Die Kurzgeschichte: kleine Schwester des Romans

Ich freue mich sehr darüber, Kerstin Brömer als Gastautorin für meinen Blog gewonnen zu haben..

Jahrzehntelang haben Verlage und Buchhandel den Tod der Kurzgeschichte besungen. Kurzgeschichten seien Ladenhüter, hieß es. Es gebe keinen Markt dafür. Doch mit der digitalen Revolution auf dem Buchmarkt erfahren sowohl die Kurzgeschichte als auch die Novelle eine Renaissance – und werden durchaus gern gekauft.

Für Autoren ist das eine wunderbare Entwicklung.

Denn es gab schon immer viele gute Gründe, Kurzgeschichten zu schreiben. Versauerten die so entstandenen Werke bisher anschließend in Schubladen oder auf Festplatten, können sie nun beispielsweise als E-Books veröffentlicht werden und dem Autor und gegebenenfalls seinem Verlag Geld einbringen.

Geschichte und Merkmale der Kurzgeschichte

In der Literaturwissenschaft heißt es, die Kurzgeschichte sei in Deutschland erst ab 1945 aufgekommen beziehungsweise habe erst danach eine relevante Bedeutung gewonnen. Dabei wird jedoch ignoriert, dass sich die Menschen schon in der Antike Geschichten erzählten – und dabei nicht Tage und Nächte ohne Unterlass redeten. Sie erzählten sich also kurze Geschichten. Diese mündlichen Überlieferungen können durchaus als Vorläufer der Kurzgeschichte betrachtet werden.

Doch was ist eigentlich eine Kurzgeschichte? Die Beantwortung der Frage ist nicht so leicht, wie man meinen sollte. Es gibt keine eindeutige Definition, nicht einmal in der Literaturwissenschaft. Stattdessen wird die Kurzgeschichte meist in Abgrenzung zu anderen Literaturgattungen definiert, etwa zur Novelle. Der Begriff selbst ist eine Lehnübersetzung des amerikanischen Gattungsbegriffs short story. Die genaue Bedeutung unterscheidet sich jedoch.

Konkrete Merkmale für Kurzgeschichten zu benennen, ist somit schwierig. Die Ansichten können sich von Verlag zu Verlag und von Autor zu Autor unterscheiden. Und das ist gut so. Kurzgeschichten gibt es, wie Romane auch, in allen Genres, zum Beispiel als Kurzkrimis, Science-Fiction- und Fantasy-Kurzgeschichten. Diese folgen meist den entsprechenden genreinternen Regeln. Zudem gibt es natürlich auch literarische Kurzgeschichten, die weitaus experimenteller gestaltet sein können – genau wie der große Bruder, der literarische Roman. Es handelt sich um eine Kunstform, und da sind konkrete Kriterien immer schwierig oder werden mit der Zeit ausgehebelt. So hieß es beispielsweise früher oft, eine Kurzgeschichte müsse in der 1. Person Singular und im Präsens geschrieben sein, vielleicht in Anlehnung an die short stories von Edgar Allen Poe. Heute werden die meisten aber in der 3. Person im Präteritum erzählt. In Metzlers Literaturlexikon gilt der offene Schluss als ein Merkmal der Kurzgeschichte. Aber auch das stimmt heutzutage nicht (mehr). Viele zeitgenössische Kurzgeschichten beinhalten eine Auflösung.

Wie in allen Kunstformen lautet die einzige echte Regel also: Richtlinien können gebrochen werden, wenn es einen guten Grund dafür gibt. Und behält man das im Hinterkopf, dann lassen sich durchaus Merkmale für Kurzgeschichten definieren. Zunächst einmal gelten, vor allem wenn man eine Veröffentlichung anstrebt, die allgemeinen Grundsätze für eine gute Geschichte:

  • es gibt einen Protagonisten, das heißt, es gibt eine handelnde Figur (die auch ein Tier, ein sprechender Baum oder was auch immer sein kann)
  • es gibt eine Handlung
  • es gibt einen Konflikt (innerer und/oder äußerer Konflikt)
  • es gibt eine Entwicklung; die Situation am Ende der Geschichte unterscheidet sich also von der am Anfang und/oder die Figur hat sich weiterentwickelt
  • es gibt einen Spannungsbogen

