Wie man heute noch Science Fiction schreiben kann

Als ich neulich nach längerer Zeit mal wieder in der Filiale einer großen Buchhandelskette war, traf mich der Schlag: Das Science-Fiction-Angebot war praktisch nicht vorhanden. Dass SF-Bücher keine meterlangen Regale füllen würden, hatte ich schon erwartet. Auch habe ich nicht vermutet, zahlreiche SF-Titel in den Bestsellerstapeln zu finden. Aber dass ich die präsentierten Titel an einer Hand abzählen konnte und über die Hälfte davon auch noch vergilbte Star-Wars-Romane waren, hatte mich dann doch deprimiert.

Wo ist nur die gute, alte SF geblieben?

In den 1970er und 1980er Jahren und auch noch ein paar Jährchen in den 1990ern konnte man sich vor SF kaum retten. Die Regale der Buchhändler waren voll mit Romanen und sogar Kurzgeschichtensammlungen. Zumindest haben sie mich als Kind und Jugendlicher stets sehr beeindruckt. Vielleicht verkläre ich die „gute alte Zeit“ auch nostalgisch, aber ich denke schon, dass an meiner Wahrnehmung was dran ist.

Die großen SF-Filme wie Star Wars und Terminator brachen in den 1970er und 1980er-Jahren alle Rekorde (aber auch E.T. oder Close Encounters, eher ruhige und spezielle Filme, feierten Erfolge).

Zu den besten Zeiten in den 1990ern liefen Akte-X und mehrere Star-Trek-Serien gleichzeitig über die Mattscheibe und wurden von zahlreichen Konkurrenzserien flankiert. Jede Spielart der SF war in nahezu allen Medien präsent.

Mein Besuch in der Buchhandelskettenfiliale erschütterte mich vor allem deswegen so sehr, weil SF in anderen Medien und in online Buchhandlungen, auf Goodreadlisten usw. (wo ich mich – ich gestehe – wesentlich häufiger herumtreibe) nicht totzukriegen ist.

Doch das scheint eher eine Online-Nische zu sein, was nicht so sehr verwundert, denn im Netz dürfte man häufiger auf Geeks und Nerds wie mich treffen als im Mainstream-Buchhandel. Im Reallife ist von SF-Begeisterung wenig zu spüren. Stattdessen wurde ich im Brick-and-Mortar-Bookstore von Fantasybüchern praktisch erschlagen. Die Regale bogen sich durch vor Wälzern von High Fantasy bis hin zur paranormal Romance (die eigentlich, geben wir es zu, wiederum eine Spielart der Urban Fantasy ist).

Noch vor wenigen Jahren war Fantasy die etwas belächelte kleine Schwester der SF. Wie konnte sich das so grundlegend ändern?

SF ist eigentlich Fantasy, nur besser recherchiert

Okay, ich gebe zu, diese Überschrift ist ein sehr frei wiedergegebenes Zitat. Orson Scott Card antwortete in einem Interview mit dem Podcast „The Geek’s Guide to the Galaxy“ auf die Frage, wieso SF früher so erfolgreich war, heute aber Fantasy viel erfolgreicher ist, sinngemäß:

Eigentlich liebten die Leute schon immer Fantasy. Ein großer Teil der SF in den 1950er bis in die späten 1980er ist im Prinzip Fantasy. Es gibt Aliens, überlichtschnelle Raumschiffe, Teleportation und Zeitreisen – um nur ein paar Konzepte zu nennen, die zwar irgendwie wissenschaftlich erscheinen, tatsächlich aber pure Fantasy sind, denn es kann sie nie geben.

Der Unterschied zur damaligen Fantasy war nur, dass diese Konzepte wesentlich besser durchdacht und damit für den Leser faszinierender waren als das, was die durchschnittliche Fantasykost von wenig originellen Tolkien- und Howard-Ekelktikern lieferte.

Inzwischen ist die meiste Fantasy ebenso konsistent und solide konstruiert, wie es die SF früher war. Da die Leser aber prinzipiell das Phantastische an dem Genre „Spekulative Fiktion“ (Scott Cards Oberbegriff für SF und Fantasy) lieben, greifen sie nun lieber zur Fantasy als zur SF.

Was bedeutet dieser Gedanke für aktuelle SF-Autoren?

Wenn du als Autor nach wie vor Science Fiction lieber als Fantasy und paranormal Romance magst, hast du ein Problem, das sich aber vielleicht lösen lässt.

