Die praktische Plot-Checkliste

die-praktische-plot-checklisteIch bin ein Fan von Tabellen, Strukturskizzen und Checklisten, wenn es darum geht, ein Buch zu schreiben. Sie machen abstrakte Sachverhalte übersichtlich und helfen mir, Ideen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Sie zwingen mich dazu, diffuse Einfälle in knapper Form wiederzugeben, so dass ich mir über die Stärken und Schwächen meiner Ideen klar werden kann.

1. In so wenig Sätzen wie möglich: Was ist die Grundidee meiner Geschichte?

Die Antwort auf diese Frage sollte mehr als nur ein Begriff sein, aber auch nicht sehr viel mehr als drei Sätze. Wenn’s vier werden ist es keine Katastrophe, sind’s nur zwei, ist das auch nicht verkehrt. Das möglichst konzentrierte Ausformulieren der Grundidee hilft mir dabei, meinen Plot zu planen, die Stärken und Schwächen zu erkennen und zu entscheiden, ob ich eine Idee weiter entwickeln sollte oder lieber nicht.

2. Kurz: Wer ist die Hauptfigur?

Auch hier schreibe ich ungefähr drei Sätze auf. Näheres erledige ich in der Biografie. Hier soll nur für mich ein Eindruck davon entstehen, ob und wie die Hauptfigur zur Grundidee passt und welche Eigenschaften sie braucht, um am Ende ein gutes Buch zu schreiben.

3. Was ist das Thema? Wie lautet die Prämisse?

Meistens habe ich das Thema schon im Kopf. Trotzdem kann es hilfreich sein, es noch einmal aufzuschreiben. An der Prämisse sitze ich länger. Allerdings gebe ich mir an dieser Stelle noch nicht zu viel Mühe mit dem Formulieren der Prämisse. Es wird gleich klar, warum.

4. Wie lautet die zentrale Frage, die zu Beginn der Geschichte aufgeworfen wird?

Im Endeffekt ist die zentrale Frage der Grund für den Leser, wieso er überhaupt nach dem ersten Satz des Romans weiterlesen soll. Gerade dieser Punkt kann sich im Laufe des Schreibprozesses noch massiv ändern. Aber das gilt für alle Punkte der Checkliste. Einen Roman schreiben ist ein Puzzlespiel, bei dem man immer wieder die einzelnen Teile mit der Laubsäge neu zurecht feilt.

5. Was will der Protagonist unbedingt und warum will er so dringend sein Ziel erreichen?

Ohne starke Motivation der Hauptfigur keine Spannung. Die Motivation muss natürlich mit der zentralen Frage und der Prämisse zusammenhängen.

6. Wer oder was steht dem Held im Weg?

Mit dieser Frage sammle ich erste Ideen (oder bündle sie, falls ich schon welche beim Brainstormin und/oder Clustering herausgearbeitet habe) für Hindernisse, die den Konflikt verschärfen und damit die Spannung erhöhen. Hauptsächlich sollte dies der Schurke (Bösewicht oder Antagonist) des Romans sein.

Damit entstehen die Ideen für den Plot der ersten Hälfte meines Romans. Denn all diese Dinge, die ich bis hierhin erarbeitet habe, müssen ja zu Beginn der Geschichte entwickelt und vorgestellt werden.

7. Also nochmal, wie genau lautet die Prämisse?

Zur Erinnerung: Die Struktur der Prämisse lässt sich ungefähr so ausdrücken Hauptfigur + Konflikt = Lösung (so könnte z.B. die Prämisse von „Romeo und Julia“ lauten: „Große Liebe, die von den Familien verboten wird, führt zum Tod.“.)

Eigentlich kann ich meine Prämisse jetzt erst wirklich ausformulieren, da ich auch weiß, wer den Zielen meines Helden im Weg steht, worin also der zentrale Konflikt meines Romans besteht. Trotzdem brauche ich aber schon früher eine ungefähre Idee meiner Prämisse, um die Punkte 4-6 zu erarbeiten.

8. Wer oder was hilft der Hauptfigur?

Mit dieser Frage entwickle ich Freunde, weise Ratgeber, Geliebte usw. Also alle Nebenfiguren, die für den Helden wichtig werden. Und dadurch auch weitere Ideen für die Handlung.