Daneben gilt speziell für Kurzgeschichten:

  • Kürze: Wie der Name schon sagt, sind Kurzgeschichten kurz. Als Faustregel gilt eine Länge von 1.000 bis zu 20.000 Wörtern, darunter spricht man von Kürzestgeschichten (im Englischen von flash fiction). Dementsprechend liegt eine Novelle bei 20.000 bis 40.000 Wörtern, ein Roman hat mehr als 40.000 Wörter. Diese Werte sind nicht in Stein gemeißelt, aber gute Orientierungshilfen. Um eine Kurzgeschichte in Anthologien, Zeitschriften oder Magazinen unterzubringen, gelten oft 3000 bis 5000 Wörter als Optimum. Auch bei Literaturpreisen für Kurzgeschichten liegt die maximale Wörterzahl häufig deutlich unter 20.000 Wörtern. Unbedingt die Ausschreibungskriterien beachten, die oft eine maximale Zeichenzahl beinhalten!
  • ein Handlungsstrang, keine Subplots
  • Beschränkung auf ein zentrales Thema, keine Nebenthemen
  • ein bis zwei Hauptfiguren und (falls überhaupt) eine überschaubare Anzahl von Nebenfiguren
  • meist Beschränkung auf nur einen Perspektivträger
  • in medias res: keine lange Einleitung, sondern direkter Einstieg in das Geschehen, um den Leser möglichst schnell zu fesseln
  • wenige Handlungsorte

Erzählt wird meist ein entscheidender Einschnitt aus dem Leben der Hauptfigur. Für eine lange Backstory ist kein Platz. Wo sie für die Geschichte zwingend nötig ist, muss sie so kurz wie möglich abgehandelt werden – wenige Sätze genügen.

Bei der Kürze zählt jedes Wort noch einmal deutlich mehr als bei einem Roman. Daher sollten Kurzgeschichtenautoren besonders darauf achten, immer das treffendste Wort zu suchen und zu verwenden. Prägnant schreiben, nicht faseln!

Das gilt auch für die Charakterisierung. Häufig ist in Zusammenhang mit Kurzgeschichten von einer Typisierung der Figuren die Rede. Doch man kann einer Figur schon durch einige wenige außergewöhnliche Details mehr Tiefe verleihen und damit eine stärke Identifizierung des Lesers mit ihr ermöglichen.

Vorteile für Autoren

Auch für Autoren, die Romane schreiben (möchten), bietet das Verfassen von Kurzgeschichten viele Vorteile:

Übung: Kurzgeschichten sind ein perfektes Spielfeld, um das Handwerk zu erlernen. Denn man lernt nur durch die Texte, die man abschließt. Würde man erst einige Romane schreiben müssen, um beispielsweise szenische Darstellung zu erlernen, so benötigte man zwei oder drei Leben. Eine Kurzgeschichte ist eine in sich abgeschlossene Einheit, in der Abläufe genauso funktionieren müssen wie in einem Roman. So kann man kann vieles auf kleinem Raum ausprobieren und sehen, ob es funktioniert. Autoren können zum Beispiel mit verschiedenen Perspektiven spielen, mit auktorialer oder personaler Erzählhaltung, mit Stil und Stimme und sehen, was welchen Effekt hat. Auch Charakterisierungen, Beschreibungen, Dialoge etc. lassen sich so auf kleinem Raum, aber in einem in sich abgeschlossenen Text üben. Zudem kann man mit literarischen Formen experimentieren und prüfen, welches Genre einem liegt.

