Den NaNoWriMo schaffen: 9 Ausreden, nicht zu schreiben und was du dagegen tun kannst

Vielleicht geht es dir auch häufiger so: Du willst eigentlich an deinem Buch schreiben, aber gerade jetzt, in diesem Augenblick, fällt dir was Besseres oder Wichtigeres ein, zwickt etwas, sind die Augen zu müde oder drängen sich E-Mails, Facebook und Twitter in den Vordergrund. Am Ende ist eine Woche rum, in der du alles Mögliche getan hast. Du hast nur nicht an deinem Roman geschrieben, obwohl du doch Autor werden willst.

Das hier sind die neun häufigsten Ausreden, unter denen ich beim Schreiben leide, und meine Argumente, mit denen ich sie bekämpfe.

1. Ich trau mich nicht, mich als Autor zu outen

Tja, es ist eine traurige Wahrheit, dass du von den meisten Menschen nur als Autor ernst genommen wirst, wenn du mit deinen Büchern auch Geld verdienst – viel Geld. Natürlich ist das weder gut, noch gerecht, noch sonst irgendwas. Du könntest dich nun lange darüber aufregen, dass die Welt so ist, wie sie ist und das Schreiben aus Frust einstellen. Doch was bringt das?

Um Autor zu werden, brauchst du ohnehin ein dickes Fell. Meinst du vielleicht, Bestsellerautoren sehen es gelassen, wenn Kritiker sie zerreißen? Günther Grass redet mit Marcel Reich-Ranicki kein Wort mehr. Vor Kritik und davor, dass sich andere über die lustig machen, bist du nie gefeit. Auch hierfür ist der NaNoWriMo ein gutes Training. Lass die Leute reden, wir wissen es besser.

2. Ich finde Schreiben zu anstrengend

Die Motivation zum Schreiben täglich neu zu schöpfen ist hart, verflixt hart. Ein Marathon ist es auch. Trotzdem schaffen ihn immer wieder Leute. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr.

Aber: Kein Marathonläufer sitzt sein Leben lang auf der Couch, um am Tag des Wettbewerbs in die Schuhe zu schlüpfen und loszulaufen. Ein Läufer muss trainieren, fängt klein an, erhöht schrittweise das Tempo nach ausgeklügelten Trainingsplänen, achtet auf seine Ernährung, muss sich die Trainingszeiten hart gegen den Unwillen seiner Familie und die Anforderungen seiner Arbeit erkämpfen. Er erlebt Verletzungen, Rückschläge und Rückschritte – und erst nach monate- oder sogar jahrelangem Training zahlt sich die ganze Plackerei aus.

Als Romanautor bist du ein Marathonläufer. Von jetzt auf gleich geht gar nichts. Wie das Laufen lässt sich auch das Schreiben lernen. Fange klein an. Pauke die Theorie, schreibe täglich, schreibe täglich ein bisschen mehr. Fang mit 100 Wörtern am Tag an. Oder 50. Steigere dich langsam. Kalkuliere Rückschritte ein. Und nimm am NaNoWriMo teil! Jammere nicht, wenn du es nicht schaffst. Gib deinem inneren Kritiker keinen Raum. Es soll auch schon Marathonläufer gegeben haben, die nicht auf Anhieb ihren ersten Marathon geschafft haben (Ich weiß, wovon ich rede …, bin sogar am Halbmarathon gescheitert …).

3. Ich habe kein Talent

Ich glaube ja ohnehin nicht an Talent. Der Wunsch, einen Roman zu schreiben, beweist, dass dir die Sache am Herzen liegt. Meiner Meinung nach eine viel wichtigere Voraussetzung als „Talent“.

Schreiben ist einfach viel Arbeit. Es verlangt von dir, ständig am Ball zu bleiben. Um Ideen, Plots und Figuren muss jeder ringen. Klar, mit etwas Übung und Erfahrung wird es leichter. Um genau all das zu trainieren, um deine Schreibblockade überwinden zu lernen, gibt es ja den NaNoWriMo.

