bücher bei Apple oder Amazon kauft, heiratet die ein oder andere Marke auch. Weder lassen sich die E-Books problemlos auf anderen Readern lesen, noch kann ich ein bei Amazon oder im iTunes-Store gekauftes Buch ohne Weiteres auf andere Lesegeräte exportieren, geschweige denn an Dritte weitergeben. Ein Vorteil, den andere Plattformen besitzen.

Wem es jedoch – wie mir – hauptsächlich um den reibungslosen Einkauf, ein großes Angebot und das reine Lesen geht, der macht mit dem iPad und/oder Kindle nichts falsch. Bleibt nur noch zu klären, für welche der beiden Alternativen man sich entscheiden sollte.

1. Preis

Immer ein gutes Argument. Selbst das iPad mini ist noch rund doppelt so teuer wie der Kindle Paperwhite 3G (das Modell, zu dem ich in jedem Fall raten würde, denn der Touchscreen rockt und die 3G-Verbindung macht das Gerät uneingeschränkt mobil).

Dafür ist die Technik des iPad dem Kindle meilenweit überlegen. Das Display ist schärfer und bunt, das Gerät ist flacher und letztlich auch stabiler. Hinzu kommt, dass das iPad – ob nun mini oder Kingsize – viel mehr kann als der Kindle. Wer nebenbei Musik hören will, kann das problemlos tun. Surfen, E-Mails abrufen und vor allem – für internetaffine Leseratten vielleicht nicht ganz unwichtig – Social Medias wie Goodreads oder Lovelybooks sind nur einen Fingertipp entfernt.

Hier liegen sowohl die Stärke als auch die Schwäche vom Kindle. Man kann mit ihm eigentlich nur lesen. Ich persönlich finde das gar nicht schlecht, denn ich kann nicht in Versuchung geraten, meine Mails zu checken oder auf Facebook abzuhängen, statt zu lesen.

2. Mobilität

Die Überlegenheit des Kindle zeigt sich meiner Meinung nach, wenn man unterwegs ist. In jedem Fall ist er kleiner und leichter als das iPad, selbst beim iPad mini hat der Kindle noch die Nase vorn. Er ist auch handlicher. Alles Argumente, die ihn für einen Einsatz in Bus und Bahn, am Strand oder beim Bergsteigen und Campen geeigneter machen als das iPad.

Hinzu kommt, dass die Akkuleistung des Kindle das iPad einfach in den Boden stampft. Mit ausgeschalteter WLAN- und 3G-Verbindung hält der Akku vom Kindle einige Wochen, auch bei intensiver Lektüre. Das iPad macht dank seines hellen und farbenfrohen Displays in der Regel nach wenigen Tagen schlapp. Ein Tag intensive Nutzung kann den Akku schon auslaugen.

A pros pros 3G-Verbindung. Auch das iPad kann mit einer solchen ausgestattet werden. Allerdings sind die 3G-Modelle wesentlich teurer als die WiFi-Geräte und es kommen noch Kosten für den Mobilfunkvertrag hinzu (von zusätzlicher Rennerei ganz abgesehen). Hier ist das Angebot von Amazon unschlagbar: Für einen relativ geringen Aufpreis erhalte ich lebenslanges, kostenloses und nahezu weltweit verfügbares 3G-Netz zum Gerät dazu, ohne dass ich noch irgendwelche lästigen Verträge abschließen muss.

Bis zum Paperwhite-Modell wäre das entscheidende Argument in dieser Kategorie noch die Hintergrundbeleuchtung des iPad-Displays gewesen. Auch wenn der spiegelnde Schirm bei grellem Sonnenlicht das Lesen auf dem iPad etwas erschwert (was für mich als Berliner dank des dauerhaft grauen Himmels kaum eine Rolle spielt), so kann man damit halt auch hervorragend bei schlechten Lichtverhältnissen lesen.

Beim Kindle war das vor der Papaerwhite-Ära nur mit zusätzlichem Equipment möglich. Der Paperwhite hat nun ebenfalls eine Hintergrundbeleuchtung. Trotzdem hat das iPad noch seine Nase in diesem Bereich ein kleines Stückchen vorne. Denn wenn ich mit dem iPad ohne Nachttischlampe im Bett lesen will, kann ich sowohl bei der iPad-App als auch bei iBooks die Seiten von Schwarz auf Weiß auf Weiß auf Schwarz umstellen. Das ist bei kompletter Dunkelheit viel angenehmer zu lesen. Für mich jedenfalls ein Killerfeature.

Unterm Strich überwiegen bei der Mobilität jedoch die Vorteile des Kindle Paperwhite 3G.

3. Angebot

Hier gibt es so gut wie keinen Unterschied der beiden Marktführer. Wem es sozusagen um den reinen Buchbestand geht, der findet sowohl bei Amazon als auch bei iBooks die gleichen Stärken und Schwächen.