Schnelles Feedback: Zum Erlernen des Schreibens trägt auch Feedback einen großen Teil bei. Wer einen Schreibpartner hat, kann ihn sicher leicht überzeugen, eine Kurzgeschichte zu lesen und zu kritisieren. Ein Roman bedeutet wesentlich mehr Aufwand. Darüber hinaus gibt es viele Kurzgeschichtenforen, in denen man die Werke veröffentlichen kann und Kommentare erhält. Ich würde bei der Wahl darauf achten, dass die Mitglieder dort das Schreiben ernst nehmen und konstruktiv kritisieren. Der Ton der Mitglieder untereinander ist wichtig, dass es also nicht zu persönlichen Beleidigungen kommt. Aber reine Lobhudeleien nützen niemandem etwas. Kritik schmerzt, aber sie ist nötig, um zu wachsen und sich zu verbessern. Daher ist es auch wichtig, in irgendeiner Form zu veröffentlichen und die Texte nicht nur in der eigenen Schublade (oder auf der Festplatte) zu verstecken. Die eigenen Eltern oder der Lebenspartner sind dabei meist als Kritiker nicht gut geeignet, da sie den Autor mögen, ihn nicht verletzen wollen und somit alles loben.

Schneller Weg zum Leser: Früher sagten Verlage, mehr als ein Buch pro Jahr von einem Autor könne der Markt nicht verkraften. Wer sehr produktiv war, musste weitere Romane unter Pseudonym veröffentlichen. Inzwischen gibt es einen interessanten Prozess zu beobachten: Verlage haben erkannt, dass von guten Autoren nie genügend Texte auf dem Markt sein können, dass echte Fans so schnell wie möglich Nachschub haben möchten. Daher drängen sie ihre Zugpferde dazu, zwischen den Romanen noch kürzere Texte zu schreiben, die man den ungeduldigen Lesern anbieten und ihnen damit die Wartezeit auf den nächsten Roman verkürzen kann.

Einkommensquelle: Als Self-Publisher können Autoren Kurzgeschichten einzeln oder mehrere in einem Band verkaufen und damit Einnahmen erzielen.

Marketing: Kurzgeschichten können als Marketing-Instrument  fungieren, indem sie zum Beispiel denselben Protagonisten beinhalten wie ein Roman, preisgünstig zu haben sind, sodass Leser dem Autor eine Chance geben und bei Gefallen den Roman anschließend ebenfalls kaufen. So kann man neue Reihen promoten oder sich als neuer Autor am Markt eine Leserschaft aufbauen, ohne Romane zum Dumpingpreis zu verschleudern.

Veröffentlichungsmöglichkeiten

  • Kurzgeschichtenforen: Diese bieten gerade Anfängern die Möglichkeit, sich anhand von Kritiken zu verbessern und die Resonanz zu testen.
  • Anthologien: Für unbekannte Autoren sind sie in der Regel nur über Ausschreibungen zugänglich, die in der Regel von kleinen, unbekannten Verlagen stammen. Hier unbedingt darauf achten, dass kein „Startgeld“ oder Ähnliches verlangt wird – solcher Methoden bedienen sich nur Druckkostenzuschussverlage. Bei Anfänger-Veröffentlichungen in einer Anthologie gibt es häufig keine Vergütung für die Autoren, Belegexemplare sollten jedoch vom Verlag gewährleistet sein. Große Verlage bringen in der Regel nur Anthologien mit Texten heraus, die Autoren auf Einladung geschrieben haben.
  • Literaturzeitschriften (zum Beispiel Edit, Asphaltspuren, Der Dreischneuß): Bevor man einer Literaturzeitschrift eine Kurzgeschichte zur Veröffentlichung anbietet, sollte es selbstverständlich sein, dass man mindestens eine Ausgabe dieser Zeitschrift gekauft und genauestens studiert hat. Damit bekommt man ein gutes Gefühl dafür, welche Art von Texten in der Regel angenommen und veröffentlicht wird. Edit beispielsweise ist sehr literarisch ausgerichtet.
  • Zeitschriften/Magazine: Die Veröffentlichungsmöglichkeiten hier sind stark geschrumpft, früher haben wesentlich mehr Zeitschriften Kurzgeschichten veröffentlicht. Es gibt aber dennoch einige (zum Beispiel Frauenzeitschriften, Fernsehzeitungen und Fachzeitschriften), die Kurzgeschichten annehmen. Hier ist auch eine Honorierung üblich.
  • E-Book: Diese Veröffentlichungsmöglichkeit nimmt einen immer stärkeren Anteil ein. Inzwischen haben sich einige neue Verlage auf Kurzgeschichten in digitaler Form spezialisiert. Daneben besteht natürlich die Möglichkeit, die E-Books selbst herauszubringen.

