So klappt’s mit dem Krimi: Struktur, Struktur, Struktur

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Krimis sind in der Regel leicht zu lesende, spannende Unterhaltungsliteratur. Das heißt noch lange nicht, dass es leicht ist, sie zu schreiben. Im Gegenteil. Was für den Leser beschwingt und einfach erscheint, ist für den Autor harte Arbeit. Motive müssen bedacht, Hinweise platziert, Rätsel ausgeklügelt und falsche Fährten gelegt werden. Das ist schwierige Denkarbeit.

Die schlechte Nachricht: Niemand kann dir diese Arbeit abnehmen. Die gute Nachricht: Wenn du beim Plotten deines Krimis strukturiert vorgehst, wird die Sache ein bisschen einfacher.

Ich gebe zu, ich bin ein Fan von Strukturen. Ich plane viel und richte mich gerne auch nach Plänen, was nicht bedeuten muss, ihnen sklavisch zu folgen. Kein Plan überlebt die Praxis. Aber ohne Plan ist man schnell orientierungslos. Das kann den Schreibprozess schlimmstenfalls zum Erliegen bringen.

Die vernünftigste Struktur, einen Krimi zu plotten, habe ich bei James N. Frey in seinem Buch „Wie man einen verdammt guten Kriminalroman“ schreibt, gefunden. Frey benutzt ein Fünf-Akte-Schema und kocht damit die einzelnen Elemente eines Krimis so weit runter, dass die Sache ziemlich einfach wird.

Gleichzeitig bin ich ein großer Fan vom Sieben-Punkte-System (das ich ausführlicher in meinem Artikel Wie man eine verdammt gute Kurzgeschichte schreibt, behandle), das mir Dan Wells in seinen Videos zur Struktur von Geschichten näher brachte. Beides sind meiner Ansicht nach wunderbare Werkzeuge für jeden Handwerkskasten eines Krimiautors und können kombiniert eine mächtige Waffe gegen den stockenden Ideenstrom darstellen.

Wozu zwei Systeme kombinieren?

Ganz einfach: Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Sieben-Punkte-System sagt dir auf der Figurenebene (und zwar für deinen Helden oder deine Heldin), welche Entwicklungsschritte sie durchmacht und was dazu passieren muss. Es ist abstrakt und offen genug, um eigentlich auf so ziemlich jede Story zu passen, auf der anderen Seite aber so konkret, dass du damit Ideen entwickeln oder prüfen kannst, ob deine Ideen was taugen.

Das Fünf-Akte-Schema sagt dir, was und wann nun speziell bei einem Kriminalroman geschehen muss, damit er sich wie ein echter Krimi anfühlt. Auch hier ist das Schema konkret genug, um dir beim Entwickeln deiner Ideen zu helfen, aber auf der anderen Seite auch so offen, dass das Schreiben nicht zum Malen-nach-Zahlen wird.

Glaubst du nicht? Hier der Beweis:

Sieben-Punkte-System Fünf-Akte Struktur
Punkt Inhalt Akt Inhalt
1. Aufhänger: Das Gegenteil von der Auflösung. I. Der Detektiv nimmt den Auftrag an, den Mörder zu suchen.
2. Erste Wendung: Stellt den Konflikt vor, die Welt des Helden verändert sich, er lernt Neues.
3. Erster Kniff: Etwas geht schief und veranlasst die Figuren zu handeln. II. Der Detektiv wird auf die Probe gestellt. Er verändert sich und stirbt in der Schlüsselszene, um wiedergeboren zu werden.
4. Mittelpunkt: Übergang von der Reaktion zur Aktion
5. Zweiter Kniff: Erhöht den Druck, bis die Situation hoffnungslos erscheint. III. Der Detektiv wird erneut auf die Probe gestellt. Er besteht die Probe und …
6. Zweite Wendung: Der Held erhält die letzte fehlende Sache, um zu gewinnen.
7. Auflösung: Der Hauptkonflikt wird gelöst. IV. schnappt den Mörder
V. Die Ereignisse haben Auswirkungen auf die Hauptfiguren.

Machen wir es an einem Beispiel konkret

Der folgende Plot wird etwas plakativ, da er hauptsächlich die Struktur demonstrieren und kein herausragender Krimi werden soll. Dein Plot wird natürlich viel, viel raffinierter sein.

