Lektüre für den NaNoWriMo: Richard Nordens Zeit zum Schreiben

Ich bin mit Superlativen normalerweise lieber vorsichtig. Das fällt mir jedoch bei Richard Nordens Autorenratgeber „Zeit zum Schreiben“ wirklich schwer. Um das Fazit mal vorweg zu nehmen: Kaufen, lesen, beherzigen. Das Buch ist nicht teuer, als praktisches E-Book erhältlich und schnell (auch mehrmals) gelesen. Aber Vorsicht: Der Inhalt könnte in deinen Autorenalltag wie eine Bombe einschlagen.

Und er sollte es auch.

Aber der Reihe nach. Zunächst schrecke ich ein wenig zusammen, als ich die Überschriften des ersten Kapitels von „Zeit zum Schreiben“ im Inhaltsverzeichnis las,
versprechen sie doch, dass es um Zeitmanagement für Autoren gehe. Nun reagiere ich auf das Wort Zeitmanagement ähnlich allergisch wie auf das Wort Disziplin.

Zeitmanagement ist für mich eines der vielen Modewörter, über das sich meiner Meinung nach die wenigsten, die es benutzen, genug Gedanken machen.

Zeit ist Lebenszeit, die begrenzt ist, ohne dass wir so genau wissen können, wo genau diese Grenze liegt. Der Begriff Zeitmanagement suggeriert jedoch, dass Zeit eine Ressource wie Geld oder Benzin sei, die ich irgendwie horten, gewinnbringend anlegen oder sparen könne, damit sie später Gewinn abwirft. Nur dass es bei der Zeit ein Später vielleicht nicht gibt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ressourcen, die sich auf diese Weise durchaus klug managen lassen, ist Zeit als ein Faktor, über den ich nur sehr eingeschränkt bestimmen kann. Deswegen finde ich es immer sehr befremdlich, Zeit als Ressource zu begreifen. Ich kann eigentlich nur eins tun: den Augenblick nutzen, so gut es geht.

Was die meisten Menschen meinen, wenn sie von Zeitmanagement reden, ist eigentlich Aufgabenmanagement oder meinetwegen Prioritätensetzung.

Aber eben diesen Gedanken finde ich in Richard Nordens Betrachtungen zum Thema Zeit zum Schreiben wieder, wenn er seine Mehrzeit-Methode vorstellt. Ein durchdachtes Konzept, das eben nicht in die Zeitmanagementfalle tappt, sondern speziell zugeschnitten auf Autoren, die neben dem Schreiben noch einen Job und Familie haben, erklärt, wie man trotz aller Belastung noch genug Zeit zum Schreiben findet.

Ich kann und will dieses Konzept hier nicht vorstellen. Es ist zu klug und zu umfangreich, um es in ein paar Sätzen wiederzugeben. Nur so viel: Es funktioniert. Schritt für Schritt durchleuchtet Richard Norden alle Zeitfresser, die im Alltag von jedem von uns lauern (wenn man nicht gerade Zen-Buddhist fernab der Zivilisation ist) und schreibt, wie wir mit ihnen umgehen können, um mehr Zeit zum Schreiben zu gewinnen.

Sehr wichtig finde ich hier, dass Richard Norden nicht, wie andere es in ähnlichen Ratgebern tun, Zeitfresser wie Twitter, Facebook oder das Fernsehen pauschal verteufelt, sondern clevere Wege aufzeigt, wie sich all diese Dinge mit minimalem Zeitaufwand organisieren lassen. Hier sprechen jahrelange Erfahrungen für sich, was sehr überzeugend wirkt.

Aber mit dem Mehrzeit-System ist das Buch noch lange nicht erschöpft. In mein Gedächtnis haben sich vor allem Richard Nordens Ausführungen zu Parkinson, Pareto und Pawlow eingebrannt. Um es kurz zu machen: Hier werden drei wichtige „Gesetzmäßigkeiten“ für Autoren aufgearbeitet, die durchaus Augenöffner sind. Ich habe mich mit allen drei Herren etwas intensiver im Studium beschäftigt und deswegen mit einem Blick auf das Inhaltsverzeichnis erst einmal etwas müde gelächelt: Pft, kenn‘ ich, kann ich überblättern.

