Das magische Beziehungsdreieck

Ein Plot, der sich hauptsächlich zwischen zwei Figuren – dem Helden und dem Bösewicht – entwickelt, kann schnell zu einem Pingpongspiel werden. Das kann ganz hervorragend sein (wie Beispielsweise der Film „Mord mit kleinen Fehlern“ sehr gut zeigt). Das kann aber auch dazu führen, dass die Handlung statisch und langweilig wird.

Die Lösung: Bringen wir eine dritte Figur ins Spiel. Doch wer sollte das sein?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zunächst genauer ansehen, was eigentlich genau die Aufgaben von Held und Schurke in einer Geschichte sind.

Ziel und Hindernis

Die wichtigste Aufgabe des Helden in einem Roman ist mitnichten die Welt zu retten. Nun ja, vielleicht ist das bei James Bond und Superman so. Aber auch in den moderneren Inkarnationen dieser schablonenhaften, überlebensgroßen Helden, reicht das schon lange nicht mehr aus.

Der moderne Leser will mehr als einfache Abenteuer mit simplen Lösungen – er will sehen, dass der Held eine Entwicklung durchmacht (auch wenn er das unter Umständen nicht weiß). Der Held soll an seiner Aufgabe wachsen, indem er Hindernisse überwindet. Dabei muss er sich als einfallsreich und ausdauernd erweisen, denn das sind die Dinge, die wir gerne an einem Helden sehen wollen.

Und damit der Held diese Fähigkeiten unter Beweis stellen kann, braucht er etwas, das ihm beim Erreichen seines Ziels im Weg steht, das mindestens genauso einfallsreich und ausdauernd ist wie er. Und dieses Element ist der Schurke. Zwischen Schurke und Held entwickelt sich die Handlung.

Nun kann das, wie eingangs schon gesagt, recht eintönig werden.

Die Lösung des Problems: Wir führen eine dritte Figur ein. Was wäre da besser als eine Figur, die dem Helden dabei hilft, seine Entwicklung zu gestalten.

Ich darf vorstellen: Die Beziehungsfigur

Dreiecksgeschichten haben schnell einen verruchten Ruf. Zu unrecht, denn das magische Beziehungsdreieck zwischen Held-Beziehungsfigur-Schurke ist geradezu ein Garant für eine interessante Geschichte.

Wer oder was ist eine Beziehungsfigur? Nun, sie kann jede erdenkliche Form annehmen. Sie kann die oder der Geliebte der Hauptfigur sein (was sie häufig auch ist), muss es aber nicht.

Jeder kennt beispielsweise das Beziehungsdreieck Sherlock Holmes – Dr. Watson – Moriarty. Watson ist hierbei Holmes‘ Anker in der Alltagswelt, sein Kompass für die Feinheiten der Gesellschaft, die dem Genie entgehen und damit auch das Bindeglied zwischen dem durchschnittlichen Geist des Lesers und dem Genie des ersten Privatdetektivs der Welt.

In Arthur Conan Doyles berühmten Geschichten und Romanen ist die Aufgabe der Beziehungsfigur jedoch noch recht simpel. Sie besteht hauptsächlich darin, Holmes beim Lösen der Fälle zu helfen, indem er eine Perspektive beisteuert, die der geniale Detektiv ohne ihn nicht hätte.

Die Aufgaben der Beziehungsfigur

Ganz gleich, wer genau die Beziehungsfigur in einer Geschichte ist, ihre Aufgaben sind klar definiert:

  • Sie muss der Hauptfigur beim Erreichen des Ziels helfen und/oder darauf aufmerksam machen, worin das Ziel überhaupt besteht (was sie auch unbewusst oder sogar gegen ihren Willen tun kann).
  • Sie muss der Hauptfigur beim Lösen des Konflikts helfen (wiederum kann dies auch mehr oder weniger unbeabsichtigt geschehen).
  • Mit diesen beiden Punkten muss sie der Hauptfigur also helfen zu wachsen oder eine Veränderung durchzumachen.

Wichtig: Wie bereit gesagt, häufig sind Beziehungsfiguren Freunde oder Geliebte. Das müssen sie jedoch nicht sein. Auch ein Feind der Hauptfigur kann eine Beziehungsfigur sein. Dann wird diese Figur entweder eher unfreiwillig dem Helden oder der Heldin beim Erreichen seines Ziels helfen oder das Ziel ist etwas, das für die Hauptfigur (wenigstens auf den ersten Blick) nicht unbedingt erstrebenswert ist.

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12 Gedanken zu “Das magische Beziehungsdreieck

  1. Klass Artikel zu einem Thema, dass in der Schreibliteratur eher spärlich behandelt wird. Nur das Bild mit dem „Beziehungsdreieck“ finde ich verwirrend und zwar deshalb, weil die Beziehungsfigur ja in keinem Verhältnis zum Schurken der Geschichte stehen muss.

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    • Guter Einwand. Ich denke, es kommt auf die Betrachtungsebene an. Natürlich müssen auf der Handlungsebene die Beziehungsfigur und der Schurke in keiner Beziehung stehen. Allerdings tun sie es auf der Metaebene, also aus der Autorenperspektive, in jedem Fall, denn sie haben ja beide die Aufgabe, den Plot der Geschichte voranzutreiben.

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  2. Drei ist definitiv eine „magische“ Zahl und hilft nicht nur auf der Beziehungsebene der Charaktere! Ich bin der Meinung, dass es bei einer gut ausgearbeiteten Geschichte mit vielen Querverbindungen zwischen den Handlungssträngen keine Obergrenze bei der Zahl der Charaktere gibt, doch weniger als zwei Hauptpersonen würde ich auch nicht empfehlen.

    Solchen Geschichten fehlt dann oft ein „überraschendes Moment“, weil Held und Schurke oft nachvollziehbar und damit berechenbar handeln – eine dritte Person (oft ja eine Frau, aber eigentlich könnte es auch umgekehrt sein) bringt plötzlich viel mehr Sprengkraft oder sogar neue Handlungsmotive ein!

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  3. […] Das magische Beziehungsdreieck besteht aus dem Protagonisten, seiner Beziehungsfigur und dem Antagonisten. Das bedeutet nicht, dass eine Story nur drei Figuren haben sollte. Es bedeutet nur, dass eine Story mindestens diese drei Figuren haben sollte (obwohl ich zugeben muss, dass es einige gute Storys mit nur ein oder zwei Figuren gibt. Ausnahmen bestätigen die Regel). […]

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  4. Ich denke, man kann die Rolle des vermittelnden Beziehungscharakters als Bindeglied zwischen Pro- und Antagonist durchaus noch weiter simplifizieren, er muss dem Helden nicht unbedingt helfen. Noch interessanter ist seine Rolle als Verständnishilfe (oder sogar Ursache) für die Konfliktnatur zweier Charaktere. Ein geniales Beispiel dafür ist der Joker aus Dark Knight, der – interessanterweise – NICHT Antagonist, sondern konfliktdefinierender Beziehungscharakter für Batman ist. Der Antagonist für Batman in Dark Knight ist nicht der ‚Schurke‘ sondern Harvey Dent. Die daraus entstehende Dynamik verschafft dem Film einen richtig coolen Plot. Also… ähm, ich glaube, was ich damit sagen will, ist, das der Beziehungscharakter nicht immer nur zwischen Schurke und Held vermittelt, genau. Puh, gerade noch die Kurve gekriegt. 😀

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