Folgenden Gedanken regte ein Kommentar zu meinen Top 10 Fantasy-Filmen an, indem eine Leserin meines Blogs James Camerons Avatar offenbar intuitiv als Fantasy-Film bezeichnete.

Ich war darüber im ersten Augenblick verblüfft, ist Avatar für mich doch astreine Science Fiction. Auf den zweiten Blick war ich mir nicht mehr so sicher. Die Hauptfiguren Avatars sind zwar recht fremdartige Aliens, haben aber durchaus etwas sehr Elfenhaftes (spitze Ohren, schlanke Gliedmaßen, leben im Wald in Symbiose mit der Natur … Wieso ist mir das nicht selbst aufgefallen?).

Die Grundthemen Avatars, Ökologie und der Zurück-zur-Natur-Gedanke, sind auf jeden Fall eher in der Fantasy fundiert, als in der SF. Der Film besitzt damit, obwohl er in der Zukunft spielt, eine gewisse Rückwärtsgewandheit, anstelle des Fortschrittsglaubens, der noch in der 1950er- und 1960er-Jahre-SF oder in Star Trek so massiv vertreten ist.

Auch die Struktur Avatars mit dem Helden, der in eine ihm neue, verzauberte Welt entführt wird und gegen einen finsteren Herrscher kämpfen muss, erinnert eher an Märchen und steht somit der Fantasy näher als der SF.

Als begnadeter Drehbuchautor und Regisseur (und SF-Fan), der James Cameron nun einmal ist, hat er einen Weg gefunden, alle Freunde „spekulativer Fiktion“ anzusprechen, was – neben anderen Faktoren – den Erfolg des Films ausmacht.

Ein anderes Beispiel populärer Science Fiction, die sich auch wie Fantasy anfühlt, ist Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“. Eigentlich ist das Setting der Romanreihe eine typische Dystopie und damit Science Fiction. Doch da der Roman über weite Teile in der freien Natur spielt und die Hauptfigur einer eher mittelalterlichen Gesellschaft entspringt, bringen dies die meisten Leser wohl weniger mit Science Fiction in Verbindung.

Zumindest scheinen die SF-Elemente das Publikum nicht zu stören, weil es vom Überlebenskampf, der Liebesgeschichte und vor allem der solide geschriebenen Protagonistin fasziniert wird.

Schlussfolgerungen

Raumschiffe und Roboter sind out. Es dürfte schwierig sein, eine klassische Space Opera heutzutage in die Bestsellerlisten zu bringen. Findest du dich jedoch damit ab, als SF-Autor Teil der „Spekulativen Fiktion“ zu sein, ist SF ein Genre, mit dem du vielleicht noch punkten kannst.

Ähnlich wie die Fantasy offensichtlich in den letzten Jahrzehnten Einiges von der Science Fiction gelernt hat, um die Bedürfnisse der Leser erfüllen zu können, müssen sich SF-Autoren heutzutage genau ansehen, was die Leserschaft an Fantasy reizt, um wie James Cameron einen Weg zu finden, sie noch zu erreichen.

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25 Gedanken zu “Wie man heute noch Science Fiction schreiben kann

  1. Dein Blog macht wirklich Spaß. Gute Themen, gut besprochen. 🙂

    Ich glaube, die Krise der SF setzt sich vor allem zusammen aus einer Krise der Hard-SF und einem Begriffsproblem.

    Mit Hard-SF meine ich hier garnichtmal die Space Operas, sondern die technische, so genannte „wissenschaftliche“ Science Fiction. Die hat allerdings auch stark an Reputation verloren, denn gerade in den letzten drei Jahrzehnten hat sich ja gezeigt, wie sehr man daneben liegen kann, wenn man bei aller Voraussagebarkeit der wissenschaftlichen Entwicklung, von den Naturwisschenschaftlern so gerne belächelte Wissenschaften wie Geschichte, Soziologie und Philosophie außer acht lässt. Ich besitze ein sehr gut geschriebenes, sehr lesbares und inspirierendes Essay von Arthur C. Clarke (selbstverständlich finde ich es gerade nicht und kann daher weder mit Titel noch mit Ort dienen :-D) aus den 1970er Jahren, in denen er aufgrund der wahrscheinlichen technischen Machbarkeit bestimmte klassische SF-Themen untersucht und vorher zu sagen versucht, welche Entwicklungen bis zur Jahrtausendwende kommen werden und welche nicht. Und so brillant Clarke ist und schreibt (und er IST brillant!) – NICHTS davon ist eingetreten. Weil er eben von der Technik ausgeht, nicht von den Menschen und Gesellschaften. Und wenn man dann noch die wichtigste technische Entwicklung übersieht und sie als Nischengeschichte für den Cyberpunk abtut – dann ist man eben irgendwann nicht mehr ernst zu nehmen.

