Ommwriter – Das Wellness-Schreibprogramm für mehr Produktivität

E-Mails trudeln im Minutentakt ein, Twitter drängt sich mit neuen Nachrichten auf, das System will ein Update, das Internet ruft mit seinen zahlreichen Verlockungen und zu allem Überfluss drängt mir mein Schreibprogramm haufenweise Optionen auf, meinen Text zu überarbeiten, zu formatieren und zu korrigieren.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich auf meinem Computer überhaupt jemals einen Text fertig kriege, denn die Ablenkungen sind zahlreich und vielfältig.

Aber zum Glück gibt es tolle Programme, die einem dabei helfen, der allgegenwärtigen Zerstreuung zu widerstehen.

Zum Beispiel Ommwriter, mein neues Lieblingsprogramm.

Meditation für Autoren

So seltsam es auch klingen mag, aber Ommwriter glänzt dadurch, dass es eigentlich nichts macht – nichts außer schreiben. Dieses Schreibprogramm blendet alles aus, was nicht unbedingt zum Schreibprozess gehört. Alles wird einem weggenommen: Taskleiste, Uhr, Benachrichtigungen werden nicht durchgelassen und Systemsounds werden unterdrückt.

Dafür werde ich – wenn ich das möchte – mit unaufdringlicher Ambient-Musik verwöhnt, eine Massage für die von Hinweistönen und Warnsignalen geplagten Gehörgänge.

Wer will, kann originelle Tastentöne aktivieren, was dann sinnvoll ist, wenn man Ommwriter benutzt, wie es vom Anbieter empfohlen wird: mit Kopfhörern. Da auch der Bildschirm vollkommen vom Programm vereinnahmt wird (wahlweise mit einer weißen Fläche oder augenschmeichelnden, minimalistischen Hintergrundbildern), tritt schnell genau der Effekt ein, den Ommwriter verspricht: Ich versinke sofort in meinen Text und vergesse meine Umgebung.

Besonders gut dafür geeignet ist der Hintergrund „Chromatherapy“. Hypnotisch. Der Bildschirmhintergrund wechselt kaum wahrnehmbar zwischen verschiedenen zarten Pastelltönen. Man bekommt das Gefühl, bei einem sanften Sonnenuntergang zu schreiben.

Was Ommwriter alles (nicht) kann

Wie gesagt, die App glänzt dadurch, dass sie eigentlich – außer den oben beschriebenen Features – gar nichts macht. Es gibt keine Möglichkeit, den Text zu formatieren, keine Rechtschreibkontrolle, keinen Thesaurus usw.

Wer recherchieren will, muss das Programm verlassen – was mit einem markigen Spruch quittiert wird. Ommwriter erlaubt kein Multitasking. Ganz oder gar nicht, heißt die Devise.

Ommwriter ist nicht dazu gedacht, um damit fertige Geschäftsbriefe zu formatieren oder Zeitungsseiten zu entwerfen. Um den Text zu layouten, muss ich ihn später in eine andere Textverarbeitung exportieren.

Für wen ist Ommwriter?

Ommwriter ist für alle, die sich nur allzu leicht von ihrer Umgebung oder von den vielen Optionen, die moderne Computer halt so bieten, ablenken lassen und spüren, dass ihre Produktivität darunter leidet oder sogar erstickt wird. Wer damit kein Problem hat, braucht Ommwriter so dringend wie einen zweiten Bauchnabel.

Aber für Menschen wie mich, denen es schwerfällt, den Verlockungen des weltweiten Datennetzes, iTunes und E-Mails zu widerstehen oder gerne an Rechtschreibungs, Grammatik und Layouts herumspielt, ist Ommwriter ein absoluter Lebensretter. Oder zumindest ein Produktivitätsretter.

Ommwriter bewirkt, dass ich keine Lust verspüre, während des Schreibens in meinem Text zurückzugehen, um Korrekturen vorzunehmen. Ich sehe stets nur einen kleinen Ausschnitt.

Scrivener hat schon viel für mich getan, um Ablenkungen zu blocken. Zum Beispiel gibt es dort eine schicke Vollbildschirm-Option. Die hat aber immer noch kleine Regler, die zum Rumspielen einladen. Stunden kann ich damit verbringen, Schrift- und Papiergröße einzustellen – mit wachsender Begeisterung tun kann.

Scriveners Stärke liegt darin, umfangreiche Texte für Romanautoren genauso zu organisieren, wie sie es benötigen. Immer noch unentbehrlich für mich. Aner mimimalistisch ist das nicht.

Ommwiriters Stärke liegt darin, genau die Atmosphäre herzustellen, die ich brauche, um meine Produktivität zu entfalten.

Um es plakativ zu sagen: Ommwirter ist das tragbare Zen-Kloster auf meinem Rechner, in das ich mich zurückziehen kann, wenn ich kreativ werden will.

Wo und wie kriege ich Ommwirter?

Ommwriter gibt es einerseits auf der Website des Herstellers, aber auch auf vielen anderen, üblichen Downloadportalen und für Macuser natürlich im App-Store, wo das Programm mit 1,59 € gegenwärtig am günstigsten ist.

Für alle Unentschlossene gibt es aber auch eine kostenlose Testversion, die eigentlich auch alles (oder halt eben nichts, wie man will) drauf hat, was die Vollversion kann.

Die Kaufvariante liefert nur noch ein paar mehr Hintergrundbilder und Sounds als die Demoversion. Wer’s braucht …

Es gibt auch eine App fürs iPad. Mit ihr wird das Ommwriter-Feeling vom Desktop in die große weite Welt verlagert. Bisher für mich das beste Schreibprogramm fürs iPad – mit dem kleinen Nachteil, dass Texte sich nur per E-Mail verschicken und laden lassen. Leider kann man sie nicht mit Dropbox synchronisieren.

Leider gibt es keine Version fürs iPhone. Die hätte ich mir noch gewünscht.

Für Android gibt es Ommwriter, so weit ich weiß, nicht.

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17 Antworten auf “Ommwriter – Das Wellness-Schreibprogramm für mehr Produktivität”

  1. Hallo,

    Ommwriter hatte ich mir vor einer Weile auch angesehen. Ich muss sagen, die Funktion mit dem Sound war dann doch zuviel für mich. Mit Kopfhörern schreiben? Ich weiß nicht, ich hatte damals gerade ein Programm gesucht, das möglichst einfach ist. Genauso ging es mir mit den verschiedenen Hintergründen: So, wie ich mich kenne, hätte ich Stunden damit verbrach, den richtigen Hintergrund zu wählen. Und selbst wenn ich mich aufs Schreiben konzentrieren will, möchte ich doch die Möglichkeit haben, mal schnell das Programm zu verlassen (und sei es nur, um den Text per Copy / Paste in ein anderes Projekt einzufügen). Deshalb hatte ich damals iAWriter geholt (MacOS iPad / iPhone, OsX), das Dateien wohl (ich habe ich nicht getraut, die Funktion zu verwenden) auch unter den verschiedenen Versionen synchron hält. Und: Es hat einen hellblauen Cursor! Dennoch: Du hattest geschrieben, es gibt von Ommwriter einen kostenlose Testversion. Die werde ich vielleicht mal versuchen.

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    1. Ich schreibe ehrlich gesagt eh mit Kopfhörern, wenn ich Musik beim Schreiben höre, da ich selten in der Nähe meiner Stereoanlage sitze und die Boxen meines Laptops kein Klangvergnügen darstellen.

      Wäre mir schleierhaft, wie man bei Ommwriter Stunden mit dem Wählen von Hintergründen verbringt. Im Zweifelsfall die kostenlose Version laden (die keine Testversion ist, sondern voll funktionsfähig – sie hat halt eben nur zwei Hintergründe).

      Dass du das Programm nicht mal schnell verlassen kannst, ist ein Feature, kein Bug. Wenn du zwischen Texten hin und her springen willst, dann ist Ommwriter nicht das Programm, das du gerade brauchst. Ommwriter ist nur dazu da, damit du dich ganz auf den gegenwärtigen Text konzentrierst und alles andere, wirklich alles, ausblendest.