I. Akt/Aufhänger und erste Wendung

Aufhänger: Xavier Barlow ist ein hartgesottener Detektiv, der mal wieder am Boden ist. Keine Aufträge, Mietschulden, der Kühlschrank ist leer.

Konflikt: Bei seinem letzten Fall hat er sich mit dem Bürgermeister höchstpersönlich angelegt, was nach hinten losging. Seitdem bleiben die Klienten aus. Wenn sich nicht bald was tut, muss Xavier sein Büro aufgeben und zur Suppenküche.

Auftrag: Die verführerische und geheimnisvolle Nina Turpin betritt sein Büro. Ihr Bruder Harald wird vermisst. Die Polizei will nichts unternehmen, da er noch nicht lange genug verschwunden ist. Aber sie ist sich sicher, dass was nicht stimmt, denn er würde nie abhauen, ohne ihr was zu sagen. Nina ist wohlhabend, zahlt Xavier jede Summe und einen dicken Vorschuss, wenn er nur so schnell wie möglich Harald findet. Xavier kann einer Dame in Nöten nicht abwimmeln. Er willigt ein, ihren Bruder zu finden.

Der Held lernt Neues: Bei seinen ersten Nachforschungen stellt sich heraus, dass Harald als Hacker für die russische Mafia gearbeitet hat. Kreditkartenbetrug und so. Xavier gräbt tiefer und deckt auf, dass Harald nicht freiwillig für die bösen Jungs geschuftet hat. Sie haben seine Freundin Karla entführt und ihn so erpresst.

Veränderung: Die Zeit des ziellosen Herumgammelns ist vorbei. Xavier hat endlich wieder Geld und ein Ziel, fühlt sich wie neugeboren. Alles wird gut.

II: Akt/erster Kniff und Mittelpunkt

Etwas geht schief, der Held muss handeln: Haralds Leiche wird gefunden. Nina ist empört und entsetzt, dass Xavier das nicht verhindern konnte. Wozu hat sie ihn denn engagiert? Sie kündigt ihn und will ihr Geld zurück.

Der Held verändert sich: Xavier macht sich Vorwürfe, zweifelt an sich selbst und will nun wenigsten Karla befreien und dem Chef der Mafiabande das Handwerk legen.

Übergang von der Reaktion zur Aktion: Xavier will sich in die Höhle des Löwen schleichen, um Karla zu befreien und dabei vielleicht Beweise zu finden, die den Mafiaboss Boris Lukacs ans Messer liefern.

Der Detektiv wird auf die Probe gestellt: Xavier findet den geheimen Unterschlupf von Boris Lukacs und schafft es auf schlaue und geschickte Weise dort einzubrechen, obwohl es tolle Sicherheitssysteme gibt.

Schlüsselszene, Tod und Wiedergeburt: Trotz aller Raffinesse wird Xavier bei seinem Einbruch erwischt – kurz bevor er Karla befreien kann. Die Handlanger des Schurken schleppen Xavier zu ihrem Boss Boris, damit er entscheiden kann, was sie mit ihm unternehmen sollen.

Es kommt zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Held und Schurken, der damit endet, dass Xavier von Lukacs‘ Handlangern beinahe tot geprügelt wird. Sie schmeißen ihn irgendwo an den Straßenrand.

Mit seinem Handy gelingt es Xavier mit letzter Kraft Nina anzurufen. Sie hat Mitleid mit ihm, holt ihn ab, bringt ihn zu sich nach Hause und pflegt ihn. Jetzt nimmt Xavier die Sache persönlich. Hartgesottene Detektive sind so.

III. Akt/zweiter Kniff und zweite Wendung

Der Held wird erneut auf die Probe gestellt: Nach ein paar Tagen ist Xavier wieder halbwegs auf den Beinen (dank Ninas heilenden Händen geht’s im besonders schnell wieder gut).

Während Xavier im Krankenbett lag, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Dabei fiel ihm ein Gespräch mit einem Journalisten wieder ein, dass er bei seinem letzten Fall geführt hatte. Es ging um den Bürgermeister. Mit dem Kerl hat er ohnehin noch ein Hühnchen zu rupfen. Irgendwie fiel in diesem Gespräch beiläufig der Name Boris Lukacs.