    Aber das betrifft nur den „Science“-Teil der Science-Fiction – und auch das nur, solange man Science nur als Natur- und Ingenieurwissenschaften definiert. Phillip K. Dick ist aktueller denn je. Und wir bewegen und mit Riesenschritten auf Aldous Huxleys „Brave New World“ zu. Nur eben nicht überlichtschnell. 😉
    Aber selbst die gute alte Space Opera ist nicht tot. Einer der wenigen SF-Autoren, deren Neuerscheinungen regelmäßig in den (wirklich klein gewordenen) SF-Regalen auftauchen, ist Iain M. Banks. Und der schreibt die besten Space Operas, die ich je gelesen habe. Aber vielleicht nicht von ungefähr ist Technik bei ihm völlig nebensächlich.

    Das andere Problem liegt darin, dass Genres nicht mehr der Beschreibung dienen, sondern dem Marketing, Ich habe das in meinem eigenen Blog mit Bezug auf „Horror“ ausgiebig beweint – Horror ist nur noch das, was Leute, die normalerweise kein Horror lesen für Horror halten. Also Blut und Gekröse. Von allen Büchern Stephen Kings würden heutzutage vermutlich nur noch „Carrie“, „Friedhof der Kuscheltiere“ und „Christine“ unter Horror laufen, und natürlich einige Kurzgeschichten. Der Rest? Fantasy, Urban Fantasy, Vampir Fantasy, Einsames Hotel Fantasy und Naturdoku.
    Und mit der SF ist es nicht anders. Leute, die keine Ahnung von SF haben, denken eben, das ist in erster Linie das Genre für Raumschiffe und Hochbeamen. Alles andere muss neu gelabelt werden – früher wären Cyberpunk und Steampunk ganz eindeutig als SF gelaufen, ebenso alle Dystopien und Utopien. Dass das immer schon schief war, weil die Naturwissenschaftler (okay, ich gebe es zu – auf jeder Tauschbörse gebe ich Dir 100 Asimovs für einen Dick, ich bin nicht VÖLLIG neutral :-D) den Sciencebegriff schon früh gepachtet haben. Aber wenn ich dann andererseits sehe, dass in manchen Buchhandlungen die Otherland-Saga von Tad Williams unter unter „Fantasy“ steht, dann weiß ich, dass es wirklich vor allem ein Begriffsproblem ist. Wenn es moderne SCIENCE-Fiction gibt, wie sollte sie besser aussehen als so?

    Ich würde Dir, Marcus, unbedingt zustimmen: Liebe SF-Kollegen, keine Sorge. Eure Geschichten sind gefragt, das Publikum ist da. Nur müsst ihr eben damit rechnen, dass die Verlage „XYZ-Punk“ draufschreiben, oder „Urban Fantasy“ oder „Endzeit-Thriller“ oder so etwas.

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    • Vielen Dank für das Lob, vor allem, weil du ja auch einen interessanten Blog hast.

      Danke auch für die Ian-Banks-Leseempfehlung. Banks hatte ich zwar schon häufiger auf dem Schirm, aber noch nie gelesen. Mit welchem Roman sollte ich einsteigen?

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    • Ein sehr interessanter Beitrag, aber das genannte Essay von Arthur C. Clarke würde mich mal interessieren. Ich kenne Clarke eher als den wahrer Visionär unter den SF-Autoren. Er ist schließlich der ‚Erfinder‘ des geostationären Satelliten, wurde damals von Wissenschaftlern und Ingenieuren dafür ausgelacht und konnte noch miterleben, wie sich seine Vision in TV- und Kommunikations-Satelliten materialisierte.

