James N. Freys Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt

Wie so viele bin auch ich mit James N. Freys „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ zum kreativen und dramatischen Schreiben gekommen. Nicht nur, dass Frey simpel und verständlich alle wichtigen Grundlagen für das Schreiben eines Romans auf den Punkt bringen kann. Er ist auch noch vergnüglich zu lesen und sehr motivierend.

Deswegen lasse ich keinen Frey aus, der erscheint. Ich habe mir jedes seiner Bücher geholt und verschlungen und auch keines bereut, obwohl er sich nicht ganz unbeträchtlich wiederholt.

In „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“, wiederholt sich Frey vergleichsweise wenig. Schade eigentlich …

Was du mit diesem Buch nicht bekommst

James N. Frey glänzt meiner Meinung nach in allen seinen bisherigen Büchern vor allem durch die Praxisnähe. Er hält sich nicht lange mit Theorien auf, sondern lockert alle Ausführungen mit Beispielen aus der Literatur und seiner eigenen Schreibtätigkeit auf. Stets erhält man das Gefühl, einem duften Kumpel beim Schreiben über die Schulter zu gucken.

Mit anderen Worten: Für Einsteiger sind alle bisherigen Bücher Freys tolle Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie man einen ersten Entwurf hinbekommt und ihn zum fertigen Roman überarbeiten kann. Und man muss kein Literaturwissenschaftler sein, um sie zu verstehen.

Toll, muss sich Frey gedacht haben, die Leute lieben meine Beispiele, also liefere ich ihnen mehr davon.

Und das hat er. Frey entwirft nicht eine, nicht zwei oder drei, nein, er entwirft neun (!) Ideen für Thriller. Spätestens nach der dritten hatte ich aufgehört zu lesen.

Das, was James N. Freys eigentliche Stärke ausmacht, die Konzentration auf das Wesentliche, der hohe Anschauungswert und die Übersichtlichkeit, gehen durch diese Beispielflut verloren.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den eigenen Thriller sieht anders aus.

In einem Interview beteuert Frey, dass das Buch für ihn eine Pest zu schreiben war. Diese Mühe merkt man dem Werk auch an. Es wirkt im Detail sehr, sehr bemüht, ohne spritzig und locker zu sein, wie man es von ihm gewohnt ist. Dabei finden sich eigentlich alle Zutaten, die man von ihm kennt – wenn man es schafft, die Beispiele zu überlesen.

Auch Freys Bezüge zu anderen Thrillern oder zur klassischen Literatur gehen manchmal nach hinten los. Ganz gegen seine Gewohnheiten wird Frey ziemlich theoretisch und verliert dabei seinen Fokus. Wozu ich beispielsweise lange etwas über den Kampf um Troja lesen muss, wenn das eigentliche Beispiel für die Heldenreise am Ende des Kapitels Odysseus ist, ist mir rätselhaft. Leider ein symptomatisches Kapitel. James N. Frey gerät schlicht ins plaudern und verliert immer wieder seinen roten Faden.

Was du mit diesem Buch trotzdem noch bekommst

Frey wäre nicht Frey, wenn er nicht trotz allem noch so ein paar Dinge zum Thriller zu sagen hätte, die den Leser wirklich weiterbringen. Erstaunlicherweise liegen diese Dinge aber auf einem Feld, das zumindest ich von ihm nicht erwartet hätte, nämlich in der Theorie. Wo sonst kann man (auf Deutsch) etwas über verschiedene Typen von Thrillern lesen und exakt analysiert bekommen, wie genau im jeweiligen Subgenre Spannung erzeugt wird?

Ganz anders als in anderen James-N.-Frey-Büchern sind in diesem die Details interessant. Wie genau können Figurenkonstellationen im Thriller gewinnbringend konstruiert werden? Was sind eigentlich Metaphern und wie kann ich sie in einem Thriller verwenden, um das Lesevergnügen zu erhöhen? Usw.

Leider muss man nach diesen Details ein wenig suchen und sich halt durch eine Menge anderer Dinge hindurchwühlen.

Wie du mit diesem Buch am besten umgehen kannst

Ich würde trotz allem „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ empfehlen. So viele Bücher über das Schreiben von Thrillern gibt es auf Deutsch nicht.

Ja, die Beispiele machen eine Menge vom Text aus und sind leider teilweise unbrauchbar (zumindest waren sie es für mich). Aber der Rest ist nicht wertlos und kann hier und da noch ein wenig zum persönlichen Handwerkskasten eines jeden Autors beitragen.

„Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ lesen, ist wie Gold suchen. Man siebt eine ganze Weile, muss eine Menge Kiesel aussortieren und am Ende hält man zwei, drei Nuggets in der Hand.

Vieles von dem, was James N. Frey schreibt, ist seinen regelmäßigen Lesern spätestens seit „The Key“ bekannt. So prinzipiell finde ich es nicht schlimm, wenn ein paar dieser Grundlagen wiederholt und speziell auf den Thriller zugeschnitten werden. Allerdings muss ich auch festhalten, dass die Unterschiede zu „Wie man einen verdammt guten Kriminalroman“ schreibt, wirklich minimal sind.

Ich würde sogar so weit gehen, dass Freys Thriller- und sein Krimi-Buch eigentlich nur zusammen funktionieren.

Mein Tipp: Erst das Krimi-Buch lesen, dann nur um die entsprechenden Passagen aus dem Thriller-Buch ergänzen – und schon weiß man ziemlich genau, worauf es in einem Thriller ankommt. Auf keinen Fall sollte man WIe man einen Verdammt guten Thriller schreibt als erste oder einziges Buch von Frey lesen.

Gebunden
14,2 x 21,4 cm
304 Seiten
ISBN 978-3-89705-805-7

Euro 19,80 [D] , 20,30 [AT]

Welche Bücher über das Schreiben von Thrillern kannst du empfehlen?

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6 Antworten auf “James N. Freys Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt”

  1. Da hab ich auch zwei Bücher, stimmt.
    Kann mich aber nicht mehr erinnern, ob sie mir jetzt irgendwie extrem nützlich waren.
    Aber das war doch er mit der ‚Maurerblockade‘? Das war wirklich witzig.

    Gefällt mir

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