9. Welchen Plan entwickelt und verfolgt meine Hauptfigur, um die Hindernisse zu bewältigen?

Der Held einer Romanhandlung darf nur bis zu einem bestimmten Punkt (wenn überhaupt) ein Getriebener der Ereignisse sein. Ich würde sagen, spätestens ab der Hälfte muss er das Heft des Handelns in die Hand nehmen, um den Konflikt zu lösen.

Mit anderen  Worten: An dieser Stelle entwickle ich in ganz groben Zügen den Plot für die zweite Hälfte meines Romans.

10. Worin besteht der zentrale Konflikt?

Eigentlich sollt ich an dieser Stelle gut wissen, worum es im zentralen Konflikt des Romans geht. Indem ich ihn hier in möglichst einem Satz noch einmal formuliere, stelle ich sicher, dass ich bisher keinen Mist gebaut habe. Falls ich keine Antwort auf 10. finde, fange ich noch einmal von vorne an.

11. Wie erreicht die Hauptfigur ihr Ziel?

Mit dieser Frage kann ich erste Ideen für das Ende des Romans entwickeln. Wie führt der Plan meiner Hauptfigur zum Erfolg? Okay, die Frage könnte auch lauten: Wie verfehlt der Held sein Ziel? Aber ich mag halt Geschichten, die gut ausgehen.

12. Und ein letztes Mal: Stimmt meine Prämisse?

Okay, okay, das liest sich jetzt vielleicht ermüdend. Doch ich muss die Prämisse möglichst früh fest klopfen und mir sicher sein, dass sie für den Roman taugt. Denn ohne sie kann mein ganzes Projekt auseinander fallen und dann habe ich später beim Schreiben noch viel, viel mehr Arbeit als jetzt.

Wenn ich Antworten auf diese Fragen gefunden habe, kann ich dazu übergehen, mit dem Sieben-Punkte-System dem Plot mehr Form zu verleihen und aus all den Antworten ein erstes Handlungsgerüst zu basteln, um in einem dritten Schritt schließlich ein Stufendiagramm, also einen detaillierten Plan zum Schreiben meines Buchs zu entwickeln.

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45 Gedanken zu “Die praktische Plot-Checkliste

  1. Klasse Idee so eine Liste zu verfassen: Allerdings entwickle ich vieles was Du in Deiner Liste hast mit Hilfe des Sieben-Punkte-Systems, d.h. ich würde so eine Liste als Check zwischen Sieben-Punkte-System und Stufendiagramm verwenden

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    • Klar. Ob und wie genau man mit dieser oder anderen Listen arbeitet, muss jeder selbst wissen. Ich halte es nur für wichtig, mir irgendwann, BEVOR ich mit dem Schreiben des ersten Entwurfs beginne, über all diese Punkte Gedanken zu machen. Sonst fallen sie mir erfahrungsgemäß früher oder später auf die Füße.

      Außerdem bist du ein viel besserer Plotter als ich. Ich brauche die Liste, um auch den Plot zu entwickeln. Was du aus dem Handgelenk schüttelst, muss ich mir mühsam erarbeiten.

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  2. Hmmm, scheint so, als müsste ich mir dieses Listen-/Plan-/Punkte-Zeug doch mal anschauen … So oft wie ich im letzten November „on the fly“ die Geschichte umstellen musste, weil nichts mehr zu passen schien …

    Gibt es sowas auch auf Anfänger Niveau zu haben? So in der Art „Listen-/Plan- und Punkte Zeug für Dummies“?

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    • Hey, Marc, schön, hier von dir zu lesen. Was meinst du denn genau? Ich hatte gehofft, mich schon anfängertauglich ausgedrückt zu haben. Wenn es noch Fragen gibt, dann her damit. Beantworte ich gerne im Kommentar. Vielleicht wird ja auch ein neuer Artikel oder eine Podcast-Folge draus.

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      • So ’n Mist … alles wieder weg.
        Nochmal: Alles okay mit deinem Beitrag. Es ist nur so, dass ich merke, dass mir „System“ abgeht und mir daraus Probleme erwachsen. Und jetzt gewinne ich den Eindruck, „System“ in seiner ganzen Komplexität und Vielfalt mir einverleiben zu müssen.

