Wie du nach dem NaNoWriMo den Fokus fürs Schreiben nicht verlierst

Es gibt viele Tugenden, die man im NaNoWriMo als Autor lernen kann: Ausdauer, sich täglich motivieren, Ziele setzen, ein Projekt beenden, Perfektionismus ablegen – kurzum, du lernst, das Schreiben nicht auf die Lange Bank zu schieben, sondern hier und jetzt damit zu beginnen und auch täglich durchzuhalten.

Jetzt geht es darum, im Dezember den Schlendrian nicht wieder einreißen zu lassen. Wenn du wie ich bist, bist du ein wahrer Meister im Aufschieben. Arbeits- und Familienleben fordern täglich ihre Zeit, die gemütliche Couch oder Facebook und Twitter locken mit Entspannung und Ablenkung und dann sind da noch die vielen kleinen Dinge des Alltags die ständig Erledigt werden müssen, vom Müllraustragen bis hin zum Küchesaubermachen.

Schreiben ist eine erfüllende, aber auch eine anstrengende Tätigkeit. Deswegen kann es schnell passieren, dass du dich selbst überlistet, eine Kleinigkeit nach der anderen dem Schreiben vorziehst – und am Ende des Tages viel zu spät merkst, dass du gar nicht mehr zum Schreiben kommst. Aus einem Tag wird eine Woche, aus einer Woche ein Monat. Und im Januar ist dein hart erkämpftes NaNoWriMo-Manuskript nur noch eine schale Erinnerung.

Schade drum. Mit diesen kleinen Tricks kannst du die Aufschieberitis auch nach dem NaNoWriMo wirksam bekämpfen, deine Motivation bewahren und dein 50.000-Wörter-Manuskript noch zu einem kompletten Roman ausarbeiten:

1. Der Versuchung widerstehen

Nur mal schnell auf Facebook die Neuigkeiten lesen, nur mal kurz die Mails checken, nur mal eine Folge meiner Lieblingsserie gucken … Mit diesen Gedanken fängt jede handfeste Prokrastiantionswelle an. Es sind diese kleinen „Nur mal“-Gedanken, die dir am Ende die Zeit stehlen.

Wenn dir das Schreiben wichtig ist, dann mach es auch zum ersten, das du erledigst, wenn du aufstehst oder nach der Arbeit nach Hause kommst. Vielleicht bist du müde und ausgelaugt. Das sind genau die Momente, in denen der innere Schweinehund gerne zuschlägt. Mache es dir deswegen zu Gewohnheit, zum Ritual oder zur Routine in einem bestimmten Moment am Tag mit dem Schreiben zu beginnen.

Widerstehe dem Impuls, etwas anderes, vermeidlich Angenehmeres zu tun. Mache ihn dir bewusst und lass ihn einfach vorübergehen. Die meisten Dinge lassen sich auch später nebenbei schnell erledigen, Schreiben nicht. Mach dir bewusst, dass du dich gerade einfach nur vor etwas Anstrengendem drücken willst, das dich langfristig gesehen aber glücklicher machen wird, als eine Stunde auf Facebook abzuhängen.

2. Verbanne Möglichkeiten der Zerstreuung

Wenn du wie ich bist, schreibst du am Computer. Wunderbare Maschinen mit vielen kleinen Werkzeugen, die das Leben leichter machen – aber auch haufenweise für Zerstreuung sorgen. Da poppen kleine Fenster auf, die deine Aufmerksamkeit fordern, weil dich jemand auf Twitter und Facebook erwähnt oder dir eine Mail geschickt hat.

Jede einzelne dieser vielen Möglichkeiten der Zerstreuung ist für sich gesehen nicht weiter wild. Zusammen sind sie wahre Zeitfresser. Ein Klick hier, eine Kurznachricht da – und schnell ist die Stunde um.

Am besten wäre es, ein Notebook oder einen Computer zu haben, auf dem nur ein Schreibprogramm installiert ist und keine Anbindung ans Internet existiert. Aber den Luxus haben viele nicht. Ich jedenfalls nicht.

Zum Glück gibt es noch andere Möglichkeiten, diese Zerstreuungen zu beseitigen: Zieh den Stecker, schalte das WLAN aus, deaktiviere alle Benachrichtigungen, die es gibt. Bei den meisten Programmen ist es möglich, das zu tun. Häufig musst du diese Funktion nur ein bisschen suchen, da die Hersteller dieser Programme natürlich nicht wollen, dass du sie deaktivierst.