Und weil es sich hier um das Blog eines Science-Fiction-Fans handelt, gibt es im Folgenden noch drei Beispiele für Veröffentlichungsmöglichkeiten von SF-Kurzgeschichten in herausragenden Publikationen:

  • Nova
  • phantastisch!
  • c’t (die Computer-Fachzeitschrift von Heise)

Fazit

Die Kurzgeschichte ist ein hervorragendes Experimentierfeld für Autoren, schult den bewussten Umgang mit Sprache und lehrt die Reduzierung auf das Wesentliche. Und sie kann der Startblock für eine Autorenkarriere sein. So sind einige Schriftsteller speziell durch ihre Kurzgeschichten berühmt geworden, etwa Poe und Hemingway (neben seinen Reportagen und Essays). Stephen King hat seine unvergleichliche Karriere mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begonnen und dabei das Handwerk gelernt, das ihm später in seinen Romanen zugutekam. Das Schreiben von Kurzgeschichten kann also zum literarischen Durchbruch verhelfen. Und vor allem: Es macht sehr viel Spaß.

Kerstin Brömer hat nach ihrem Studium ein journalistisches Volontariat absolviert und viele Jahre als festangestellte Redakteurin gearbeitet.

Seit 2008 ist sie freiberufliche Autorin und Lektorin und unterstützt Unternehmen in allen Kommunikationsbelangen. Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten verfasst und moderiert seit 2004 im größten deutschsprachigen Kurzgeschichtenforum. Zurzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman, einem Thriller. Auf ihrem Blog www.literaturjournal.de bietet sie Tipps und Branchennews für Autoren

Schreibst du Kurzgeschichten? Wenn ja, wo und wie veröffentlichst du sie? Wenn nein, warum nicht?

Falls du ebenfalls Lust dazu hast, einen Gastartikel auf meinem Blog zu veröffentlichen (oder gerne einen Gastartikel von mir auf deinem Blog veröffentlichen möchtest), melde dich einfach bei mir.

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20 Gedanken zu “Die Kurzgeschichte: kleine Schwester des Romans

  1. Vielen Dank für diesen Artikel zum Thema Kurzgeschichten.
    Ich habe einige Ideen im Kopf und schon lange erkannt, dass die Kurzgeschichte eine prima Basis zum üben und testen meiner Fähigkeiten darstellt. Leider fehlt mir momentan der Mut und die Disziplin meine Ideen zu verfolgen. Bisher habe ich zwei Kurzgeschichten geschrieben und diese sowohl in einem Forum, als auch bei Neobooks veröffentlicht. Wie im Artikel oben bereits angesprochen muss man in einem Forum allerdings stark auf die Mitglieder achten. Vor allem, ob es überhaupt Kritiker gibt oder ob es lediglich Autoren sind die eigenes Feedback möchten aber kein Feedback geben.
    Das eBook ist eine interessante und spannende Möglichkeit einen noch breiteren total unabhängigen Kreis von Lesern anzusprechen. Ich verspreche mir durch eine Veröffentlichung z.B. bei Amazon ein deutlich ehrlicheres Feedback. Das tut zwar mit Sicherheit gerade am Anfang auch teilweise sehr weh, aber wer gut sein will muss leiden! 😉

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    • Hallo thrillerkiller und danke für deinen Kommentar!

      Ja, die Qualität der Kritiken, die man in den einzelnen Foren erhält, schwankt sehr stark. Aber es gibt wirklich auch sehr gute Kurzgeschichtenforen mit engagierten Mitgliedern, die konstruktiv und ausführlich kritisieren. Dabei hat natürlich auch jeder Kritiker seinen eigenen Stil und die einzelnen Mitglieder (Autoren und Kritiker) sind natürlich auch auf einem unterschiedlichen Niveau. Aber in der Gesamtheit der Rückmeldungen bekommt man dann doch ein sehr hilfreiches Feedback. Und später müssen sich die Texte ja auch nicht nur bei Autoren bewähren, sondern bei den „ganz normalen“ Lesern.

