Wie man den richtigen Ort zum Schreiben findet

Jahrelang habe ich mir vorgestellt, wie toll es wäre, im Garten zu schreiben. Die Sonne scheint, ein zarter Wind rauscht in den Bäumen, Vögel zwitschern … Traumhaft, oder? Endlich kam ich dann zu einem Garten und stellte fest – in der freien Natur schreiben funktioniert einfach nicht.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Ich bin natürlich gerne im Garten. Wer ist das nicht? Nur schreiben kann ich dort nicht. Entweder ist es zu hell oder zu dunkel, zu warm oder zu kalt. Die Stühle sind in der Garage, so dass ich sie erst holen muss, oder der Tisch ist schmutzig. Insekten krabbeln über den Monitor, der Wind weht meine Notizen davon, und, und, und …

Habe ich deswegen damit aufgehört, im Garten zu schreiben? Natürlich nicht. Immerhin muss man doch bei gutem Wetter einfach draußen sitzen. Jahrelang habe ich davon geträumt – und Kai Meyer schreibt auch im Garten (habe ich zumindest mal gelesen). Was für Kai Meyer gut ist, muss doch auch für mich gut sein, oder?

Es gibt Millionen Dinge, die Zeit kosten oder mich sogar schlimmstenfalls ganz vom Schreiben abhalten können, die nichts mit dem Ort zu tun haben, an dem man schreibt: mangelnde Motivation oder Konzentration, die Familie, die Aufmerksamkeit braucht, eine Idee, die ich nicht konsequent zu Ende entwickeln kann usw.

Das Heimtückische: Ich habe lange Zeit gar nicht gemerkt, dass ich am falschen Platz schreibe. Irgendetwas stimmte nicht, aber was? Auf den Schreibort kam ich erst zuletzt, da ich ihn für nicht so wichtig hielt, bzw. dachte, ein Ort, an dem ich normalerweise gerne bin, der muss auch das richtige Umfeld für das kreative Schreiben sein.

Nachdem ich das Problem erkannt hatte, war es natürlich leicht, es zu lösen. Eine Schreibblockade zu überwinden kann manchmal so leicht sein, wenn man nur weiß, was sie verursacht.

Was ist der ideale Arbeitsplatz?

Ich brauche einen Platz zum Schreiben, der nicht „schön“ ist. Früher habe ich geglaubt, ein schickes Café, der Park oder eben der Garten wären tolle Orte, um einen Roman zu schreiben. Ich dachte Atmosphäre und Ambiente seien wichtig. Sind sie auch. Aber beides hat auch immer dazu geführt, dass ich bei dem ganzen Ambiente-Genießen das Schreiben vergaß. Die Dosis macht das Gift.

Inzwischen haben sich für mich drei Orte als ideale Plätze zum Schreiben erwiesen – je nachdem, wie konzentriert ich gerade bin.

  1. Bibliothek. Bibliotheken sind toll, weil sie die Atmosphäre von Konzentration und Arbeitseifer verbreiten. Mein Tipp: Gibt es in der Bibliothek ein offenes WLAN – nicht anmelden.
    Schaffe ich es überhaupt nicht, mich zu Hause zu konzentrieren, ist die Bibliothek die letzte Zuflucht. Hier komme ich immer in den Arbeitsmodus. Welcher Ort könnte besser dazu geeignet sein, ein Buch zu schreiben als ein Haus voller Bücher?
  2. Schreibtisch. Wenig originell, aber so ist es. Ganz wichtig: Der Schreibtisch muss aufgeräumt sein. Außer Monitor, Taster, Maus und einer Tasse Kaffee darf nichts darauf stehen. Wirklich nichts. Alles andere lenkt nur ab.
    Wenn ich nach oben gucke, sehe ich die Wand mit dem NaNoWriMo-Zertifikat des letzten Jahres. Das motiviert
    Für Tage mit normalem Konzentrationsvermögen ist der Schreibtisch die beste Wahl. Ich kann den Komfort der eigenen vier Wände genießen, kann aber auch nicht zu schnell abgelenkt werden.
  3. Wohnzimmersessel. Bin ich abenteurlustig, setze ich mich ins Wohnzimmer. Ich drehe meinen Sessel so, dass ich hinter dem Display meines Laptops nur das Fenster zum Garten sehe. Ich sitze bequem, aber aufrecht, was mir wichtig ist, und habe ein wenig Natur im Augenwinkel.
    Bin ich jedoch zu zerstreut, kann ich hier nicht sitzen dazu sind der DVD-Player, die Küche oder andere Dinge des Alltags einfach zu nahe. Dann muss der Schreibtisch her. Funktioniert’s dort nicht, muss ich meine Sachen packen und in die Bibliothek pilgern.