Aktuelle Bücher gibt es – auf Deutsch und auf Englisch – praktisch immer auch als E-Book-Ausgabe (vielleicht gilt das auch noch für andere Sprachen, allerdings habe ich mich da noch nie drum gekümmert). Viele Klassiker der deutschen und angloamerikanischen Literatur gibt es sogar kostenlos. Man kann sich den ganzen Speicher mit Nietzsche, Goethe und Kafka vollknallen, ohne einen Cent auszugeben, egal, ob man sich bei Amazon oder iBooks herumtreibt.

Dafür sucht man etwas ältere Bücher aus den Bereichen Sachbuch und Unterhaltungsliteratur fast immer vergebens. Eine Schwäche, die jedoch weder an Amazon nach an iBooks liegt, sondern an den Verlagen, die ihre Backlists einfach noch nicht für den E-Book-Markt geöffnet haben.

Zwei Dinge lassen Amazon einen kleinen Vorsprung: Erstens kann ich E-Books bei Amazon unter bestimmten Bedingungen auch verleihen. Zweitens  gibt es für Amazon-Prime-Mitglieder auch die Option, Bücher auszuleihen. Selbst Fehlkäufe können innerhalb einer angemessenen Frist schnell wieder rückgängig gemacht werden. Beides Features, die Apple (noch) nicht bietet.

Dafür besitzt das iPad den Vorteil, dass ich mit der Kindle-App praktisch alles lesen kann, was ich auch auf dem Kindle lesen kann. Umgekehrt geht das natürlich nicht. Mit anderen Worten: Das iPad funktioniert auch wie ein Kindle, der Kindle aber nicht wie das iPad. Das ist vor allem dann interessant, wenn man halt eben doch gerne noch surfen oder Musik hören möchte und mit dem E-Book-Reader nicht nur lesen will.

Letzter Vorteil für das iPad: Ich kann mit ihm auch Comics und PDFs in hervorragender Darstellung lesen. Comics sehen sogar besser aus als gedruckt. Farben und Striche sind gestochen scharf und brillant. Hier kann der Kindle mit seinem E-Ink-Display und der wesentlich geringeren Prozessorleistung natürlich nicht mithalten. Wer also wie ich nicht nur gerne Bücher liest, sondern vor allem auch Comics und/oder das ein oder andere PDF besitzt, das er nicht ausdrucken möchte, der kommt um ein iPad (vorzugsweise nicht in der Mini-Ausgabe) nicht herum.

Fazit:

Eine eindeutige Empfehlung für das eine und gegen das andere Gerät kann es nicht geben. Dafür sind die Anforderungen und Lesegewohnheiten individuell einfach zu verschieden. Wer so verrückt ist wie ich, besitzt beides, um die Vor- und Nachteile jeweils auszugleichen, je nach dem, für welche Gelegenheit der E-Book-Reader gerade benötigt wird. Auch hier ist der Vorteil der Kindle App: Wenn ich ein Buch auf dem iPad lese und es dann später auf dem Kindle aufschlage, wird das Buch automatisch zur zuletzt gelesenen Stelle synchronisiert.

Wer erst einmal in die Welt des elektronischen Lesens hineinschnuppern will, macht mit dem Kindle Paperwhite 3G zu einem moderaten Preis nichts falsch. Wer sich sicher ist, was er braucht und was er will, kann auch zum iPad greifen, wenn die vielen Funktionen, die über das reine Lesen von E-Books hinausgehen, gewünscht sind.

Welcher E-Book-Reader ist dein Favorit?

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18 Gedanken zu “Kindle vs. iPad – Welcher Reader passt am besten zu mir?

  1. Die Gegenüberstellung ist nicht gut, aber nicht ganz rund. Der entscheidende Unterschied zwischen einem Kindle und dem iPad (und fast allen anderen e-Paper Geräten) ist der, dass man sich bei einem Gerät von amazon ausschließlich im amazon-Universum bewegt. Auf dem iPad kann ich dagegen sehr wohl auch Bücher lesen, die nicht von Apple verkauft werden – möglich macht es der ePub-Standard. Zudem habe ich mit einem iPad (trifft auch auf andere Geräte zu, die nicht von amazon stammen wie der Bookeen FrontLight) die Möglichkeit, Bücher aus dem Bestand der Stadtbibliothek zu lesen – hier in Köln ist das eine große Auswahl an eBooks, die man sich für 14-Tage leihen kann (das Angebot gibt es auch beim VÖBB in Berlin).

    Der Vergleich zwischen Kindel und iPad ist eher der zwischen einer geschlossenen und eher offenen Plattform. Wem iBooks nicht reicht, dem stehen zudem eine Menge anderer Apps zur Verfügung – sogar die Kindle-App…

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  2. Hallo Marcus,

    das iPad ist ein reines Tablet, bei den Kindle gibt es sowohl Tablets als auch eBook-Reader.

    Wie ich schon mal geschrieben hatte, kommt für mich ein Kindle aufgrund des geschlossenen Systems nicht infrage. Und die iPads sind mir entschieden zu teuer.