Xavier recherchiert. Tatsächlich, Xavier stößt auf Lustreisen, die der Bürgermeister noch in seiner Zeit als Abgeordneter mit Lukacs zusammen unternommen hatte, auf Kosten der Mafia natürlich.

Der Druck wird weiter erhöht, bis die Situation hoffnungslos erscheint: Xavier findet keine Beweise und die Zeugen, die ihm davon erzählen, dass der Bürgermeister keine weiße Weste hat, würden nie vor Gericht aussagen, da sie um ihr Leben fürchten. Hey, es ist immerhin die Mafia.

Der Held bekommt die letzte fehlende Sache, die ihm den Sieg ermöglicht: Xavier schleicht sich in die Privatvilla des Bürgermeisters, um nach Beweisen zu suchen, die sowohl Lukacs als auch den Bürgermeister belasten, so dass er sie öffentlich bloßstellen kann. Solche Beweise findet Xavier auch, allerdings wird er vom Bürgermeister in Flagranti erwischt. Er hält Xavier mit einer Pistole in Schach.

Denn der Bürgermeister weiß von Xaviers Plänen – von Nina. Sie steckte von Anfang an mit ihm unter einer Decke. Ein Komplott, um Xavier öffentlich mundtot zu machen und ins Gefängnis zu stecken, weil er sich in der Vergangenheit als lästig erwiesen hat und zu viel weiß. Nina ist in Wirklichkeit ein gefühlloses Biest, das ihren Bruder ohne mit der Wimper zu zucken geopfert hat und scharf auf den Bürgermeister ist, der demnächst vielleicht sogar Bundeskanzler werden könnte – und sie die Frau an seiner Seite.

Es gibt Fotos, die Xavier zusammen mit Karla im Unterschlupf von Lukacs zeigen, die heimlich angefertigt wurden und belastend aussehen. Nina hatte genug Zeit, um in Xaviers Büro gefälschte Beweise zu platzieren, während er bei ihr zu Hause lag. Die Beweise lassen Xavier wie den Mörder von Harald aussehen.

Und jetzt wird der Bürgermeister Xavier erschießen. Natürlich in einem Akt der Selbstverteidigung.

Der Held gewinnt: Die Polizei trifft ein. Womit niemand gerechnet hat: Xavier ist nicht komplett bescheuert. Er hat sich verkabelt und das Gespräch wurde bereits per Livestream im Internet veröffentlicht. Er hat Nina von Anfang an nicht getraut. Gut, dass er auf seinen Instinkt gehört hat.

IV. und V. Akt/Der Hauptkonflikt wird gelöst

Der Hauptkoflikt wird gelöst: Als der Bürgermeister die Sirenen hört, ist er für einen kurzen Augenblick abgelenkt. Genug Zeit für Xavier, um ihm eine zu verpassen und ihn zu entwaffnen. Die Polizei stürmt das Haus, der Bürgermeister und Nina werden festgenommen. Kanzler wird der nicht mehr.

Der Held schnappt den Mörder: Bleibt noch der Mafiaboss Boris Lukacsz, der nun dank des öffentlichen Geständnisses des Bürgermeisters aufgeflogen ist. So leicht ergibt sich Boris jedoch nicht. Xavier braust mit der Polizei im Schlepptau so schnell wie möglich zu seinem Versteck, um Karla zu befreien. Doch Lukacs benutzt die junge Frau als Geisel. Wenn er keine Freifahrt ins Ausland bekommt, wird er sie erschießen.

Die Polizei will Xavier aus der Sache raushalten und die Situation auf ihre Art bewältigen, aber er hat keine Lust nach den Regeln zu spielen, stürmt im Alleingang den Unterschlupf des Bösewichts. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden, Xavier erschießt Lukacs und kann Karla befreien.