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  2. Stimmt, in letzter Zeit ist mir gar nichts an SciFi Romanen im Handel aufgefallen. O.o
    Ich stöber ja immer durch die Kataloge von Weltbild und dem Bücherclub, aber da kriegt man auch nur Fantasybücher vor die Nase gesetzt, wobei Vampirbücher immer noch überwiegen.
    Mein älterer Bruder hat ja immer gerne die Perry Rhodan Romane gelesen und er ist Fan von Raumschiff Enterprise. :3
    SciFi Romane habe ich noch keine bisher gelesen, aber ich schau mir ab und an ganz gerne Filme in der Sparte an. Pitch Black ist einer meiner Lieblingsfilme, den kann ich mir ständig ansehen. XD lol

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  3. Die „Krise“ hat nichts mit den Autoren zu tun. Als LotR im Kino einschlug haben die Buchhandlungen profitieren wollen und haben ihr SF-Angebut reduziert um mehr Fantasy ins haus zu holen. Es wurde weniger SF geordert, also kauften die Verlage weniger SF ein, vor allem weniger kluge SF – das einzige was sich verkauften waren die Militär-SF-Romane mit 70s Beigeschmack. Und ab da haben wir einen teufelskreis.

    Ich weiß schon warum ich nichts mehr in Buchhandlungen kaufe.

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  4. Ich denke es braucht neue SF im Bereich spiritueller Geschichten, alternativer Lebensformen (Avatar), Parallelwelten, paranormaler Phänomene, schwer zu erklären, was ich genau mir darunter vorstelle … aber vl hast Du eine Vorstellung dazu.

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    • Und ob ich die habe: Philip K. Dick. Nur ist der nicht neu, sondern ein Klassiker. Aber er hat alle Themen, die du ansprichst, bearbeitet und seine Valis-Trilogie ist nun wahrhaftig eine „spirituelle“ Geschichte.

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  5. Hallo Marcus,
    ich bedauere das genauso; mir ist es schon passiert, dass ich in eine mir unbekannte Buchhandlung gegangen bin und mich beim Blick auf das große „Science-Fiction & Fantasy“-Regal richtig gefreut habe – aber nur kurz… weil ich dann feststellen musste, dass SF von den 60 laufenden Regalmetern nur 1 1/2 Meter ausmachte… und davon wiederum die Hälfte Perry Rhodan… und ich mit Fantasy wie P. R. überhaupt nichts anfangen kann. Da kann man nur neidisch auf die U.S.A. gucken, wo jeden Monat über 160 SF-Titel erscheinen.
    So richtig, richtig, richtig schmal sieht das natürlich aber nur aus, weil – wie du angemerkt hast – viele (später) erfolgreichere Werke nicht mit dem Etikett SF versehen werden. Aber das finde ich nicht so schlimm.
    Die Bezeichnung SF hat eine ganze Zeit lang gut funktioniert als verkaufsförderndes Etikett, als das sie doch auch gedacht (!) war… von ihren Erfindern und den Herausgebern in der Anfangszeit. Im Moment ist das aber nicht mehr so. Die Zielgruppe, die sich vom „Image“, das man dem Genre einst verpasst hat, angezogen fühlt, ist merklich geschrumpft. Andere Zielgruppen kaufen da jetzt halt mehr Lektüre. Und nun verkauft man Kinder und jungen Lesern die SF-Romane von Seiten der Verlage halt als ‚Dystopien‘ oder, wenn noch möglich, als Fantasy – selbst wenn da in einem Raumschiff herumgeflogen wird und die Insassen aus Kälteschlaf erwachen. Oder wie Philip Reeve schon sagte:
    „Dystopia is code for science fiction. It is the science fiction you are allowed to like.“

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    • Vielen Dank für diesen ausführlichen und klugen Kommentar. Da hatte ich noch gar nicht dran gedacht. Ja, SF war in den 30ern und 40erm vor allem als Verkaufsetikett erfunden worden. Im Prinzip muss sich ja nicht viel ändern. Wenn nur das Etikett wechselt, dann soll mir das auch recht sein.

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      • Hach, das geht runter wie Öl 😉
        Ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass insgesamt weniger Romane erscheinen, die es verdient hätten als SF bezeichnet zu werden, als sagen wir mal… in den 80ern z.B. Mein Eindruck ist, dass da vor allem die Sparte mit den klassischen Kernmotiven: Fremde Planeten(zivilisationen), Raumschiffreisen (Raketen), Außerirdische stark schwächelt. Aber wie gesagt, das ist nur ein Eindruck. Einen Boom haben Untergenres wie die Weltuntergangsszenarien, Postapokalypsen, Dystopien etc. …vor allem im Jugendbereich. Die Bedeutung des „Science“, wie du schon gesagt hast, nimmt ab.

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        • Ja, Raumschiffe, Roboter und Raketen sind im Buch out. Das Kino schein hier einfach das Bedürfnis nach spektakulären Bildern die Bilder im Kopf verdrängt zu haben. Der Kniff bei Dystopien, Postapokalypsen usw. ist ja, dass der Fokus stärker als beispielsweise in der Space Opera oder der Hard SF der Fokus auf den Figuren und ihrer Psychologie liegt – und dank Die Tribute von Panem auf der Lovestory. Ich vermute, das ist der Trend, dem man folgen muss. Das ist ja auch nicht unbedingt schlecht.

          Ich mag halt nur Space Operas … :‘-( 😉

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  6. Die klassische Science Fiction (Hard-SF, wie Mountfright sie im Kommentar bezeichnet) ist ja ein fast reines Männer-Genre gewesen. Asimov, Heinlein oder Clarke wurden kaum von Frauen gelesen. Bei Dick mit seinen psychologischen und sozialen Themen war das anders.

    Mit der Invasion von TV und Video begann der Niedergang des Lesens und es waren überproportional die Männer, die immer seltener zum Buch griffen (auch wegen der Technik der Geräte, ein in Diskussionen kaum genannter Aspekt).

    Kurz gesagt: Der SF sind mit den Jahren die Leser weggestorben.

    Ist aber kein Grund zur Resignation, denn SF hat als ELEMENT in genre-übergreifenden Werken mächtig zugelegt. Die Space-Opera ist tot, richtig, aber sonst ist für SF-Autoren alles offen. Sie dürfen ihre Texte nur eben nicht dem Label ‚Science Fiction‘ anbieten.

    Das eBook könnte wieder mehr Männer zum Lesen bewegen (zumal sich über eReader gut fachsimpeln lässt). Aber es werden viele Jahre vergehen, bis das bemerkbar wird. Bis dahin gilt:

    „Schreibt für Frauen – unter Berücksichtigung der Männer.“
    Mein Idealleser ist jedenfalls eine Leserin.

    Dean Koontz wurde lange als Horror-Autor vermarktet, tatsächlich hat er immer genre-übergreifend mit SF-Elementen geschrieben (sagt er selbst). Und Koontz hat mehr Leserinnen als Leser.

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    • Ein sehr, sehr guter Kommentar. Hervorragende Ergänzung. Vielen Dank dafür. Ja, dass SF männerdominiert ist, ist auf jeden Fall richtig. Das habe ich beim Schreiben des Artikels schlicht vergessen oder übersehen. Auch der Hinweis auf Dean Koontz ist sehr gut und sehr richtig.

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  7. Wenn man eine verdammt gute Idee hat, wie man Robotergeschichten oder Raumschiffgeschichten heute neu erzählen kann, geht das wahrscheinlich auch noch heute, aber dabei muss man mit einigen Konventionen brechen.

    Ich würde Zeitreisen, überlichtschnelle Raumflüge und Außerirdische nicht vollkommen ins Reich der Märchen verbannen, bislang haben wir die Physik dafür nicht, eher stehe ich der Telekinese skeptisch gegenüber.

    James Cameron würde ich niemals als begnadeten Geschichtenerzähler bezeichnen.

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    • Geschmäcker sind verschieden. James Cameron ist zweifellos kommerziell einer der erfolgreichsten Geschichtenerzähler, wenn nicht sogar der erfolgreichste. Immerhin führt er bei Erscheinen mit seinem neuesten Film stets die Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten an. Selbst bei einem großen Teil der Kritiker ist er beliebt.

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  8. Avatar ist doch ganz solide, guter Film, aber kein sehr guter.
    Es war nicht gut genug, dass ich Cameron als begnadeten Geschichtenerzähler bezeichnen würde.

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    • Nun ja, Avatar ist der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Und daran sind nicht nur die Special Effects Schuld. Beispielsweise hatte The Abyss für die damaligen Verhältnisse ebenfalls herausragende Special Effects und war ein Flop. Titanic ist ebenfalls einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und nun definitiv kein Special-Effects-Film (auch wenn es viele in ihm gibt). Terminator, Aliens, Terminator 2 und vor allem Strange Days sind meiner Meinung nach ganz hervorragende Storys. Ich denke, Cameron hat durchaus bewiesen, dass er sehr, sehr gute Geschichten erzählen kann. Der Erfolg gibt ihm recht. Vielleicht war begnadet an dieser Stelle der falsche Ausdruck, da hast du recht.

