Top 10 Science Fiction Filme

Neben Krimi und Thriller ist SF ein Genre, das mich immer wieder begeistern kann. Zum Glück ist es im Film noch etwas vitaler als im Buchbereich. Neben der visuellen Komponente fasziniert mich an SF die Ideenvielfalt. Besonders interessant ist das Genre im Film für Autoren, da es so viele Literaturverfilmungen gibt. Hier eine Auswahl von zehn Filmen, die mich in den letzten Jahren beeindruckt haben.

10. Solaris, 2002

Stanislaw Lem hat diese Verfilmung seines Romans abgelehnt – aber was wissen Romanautoren schon über gute Filme. (Ja, ich merke, dass das ein Eigentor ist.)

Chris Kelvin ist Psychologe und wird zu einer Forschungsstation geschickt, die den Planeten Solaris umkreist. Er soll helfen, ein ungewöhnliches Phänomen zu untersuchen: Solaris‘ Oberfläche wird von einem intelligenten Ozean bedeckt. Kaum hat Kelvin die Raumstation betreten, wird er mit seltsamen Ereignissen konfrontiert, vor allem mit seiner verstorbenen Frau …

Solaris“ erinnert ästhetisch an Kubricks „2001“, ist jedoch einfacher gestrickt und vor allem eine Liebesgeschichte.

9. I, Robot

Chicago, 2035: Dr. Alfred Lanning ist durch einen Sturz von einem Wolkenkratzer ums Leben gekommen. Detective Del Spooner beginnt zu ermitteln, obwohl alle davon ausgehen, dass es sich um Selbstmord handelt. Doch Spooner glaubt nicht dran. Er hält es für keinen Zufall, dass Lanning stirbt, ausgerechnet kurz bevor eine neue Serie Roboter in den Verkauf gehen soll. Wie sich bald herausstellt, haben Spooners Instinkte ihn nicht getäuscht …

Alex Proyas‘ „I, Robot“ ist ein Hard-Boiled-Krimi nach Isaac Asimovs Motiven, der sich so weit wie nötig vom literarischen Vorbild entfernt und so viel wie möglich von Asimovs Robotergeschichten aufgreift.

8. Die unheimliche Begegnung der dritten Art

Roy Neary hat eine Begegnung mit Außerirdischen. Niemand glaubt ihm, weswegen er in eine tiefe Krise stürzt. Sehr zum Leidwesen seiner Frau benimmt sich Neary immer seltsamer. Mehr und mehr Augenzeugen berichten von Außerirdischen, aber die Behörden leugnen alles.

Ähnlich wie Kubricks „2001“ besitzt auch Steven Spielbergs Frühwerk „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ keine Handlung, die man von einem SF-Film mit Außerirdischen erwartet. Nicht die spektakuläre Action im Kampf gegen außerirdische Invasoren steht im Vordergrund, sondern Menschen auf der verzweifelten Suche nach etwas, von dem sie nicht genau wissen, was es ist.

7. Mars Attacks!

Der Titel bringt die Handlung auf den Punkt. Im Prinzip ist Tim Burtons schwarze Komödie „Mars Attacks!“ die Antithese zu Spielbergs „Unheimliche Begegnung“. Die Aliens sind klein, fies und ihre Raumschiffe leuchten nicht. Immer wieder geht die Menschheit mit ausgestreckter Hand auf die Invaso- …, äh, Besucher vom Mars zu – was wenigstens zum Verlust des Arms führt.

6. Total Recall

Repräsentativ für die vielen Philip-K.-Dick-Verfilmungen.

Douglas Quaid führt im Jahre 2084 ein eintöniges Leben als Bauarbeiter. Um seine Sehnsüchte nach Abenteuern zu befriedigen, geht er zu Rekall, einer Firma, die simulierte Erinnerungen verkauft. Douglas bestellt das Geheimagenten-Paket und prompt wird er verfolgt, attackiert und zum Mars geschickt, um dort ein großes Komplott aufzudecken. Die Sache hat nur einen Haken – er war noch gar nicht in dem Apparat, der ihm die falschen Erinnerungen einpflanzen sollte. Oder doch?