Die Auswirkungen auf die Hauptfiguren: Xavers Ruf ist wieder hergestellt, sein Erzfeind sitzt im Knast und der Mafiaboss ist tot. Endlich kann sich Xavier vor Klienten kaum noch retten. Außerdem gibt es da noch die ziemlich dankbare, hübsche junge Karla …

Das ist natürlich noch lange nicht alles, was ich im Ernstfall zum Schreiben eines Krimis brauche. Spätestens jetzt müsste ich noch den Plot hinter dem Plot ausarbeiten, um die Handlung detaillierter und raffinierter ausarbeiten zu können. Und ich müsste unbedingt noch die Figuren ausarbeiten, um ihnen Tiefe zu verleihen (von Recherche etc. ganz zu schweigen). Aber hier ging es ja nur um die reine Struktur eines Krimis.

Wie planst du einen Krimi?

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28 Antworten auf “So klappt’s mit dem Krimi: Struktur, Struktur, Struktur”

  1. Ich habe eine Frage:
    Man hat ja jetzt seine „Stichpunkte“ zu der Fünf-Punkt-Struktur gemacht und findet diese ziemlich gut, aber wie kann man daraus die Figuren, die man sich überlegt hat nun charakterisieren?

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    1. Ich muss gestehen, dass ich die Frage nicht so ganz verstehe. Prinzipiell sind Figurenentwicklung und Plotten – zumindest bei mir – zwei getrennte Schritte. In der Praxis kommt es natürlich immer wieder zu Feinabstimmung zwischen beidem.

      Soll heißen: Habe ich eine Grundidee zu einer Figur, überlege ich, welcher Plot sich aus ihr entwickeln lässt. Dann kontrolliere ich, ob die Figur noch zum Plot passt und ändere entsprechend das eine oder andere.

      Umgekehrt gibt es auch eher plotorientierte Grundideen, bei denen ich mir dann überlege, welche Figuren am besten diesen Plot voranbringen können. Dann entwickle ich dazu die passenden Figuren, schaue danach wieder auf meinen Plot und überlege dort, was sich aufgrund der Figurenentwicklung nun vielleicht ändern muss.

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  2. Hallo Marcus, es ist interessant, wie das 7-Punkte-System in eine Story mit 5 Akten „gequetscht“ wird. Wo in den Akten 1-3 jeweils 2 Teile des 7-Punkte-Systems unterkommen, beherbergt der 7. Punkt die Akte 4 und 5. Im klassischen 3-Akter gilt ja die 25/50/25%-Regel. Wie sieht es hier aus? Was ist für die Leser am angenehmsten? Soll man die Aufteilung nach Punkten oder Akten vornehmen und in welchem Verhältnis?

    Bin gespannt auf Deine Ansicht.

    PS: Ich schreibe einen Liebesroman und keinen Krimi, aber das sollte wohl kein allzugrosser Unterschied für meine Frage darstellen, oder?

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  3. Lieber Marcus,
    ein interessanter Ansatz, die 7 Punkte in den 5-Akter zu stecken. Vielleicht könnte man aber noch ergänzen, dass die 7 Punkte Struktur meiner Meinung nach szenische Eckpfeiler in den Mutterboden der Geschichte rammt, an denen sich der Autor festhalten kann, während die Akt-Struktur die allgemeine Bewegungsrichtung in der Entwicklung des Protagonisten darstellt.
    Für mich sind die 7 Punkte beim Plotten extrem wichtig, da ich somit von Anfang an weiß, dass es sieben konkrete Szenen geben muss, in denen ich die Weichen der Handlung direkt steuern kann bzw. steuern muss. Die Strecken zwischen diesen sieben Szenen lassen sich dann sehr viel leichter füllen, als wenn ich komplett ohne Orientierung plotten müsste.
    Ich verwende das 7 Punkte System allerdings in Kombination mit einer 4-Akt-Struktur. Vielleicht bin ich auch ein zu großer Ordnungs- und Planfanatiker, aber ich habe das Gefühl, dass mir das die maximale Kontrolle über meinen Plot gibt.