Was für den Computer gilt, gilt auch für den Rest des Lebens. Die meisten Dinge, die sich zwischen dein Romanmanuskript und dich stellen, können auch ein Stündchen warten. Der Müll liegt schon den ganzen Tag in der Tonne – auf eine Stunde mehr oder weniger kommt es auch nicht an. Die Familie kann sich vielleicht auch ein bisschen gedulden, wenn du ihr nach deiner Schreibzeit dafür deine ganze Aufmerksamkeit schenkst. Die Kinder wollen auch nicht mit dir spielen, wenn du beim Zahnarzt unterm Bohrer liegst. Manchmal geht es halt einfach nicht, wieso sollte Schreiben keine ähnliche wichtige Tätigkeit sein?

3. Überwinde dich

Ja, es gibt diesen Widerwillen, die ersten Wörter in die Tasten zu hauen. Dein innerer Schweinehund weiß, dass die nächste Stunde Schreiben bei allem Spaß und aller Erfüllung auch harte Arbeit ist. Es zu leugnen ist zwecklos. Manchmal verspürst du große Lust zum Schreiben – wie am Anfang des NaNoWriMos, wo die Motivation und die Aufregung des Neuen dich beflügelten. Oder du hast eine neue Idee, die dich elektrisiert.

Aber Schreiben ist auch Routine. Nicht immer sprudeln die Ideen und nicht immer ist alles aufregend. Im NaNoWriMo hast du gelernt, dich zu überwinden, denn die 1667 Wörter am Tag mussten ja geschrieben werden. Jetzt ist die Motivation von außen weg. Überwinden musst du dich trotzdem.

Sei dir bewusst, dass du gerade keine Lust oder keine Idee hast, was du konkret zu Papier bringen sollst, erkenne, dass das ein ganz normaler Zustand und eher die Regel als die Ausnahme ist  – und schreibe trotzdem. Hacke einfach die ersten Wörter in die Tastatur, ganz gleich, wie mies sie sind. Wenn du erst einmal den ersten Widerstand überwunden hast, dann geht es meistens ganz von alleine weiter. Hat im NaNoWriMo doch auch geklappt.

4. Verabrede dich zum Schreiben

Du kannst dich mit anderen zum Schreiben treffen, wenn das hilft. Viele Schreibgruppen bilden sich im NaNoWriMo. Warum nicht einfach auch nach dem November damit weitermachen? Ja, vielleicht hast du andere Termine und Aufgaben im November verschoben, um bei einer Schreibgruppe mitzumachen, was nun nicht mehr geht, denn irgendwann müssen ja auch diese Dinge erledigt werden.

Aber man muss sich nicht wöchentlich treffen. Unter Umständen reicht es, via E-Mail, Facebook oder Twitter oder in einem Forum in Kontakt zu bleiben. Es gibt viele Möglichkeiten, sich mit anderen zum Schreiben zu verabreden und auszutauschen und so das kleine bisschen sozialen Druck aufzubauen, der die Motivation verstärkt. Sei es, dass du mit deinen Lieben eine feste Schreibzeit ausmachst und sie dich dann sogar daran erinnern: „Wolltest du jetzt nicht eigentlich schreiben?“.

5. Terminiere deine Schreibzeit

Manche Leute setzen sich qualitative Ziele beim Schreiben: ein Kapitel pro Tag, fünf Seiten oder halt eben die 1667 Wörter im NaNoWriMo. Wenn das für dich funktioniert – super. Weiter so.

Für die Zeit jenseits des Novembers kann es ab besser sein, sich feste Termine für das Schreiben zu reservieren. Anstatt deinen Wordcount zu erfüllen, ist es vielleicht klüger, dir die Zeit nach dem Aufstehen, nachdem du von der Arbeit kommst oder kurz vorm Schlafen gehen zu reservieren.

Wenn das so ist, überlasse nichts dem Zufall. Mache einen Termin draus. Trage ihn in deinen Kalender ein wie alle anderen Termine auch. Das schafft Verbindlichkeit und erinnert dich daran, dass du ja etwas Wichtiges vorhast. Somit kann diese Zeit nicht mit etwas anderem belegt werden. Und wieso sollte das Schreiben weniger wichtig sein, als zum Frisör zu gehen?

Wie gelingt es dir, nach dem NaNoWriMo am Ball zu bleiben?

Folgende Artikel könnten dich auch interessieren:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s