5. Serenity

Was ist das Geheimnis der Reaver, die als kannibalistische Piraten das Universum unsicher machen? Captain Malcolm Reynolds und seine Crew aus Freihändlern erlangen Hinweise auf einen geheimnisvollen Planeten namens Miranda, der von der Allianz um jeden Preis geheim gehalten werden soll. Kein Wunder also, dass die Agenten der Allianz hinter der telepathisch begabten River Tam, Crewmitlgied der Serenity, her sind, die dank ihrer Begabung über Miranda mehr weiß, als sie sollte.

Joss Whedons ruhmreicher Abschluss seiner unrühmlich und viel zu früh eingestellten SF-Fernsehserie „Firefly„. Whedon nutzt das Setting eines Planetensystems am Rand der Zivilisation für eine humorvolle Wild-West-Space-Opera. Durchdachter Spaß, der seine besondere Qualität dadurch gewinnt, dass er immer wieder die Metaebene mitliefert, ohne dabei in eine Parodie abzugleiten.

4. Donnie Darko

Der High-School-Schüler Donnie Darko hat eine ganz besondere Beziehung zu Frank, dem menschengroßen Hasen, seit ihm dieser eines nachts erzählt, dass das Triebwerk eines Flugzeugs in sein Schlafzimmer stürzen wird. Dank dieser freundlichen Warnung überlebt Donnie, denn das Triebwerk zertrümmert tatsächlich kurz darauf sein Bett. Kein Wunder, dass Donnie zum Psychiater geht und Pillen kiegt. Doch Frank kommt wieder und warnt davor, dass in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden die Welt untergehen wird.

Ob Richard Kellys Film eine Zeitreise- oder eine Parallelweltgeschichte ist oder die Vision eines Geisteskranken, wage ich nicht zu beurteilen. „Donny Darko“ bleibt interpretationsbedürftig und offen, egal, wie oft man ihn sieht.

3. Brazil

So was wie „Brazil“ käme dabei heraus, wenn man George Orwell, Franz Kafka und Monty Python für eine Weile zusammen mit einer Schreibmaschine in einen Kerker sperren würde. Tatsächlich ist der Film auf dem Mist des Monty-Python-Mitglieds Terry Gilliam gewachsen, geht aber über den Humor der britischen Comedy-Truppe hinaus.

In einer unbestimmten Zukunft arbeitet Sam Lowry im Ministerium für Information. Das M.F.I. verfolgt angebliche Terroristen und foltert sie zu Tode. Insgeheim hasst Sam seinen Job, nimmt aber eine Beförderung an, um Jill, die er aus der Ferne liebt, vor den Agenten des M.F.I zu bewahren. Am Ende ist Sam machtlos gegen die Bürokratie und gerät selbst in Gefangenschaft. Das Abgleiten in den Wahnsinn ist der einzige Ausweg, der ihm bleibt.

Die Handlung allein ist nicht das, was „Brazil“ großartig macht. Der Film lebt von seinen Bildern, durch seine Ironie, die Traumsequenzen und die Dialoge.

2. Inception

Christopher Nolans – buchstäblich – traumhafter Near-Future-Thriller projiziert Bilder auf die Netzhaut, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Wie alle großen Science-Fiction-Filme verzaubert „Inception“ visuell nicht nur mit perfekte Technik, sondern auch mit Symbolkraft den Zuschauer.

Dom Conn kann dank modernster – und geheimer – Technik in die Träume anderer eindringen, ja, sie sogar formen, um alles Mögliche über Menschen herauszufinden, was sie normalerweise nicht preisgeben wollen. Es gibt nur ein Problem: Es ist gar nicht so einfach, sich in dieser Traumwelt nicht zu verlieren.

1. 2001: Odyssee im Weltraum

Stanley Kubricks und Arthur C. Clarks lyrischer SF-Film von 1968 schafft, was SF selten gelingt – er ist wahrhaftig zeitlos. Noch heute kann man über die Tricktechnik staunen oder sich von der Musik und den visuellen Eindrücken und von der ruhigen, fragmentarischen und verschlüsselten Handlung gefangen nehmen lassen wie bei seiner Premiere. „2001“ wirkt frischer als George Lucas‘ Star Wars – der zehn Jahre später ins Kino kam und ästhetisch gewaltig von Kubrick, hm, sagen wir, inspiriert wurde.