    Die vier Akte haben einen Umfang von jeweils 25% des Romans und geben das Bewegungsmoment der Charakterentwicklung wieder. Sie teilen sich in meiner Struktur wie folgt auf:

    Akt 1: die Vorbereitung – der Held in seiner normalen Welt wird mit Ereignissen konfrontiert, die seine Welt zu verändern drohen und vom Antagonisten (ob nun menschlich, tierisch, diabolisch oder emotional-sozial ist dabei egal) initiiert werden

    Akt 2: die Reaktion – der Held sieht sich gezwungen, auf diese Veränderungen zu reagieren aber bleibt dabei tendenziell passiv oder scheitert an den Änderungsversuchen

    Akt 3: die Aktion – der Held gewinnt neue Informationen dazu und schafft es, das Momentum zu wenden. Er schaltet in die Offensive, wird jedoch weiter in die Knie gezwungen, ist dabei aber immerhin proaktiv am Geschehen beteiligt

    Akt 4: die Auflösung – hier findet die finale Konfrontation statt, der große Clash, das Finale und letztendlich die Auflösung der Jim Butcherschen Story Question

    In die vier Akte fügen sich meiner Meinung nach ganz hervorragend die sieben Punkte ein:

    Akt 1: die Vorbereitung mit dem Hook (Punkt 1) und dem Ereignis, das auf die Welt des Helden einwirkt. Akt 1 endet mit dem ersten Plot Point (Punkt 2)

    Akt 2: der Held muss aufgrund des ersten Plot Points reagieren. Dass der Antagonist wirklich eine Gefahr für den Helden darstellt und daher die Geschwindigkeit des zweiten Akts erhöht, wird in der Szene des ersten Kniffs/Pinch Points (Punkt 3) gezeigt, die daher recht weit am Anfang des zweiten Aktes steht und auch gerne aus der Perspektive des Antagonisten gezeigt werden kann. Akt 2 endet dann mit dem Mittelpunkt (Punkt 4), der ja eigentlich auch ein Wendepunkt ist und ihm neue Informationen zukommen lässt.

    Akt 3: der Held hat eben Einblicke in neue Informationen gewonnen, die ihn in die Offensive gehen lassen. Die Szene des zweiten Kniffs/Pinch Points (Punkt 5) steht daher wiederum am Anfang von Akt 3, da nun der Antagonist darauf reagieren muss und somit den Konflikt stark verschärfen muss. Der heftige Rückschlag des zweiten Kniffs führt in die moralische und emotionale Abwärtsbewegung des Helden, die ihren Tiefpunkt am Ende des dritten Aktes mit dem zweiten Plot Point (Punkt 6) findet.

    Akt 4: Die letzte Szene des dritten Aktes schickt den Helden in die finale Konfrontation. Er sammelt die Bruchstücke und Scherben seines Scheiterns im dritten Akt auf und ist nun bereit für die Abrechnung, die ihren Höhepunkt im Klimax (Punkt 7) und der kurzen Schlussbetrachtung der Konsequenzen findet.

    Habe ich schon erwähnt, dass ich das Gefühl nicht mag, keine Kontrolle zu haben? Ja, prima! Denn mit diesem Schema (das zuerst bei K.M. Weiland kennengelernt habe [deren Romane ich leider nicht leiden kann, aber ihren Schreibratgeberblog dafür um so mehr]) kann ich ein bisschen Mathematik anwenden und mir die Planung erleichtern. Ich schreibe einen Science Fiction Roman und muss daher mit Expositionen kämpfen (was echt nicht leicht ist, daher herzlichen Dank für den ermutigenden InfoDump-Beitrag) und habe mir als Projektziel 120.000 Worte gesetzt. Teile ich das durch vier, erhalte ich pro Akt eine Spanne von 30.000 Wörtern. Meine Kapitel haben in etwa eine Länge von 2.000 bis 2.500 Wörtern und so komme ich auf rund 12 oder 13 Kapitel pro Akt und kann in meinem Plot schon wunderbar die sieben Punkte mehr oder weniger auszählen.

    Und erst jetzt, am Ende dieses viel zu langen Kommentars ist mir die Idee gekommen, dass ich vielleicht mal hätte schauen sollen, ob Du nicht vielleicht schon einen Artikel zu Plot-Mathematik oder ähnlichem verfasst hast. Naja, ich hoffe einfach mal, dass das nicht der Fall ist und verbleibe mit vielen Grüße
    Jens

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  4. Mhm … ich bin jetzt hier gelandet, weil ich euer neues Video – 7-Punkte-System versuch Heldenreise angeschaut habe. Und isehe eine Menge Schwächen, die mE entlarven, dass solche Plotstrukturen für Krimis nur bedingt taugen.