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      • (Klugpupsmodus ein)
        Nur um mal die Zahelne gesehen zu haben (Quelle: IMDB):

        The Abyss
        Produktionskosten: ca. $69,500,000
        Bruttoeinspielergebnis USA: $54,222,000
        Verleiheinnahmen USA: $28,800,000

        Damit ist der Film schon im Plus und der Rest der Welt ist noch garnicht berücksichtigt. Also definitiv kein Flop. Zugegeben: andere Cameron Filme waren kommerziell erfolgreicher.
        (Klugpupsmodus aus… sorry 😉 )

        Ich finde Cameron kann man sehr wohl als herausragenden „Geschichtenerzähler“ bezeichnen. Er ist ein Visionär, dessen Medium der Film ist. Und darin ist er wahrlich ein Meister. Als reiner SF-Autor bewertet, sieht´s dann schon anders aus. Da bin ich dann ganz bei „Engel“. Aber das geschriebene Wort ist eben nicht seine Art Geschichten zu erzählen und ihn da zu werten wäre unfair.
        Toller Blog

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        • Hey, Frank, danke für das Lob. Zu Abyss – naja. Knapp die Produktionskosten einspielen … Das ist auch kein wirklicher Erfolg. Spielt aber auch keine Rolle. Ich mag den Film sogar sehr gerne.

          Ich habe mal Camerons Treatment zu Strange Days gelesen. Der Mann kann auf jeden Fall schreiben, wenn man mich fragt.

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  9. Dass SF heute gaaaanz anders ist oder vielleicht völlig ausstirbt, wird ja an vielen Orten fleißig diskutiert. Ich habe mich auch schon in Diskussionen (in den Kommentaren) dazu geäußert:
    http://mlhoefer.wordpress.com/2012/02/05/niedergang-der-science-fiction-als-symptom-uber-den-mangel-an-positiven-zukunftsentwurfen/
    Was ich zu den Punkten oben ergänzen möchte: SF ist immer auch Ausdruck des Zeitgeistes. Und seit 2001 leben wird in diesem neuen Jahrhundert trotz technischer Durchbrüche in einem furchtsamen, kurzfristigem Retro-Zeitgeist. Deshalb reicht die Perspektive höchstens in die Umlaufbahn (Gravity) und ins nächste Quartal. Wie in „The City and the stars“, wo sich die Menschheit von den Sternen zurückgezogen hat. Visionäres wird belächelt. Deshalb sind Sachen wie die Space Opera oder die weitfliegenden Gedankenspiele nicht „tot“, sondern warten auf ein aufbruchsorientierteres Zeitalter.
    Um noch ganz auf den Anfang des Blogbeitrages zurückzukommen: Die strikte Kategorisierung hat im Buchhandel und bei den Verlagen eben immer stärker um sich gegriffen und da passen gerade SF-Sachen die Neuland betreten nicht rein. Im (physikalischen) Buchhandel hole ich mir schon seit einem Jahrzehnt keine Anregungen mehr.

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  10. „Wenn sie als Autor erfolgreich sein wollen, müssen sie für Frauen schreiben“ sagte mir mal ein Schriftsteller, denn Frauen lesen nun mal mehr als Männer. Ich denke aber nicht, dass dies der einzige Grund für die geringe Popularität von SF ist – also das Wegsterben von männlichen Lesern – denn SF dreht sich ja seit langem nicht nur um Technik und männliche Weltraumeroberer.

    Ich denke eher, dass dieser Trend dem Zeitgeist geschuldet ist: In den 50ern haben wir noch mit Hoffnung in die Zukunft geschaut, doch heute scheint sie nur noch Katastrophen für uns bereit zu halten. Mit anderen Worten: Wir haben Angst vor der Zukunft in einer immer komplexer werdenden Welt, und da liest man natürlich lieber Fantasy als Science Fiction.
    Ich habe mich damit auch schon mal in einem kleinen Essay beschäftigt (unter der Zwischenüberschrift „Science Fiction vermag nicht mehr zu trösten“): http://elfenbeinbungalow.de/2012/12/18/fantasy-fur-feiglinge-und-gefangene/

    Auch ich kenne diese Erfahrung, wenn man in eine Buchhandlung geht, und dann vor der buchstäblichen Science Fiction-Nische steht. Das ist aber – wie ein Kommentator richtig anmerkte – auch eine deutsche Eigenart. Es gibt bei uns, im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum, keine Backlist, keine Neuauflagen selbst großer Klassiker. SF ist in Deutschland noch immer kein hochangesehenes Genre.

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