Zu versuchen, den Inhalt des Films zusammenzufassen, ist müßig. Der Zuschauer wird mangels offensichtlicher Zusammenhänge dazu gezwungen, über die Eindrücke nachzudenken, muss versuchen seine eigene Handlung zu konstruieren,  ohne dass er zu einem eindeutigen Ergebnis kommen kann. Richard Strauß‘ „Also Sprach Zarathustra“ wird hier nicht nur leitmotivisch benutzt, weil’s cool klingt, sondern weil der Zuschauer wie der Übermensch Nietzsches gedanklich im Kreis geführt wird, um daran zu wachsen. Damit leistet „2001“, was sehr gute SF im Kern ausmacht – der Mensch muss über sich und seine Zukunft reflektieren, um zu mehr Selbsterkenntnis zu gelangen.

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14 Gedanken zu “Top 10 Science Fiction Filme

  1. ´

    Es existiert auch eine frühe ‚Solaris-Verfilmung‘ aus den 70er Jahren von Andrei Tarkovsky (deutsche Schreibweise: Andrej Tarkowski).

    Der Streifen wurde damals nach der Premiere mancherorts gar als „russische Antwort auf Kubricks 2001“ gefeiert. Einige renommierte Kritiker – z.B. der selige Roger Ebert – sehen die beiden Werke in ihrer optischen Brillanz und philosophischen Vielschichtigkeit durchaus auf Augenhöhe:

    http://www.rogerebert.com/reviews/great-movie-solaris-1972

    http://www.idsnews.com/blogs/weekendwatchers/?p=9917

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    Eine Beschäftigung mit dem (leider schmalen) Werk des russischen Ausnahmeregisseurs lohnt sich meiner Meinung nach unbedingt – Tarkowskis sieben Langfilme, zwischen 1962 und 1986 entstanden, sind allesamt höchst sehenswert.

    Und Andrei Tarkowski ist meines Wissens aktuell auch der einzige Regisseur der Filmgeschichte, der in der alle 20 Jahre (zuletzt 2012) von der ehrwürdigen Fachzeitschrift Sight & Sound unter etablierten internationalen Kritikern und Regisseuren weltweit durchgeführten Umfrage gleich drei Titel unter den Top 30 verbuchen kann: ‚Andrej Rubljow ‚ (1966) , ‚Der Spiegel‘ (1975) & ‚Stalker‘ (1979).

    Der vielgepriesene ‚Stalker‘ wird im weiteren Sinne ebenfalls dem Science Fiction-Genre zugerechnet:

    Die drei Hauptdarsteller: ein Wissenschaftler, ein Schriftsteller und ein ortskundiger Pfadfinder mit seherischen Kräften befinden sich in einer von Menschen verlassenen und verfallenen Einöde und Industrielandschaft auf der Suche nach einer geheimnisvollen Kammer, die beim Betreten angeblich verborgene Wünsche & Sehnsüchte aus dem Unterbewusstsein wahr werden lässt…

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    Kurzer Auszug aus dem bei rororo erschienenen ‚Lexikon des int. Films‘:

    >>….eine Expedition, die zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten und zum Panorama einer gottverlassenen europäischen Zivilisation wird.

    Ähnlich wie zuvor in ‚Solaris‘ benutzt Tarkowskij eine Science-Fiction-Vorlage als Hintergrund für mystisch-philosophische Reflexionen und überwältigende Bildvisionen, mit denen er die Grenzen des herkömmlichen Erzählkinos weit überschreitet – in Richtung einer poetischen Verschmelzung von filmischem Ausdruck und gedanklicher Tiefe…<<

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    Es gibt mehrere brauchbare Veröffentlichungen von 'Stalker' auf DVD, die deutschen Ausgaben u.a. von der Firma Icestorm zählen jedoch leider nicht dazu – gekürzt, ungenügende Bild- und Tonqualität, miese Synchro.

    Ich empfehle 'Stalker' entweder als britische DVD von Artificial Eye (russischer OT, englische UT), alternativ als Doppel DVD von Ruscico (russischer Ton, englische und deutsche UT) oder in der preisgünstigen Ausgabe von Oricont (russischer OT, keine UT).

    http://www.ebay.de/itm/DVD-russisch-STALKER-TARKOVSKY-Tarkowskij-/330751589920?pt=DE_DVDs&hash=item4d0254be20

    http://www.ebay.de/itm/2-DVD-STALKER-A-TARKOVSKY-russische-klassiker-Deutsch-Ruscico-/290939113810?pt=DE_DVDs&hash=item43bd529152

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    • Wiedermal sehr wertvolle Hinweise, vielen Dank. Muss gestehen, dass mir die 70er-Jahre Verfilmung von Solaris nicht so gut gefallen hatte. Ist aber auch schon wirklich lange, lange her, dass ich sie gesehen habe. Ich werde ihr mal eine zweite Chance geben.