Auch hauptberufliche Autoren erzählen von langen Arbeitstagen, intensivem Ringen und vielen Diskussionen mit Freunden und Lektoren, in denen ihre Ideen und Werke entstehen und zum Strahlen gebracht werden. Was einen erfolgreichen Autor von einem, der einfach nur gerne schreiben möchte, am meisten unterscheidet, sind der Wille zum Durchhalten und die Professionalität, mit Schwierigkeiten umzugehen, nicht das Talent.

4. Ich werde ja eh nicht veröffentlicht

Vielleicht. Die Welt des Publizierens ist hart, nur die Besten der Besten bekommen bei großen Verlagshäusern eine Chance. Andererseits: Auch die Bestens der Besten haben mal klein angefangen.

Verlage und Literaturagenturen suchen neue Bestseller. Wieso solltest du das nicht sein? Okay, die Chancen stehen schlecht – aber sie stehen noch schlechter, wenn du es nie versuchst.

Abgesehen davon gibt es inzwischen haufenweise Möglichkeiten, bei kleineren Verlagen oder im Selbstverlag zu veröffentlichen: im Print-On-Demand-Verfahren oder als E-Book bei Amazon oder anderen Plattformen. Nele Neuhaus hat als Selbstverlegerin den Grundstein ihrer Karriere zur Bestsellerautorin gelegt. Nika Lubitsch hat ihr Buch Der 7. Tag als E-Book selbst auf Amazon veröffentlicht und damit haufenweise Verlagsangebote an Land gezogen.

Solche Self-Publihsing Karrieren sind Ausnahmen, die nicht die Regel darstellen. Aber immerhin gibt es inzwischen viele Möglichkeiten. Wer weiß? Vielleicht schaffst du es auch? Es gibt nur einen Weg, garantiert nicht veröffentlicht zu werden – es nie zu versuchen.

Ganz gleich, für welchen Weg du dich entscheidest, auch hier hat derjenige mit dem längsten Atem die besten Chancen. Und welche Zeit wäre besser geeignet als der NaNoWriMo, um seine Hartnäckigkeit zu trainieren?

5. Ich habe keine Muße

Stephen King hat nach seinem schrecklichen Unfall, der ihn fast das Leben gekostet hat, noch auf dem Krankenbett angefangen seinen nächsten Roman zu schreiben, wie man in seiner Biografie Das Leben und das Schreiben erfährt. Auf den Knien. Mit Papier und Füller. Unter Schmerzen.

Echte Autoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht darauf warten zu schreiben, wenn’s ihnen gerade mal in den Kram passt.

Und wer weiß? Vielleicht sind der Stress und die Krankheit oder die anderen widrigen Umstände, unter denen du gerade leidest, genau das, was deinem Roman den besonderen Pfiff verleiht. Anne Rice hat Interview mit einem Vampir geschrieben, um die Trauer um den Tod ihrer Tochter zu verarbeiten und damit einen Bestseller gelandet, ja, sogar ein ganzes Genre geprägt.

6. Ich fühle mich schuldig, wenn ich fürs Schreiben andere Dinge vernachlässige

Ja, die Familie ist wichtig, der Beruf darf nicht leiden, jeder sollte was für seine Gesundheit tun … Es gibt haufenweise Dinge, die wichtig und dringend sind.

Aber schreiben ist auch wichtig. Andere Tätigkeiten hältst du in einem Terminkalender fest. Wieso nicht auch das Schreiben? Mach dir einen Stundenplan. Streiche die Zeit vor dem Fernseher. Dann gibt’s halt mal einen Monat lang nur Dosenfutter und das Bad sieht schlunzig aus.

Du wirst es überleben – aber mit einem Romanmanuskript!

7. Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll

Ernest Hemingway war ein Schlachtfeldjunkie und zumindest gefühlt bei jedem Krieg dabei. Klar, da hat man hinterher auch was zu erzählen. Bei den meisten von uns ist es zum Glück nicht so. Hast du deswegen keine Story?

Musste Tolkien vielleicht erst einmal ein paar Jahre auf Mittelerde leben, um darüber zu schreiben?

Klar, es gibt den Ratschlag, nur über das zu schreiben, was du kennst. Ich halte da nix von. Schreibe über das, was du liebst. Und jeder hat doch eine Leidenschaft für irgendwas. Du magst Plüschtiere? Was meinst du, wie Stephen King auf die Idee zu Friedhof der Kuscheltiere gekommen ist …

8. Ich hab doch gar keine Ahnung vom Schreiben

Ja, dein Handwerk zu kennen, ist unerlässlich, wenn du Autor werden willst. Aber es gibt auch die Schreibbuch-Junkies. Leute, die ihr Leben lang nur Theorie pauken und nie ein Buch Schreiben. Sind das die besseren Autoren? Bestimmt nicht.

Es gibt erfolgreiche Bestseller-Autoren, die noch nie im Leben ein Schreibbuch angefasst oder ein Seminar besucht haben. Wenn du viel liest und den Wunsch hast ein Buch zu schreiben, reicht das fürs erste.

9. Es gibt einfach viel zu viele andere spannende Dinge, als nur am Schreibtisch zu sitzen

Abgesehen vom realen Leben mit den Anforderungen des Berufs, der Familie und den vielen kleinen alltäglichen Dingen, die halt so zu erledigen sind (sauber machen, Müll rausbringen, Wäsche waschen …), hat uns die moderne Technik noch Facebook, Twitter, E-Mails, Fernsehen usw. geschenkt.

Und dann sind da noch so viele andere Dinge, die viel Attraktiver wirken, als stundenlang auf den Monitor zu starren: Malen, Sport, Kino, Theater, mit Freunden abhängen … Setze hier einfach eine deiner Lieblingstätigkeiten ein.

Kein Wunder, dass da am Ende des Tages keine Zeit zum Schreiben mehr übrig bleibt.

Aber ist es nicht eine gute Idee, diesen ganzen E-Firlefanz mal einfach wegzulassen? Vier Wochen, ohne deine privaten Mails zu checken? Warum nicht? Was soll passieren? Einfach mal die Küche ein wenig versiffen lassen? Klingt komisch, aber du wirst es überleben, genaue wie das Verpassen deiner Lieblingssendung.

Deine Freunde werden Verständnis haben, dass du mal vier Wochen was zu tun hast. Dein Körper wird nicht auseinander fallen, wenn du im nächsten Monat ein bisschen weniger Sport treibst. Ja, du wirst auf jeden Fall etwas verpassen, wenn du dich dem Schreiben widmest. So ist das im Leben, tut man das eine, lässt man das andere.

Mache dir immer wieder klar: Es sind nur vier Wochen. Die Welt wird nicht untergehen, wenn du vier Wochen mal alles andere ein wenig schleifen lässt.

Okay, du bist auf E-Mails angewiesen. Gibt ja auch wichtige Gründe. Aber brauchst du wirklich mehr als, sagen wir, zehn Minuten, um deinen Onlinekram zu erledigen?

Reicht beim Fernsehen nicht die Tagesschau, um zu wissen, was in der Welt los ist?

Wir reden hier von vier Wochen, das schaffst du schon. Und wer weiß, vielleicht entdeckst du ja dabei, dass du ohne den ganzen Kram viel glücklicher bist, weil Schreiben auf Dauer einfach mehr Spaß macht als alles andere.

Was sind deine hartnäckigsten Ausreden, die dich vom Schreiben abhalten? Und was tust du dagegen?

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5 Antworten auf “Den NaNoWriMo schaffen: 9 Ausreden, nicht zu schreiben und was du dagegen tun kannst”

  1. Ich will es dieses Jahr auch mal versuchen mit dem NaNoWriMo.
    Was ich allerdings feststelle: Die Webseite ist wahnsinnig LAHM! Also wirklich lahm. Sie stürzt dauernd ab. Liegt das an dem großen Ansturm oder wo ist das Problem?

    Ich versuche weiterhin mein Glück, mich anzumelden…

    Cheers!
    Nicole

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