      Amazon als Möglichkeit zu nutzen, Feedback einzuholen, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Für mich ist das eine Verkaufsplattform für „fertige“ Produkte. Jedem, der gerade erst mit dem Schreiben beginnt, würde ich raten, zunächst einmal so viel wie möglich zu lesen (das machst du anscheinend ja, wie deinen Rezensionen zu entnehmen ist), aber auch so viel wie möglich zu schreiben. Sich zudem mit den Grundsätzen des literarischen Schreibens zu befassen, über das Handwerk des Schreibens zu lesen und zu lernen. Und dann über befreundete Autoren, einen lokalen Kritikerkreis oder eben in Onlineforen so viel Feedback wie möglich in einem relativ geschützten Bereich einzuholen. Und dann weiter an sich zu arbeiten. Das Veröffentlichen gegen Geld – auch als Self-Publisher – steht meines Erachtens nach einer solchen Entwicklung, nicht zu Anfang. Das ist nur fair den Lesern (und ggf. Kunden) gegenüber.

      Nun weiß ich natürlich nicht, wie genau du deine Texte anbietest, ob du zum Beispiel überhaupt Geld dafür verlangst. Und über die Qualität kann ich auch nichts sagen. Es kann ja sein, dass du ein Naturtalent bist. Über dein Blog habe ich nur eine Kurzgeschichte von dir auf Bookrix gefunden, aber es gibt anscheinend keinen Link zu deinem Angebot auf Amazon. Meine Aussagen sind also allgemeiner Natur.

      Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg!

      Und an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Marcus, dass mein Artikel hier ein zu Hause bekommen hat.

      Kerstin

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      • Hallo Kerstin,

        da habe ich mich leider etwas missverständlich ausgedrückt. Die Sache mit Amazon war mehr eine Idee. Ich habe bisher noch keine Erfahrungen mit Selfpublishing auf Amazon gemacht. Ich verlange generell kein Geld für meine Kurzgeschichten. Das wäre tatsächlich sehr unfair dem Leser gegenüber. Amazon erscheint mir deshalb gut, weil eine größere Basis an Lesern vorhanden ist. Natürlich hast du Recht damit, dass andere Möglichkeiten eine geschütztere Umgebung bieten. Neobooks ist meiner Meinung nach sehr positiv in dieser Richtung zu erwähnen.

        Dort findet sich auch „Mafia“ die Geschichte, die du bereits bei Bookrix gefunden hast. Weiter unten auf meinem Blog findet sich noch „Totenstill“ mein erster Versuch. „Mafia“ war mein zweiter Versuch.

        Ich habe mir schon einige Bücher zum Thema Schreiben, kreatives Schreiben, etc. zugelegt und auch schon einen Kurs dazu an der Uni besucht. Aber das alles kann nur ein Einstieg sein, üben muss man trotzdem. Durch die Artikel auf Marcus Blog habe ich mit Hilfe des 7-Punkte-Schemas aber gerade wieder eine Idee aufgegriffen und arbeite daran.

        Vielen Dank und viele Grüße,
        Sascha

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      • Hallo Sascha,

        dann habe ich dich falsch verstanden. Wenn ich mir den letzten Satz in meinem Kommentar ansehe, in dem es natürlich „Zuhause“ hätte heißen müssen (aua!), dann liegt das sicher an mir. Anscheinend sollte ich doch mal etwas mehr schlafen.

        Ja, Marcus hat hier ein fantastisches Blog aufgezogen, das muss man mal so sagen.

        Dir noch viel Inspiration und gutes Gelingen bei deinen nächsten Geschichten!
        Kerstin

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  2. Vielen, vielen Dank für die Blumen.