Was für mich überhaupt nicht funktioniert:

  • Parks. Zu viel Input. Andere Menschen, Hunde usw. Der Park ist mein Garten auf Speed.
  • Cafés. Keine Chance. Überall klappert und rumpelt es, Leute quasseln, Kellner fragen mich, ob ich noch was will („Ja, meine Ruhe!“), Musik, die ich nicht leiden kann, dudelt im Hintergrund und am schlimmsten – früher oder später guckt mir jemand Fremdes über die Schulter.

Wenn’s hart auf hart kommt …

Und dann gibt es solche Erfahrungen wie den NaNoWriMo. Plötzlich bekomme ich die Pistole auf die Brust gesetzt und muss rund 1667 Wörter am Tag schaffen. Allen habe ich erzählt, dass ich dran teilnehme, mein Name und Bild stehen im Internet, der Wordcount wird für die ganze Welt publiziert (als wenn das irgendeinen interessieren würde, aber die Illusion reicht) – hier will ich mich nicht blamieren.

Plötzlich kann ich in der U-Bahn auf dem Smartphone schreiben, in der Werbepause beim Fernsehen – einfach überall und zu jeder Zeit, nur um die verflixten 50000 Wörter in 30 Tagen runter zu hacken. Diese Erfahrung hilft ein bisschen im Alltag dabei, dass ich öfter mal das Abenteuer wage und mich in den Wohnzimmersessel setze, statt an den Schreibtisch …

Und was sind deine bevorzugten Schreibplätze?

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13 Gedanken zu “Wie man den richtigen Ort zum Schreiben findet

  1. Hallo Johanus

    Lustig, wie unterschiedlich die Menschen funktionieren.
    Wenn ich irgendwo gar NICHT schreiben kann, ist es in der Bibliothek.
    Am Schreibtisch sitze ich auch nicht sonderlich gerne.
    Am liebsten schreibe ich im Bett – auf dem Bauch liegend 🙂
    UND in Cafés. Die Betriebsamkeit dort finde ich inspirierend.
    In der freien Natur habe ich in etwa die gleichen Probleme wie du. Ich nutze Spaziergänge zum Nachdenken, schreiben aber muss ich an einem „geschützteren“ Ort.

    Ursula

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  2. Also in Cafes habe ich noch nicht ausprobiert zu schreiben – außer als Kind einmal in der Eisdiele, aber da waren auch nur noch meine Familie und der Besitzer 😉 – mir ist es dort normalerweise eben zu laut, zu rummelig usw.
    Im Garten schreibe – oder arbeite – ich an sich sehr gerne mit Laptop. Die Terasse hat Stoffbahnen gegen die Sonne unter dem Dach und dadurch blendet es auch nicht so. Der Ausblick ist einfach nur toll (Weide und Wald in Sichtweite und sowieso der Gartenteich) und ich komme zur Ruhe. Momentan läd nur das Wetter nicht dazu ein draußen zu sitzen. Wobei ich im Garten auch eher Lese oder am Laptop arbeite (Programmierung, Lesen usw).

    Ich glaube am liebsten Schreibe ich wirklich auf dem Sofa – Schreibtisch habe ich unter der Woche in der Arbeit genug – und im Bett. Dabei ist es unterschiedlich ob ich mir Laptop, Netbook oder Buch und Stift schnappe. Wobei in letzter Zeit schaffe ich es am Besten abends vor dem Schlafen gehen im Bett mit Netbook zu schreiben.

    Mit Nanowrimo kenne ich es aber ebenso. Da will man es einfach schaffen. Sich selbst und anderen beweisen, dass es klappt. Selten schaffe ich in anderen Monaten regelmäßig über 1.000 Wörter pro Tag. Meistens sind es dann pro Monat grade mal 10.000 bis 15.000 Wörter. Aber besser langsam als gar nicht voran kommen.

    Grüße
    Laura

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    • Klar: Wenn man wirklich WILL, kann man überall schreiben. Trotzdem gibt es Orte, an denen man lieber schreibt als an anderen. Es ging im Beitrag von Marcus ja nicht darum, warum man NICHT schreibt, sondern wo einem das Schreiben besonders leicht fällt. Jedenfalls habe ich es so verstanden.

      Übrigens: Bei meinen Schreiborten habe ich den Zug vergessen. Er ist zwar nicht mein Ort der Wahl, aber die Umstände bringen es mit sich, dass ich relativ viel Zeit darin verbringe. Darum bleibt mir oft gar nichts anderes übrig, als dort zu schreiben – womit sich zeigt, dass briese durchaus richtig liegt.

      Ursula

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