6 Dinge, die ich vom Avengers-Regisseur Joss Whedon über das Schreiben gelernt habe

Auf einem meiner Streifzüge durch die Nerd-Szene im Internet stieß ich auf rikilindhome.com, genauer, ihren Podcast „Making it with Riki Lindhome„, noch genauer, auf eine grandiose Folge, in der sie keinen geringeren als Joss Whedon interviewt, kurz nachdem er seinen Blockbuster-Film „Marvel’s The Avengers“ fertiggestellt hatte. In dieser Folge plaudert Whedon über seine Biografie, wie es ihm in der TV- und Filmbranche erging – und verrät vor allem viel über seinen Autorenalltag. Für jeden Schriftsteller ein wirklich lohnender Einblick.

In ihrem empfehlenswerten Podcast interviewt Lindhome Menschen aus dem Hollywood-Betrieb und befragt sie hauptsächlich über ihren Karriereweg. Hierzuland ist die Autorin, Schauspielerin, Musikerin und Moderatorin des Podcasts bestenfalls aus einem Gastauftritt in der Comedy-Serie „The Big Bang Theory“ bekannt. Nur knallharte Fans und Nerds wie ich kennen sie noch aus anderen, teilweise sehr kleinen Nebenrollen in diversen TV-Serien.

Das Interview mit Joss Whedon ist für alle empfehlenswert, die seine Arbeiten mögen und gerne hinter die Kulissen us-amerikanischer Film- und Fernsehproduktionen gucken. Für mich ist das Interview besonders spannend, da Whedon vor allem über den Beginn seiner Karriere plaudert – eine Geschichte, aus der ich Einiges über das Schreiben und auch an Motivation für den Schreiballtag mitgenommen habe:

1. Unterstützung ist wichtig

Joss Whedon stammt väterlicherseits aus einer Linie von Comedy-Drehbuchautoren. Obwohl sein Vater ihm zunächst davon abgeraten habe, ebenfalls das Handwerk zu ergreifen, hat er sich trotzdem für diesen Weg entschieden und seine ersten Gehversuche in der Comedy-Serie „Roseanne“ unternommen.

Als deutlich wurde, dass sich der junge Joss nicht davon abbringen ließ, Drehbuchautor zu werden, hat sein Vater ihn mit Rat und Tat bei seiner Karriere geholfen. Wobei vor allem der „seelische Support“ seines Vaters wichtig gewesen sei, meint Whedon, nämlich die Tatsache, dass er an die Fähigkeiten seines Sohns geglaubt und ihn bestätigt hat.

2. Schonungslose, aber unterstützende Kritik ist noch wichtiger

Trotz der Unterstützung war Whedons Vater zugleich sein härtester Kritiker und hat seine Arbeit teilweise in der Luft zerrissen. Es wurde offenbar konkret sehr harte Kritik geübt, aber prinzipiell an Joss‘ Fähigkeiten als Autor geglaubt, so nach dem Motto: „Junge, du hast es drauf, aber das her ist totaler Dreck. Du musst noch viel, viel lernen. Sieh her, ich zeig’s dir …“

3. Du musst dir treu bleiben und trotzdem flexibel sein

In Whedons Portfolio gehören so unterschiedliche Werke wie „Roseanne“, das Web-Musical „Dr. Horrible„, „Firefly“ und auch die Shakespeare-Verfilmung „Much Ado About Nothing„, mal abgesehen davon, dass Joss Whedon immer wieder unerkannt als „Script Doctor“ arbeitet und zum Beispiel so populären Filmen wie „Speed“ zum Glanz verholfen hat, ohne dafür Credits zu erhalten.

Ein breitgefächertes Tätigkeitsfeld also, das sich innerhalb verschiedener Genres und Niveaustufen bewegt. Trotzdem ist immer Whedons Handschrift zu erkennen, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass der Autor häufig die Metaebene sucht, wodurch ein ganz eigener Humor entsteht.

4. Durchhalten, durchhalten, durchhalten …

Bevor Whedon mit der Fernsehserie „Buffy“ seinen Durchbruch schaffte, hatte er viele herbe Rückschläge einzustecken, sowohl künstlerisch, als auch finanziell und zwischenmenschlich (man denke nur an den unsäglichen Film „Buffy, der Vampirkiller“ mit Donald Sutherland, ein Projekt, aus dem Whedon herausgemobbt wurde).

Whedon hatte es keinesfalls leicht, obwohl sein Vater bereits als Drehbuchautor tätig war. Auf kleine Erfolge folgten größere Misserfolge. Besonders sympathisch wurde mir in diesen Momenten des Interviews Joss Whedon dadurch, dass er auch über solche Tiefpunkte humorvoll und ohne Bitterkeit berichten konnte.

Selbst die großen Profis müssen also zahlreiche Tiefen überwinden. Sogar nach dem Erfolg mit „Buffy“ (welcher Hahn kräht heute eigentlich noch nach dem Kinofilm?) musste Whedon mit „Firefly“ und zuletzt „Dollhouse“ auch große Misserfolge verbuchen. Und trotzdem ist er bei „The Avengers“ gelandet, einem Projekt, das ihm nicht nur finanziellen Erfolg und eine noch größere Popularität einbringt, sondern auch, wie er glaubhaft versichert, als Superheldenfan und Comicenthusiast eine Herzensangelegenheit ist.

5. Du musst das Schreiben lieben, nicht das fertige Produkt

Auf die Frage, ob er lieber schreibt oder etwas Fertiges in den Händen hält, antwortete Whedon, er liebe das Schreiben. Bei jedem Projekt sei dies die Zeit, in der er sich am glücklichsten fühle. Schreiben sei eine so einsame und fordernde Tätigkeit, dass man es einfach lieben müsse, sonst werde man dabei schlichtweg wahnsinnig und sollte sich lieber etwas anderes suchen.

6. Die Zeit ist nie reif, um mit dem Schreiben zu beginnen

Schreiben sei wie krank werden, meint Joss Whedon. Wenn man krank wird, denke man stets: „Oh, Mist, ausgerechnet jetzt. Von allen möglichen Zeitpunkten ist dies hier der schlechteste.“. Mit dem Schreiben sei es ähnlich: Der Zeitpunkt ist nie günstig, um damit zu beginnen. