Buchmarketing für Romanautoren

Gastbeitrag von Richard Norden

Ich freue mich sehr darüber, mit Richards aufschlussreichem Text den ersten Gastbeitrag auf meinem Blog begrüßen zu dürfen. Richard ist nicht nur Autor einiger Fantasy-Romane und -Kurzgeschichten und Herausgeber des E-Papers Writers Workshop.

Noch nie war es so einfach wie heute für Autoren, ihre Bücher zu veröffentlichen und so einer breiten Allgemeinheit zugänglich zu machen. Den Anfang machten die Print-on-Demand-Anbieter wie BoD, Lulu und epubli, heute mischt Amazon mit dem KDP (Kindle Direct Publishing) und ihrer Print-on-Demand-Tochter Createspace den Markt auf und mittlerweile steht auch der kanadische Buchhändler Kobo mit seinem eigenen eBook-Dienst „Kobo Writing Life“ am Start.

Hohe Tantiemen im eBook-Bereich (bei Amazon und Kobo bis zu 70% des Verkaufspreises) wirken auf den ersten Blick wie ein wahres Schlaraffenland für Autoren – denn von solchen Tantiemen können Schriftsteller, die einen Vertrag bei einem klassischen Publikumsverlag haben, nur träumen. Doch mit der Flut an neuen Titeln, die täglich gerade in Amazons Kindle-Shop herauskommt, wird es immer schwieriger, aus der Masse herauszustechen und Käufer zu finden.

Viele Autoren melden daher ihr Buch für Amazons KDP Select-Programm an. Hierbei dürfen sie ihr eBook dann nur exklusiv über Amazon anbieten (also nicht parallel auch noch über andere Shops oder die eigene Autorenhomepage), haben dafür aber z.B. die Möglichkeit, ihr Buch zeitweise als Werbeaktion kostenlos anzubieten. Doch lohnt sich das wirklich?

Wer überlegt, sein Buch bei Amazon an einzelnen Tagen kostenlos anzubieten, sollte schon im Vorfeld sehr genau darüber nachdenken, was er damit beabsichtigt.

Der Vorteil einer Gratisaktion (besonders, wenn man diese auch noch über Twitter, Facebook oder andere Medien aktiv bewirbt) ist, dass das Buch mit Sicherheit ziemlich häufig heruntergeladen wird. Je mehr Leute das Buch herunterladen und lesen, umso größer sind natürlich auch die Chancen, dass einzelne dieser Leser bei Amazon eine Rezension abgeben. Und je mehr positive Rezensionen ein Buch vorzuweisen hat, umso eher werden andere Interessenten bereit sein, das Buch zu kaufen.

Doch der Knackpunkt ist natürlich das Wort „positive“. Negative Rezensionen und Verrisse können rasch alles wieder kaputt machen, was mit ein paar guten Rezensionen so erfolgversprechend begonnen hat. Und mit einer Gratis-Aktion erhöht man leider das Risiko negativer Rezensionen überproportional. Warum das?

Wenn ein Buch Geld kostet, wird es in erster Linie von der Zielgruppe des Autors gekauft, die tatsächlich genau solche Bücher gerne liest. Diese werden, wenn das Buch gut geschrieben ist, sehr zufrieden damit sein und mit etwas Glück auch eine (dann natürlich positive) Rezension auf Amazon abgeben.

Doch bei Gratisaktionen greifen auch viele Leser zu, die eigentlich gar nicht zur Zielgruppe des Autors gehören. Sie nehmen einfach alles mit, was nichts kostet. Viele von ihnen werden das Buch niemals lesen, sondern nur in ihrem Kindle „hamstern“ und digitalen Staub ansetzen lassen – und das ist ein Glück. Denn wenn sie es tatsächlich lesen und (da es eigentlich für eine ganz andere Zielgruppe geschrieben wurde) nichts damit anfangen können, ist die Gefahr recht groß, dass sie anschließend eine negative Rezension bei Amazon abgeben, weil ihnen das Buch nicht gefallen hat. Diese Negativrezensionen schrecken dann wiederum Leser ab, die wirklich zur Zielgruppe gehören und denen das Buch höchstwahrscheinlich gut gefallen würde.

Sie sehen: Auch gut gemeinte Geschenke können Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen haben. 😉

Das zweite Problem bei einer Gratisaktion ist, dass die meisten Autoren, die ihr Buch als Gratisdownload anbieten, bisher nur dieses eine Buch veröffentlicht haben. Wenn also ein neuer Interessent über die Gratisaktion auf ihr Buch stößt, es herunterlädt und tatsächlich begeistert ist, gibt es keine weiteren Bücher desselben Autors, die er sich kaufen könnte. Und bis irgendwann das nächste Buch dieses Autors herauskommt, hat der Leser ihn aufgrund der stetigen Flut kostenloser Kindle-Bücher höchstwahrscheinlich längst wieder vergessen. Insofern kann eine Gratisaktion hier auch nicht den Buchumsatz ankurbeln.

Effektiver ist eine Gratisaktion, wenn man bereits eine ganze, aufeinander aufbauende Serie von Büchern veröffentlicht hat und dann den ersten Band der Serie im Rahmen einer Werbeaktion vorübergehend kostenlos anbietet. Wenn dem Leser der erste Band gefällt, wird er sich entweder nach und nach oder – wenn man sehr viel Glück hat – direkt auf einen Schlag auch noch alle anderen Bücher der Serie bestellen.

Manche Autoren zergliedern daher kurzerhand einen Roman, den sie geschrieben haben, in seine einzelnen Kapitel und veröffentlichen den Roman dann als Fortsetzungsgeschichte in ebenso vielen Bänden. Jeder dieser Bände hat dann natürlich eine sehr geringe Seitenzahl (oft nur 20-30 Seiten) und wird für 99 Cent angeboten.

Auch dies ist darauf angelegt, dass man den ersten Band kostenlos abgibt und so interessierte Leser findet, die dann die Bände 2-10 kaufen, um zu erfahren, wie die Handlung weiter geht. Diese mittlerweile überstrapazierte Methode ist allerdings nicht sonderlich erfolgversprechend. Leser lassen sich nicht so einfach ködern. Sie sehen auf einen Blick, dass sie insgesamt knapp zehn Euro hinlegen müssen, um einen Roman von ca. 200-300 Seiten zu bekommen. Dafür bekommen sie auch einen Top-Bestseller eines bekannten Autors.

Da sie direkt sehen, dass der erste Band nur ein „Appetithappen“ ohne in sich abgeschlossene Handlung ist, werden sie diesen höchstwahrscheinlich nicht einmal geschenkt haben wollen – geschweige denn, 99 Cent dafür ausgeben.

Die beste Lösung ist meist Werbung über eine speziell zu diesem Zweck geschriebene Kurzgeschichte. Dafür schreiben Sie zusätzlich zu Ihrem Roman noch eine Kurzgeschichte desselben Genres, in der ebenfalls der Protagonist Ihres Romans die Hauptrolle spielt.

Bei dieser Kurzgeschichte kann es sich um eine völlig unabhängige Handlung oder auch um die Vorgeschichte zu Ihrem Roman handeln – aber niemals um eine Fortsetzung, die nach der Handlung des Romans spielt. Der Leser muss die Geschichte genießen können, ohne den Roman zu kennen – und natürlich darf die Kurzgeschichte auch keinesfalls irgendwelche ‚rückblickenden‘ Spoiler enthalten, die etwas über die Handlung oder gar das Ende des Romans verraten.

Das Ziel ist, dass der Leser (und damit potentielle Käufer Ihres Romans) die Gelegenheit hat, anhand der Kurzgeschichte Ihren Schreibstil, das Setting Ihres Romans und die wichtigsten Figuren des Romans (oder zumindest den Protagonisten) kennenzulernen.

Diese Kurzgeschichte schreiben Sie nur, um diese kostenlos über so viele Quellen wie möglich zu veröffentlichen und zu verteilen – natürlich jeweils mit einem Link zu Ihrer Homepage und der Seite, über die man Ihren Roman bei Amazon & Co. bestellen kann. Veröffentlichen Sie Ihre Kurzgeschichte daher über Amazon, Smashwords, Kobo, Xinxii, Scribd, Ihre eigene Autorenhomepage et cetera. Machen Sie über Twitter, Facebook und andere Soziale Netzwerke Werbung für Ihre kostenlose Kurzgeschichte, um möglichst viele potentielle Leser zum Download zu motivieren.