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  2. Hallo Marcus! Super Tipp. Habe ich mir gerade heruntergeladen. Genau das, was ich immer gesuchte habe – ich wusste es nur nicht:-)

    Vielen Dank und Grüße

    Der Frager – Manfred Zimmer

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  3. Ich muss die Frage jetzt einfach stellen: Gibt es etwas ähnliches (habe mal danach gesucht, aber nur was gefunden, das zwingend irgendwelche Riesen-Frameworks als Grundlage benötigt.) auch für Windows? Möglichst ohne mir vorher alle .NET Versionen zu installieren? Meine Schreibmaschine macht das nämlich nicht mit. 😉

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  4. Meine Schreibmaschine ist ein P2 mit 300 MHz und 288 MB RAM. Naja, und bis mir jemand eine bessere Tastatur für einen Laptop als die des Thinkpad 600E zeigt, bleibt das eben meine Schreibmaschine. Papyrus Autor läuft da drauf, und nicht mal schlecht. Was sagt uns das über ein so „schlankes“ Programm wie OMM-Writer? 😉

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      1. Und es manchmal trotzdem nicht klappt. 😉 Denn offenbar ist hier „einfach“ nur mit erhöhtem Rechenaufwand zu erreichen. Was eigentlich nicht sein kann. Aber sei’s drum, die Idee an sich ist auf jeden Fall sinnvoll.

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  5. Oh ja die Ablenkungen kenn ich auch zur Genüge 😉
    Aber ich glaube Omniwriter ist mir da zu bunt und Musik gibts bei mir wenn, dann aus der Anlage. Ich schnapp mir lieber den Scrivener. Grade auf Netbook liegt bei mir der Vollbildmodus dann immer auf so 95% so dass ich grade noch die Minuten auf der Uhr sehen kann. Weißer Hintergrund, Schriftgröße in der Größe, wo ich es je nach Uhrzeit und Ermüdungsgrad noch gut erkennen kann (meist so zwischen 150-250%^^) und Wlan wird ausgestellt. Et voila, einzige Ablenkung ist noch Musik erlaubt. Bislang klappt das bei mir sehr gut. Aber ich habe mir auch angewöhnt jeden Abend im Bett ein paar Zeilen zu tippen und mich vorher schon aus Chats usw zu verabschieden, so dass wirklich nur noch Schreiben ansteht. Ich glaube ohne Disziplon geht da einfach eh nichts.
    Bei Omniwriter würde mir dann wahrscheinlich doch zu sehr fehlen mal kurz in einem anderen Kapitel nochmal nachschlagen zu können, was für meine jetzige Szene wichtig war usw. Dennoch danke für den Tipp und fürs in Erinnerung rufen, wie schnell ich mich auch immer wieder ablenken lasse.

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    1. Man kann den Hintergrund in Scriveners Vollboldmodus auch weiß stellen und die Bedienelemente ausblenden? Okay, das muss ich mir noch einmal genauer ansehen.

      Ich arbeite viel mit Scrivener, brauche aber ein Programm, das auch auf dem iPad und dem iPhone läuft. Deswegen liebäugele ich inzwischen doch mit iAwriter.

      Das heißt nicht, dass ich Scrivener nicht mehr benutze. Aber für das konzentrierte Schreiben eines ersten Entwurfs ist es für mich besser, ein Programm ohne Schnickschnack zu haben. Da muss ich auch nicht zwischen Kapiteln wechseln. Das mache ich erst bei Ünerarbeitungen. Die mache ich dann in Scrivener.

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  6. Schaut euch doch mal die Alternative FocusWriter an: http://gottcode.org/focuswriter/
    Absolut minimalistisch. Man bekommt zu Anfang nur ein leeres Blatt. Fertig! Zur Menüleiste kommt man nur mit der Maus, die man in den oberen Bildschirmbereich bewegt. Da poppt dann das Menü auf.

    Für mich interessant, da ich weder Win noch Mac nutze (opensuse 13.1), gibt es FW für alle gängigen Plattformen. Meine „Schreibmaschine“ ist ein USB-Stick, der sowohl eine ausführbare Version von FW, als auch alle meine Skripte und Ordner enthält. So kann ich ihn überall hin mitnehmen und überall drauflosschreiben.

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