Gut, dass ich es dann doch nicht getan habe. Richard Norden schafft es auch hier, die wesentlichen Aussagen der drei großen Ps noch einmal auf Autoren zuzuschneiden und zu fokussieren, so dass ein neuer Erkenntnisgewinn entsteht.

Dazu nur so viel: Parkinsons Satz „Arbeit dehnt sich in genau dem Maße aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ habe ich mir nach der Lektüre von „Zeit zum Schreiben“ ausgedruckt und groß über den Schreibtisch gehängt. Hilft in allen Lebenslagen, nicht nur beim Schreiben.

Du tappst auch in die Perfektionismus- und Aufschieberitis-Falle? Gerade im NaNoWriMo ist das ein riesiges Problem. Denn beide Faktoren führen dazu, dass du am Ende eben keine 50.000 Wörter schaffst. Was du sofort und effektiv dagegen tun kannst, das erfährst du, wenn du Richard Nordens Betrachtungen zu den drei großen Ps in Zeit zum Schreiben liest.

Sehr gefreut hat mich, dass sich auch zu den Themen Selbstdisziplin und Gewohnheiten – natürlich fokussiert aufs Schreiben – Richard Nordens Überzeugungen und meine genau decken.

Um es kurz zu sagen: Gewohnheiten auszubilden ist einfach besser, als an Selbstdisziplin zu glauben. Das eine führt zu einem strukturierten Alltag und zu Selbstbestätigung, das andere sehr schnell zur Selbstgeißelung und Frust. Wie du neue Gewohnheiten ausbilden kannst, die am Ende deine Produktivität beim Schreiben erhöhen, kannst du in „Zeit zum Schreiben“ sehr gut nachlesen. Richard Norden beleuchtet alle Bereiche des Autorenalltags und versorgt dich mit mehr Ideen und Anregungen, als du in einem Leben umsetzen kannst (okay, das ist übertrieben, aber nur ein bisschen …).

Besonders gut gefällt mir, dass Richard Norden stets großen Wert darauf legt, alle seine Empfehlungen mit dem Arbeitsalltag und der Familie abzugleichen. Statt diese also als böse Feinde zu begreifen, die mich nur vom Schreiben abhalten (wie es James N. Frey beispielsweise teilweise tut), werden sie als wichtiger  Teil des Prozesses begriffen. Fast schon eine Zen-Methode, um Schreiben in den Alltag fest zu integrieren – was ja am Ende das Ziel des NaNoWriMo ist.

Fazit:

Eigentlich hatte ich es ja schon vorweg genommen. Das Buch ist eine wirklich sinnvolle Ergänzung für die Bibliothek eines jeden Autors, der mehr Zeit zum Schreiben sucht. Der Ratgeber ist nicht theorielastig, sondern locker und trotzdem seriös geschrieben, strotzt vor praktischen Tipps und  klugen Ratschlägen, die allesamt mit fundierten Betrachtungen erprobter Konzepte und viel persönlicher Erfahrung untermauert werden.

Aus meiner Perspektive kann ich beisteuern, dass mir eigentlich sowohl aus theoretischer Betrachtung als auch aus eigener Erfahrung alle Punkte, die Richard Norden behandelt, bereits bekannt waren. Und trotzdem habe ich dank der komprimierten Form und Richard Nordens persönlicher Perspektive noch viel dazu gelernt.

Richard Norden

Zeit zum Schreiben

ca. 133 Seiten/281 KB

Erschienen 2012

8,90 €

Auch als PDF oder im E-Pub-Format erhältlich.

Neugierig geworden? Auf Richard Nordens Blog kannst du ein Exemplar von „Zeit zum Schreiben“ gewinnen: http://blog.richardnorden.de/verlosung-zeit-zum-schreiben/

Wie findest du Zeit zum Schreiben?

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6 Antworten auf “Lektüre für den NaNoWriMo: Richard Nordens Zeit zum Schreiben”

  1. Hallo Marcus, wie kommt man denn an dieses Buch? Die Links funktionieren leider nicht (mehr); Suche über den Autor bei Amazon war leider auch nicht erfolgreich.

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