    Meine 5 Cent zum Thema Feedback und Foren: Ich würde sehr, sehr vorsichtig sein, mir auf diese Weise Feedback zu holen. Das heißt nicht, dass ich es nicht tun würde.

    Feedback ist wichtig. Aber genauso wichtig ist meiner Meinung nach, von wem dieses Feedback kommt. Zunächst einmal ist meine Erfahrung, dass Menschen in anonymen Räumen wie dem Internet gerne die Sau rauslassen. Einerseits kann das gut sein, da das Feedback in Foren zu eigenen Texten auf diese Weise ehrlicher sein kann. Andererseits übertreiben es meiner Beobachtung nach hier viele auch ganz gerne.

    Außerdem muss ich stets wissen, wer vor welchem Hintergrund welche Meßlatten an meine Texte legt. Jemand, der am liebsten skandinavische Lyrik des Mittelalters im Original liest, kann unter Umständen nicht so viel mit einer Fantasy-Kurzgeschichte für Jugendliche anfangen.

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  3. Da sprichst du etwas sehr Wichtiges an. Als ich 2003 nach längerer Pause wieder mit dem kreativen Schreiben begann, habe ich mir jede Kritik sehr stark zu Herzen genommen. Einmal resultierte das darin, dass ich aus einer Geschichte alles herausstrich, was auch nur annähernd kritisiert worden war. Danach war es keine Geschichte mehr, sondern bestenfalls noch ein Gerippe. Und einmal habe ich einen Ausflug in ein anderes Forum gemacht, in dem in einem geschlossenen Kreis kritisiert wurde. Manche haben selbst sehr große Ambitionen, aber (noch) keinen Erfolg, und bauen sich daran auf, andere massiv zu kritisieren. Kritik ist ja immer in Ordnung, wenn sie konstruktiv vorgebracht wird. Hier ging es aber unter die Gürtellinie. Es gab ein Mitglied, das gerne querschoss. Das war nicht nur bei mir so. Danach habe ich eineinhalb Jahre nicht mehr geschrieben, das gipfelte wirklich in einer echten Schreibblockade. In dem Forum bin ich nicht mehr aktiv, wie man sich vermutlich denken kann.

    Inzwischen habe ich in mehrfacher Hinsicht dazugelernt. Erstens beim Schreiben selbst, sodass die Texte jetzt einfach wesentlich besser sind als die frühen Gehversuche. Zweitens beim Kritisieren und drittens auch beim Bewerten der Kritik anderer. Ich nehme nicht mehr alles an Kritik an. Aber bis man dahin kommt, ist es ein Lernprozess. Die Erfahrung fehlt einem natürlich am Anfang. Umso wichtiger, dass die Moderatoren in den Foren darauf achten, dass konstruktiv kritisiert wird, und ansonsten einschreiten.

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  4. Sehr informativer Artikel. Vielen Dank. Ich persönlich finde, dass der beste Kritiker immer noch ein guter Lektor ist. Ich möchte meine Geschichten gerne bei einem Verlag veröffentlichen und habe schon viel Gutes über den Frieling Verlag gehört. Kennt den hier zufällig jemand?

    Frieling Verlag Berlin
    Ich bin auch für Erfahrungen mit anderen Verlagen offen. Immer her mit den Tipps.

    Liebe Grüße
    Angelika

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    • Liebe Angelika,

      vielen Dank für die Rückmeldung und das Lob!

      Zu dem Verlag: Ein Klick auf der Website hat mir gezeigt, dass es sich um einen Druckkostenzuschussverlag handelt. Von einem solchen „Verlag“ würde ich immer abraten. Denn er ist keiner. Das Wort Verlag kommt von „vorlegen“ und bedeutet, dass der Verlag das Risiko der Veröffentlichung trägt und alle Kosten übernimmt, die damit verbunden sind. Geld sollte immer nur vom Verlag zum Autor fließen, nicht umgekehrt. Ansonsten wird der Verlag sich auch nicht für das Werk einsetzen. Er verdient ja durch den Autor, der ihn bezahlt, nicht durch potenzielle Leser.

