8 Fragen und Antworten zur Scene Sequel Struktur

1. Was ist die Scence Sequel Struktur?

Naheliegende Frage.

Die Scene-Sequel-Struktur geht davon aus, dass eine Geschichte, die für den Leser emotional eindrucksvoll sein soll, in Einheiten aus zwei aufeinanderfolgenden Sequenzen erzählt werden muss: Scene und Sequel.

In einer Scene will die Perspektivfigur etwas und muss dafür ein Hindernis überwinden – es entsteht also ein Konflikt. Dieser Konflikt endet im Desaster. Mit anderen Worten: Es entsteht ein Cliffhanger zur Sequel.

Die Sequel folgt auf die Scene. In ihr erfährt der Leser die Reaktion der Perspektivfigur auf das Desaster, die in einem Dilemma endet. Das Dilemma ist die emotionale Folge des Desasters.

Die Hauptaufgabe der Sequel besteht also darin, zu zeigen, wie die Perspektivfigur leidet. Schließlich muss im Dilemma eine Entscheidung gefällt werden, die wiederum in einem Ziel für die nächste Scene endet usw.

Auf diese Weise entsteht ein Kreislauf aus Spannung und Entspannung, der sich grafisch ungefähr so darstellen lässt:

2. Und wozu soll das gut sein?

Wie bereits gesagt: Die Idee hinter dem Scene-Sequel-Struktur besteht darin, dass mit diesem Erzählgerüst ein emotionales Erlebnis für den Leser entsteht. Genauer, es wird dem Leser besonders leicht gemacht, mit der Perspektivfigur mitzufühlen.

Gerade für Autoren, die Thriller oder ähnliche Spannungsliteratur schreiben, ist die Scene Sequel Struktur wichtig. Der Plot wird durch das Befolgen der Struktur stringenter und packender.

Zum Beispiel Dilemmata sind immer eine gute Sache. Einerseits ist es spannend, Figuren dabei zuzusehen, wie sie sich in einer Situation entscheiden, in der es keine richtige oder falsche Alternative gibt. Außerdem entsteht aus einem Dilemma immer ein neuer Konflikt.

Mit der Secene Sequel Struktur ist ein spannender Plot beinahe schon vorprogrammiert.

3. Und wie funktioniert das nun ganz praktisch beim Schreiben?

Keine Ahnung, wie andere das machen. Ich gehe folgendermaßen vor: Da ich für jede Szene meines Plots eine Karteikarte anlege, halte ich auch gleich die wesentlichen Eckpunkte für die Scene und die Sequel jeweils fest.

Scene

  • Ziel:
  • Konflikt:
  • Desaster:

Sequel

  • Reaktion:
  • Dilemma:
  • Entscheidung:

4. Äh, wird meine Geschichte auf diese Weise nicht sehr schematisch und langweilig?

Kommt drauf an. Natürlich ist diese Struktur nur so gut wie das, was ich daraus mache.

5. Ich fühle mich aber durch so eine Struktur kreativ eingeengt. Muss ich sie benutzen?

Eine strukturierte Geschichte ist ein Dienst am Leser und führt dazu, dass ihm das Lesen mehr Spaß macht. Ist der Leser durch das schematische Anwenden einer Struktur gelangweilt, liegt das nicht an der Struktur, sondern an meiner mangelnden Umsetzung.

Als Autor hilft es mir, mich beim Schreiben an Strukturen orientieren zu können, weil ich ein Outliner bin. Sie liefern mir eine Planungsgrundlage.

Jede Geschichte braucht Struktur, sonst ist sie schlichtweg keine Geschichte. Auch sogenannte Discovery Writer (entdeckende Schreiber), die also keinen Plan erstellen, bevor sie mit dem Schreiben des ersten Entwurfs beginnen, müssen dann in einem zweiten Schritt ihrem Text Strukturen verleihen. Das geht auch.

Selbst als Outliner schreibe ich durchaus auch mal eine Szene ungeplant, weil sie mir spontan eingefallen ist und besser gefällt als das, was in meiner Outline steht. Dann sehe ich mir aber hinterher genau an, was ich geschrieben habe und entscheide, ob die Struktur gelungen ist oder ob sie noch überarbeitet werden muss.

Die Scence Sequek Struktur hilft mir also nicht nur beim Planen meines Plot, sondern auch beim Überarbeiten meines Romans.

6. Na gut, dann benutze ich halt Strukturen, wenn’s sein muss. Aber die Scene Sequel Struktur finde ich doof. Muss ich die denn unbedingt benutzen?

Nein, natürlich nicht. Es gibt auch viele andere Strukturen. Aber die hier ist gut.

7. Ich lese hier immer nur Konflikt, Konflikt, Konflikt … Muss denn jede Szene unbedingt einen Konflikt haben?

Ja.

8. Ich bin überzeugt. Wo kann ich mehr darüber erfahren?

Ich kenne die Scene Sequel Struktur aus Dwight V. Swains „Techniques of the Selling Writer“, ein empfehlenswertes Schreibbuch, dass seinen Schwerpunkt auf die Darstellung von Gefühlen legt. Leider gibt es das Buch nicht auf Deutsch.

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16 Antworten auf “8 Fragen und Antworten zur Scene Sequel Struktur”

  1. Hallo,
    danke Marcus für die Zusammenfassung. Sofern noch nicht bekannt, ein sehr empfehlenswertes Arbeitsbuch zum Thema „Scene & Structure“ gibt es von Jack M. Bickham (nur in englisch verfügbar). Bickham geht auf zahlreiche Aspekte der Gestaltung von Szenen und Sequels ein und gibt zahlreiche Praxisbeispiele.
    Gruss,
    Gernot

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      1. Lieber Marcus,

        danke für deine tolle Seite. Gut strukturiert, informativ und was zum Nachschlagen. Ein Tip zum Thema: Cathy Yardley „Rock Your Plot“. Kurz und bündig wird das Plotten erklärt, welche Punkte die Handlung, bzw. die Helden zu durchlaufen haben. Ich finde, das hilft ungemein. (Leider nur in Englisch).
        „In every scene it has to get worse for your character. In every scene? Yes, in every scene.“

        LG,

        Wolfgang

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    1. Da ich ein ziemlich heftige Outliner bin, mache ich mir häufig schon vorher Gedanken darüber. Da ich auf der anderen Seite aber auch immer sehr viel überarbeite, Szenen hin und her schiebe usw., muss ich auch beim Überarbeiten noch mal ran. Es ist ein ewiger Kreislauf.

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