Die Gefahr und die Tragweite von negativen Rezensionen ist bei solchen Kurzgeschichten relativ gering. Sie wollen ohnehin kein Geld durch den Verkauf der Kurzgeschichte verdienen, sondern sie nur gratis verteilen, um so das Interesse für Ihren Roman anzukurbeln. Also kann selbst eine negative Rezension keine Käufer abschrecken.

Wenn der Funke bei der Kurzgeschichte überspringt, ist die Wahrscheinlichkeit recht gut, dass der Leser daraufhin Ihren Roman bestellt, um ein weiteres, größeres Abenteuer mit dem Helden Ihrer Kurzgeschichte zu erleben. Unterm Strich ist dies daher gerade für Autoren, die erst einen Roman veröffentlicht haben, die beste und effektivste Methode, die Umsätze ihres Buchs anzukurbeln.

Auf den Geschmack gekommen? Folge Richard Norden auf Twitter.

Wenn du ebenfalls gerne einen Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlichen möchtest, melde dich bei mir.

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19 Antworten auf “Buchmarketing für Romanautoren”

  1. Sehr informative Hilfestellung die ich auf jeden Fall bei meinem Buchmarketing berücksichtigen werde wenn mein erstes Buch fertig geschrieben ist.

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  2. Diese Idee mit der Kurzgeschichte finde ich gut! Und ein Tipp, den ich bisher noch nicht so gelesen habe. Das mit dem Risiko bei Gratisaktionen sehe ich ansonsten genauso: Erstens hamstern viele das wohl nur und zweitens gerät da vieles in die falschen Hände mit unangenehemen Rezensionsfolgen …

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  3. Sehr guter Beitrag, hat mir gut gefallen. Man könnte auch zusammenfassen: schreibt Fanfiction zu Euren eigenen Romanen. Bin selbst gerade dabei, hat sich so ergeben. Jetzt seh ich dank R. Norden, dass das ein guter Weg sein kann.

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  4. Als Verleger kann ich nur davon abraten, Bücher gratis zu verbrennen.
    Ich möchte ein kleines Beispiel anführen:
    Ich habe, um meine Sherlock-Holmes-Reihe zu platzieren „Sherlock Holmes – Das Tal des Grauens“ in allen E-Book-Shops gratis angeboten. Soweit, so gut. Wer Sherlock Holmes kennt und mag und möchte, der bekommt es auch.
    Nur leider wird das Buch auch schnell in Sippenhaft genommen für Macken des jeweiligen Shops. Ich habe bei Google Play Books für das Gratis-Buch(!) reihenweise 1-Sterne-Bewertungen bekommen in dem sich Leute beschweren, weil man bei Google nur mit Kreditkarte bezahlen kann. Die Bewertungen hatten NICHTS mit dem Buch zu tun.
    Witzigerweise ist Buch dann verdientermaßen doch auf Platz 1 in der Gratis-Kategorie gelandet.

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  5. Beim Lesen des Artikels musste ich bei jeder Zeile so heftig nicken, dass ich fast schon Nackenschmerzen habe. Ja, ich kann die Argumentation nachvollziehen und sehe die Gefahr, dass kostenlose Exemplare bei zu vielen „Käufern“ die Assoziation „Ist es nicht wert“ bzw. „Der/Die hat es nötig“ auslösen.
    Die Idee mit der zum Roman passenden Kurzgeschichte finde ich genial! Ich werde den Rat beherzigen.

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  6. Ich dachte, auf Amazon.de sei es nicht möglich, sein Buch kostenlos anzubieten? Ausser über Kindle Unlimited – und dann bin ich ja wieder eingeschränkt, wo ich es sonst vertreiben kann (nämlich nirgendswo sonst…)

    Ich kenne das Konzept aus Amerika und weiss, dass es auf amazon.com möglich ist.

    Ansonsten finde ich die Idee mit der Kurzgeschichte genial! Danke für die allgemein sehr spannenden Artikel 🙂

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    1. Ich bin da leider kein Experte, aber ich denke schon, dass das möglich ist. Zumindest weiß ich von anderen, dass sie es getan haben. Wie da allerdings genau die Bedingungen sind, das weiß ich leider nicht.

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