      Dazu heißt es zum Beispiel beim Aktionsbündnis für faire Verlage:
      Das „Aktionsbündnis für faire Verlage (Ak Fairlag)“ setzt sich für eine faire Behandlung von Autoren durch die Verlage ein. Damit richtet es sich gegen solche Verlage, die das Verlagsprinzip umkehren und das unternehmerische Verlagsrisiko einseitig auf die Autoren abwälzen und damit als „unseriös“ bekannt sind.

      Diese Verlage sind für Autoren äußerst nachteilig:
      Autoren zahlen bei diesen Verlagen bis zu fünfstellige Eurobeträge für eine Buchveröffentlichung. Den Verlagen ist der Ruf anheim, unzureichende Lektoratsarbeit zu leisten.

      Unter anderem hier gibt es noch mehr Infos zum Thema:

      Geld bezahlen für Lektorat oder Druck?
      http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1188294097

      Bezahl-Verlage: Die schönsten Seiten des Schwachsinns
      http://www.spiegel.de/kultur/literatur/bezahl-verlage-die-schoensten-seiten-des-schwachsinns-a-645279.html

      Das Autorenforum Montségur listet den Frieling Verlag unter den bekannten Zuschussverlagen:
      http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1251388002

      Wer das Schreiben und sich als Autor wirklich ernst nimmt, hat zwei sehr gute Möglichkeiten, seine Werke in die Öffentlichkeit zu bringen: Der traditionelle Weg über einen echten Verlag (das kann auch ein kleiner Nischenverlag sein, Hauptsache der Geldfluss geht in die richtige Richtung und der Verlag setzt sich ehrlich für das Werk ein) oder das Selbstpublizieren. Dabei kannst du einen freiberuflichen Lektor deiner Wahl buchen (die meisten Verlage beauftragen für die Arbeit am Text inzwischen auch freiberufliche Lektoren), ein professionelles Cover erstellen lassen und dann das Werk selbst als E-Book und/oder per Print-on-Demand herausgeben. Das ist für dich vermutlich günstiger als bei einem Druckkostenzuschussverlag, du bekommst ein ehrlicheres Feedback und hinterher ein besseres Produkt (denn der „Verlag“ sagt dir sowieso, dass dein Werk toll ist und eine Veröffentlichung sich lohnt, er will schließlich dein Geld) und behältst alle Rechte und die volle Kontrolle.

      Das ist nun eine lange Antwort geworden. Allen, die bis hierher durchgehalten haben: danke! 🙂

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  5. Hallo Frau Brömer,
    wir ,eine 10. Klasse einer Gemeinschfatsschule lesen immoment Kurzgeschichten und haben soeben mit ihren Texten zu dem Thema Kurzgeschichten gearbeitet und diese mit unserem Detsch Lehrer analysiert. Wir empfinden ihre Texte als sehr lehrreich und finden, dass es mehr solcher info Texte geben sollte. Allerdings waren wir uns über ihre wortanzahlen sehr unschlüssig, unser Lehrer sagte uns, dass eine gute kurtzgeschichte höchstens 500 Wörter hätte und keine 5.000-20.000 deswegen unsere Frage an sie, als erfahrene Autorin.

    wie viele Wörter darf eine gute Kurzgeschichte tatsächlich haben ?

    Mit Freundlichen grüßen
    10a

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    • Hallo, liebe 10a,

      ich bin zwar nicht Kerstin Bremer, sondern der Betreiber dieses Blogs. Kerstin Brömer hat hier den Gastartikel geschrieben, auf den ihr euch bezieht. Ich werde ihr euren Kommentar gleich weiterleiten.

      Da ich aber zufällig gleichzeitig Autor und Deutschlehrer bin, fühle ich mich berufen, ebenfalls etwas zu dem Thema zu sagen: Meiner Meinung nach haben beide recht. Im Germanistik-Studium habe ich die gleiche Angabe zur Länge einer Kurzgeschichte gelernt, wie euer Lehrer. Hier geht es, wie ich vermute, um die klassische Short Story, wie sie vor allem von Ernest Hemingway geprägt und nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland hauptsächlich geschrieben wurde.