        Und es kommt mir tatsächlich eine Frage in den Sinn: Letzten November habe ich ja angefangen, eine Idee runter zu hacken. Dabei stellte ich fest, dass ich die ganze Zeit über die VOR-Geschichte zum eigentlichen Roman tippe. Was mache ich da, zwei Romane? Zwei Teile in einem Roman? Mag vielleicht seltsam klingen, aber dieser „Schwenk“ zu dem, was im Vorfeld passierte und erst verständlich macht, was „im Roman“ passiert war ziemlich verwirrend und nicht selten frustrierend, weil es beinahe jedesmal „den Roman“ über den Haufen warf … Ist das irgendwie nachvollziehbar?

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        • Ja, vollkommen nachvollziehbar. Ich kann dich beruhigen: Dein Problem ist gar kein Problem. Du hast schlichtweg den Plot hinter dem Plot geschrieben, was absolut notwendig ist. Und ob du’s nun glaubst oder nicht: Genau un das Thema soll es auch in meinem nächsten Blog-Artikel gehen.

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  3. Sehr schöne und übersichtliche Checkliste ! Geht für mich Hand in Hand mit dem letzten, nicht minder gelungenen Post zur „Strukturierung bei guten Ideen“. Planst du am Ende eigentlich einen Schreibratgeber, in dem all diese Themen zusammenkommen ?

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  4. Hat dies auf Eva M. Höreth rebloggt und kommentierte:
    Ich bewundere ja Leute, die Tabellen, Strukturskizzen und Checklisten anlegen, wenn es darum geht ein Buch zu schreiben. So jemand war ich noch nie, weder in Schule noch Studium. Ich bin definitiv jemadn der im Voraus plant. Doch irgendwie habe ich alles in meinem Kopf oder auf tausend Minizetteln, damit ich nichts vergessen. Da ich gerade am Lektorat meines ersten Buches sitze, dass ja zu allem Überfluss eine Trilogie werden soll, merke ich allerdings schon, dass es nicht schlecht gewesen wäre sich Einiges zu notieren. Von daher Danke an Marcus Johanus, vielleicht dann bei Buch 2.

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  5. Lieber Marcus

    Über die „zentrale Frage“ bin ich mir nicht sicher, du schreibst, dass diese Frage am Anfang aufgeworfen wird und den Leser überzeugen muss, das Buch zu kaufen. Wird denn diese Frage am Schluss des Romanes beantwortet? Wie sieht eine solche Frage aus? Oder was muss sie beinhalten bzw. erfüllen?

    Lieber Gruss und vielen Dank
    Franziska

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    • Die zentrale Frage ist eigentlich eine ganz einfache Sache. In einem Krimi ist es halt in der Regel die Frage nach dem Mörder. Eine Leiche wird gefunden. Ich verspreche damit dem Leser spannende Unterhaltung beim Puzzlespiel mit Beweisen und Hinweisen, bis am Ende herauskommt, wer es war. In anderen Büchern, zum Beispiel häufig in Jugendbüchern, wird eine Frage aufgeworfen, die eher mit der Entwicklung der Hauptfigur zusammenhängt. Wird die Hauptfigur es schaffen, ihre Selbstzweifel zu überwinden, um ihre Liebsten vor dem sicheren Tod retten zu können (oder so)?

      Wichtig ist, dass die zentrale Frage einerseits universell ist, also auf möglichst viele potenzielle Leser zutrifft, andererseits aber auch speziell. Sie sollte also nicht lauten: „Gibt es einen Gott?“, sondern vielleicht eher: „Gelingt es Pater Lucius, seinen Glauben wiederzufinden?“.

      Deswegen sind Krimis auch international so ein erfolgreiches Genre. Die Frage nach einem Mörder, ihn seiner gerechten Strafe zuführen – das sind einfach sehr universelle Dinge einerseits und in jedem Fall wiederum speziell andererseits.

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      • Hi Marcus

        Danke für eine lange gesuchte und wundervolle Plotidee. Ich werde dich in meinen Danksagungen am Ende des Buches (am Anfang kann ich sowas nicht sooooo gut leiden) sicherlich gebührend erwähnen. Und ein persönlich signiertes und gewidmetes Exemplar ist dir natürlich sicher.

