Wieso Jugendbücher so erfolgreich sind

In den letzten Jahren werden die Bestsellerlisten von Jugendbuchautoren dominiert.

Die Erfolge von Autoren wie Joanna K. Rowling, Stephenie Meyer, Eoin Colfer, Cornelia Funke oder Suzanne Collins lassen sich nicht allein durch Verkäufe an ihre Zielgruppe von Jugendlichen erklären.

Offensichtlich greifen auch zahlreiche Erwachsene zu den Werken dieser und ähnlicher Schriftsteller.

Woran genau liegt es, dass die Bestseller-Autoren von heute Jugendbuchautoren sind?

Große Reichweite

Die aktuellen Jugendbuchbestseller sind nicht mehr ganz so massiv auf Jugendliche und Kinder zugeschnitten, wie noch vor zwanzig oder dreißig Jahren.

Enid Blyton oder Astrid Lindgren schrieben schöne Bücher. Doch ihre Romane waren eng auf die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe zugeschnitten.

Heutige Jugendbuchautoren schreiben zwar auch wie ihre älteren Kollegen für Kids, greifen dabei aber Themen auf, die auch für Erwachsene interessant sind, wie zum Beispiel Suzanne Collins mit „Die Tribute von Panem“. Unter anderem das Setting einer Casting- und Realityshow und die damit verbundenen medienkritischen Ansätze machen den Roman für Erwachsene spannend.

Teilweise liegt dies auch daran, dass auf bestimmte Weise Jugendliche inzwischen früher mit erwachsenen Themen konfrontiert werden, als dies noch vor ein paar Jahrzehnten der Fall war. Sexualität, Gewalt, aber auch beispielsweise politische Themen sind dank einer allgegenwärtigen Medienwelt für Jugendliche schnell und leicht zugänglich.

Fantasy Rules

Phantastische Themen haben ein breites Publikum gefunden. Alle oben aufgezählten Romane haben gemeinsam, dass sie SF-, Horror- oder Fantasy-Elemente beinhalten.

Während noch vor 20 Jahren solche Romane nur kleinen Gruppen von Eingeweihten zugänglich waren (Nerds und Geeks), sind dank entsprechender Hollywood-Blockbuster fantastische Themen auch einem breiten Publikum von Erwachsenen zugänglich. Und Kinder und Jugendliche lieben ohnehin Phantastisches.

Dem Schulsystem sei Dank

Der Deutschunterricht an den Schulen ist zu einem großen Teil Literaturunterricht. Eigentlich sollte das Ziel der meisten Deutschstunden darin bestehen, bei Kindern und Jugendlichen die Lust am Lesen zu wecken.

Häufig wird jedoch eher das Gegenteil bewirkt.

Es kommt oft genug vor, dass ungeeignete Literatur für Schülerinnen und Schüler ausgewählt wird. Keine schlechte Literatur, aber doch welche, die nicht der Entwicklungsstufe der jeweiligen Jugendlichen angemessen ist.

Die wenigsten Schüler(innen) können sich beispielsweise für Kafka begeistern, denn die existenziellen Themen, die der Autor meisterhaft – aber vor allem für ungeübte Leser schwer zugänglich – umsetzt, sind weit weg vom Alltag der meisten Schülerinnen und Schüler.

Trotzdem wird an den Schulen wenigstens ansatzweise eine literarische Kompetenz entwickelt, die jedoch dank ungeeigneter Lektüre zunächst ungezielt bleibt.

Mit anderen Worten: Mehr oder weniger erwachsene potenzielle und gut gebildete Leser verlassen die Schulen, ohne aber in ihren entscheidenden Jahren an altersgerechte Literatur herangeführt worden zu sein. Diese schlecht kanalisierte Leselust sucht sich früher oder später ihren Weg und führt dazu, dass erwachsene Leser die fehlenden Leseerfahrungen der Jugend nachholen.

Was heißt das alles für Autoren?

All-Age ist das neue Stichwort, das das Phänomen umschreibt, dass Jugendbücher auch für Erwachsene interessant geworden sind. Eigentlich eine wunderbare Sache, kann man doch einfach ein paar fantastische Elemente, eine jugendliche Hauptfigur und ein paar Themen, die gleichermaßen für Jugendliche und Erwachsene interessant sind, zusammenwerfen- et voila, fertig ist der Bestseller.

Aber ganz so einfach ist es nicht.

Denn die Kunst im erfolgreichen Jugendbuch liegt heute im Spagat, Teenager nicht zu über- und Erwachsene nicht zu unterfordern. Gerade in der Sprache ist Vorsicht geboten. Hier hilft nicht nur die Lektüre der oben genannten Bestseller, also von Büchern, die ganz offensichtlich bereits für Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen funktionierten. Es gibt auch empfehlenswerte Literatur zum Verfassen von Jugendbüchern, wie beispielsweise Deborah Halversons „Writing Young Adult Fiction for Dummies“.

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