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  2. ´

    Kurzer Nachtrag zu Andrei Tarkowski:

    Vielleicht hat er nicht den allerbesten Science Fiction-Streifen abgeliefert und mit ‚Stalker‘ & ‚Solaris‘ lediglich zwei sehr, sehr gute Genrebeiträge beigesteuert.

    In der Kategorie „größter Historienfilm aller Zeiten“ liegt Tarkowski für mich jedoch klar in Führung – sein unvergleichlicher ‚Andrej Rubljow‘ ist ein vielschichtiges, bildgewaltiges mittelalterliches Epos für die Ewigkeit.

    Hier der Original-Trailer auf einer rechtlich unbedenklichen russischen Fan-Seite:

    http://my.mail.ru/video/corp/afisha/trailers/8147.html#video=/corp/afisha/trailers/8147

    ….und eine Besprechung im britischen Guardian aus dem Oktober 2010:

    http://www.theguardian.com/film/2010/oct/20/andrei-rublev-tarkovsky-arthouse

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  3. ´

    Wer die Filmhandlung des 70er Jahre ‚Solaris‘ bereits kennt und auf Synchro und Untertitel verzichten kann, dem würde ich hier ebenso die preisgünstige russische Oricont DVD in guter Bild und Tonqualität empfehlen: Laufzeit 163 Minuten, PAL:

    http://www.ebay.de/itm/DVD-russisch-Solyaris-Solaris-Soljaris-/330764649704?pt=DE_DVDs&hash=item4d031c04e8

    Ich persönlich finde den 70er Jahre ‚Solaris‘ sehenswert, jedoch stellenweise auch ein wenig behäbig.

    Wer Tarkowskis famosen ‚Stalker‘ noch nicht gesehen hat, dem rate ich, diesen Streifen zuerst zu ergattern. ‚Stalker‘ ist jedoch kein tempo- und actionreiches Spektakel, sondern lebt von einer malerischen und symbolreichen Bilderwelt, von langen Einstellungen und Kamerafahrten in Verbindung mit gediegener, unaufdringlicher Musik.

    Ein selten einmütiges Kritikervotum von 100 Prozent bei Rotten Tomatoes und teilweise euphorische Rezensionen stützen jedenfalls eine Kaufempfehlung von ‚Stalker‘:

    http://www.rottentomatoes.com/m/1043378-stalker/

    http://www.combustiblecelluloid.com/classic/stalker.shtml

    ´
    Um noch kurz bei Andrei Tarkowski zu bleiben:

    Sein oben angepriesenes, vielschichtiges mittelalterliches Historienepos ‚Andrei Rubljow‘, in dem es auch um Sinnsuche und Erfüllung, um das Streben kreativer und talentierter Künstler nach Selbstverwirklichung in harten Zeiten geht, gibt’s mittlerweile in einer Vielzahl von DVD-Ausgaben – und keine davon ist ohne Makel:

    Die längste Fassung von ‚Andrej Rubljow‘ im NTSC-Format (rund 200 Minuten) in der amerikanischen Criterion Collection schwächelt leider in Bild und Ton: wenig Kontrast, häufig unscharf und zu dunkel; scheppernder Klang. Gleiches gilt für die enttäuschende 174-minütige deutsche Icestorm-DVD, welche zudem mit 4:3 nicht das Originalformat aufweist.

    Ein kontrastreicheres, saubereres Bild und einen klareren Originalton als die Criterion bzw. Icestorm-Edition besitzt die englische Doppel DVD von Artificial Eye (PAL, 16:9 Widescreen, russisches Dolby Stereo 5:1, englische Untertitel) mit einer Spielfilmlänge von 185 Minuten.

    Ein ähnlich gutes Bild (2,35:1 Widescreen) in Verbindung mit russischem Originalton – wahlweise Dolby Stereo oder Mono, allerdings ohne Untertitel – bietet einmal mehr die DVD-Ausgabe von Oricont. Laufzeit: 180 Minuten, PAL.

    Wer also nicht unbedingt die Mammutversion von Andrej Rubljow braucht, der sollte sich die britische Doppel DVD von Artificial Eye oder eben die günstige russische Oricont-Scheibe besorgen…..

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