        Ich schätze im Dezember wird es fertig sein. Mitte oder Ende Dezember ist noch nicht ganz klar.

        Der erste Abschnitt dieser meiner Antwort ist übrigens vollkommen ernst gemeint.

        GM

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          • Ganz einfach: Viele Ideen die mir durch den Kopf gingen, nachdem sie mehr oder weniger ungefragt eintraten, sind zwar nett, aber irgendwie … nichtssagend. Zumindest nur mit Mühe und Not auf ein Niveau zu heben, bei dem es um etwas geht, das Bedeutung hat.

            Gute Unterhaltung ist eine Sache die ich sehr schätze, denn auch die Sci-Fi ist heute nicht mehr ausschliesslich gesellschaftskritisch, optimistisch, pessimistisch owai. Sie ist halt einfach unterhaltsam. Und das darf sie ja auch sein. Irgendwie habe ich aber den Anspruch (an mich selbst) was zu verfassen, dass nicht „bloss“ der Unterhaltung dient. Auch wenn der Kreis der potentiellen Leser dadurch eher kleiner wird. Den Anspruch mit dem was ich schreiben möchte richtig Asche zu machen habe ich nämlich nicht wirklich. 😉 Dazu müsste ich meine ganze Denke zusehr in Richtung Mainstream verschieben/-biegen.
            Und auch hier: Ich habe nichts gegen Mainstream, lese ich auch. So. jetzt aber mal nicht mehr schreiben, sondern Geld verdienen 😉

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  6. […] Neben Dateien für die Prämisse, arbeite ich auch frühzeitig einen Pitch aus, formuliere den Plot hinter dem Plot, nutze das 7-Punkte-System, um den Plot, den der Leser sieht, in seinen Grundzügen zu entwickeln, und habe mir verschiedene Gedächtnisstützen erstellt, in Form von Checklisten für die Heldenreise und ganz allgemein für die Anforderungen, die ein guter Plot halt so erfüllen sollte. […]

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  7. Diese Seite macht mich wahnsinnig…lach. Immer will ich nur ganz schnell einen Artikel durchlesen, bleibe hängen und muss ihn sofort ausdrucken. Mein Schreibzimmer hängt nun voll mit Marcus Johanus. Jetzt will ich nur schnell Danke sagen für die Auf-den-Punkt-wichtig-Tipps und weiß schon, dass ich gleich wieder über etwas stolpere, was ich auch noch unbedingt beachten muss.
    Liebe Grüße
    Tina, Autoren-Azubi (solange es diese Tipps gibt, bleibe ich im Lern-Modus)

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  8. Zu diesem und dem vorhergehenden Artikel (Romane beginnen) von Marcus Johanus bin ich nun schon etliche Male zurückgekehrt, bevor ich meinen neuen Roman dieses Jahr in Angriff nehme. Da stecken wirklich die Knackpunkte drin.

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  9. Mein aktuelles Romantasy.Projekt macht diese Liste etwas komplexer, da ich zwei Hauptfiguren habe. Ein Mann der ein Drogen-Kartell mit anschließenden Morden aufdecken will (Romantasy …) und die Frau, die sich in den mann verliebt aber Mordverdächtige ist. Sie will ihn, er den Fall aufklären. Sie kriegt ihn nur, wenn er den Fall aufklärt. Somit haben beide quasi das selbe Ziel.

    Bei „Prämisse“ bin ich immer am schwanken. Mal lese ich davon, es wäre der Satz „Und die Moral von der Geschicht‘ … „, mal lese ich von einem Satz den jede Szene irgendwie verkörpern soll. Aktuell ist es: „Gerechtigkeit hat seinen Preis“. Mann kann einen großen Teil des Falles abschließen, die Frau wird aber noch stärker verdächtigt. ER hat was davon. SIE nur Nachteile. SIE erfährt warum er so verschlossen ist. ER verliert seinen Kameraden bei den Ermitterln.

    Punkt 4 und 5 sind bei mir meist eher dran, als alles andere. Punkt 6 und 8 im Plotten tatsächlich zum schluss. Aber eine wirkliche Liste zum abhaken nutze ich nie.

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