      Kerstin Bremer bezieht sich in ihrem Artikel jedoch eher auf das, was heutzutage bei Wettbewerben und in Anthologien von Jurys und Verlegern als Kurzgeschichte gesehen wird. 500 Wörter sind da meistens zu wenig. Woran das genau liegt, kann ich auch nur vermuten. Ich denke, dass sich der Aufwand, einen Lektor an einen so kurzen Text zu setzen, einfach nicht lohnt.

      Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß mit Kurzgeschichten

      Marcus Johanus

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  6. Liebe 10a,

    ich hatte gedacht, euren Kommentar längst beantwortet zu haben, was aber augenscheinlich nicht der Fall ist. Entschuldigt bitte, dass es so lange gedauert hat!

    Marcus Johanus hat ja schon ein paar Antworten gegeben, denen ich absolut zustimme.

    Euer Lehrer orientiert sich mit seiner Längenangabe an der „alten Lehre“, was nicht falsch ist. Ich wiederum habe mich daran orientiert, was heutzutage als Kurzgeschichte wahrgenommen, verlegt, verkauft und gelesen wird.

    Wenn sich zum Beispiel einmal Kurzgeschichtensammlungen von Stephen King ansieht, stellt man schnell fest, dass viele dieser „Kurz“geschichten um die 10.000 Wörter lang sind, manche noch länger. Und doch sind es Kurzgeschichten.

    Die Längenbegrenzungen zwischen den einzelnen Gattungen sind durchaus fließend. Literaturwissenschaft ist keine exakte Wissenschaft (wie beispielsweise Mathematik, wo 2 + 2 nun mal immer 4 ergibt) und solche Längenangaben (auch meine oben im Artikel) sind eher grobe Faustregeln und nie in Stein gemeißelt, wie ich auch oben schon schrieb. Eine Geschichte von sagen wir mal 18.000 Wörtern kann eine Kurzgeschichte oder eine Novelle sein. Bei einer solchen Länge tragen weitere Faktoren zur Zuordnung bei: Gibt es nur einen Handlungstrang oder mindestens einen Subplot ? Wie viele Figuren tauchen auf? Spielt sich das Geschehen an einem oder zumindest an sehr wenigen Schauplätzen ab oder an mehreren? Wird die Geschichte aus der Perspektive nur einer Figur erzählt oder gibt es Perspektivenwechsel? All das spielt bei einer solchen Länge eine Rolle, wenn man ein Werk genauer zuordnen möchte.

    Dass heute eher längere Kurzgeschichten gefragt sind, hat aus meiner Sicht vor allem den Grund, dass Leser hineingezogen und von einer Geschichte gefangengenommen werden möchten. Sie möchten etwas erleben, die Geschichte miterleben. In 500 Wörtern kann man bestenfalls eine Anekdote oder ein Gleichnis erzählen – oder im Berichtstil herunterrattern, was passiert ist. Potenzial für den Leser, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren? Fehlanzeige. Das berühmte „Show don’t tell“, das Autoren heutzutage immer eingebläut wird, also dass sie Vorgänge und auch Emotionen lieber zeigen statt nur behaupten sollen? Dafür braucht man deutlich mehr Platz. Aber es macht eine Geschichte auch so viel lebendiger und so viel interessanter und spannender für den Leser. Kein Wunder, dass die eher längere Geschichten bevorzugen.

    Wobei es auch Autoren gibt, die auf wenig Raum und mit wenigen Wörtern Identifikationspotenzial schaffen und einen immensen Sog entwickeln können. Das sind wahre Meister ihres Fachs.

    Abschließend: Ich finde es klasse, dass ihr euch mit dem Thema beschäftigt und bei unterschiedlichen Angaben nachfragt und es genau wissen möchtet. Ich hoffe, diese Antwort war hilfreich.

    Euch viel Spaß beim Lesen und (falls es euch nun selbst in den Fingern juckt) beim Schreiben von Kurzgeschichten!

    Beste Grüße
    Kerstin Brömer

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