    Das fängt schon damit an, dass du mit dem Plot an einer Stelle beginnst, wo ein Teil der Geschichte schon längst passiert ist, so dass die Geschichte rückwärts gerichtet aufgedröselt wird. Genau darin verbergen sich dann viele Fallstricke.

    Und so passt dann auch der Anfang nicht bzw. erklärt sich nicht, warum Nina Xavier überhaupt beauftragt und viel Geld bezahlt, für einen Bruder, den sie nachher selbst ans Messer liefert.

    Was sind Ninas Ziele? Sie will die Frau des Bürgermeisters werden.
    Aber warum musste dafür der Bruder sterben? Warum kann der Bürgerneister sie nicht ohne diesen Mord heiraten? Der Bruder stand dem doch offensichtlich gar nicht im weg.

    Und wnd warum muss dafür Xavier vor dieser Eheschließung mundtot gemacht werden?
    Weil er dem Bürgermeister auf die Schliche gekommen ist?
    Aber das ist er doch nur, weil Nina ihn zuvor beauftragt hat. Hätte sie es nicht getan, hätte Xavier sein Büro verloren und wäre bei der Suppenküche gelandet. Und niemanden gefährlich geworden.

    Sollte er also also tickende Zeitbome gesehen werden? Und nun brauchte man einen Fall, mit dem man ihn hinter Gittern bringen konnte?
    Hat also Nina schon die Entführung des Bruders über die Mafia inszeniert, um dann Xavier drauf anzusetzten, dann wiederum den Bruder töten zu lassen, darauf hoffend, dass Xavier weiter ermittelt, obwohl sie doch nun sogar ihr Geld zurückverlangt?
    Was für ein Risiko! Ihn, der finaziell am Ende ist, mittelos zu machen, so dass er vielleicht wirklich nicht weiterermittelt. Dann hätte er die Freundin Karla nicht aufgespürt, die kompromittierenden Fotos hätten nicht gemacht werden können …
    Spätestens an dieser Stelle klingt die eigentliche Handlung ganz fürchterlich konsturiert. Denn genau hier entlarvt sich auch, dass es diesen Plan gar geben konnte, abgesehen davon, dass er überhaupt nicht logisch erscheint.
    Warum einen Bruder entführen, warum dann nicht gleich den mittellosen Detektiv, der doch das eigentliche Ziel war? Ihn hätte Nina doch auch mit einer fingierten Entführung in die Fänge der Mafia geführt, wenn die Spuren des Bruders dorthin führten. Und nachdem sie so weitreichende Verbindugen hat, ja sogar der Bürgermeister mit dem Kopf der Mafia verbandelt ist, hätte man statt dem Bruder einfach den Detektiv erledigt.
    Zumal ein toter Detektiv dann wirklich mundtot ist, während einer, der im Gefägnis sitzt, sicherlich sogar gefährlicher ist, als einer der mittelos zur Suppenküche geht. Denn nun hat der nicht nur einen Anwalt, der für ihn tätig ist und versucht die Wahrheit herauszufinden – und der Anwalt ist ja nicht mittelos, jetzt hat er auch noch ein sehr viel größeres Eigeninteresse.

    Noch weniger verständlich ist unter diesem Aspekt aber dann, dass Nina Xavier, der dann tatsächlich von der Mafia halb tot geprügelt wird – und auch da stellt sich natürlich die Frage, warum nicht jetzt ganz tot? – ihn aufpäppelt. Hier liegt der Detektiv und ist leichte Beute. Warum lässt sie ihn nicht da einfach sterben bzw. endgültig umbringen? Sie hat doch alle Kontakte, Verbindungen, Möglichkeiten. Er ruft sie an, sie schickt den Mörder ihres Bruders … Btw. Wird das eigentlich aufgklärt?