    Mein augenblicklicher Favorit ist der »Kobo Glo«, auf dem ich seit Anfang November fleißig lese. Er ist klein, handlich, leicht, bietet mir zahlreiche Einstellmöglichkeiten, unterstützt das offene Format epub und hat vor allem eine zuschaltbare Beleuchtung, auf die ich, seitdem ich sie kenne, nicht mehr verzichten möchte.
    Aufgrund der Handlichkeit und des geringen Gewichtes kann ich hiermit überall, wo ich es möchte, problemlos und ohne irgendwelche Ermüdungserscheinungen zu spüren, lesen.

    Andere Dinge als nur Lesen mache ich mit diesem Gerät allerdings nicht – das macht auch bei 16 Graustufen und der fehlendem Schnelligkeit nicht wirklich Spaß.

    Für die anderen Sachen haben mein Schatz und ich uns kürzlich ein »Nexus 7 3G« gegönnt. Ach ja – eine Kindle-App habe ich auch darauf installiert. 😀

    Falls denn irgendwann einmal die enhanced eBooks kommen, ist ein Tablet zur Darstellung selbiger sicher optimal.

    Viele Grüße
    Martina

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    • Vielen Dank für deinen Kommentar, Martina. Kindle Fire und Kindle Fire HD habe ich absichtlich ausgeklammert. Dann hätte ich eher einen Tablet-Vergleich anstellen müssen. Auf das iPad und den Kindle Paperwhite habe ich mich hier konzentriert, weil sie einfach am bekanntesten sind. Auch Leute, die sich nicht so sehr für Technik interessieren, haben von beiden oft schon gehört. Alternativen lieferst du ja im Kommentar, worüber ich mich sehr freue.

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  3. Ich gebe dem Kindle den Vorzug, da für die anderen Sachen ein Smartphone reicht.
    Und alles, was nicht auf dem Smartphone möglich ist: einen Laptop habe ich ja auch noch.

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  4. Hi Marcus,

    ich habe mir die Eierlegendewollmilchsau zugelegt. Am Anfang stand ich auch wie viele Andere vor dem Problem, „Was will ich eigentlich“. E-books lesen, ein wenig ins Internet gehen (W-Lan, 3G) dann auch noch ein bißchen spielen und telefonieren wäre ja auch nicht so schlecht. Also zwei geräte kaufen. Ein Smartphone in der unteren Preiskategorie und ein Sony E-book Reader oder ein Kindle. Zusammen ca. 320,- Euro.
    Dann bei Amazon geschaut, ob es vlt. ein günstiges Smartphone mit 5 Zoll Display gibt. Da geht das Lesen ja auch schon recht gut. Und siehe da, für knappe 200 Euronen ein Smartphone vom Apple Hersteller Foxconn. Ich bin 100 % zufrieden mit der Größe und der Darstellung des Displays. Die App Cool Reader (hat meine Frau auch aufn Tab) ist Top. Desweiteren kann das Android Handy auch Pdf’s anzeigen, im Gegensatz zum teuren Halbbruder von dem angebissenen Obst. Für das 2 1/2 fache kann man natürlich auch etwas für sein Ego bekommen. Das Galaxy Note Handy hat ein 5,5 Zoll Display. Das sieht beim Telefonieren aber schon sehr protzig aus.

    Gruß

    Carsten

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  5. Hallo Marcus,

    Ich habe vor mir ein iPad mini zuzulegen. Und bin so auf deine Seite gestoßen, zwar sind die Beiträge schon was länger her. Ich hoffe du kannst mir aber trotzdem auf meine Fragen antworten.

    Also mich würde nämlich interessieren wie das mit dem Speicher des iPad mini aussieht. Ich habe vor das iPad auch als ebook Reader zu nutzen. Ich weis das ein kindle knapp 1400 Bücher speichern kann, aber wie sieht es da mit dem iPad aus. Kann ich die Bücher auch über iTunes speichern wie bei der Musik und dann nur das auf das iPad laden was ich grad lesen will? Oder ist nach zehn Büchern Schluss und die muss ich dann löschen um neue zu kaufen. Was ja auch ziemlich schwachsinnig finde. Zumal ich meine Bücher oft mehrmals lese.

    Ich hoffe die kannst mir bei meiner Entscheidung weiter helfen.

    Schon mal danke für die Antwort

    Liebe Grüße Kristin

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    • Ich bin persönlich der Ansicht, dass der Speicherplatz auf einen iPad gleichgültig ist. Die allermeisten Inhalte habe ich zumindest in der Cloud, so auch Bücher.

      Aber selbst wenn du das kleinste Modell nimmst (16 GB), dann bekommst du da mehr Bücher drauf, als du lesen kannst. Zumindest, wenn du nicht zu viele Apps installierst. Der Kindler hat 2 GB Speicher, das ist also deutlich weniger als beim iPad.

      Ich benutze übrigens auf dem iPad auch die Kindle-App als
      meinen Hauptreader. iBooks gefällt mir persönlich nicht so gut und außerdem habe ich ja noch nen Kindle und ich will um ZZweifelsfall mein Buch auf allen Geräteb lesen können.

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