    Und wo ist eigentlich die Polizei? Es ist ein Toter gefunden worden, der von der Mafia erpresst wurde. Eine Frau wurde dazu entführt,…
    Ach ja, ganz zum Schluss kommt sie, weil der Detektiv, statt schon längst bei der Polizei das Versteck von Karla mitgeteilt zu haben, sich lieber verkabelt hat, um live ins Internet zu berichten – äh, wohin? Auf welchen Kanal? Youtube? Und wer weiß es? Wer hört mit? Die Polizei. Also, wie jetzt? Er hat der Polizei gesagt, welchen Kanal sie abhören sollen?
    Weil er das alles allien erledigen wollte? Allein gegen die Mafia … Okay, hartgesottene Detektive müssen so sein, schreibst du. Hilfe, Klischeealarm! Aber gut, damit kommen wir in eine komplett andere Diskussion, die über eine mit klischeehaften Elementen geradezu voll bestückten Handlung, weitab jeder Realität, ob es das wirklich muss, würde ich mal anzweifeln, aber ist hier nicht mein Thema.

    Mir ging es aber um die Plotstruktur, die ja echt helfen kann, eine vorwärtsgerichtete Handlung zu strukturieren. Meines erachtens aber nicht taugt, um rückwärtsgerichtet Handlungsmuster zu erklären.
    Das kann natürlich aber auch daran liegen, dass hier der falsche Einstieg gewählt und damit versäumt wurde, die eigentliche Geschichte zu erzählen.

    Gut, du sagst, du musst spätestens jetzt, den Plot hinter dem Plot ausarbeiten und meinst vielleicht genau das damit.

    Doch damit machst du den zweiten Schritt vor dem ersten, nur um dann festzustellen, dass der Plot, den du zunächst rückwärts aufgebaut hast, chronologisch betrachtet, gar nicht trägt.

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    1. Du sagst es zum Schluss: Krimis haben zwei Plots – den eigentlichen Plot der Ermittlungen, also den nach vorn gerichteten Plot. Und den Plot hinter dem Plot, der meistens im Krimi eher nach hinten gerichtet ist. Heldenreise und Sieben-Punkte-System bzw. Fünf-Akte-Struktur dienen zur Strukturierung des Plots, den die Leserinnen sehen, nur bedingt dazu, den Plot hinter dem Plot zu erarbeiten.

      Das gilt allerdings nicht nur für Krimis, sondern für alle Geschichten, bei denen in der Vorgeschichte und/oder im Hintergrund für die Handlung, die die Leserinnen erleben, Entscheidendes geschieht.

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  5. Für mich ist das die Geschichte vor der Geschichte bzw, der Plot vor dem Plot, denn in der Chronologie des Krimis, passiert das Verbrechen vor der Ermittlung. Wenn ich mir aber erst eine Ermitltung ausdenken, muss ich nacher das Verbrechen dahineinbügeln, was zu Plotholes und anderen Ungereimtheiten führen kann, weil ich ja nun rückwärts denke.
    Und genau das ist dir mE mit obigen Beispiel passiert. Ich habe etliche Ungereimtheiten aufgelistet.

    Man kann sich aber viel Arbeit ersparen, wenn man zuerst die Geschichte des Verbrechens erzählt. Chronologisch. Die erscheint natürlich später nicht im geschriebenen Krimi, aber sie gibt Geschichte den realistischen Hintergrund. Wer begeht welches Verbrechen. Wie begeht er es und vor allem warum? So plant man vom Täter her und kommt auch ganz schnell an die Grenzen, die ihm gestellt sind bzw. muss sich Lösungen überlegen.
    Im obigen Fall ist das Nina. Sie will den Bürgermeister heiraten und Kanzlerin werden. Wie kommt sie dahin? Bzw. was steht dem denn überhaupt im Wege? Muss sie ihm eine Leiche servieren, damit er ihr einen Antrag macht? Sind die beiden überhaupt schon zusammen? Und wenn ja, ist das heimlich? Wenn nicht, könnte Xavier natürlich schon viel früher auf diese Verbindung stoßen.
    Und wenn sie nicht zusammen sind, wieso kommt sie auf die Idee, ihr toter Bruder brächte ihn dazu, sich mit ihr zusammenzutun.
    Das alles sind Fragen, die dir gleich zeigen, dass der obige Krimi aus Täterseite irgendwie unstimmig erscheint. Schon weil nicht Xavier im Fokus von Nina ist, sondern der Bürgermeister. Das heißt, dass sie sich an Xavier wendet – und nicht an einen erfolgreichen Detektiv, der ihr schneller dazu verhilft, den Bruder zu finden o.ä. – muss geklärt werden. Zum Beispiel, dass der Bürgermeister sagt: An dem Tag, an dem du mir Xavier ans Messer lieferst, mache ich dir einen Antrag.
    Und dann merkt man, dass auch das irgendwie blöd klingt, aber vor allem nicht zu der Geschichte mit dem Bruder führt. Das muss ebenfalls plausibel erklärt werden.

    Mit anderen Worten, weil du zerst den „Lesekrimi“ plottest zu den du dir immer wieder eine neue Wendung einführst, um den Leser zu überraschen, klingt der ganze Unterbau genau so: Hier hat der Autor das alles so gewollt, also konstruiert, wenig realistisch und das einzige, was übrig bleibt, ist vielleicht irgendetwas Spannendes, über das man besser nicht mehr lange nachdenkt.

    Ich rate daher jedem, einen Krimi chronologisch zu planen, also erst das Verbrechen, dann die Ermittlung. Der Ermittlungs-Plot ergibt sich zu einem großen Teil schon aus dem Verbrechensplot. Und so manche Wendung, die ich im zweiten einbauen könnte, muss ich im ersten Plot schon angelegt sein. Zum Beispiel irgendein Konflikt mit dem Bruder, der daher in die Geschichte reingezogen wird, freiwillig oder unfrewillig. Auch die Verbindungen von Nina zur Mafia müssen ja schon lange vorher ausgeklügelt sein.
    Je mehr Mühe man sich für den ersten Plot macht, um so mehr „rote Heringe“ bieten sich im zweiten fst wie von selbst an.

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      1. Okay, dann hat sich da inzwischen bei dir in dieser Hinsicht etwas getan/geändert?
        Und insofern sicher auch nicht überflüssig, es hier auszutauschen.
        Zumindest für mein Verständnis für deine Tipps und die der Schreibdilletanten, die ich immer wieder gerne verfolge – und eben auch weiter empfehle 🙂

        Gefällt mir

          1. Auf was für einem Schlauch stehe ich denn da jetzt?

            Ich kann das aus deinem obigen Plot tatsächlich nicht erkennen. Der vermittelt mir trotzdem den Eindruck, als ob du erst den Teil für die Leser plottest und dann versuchst den Teil dahinter anzupassen.

            Normalerweise bin ich ja nicht gerade begriffstutzig. aber aus der Täterperprerspektive betrachtet, verstehe ich die Logik in deinem obigen Plot nicht. Für mich funktioniert er nicht.

            Das hatte ich zwischenzeitlich übrigens auch durch die SchreibDilettanten Folge „Brainstorming Krimi“, als bestätigt betrachtet, denn da entwickelt ihr jdoch auch rückwärts, fangt mit einem möglichst spektakuläten Leichenfund an und versucht erst anschließend zu klären, ob und wie das möglich sein könnte, statt die Geschichte vom Täter und seinen Motiven her zu aufzurollen.
            Stehe ich da auf dem selben Schlauch?

            Ratlose Grüße
            Rosemarie

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            1. Der Schwerpunkt in der Darstellung ist ein anderer. Wie man den Plot hinter dem Plot genau strukturiert ist einfach ein anderes Thema.

              Abgesehen davon ist es meiner Erfahrung nach ein Illusion, den Plot hinter dem Plot unabhängig von dem zu planen, was der Leser sieht. Beides greift ineinander. Es ist ein Ping-Pong-Spiel.

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              1. Okay, du trennst den Krimi in zwei Teile / Themen.
                Was ich – in meinen Schreibwerkstätten – ähnlich mache, aber eben nicht so. Der Begriff Krimi steht da für mich immer für die ganze Einheit, beide Plots. Und Teil 2 plotte ich immer nur auf einen fertigen Plot 1, weil der für mich mehr für die Struktur vorgibt als die üblichen Plotsysteme.

                Aber Danke der Groschen ist gefallen!
                Du hast hier rein das Schema behandelt. Die Geschichte war einfach Mittel zum Zweck und ich habe zu viel Tiefen-interpretiert bzw. war zu tief in meinem eigenen Denken verhaftet.
                Und für das Struktur-Verständnis ist deine Vorgehensweise für manchen vielleicht auch einleuchtender.

                Gefällt mir

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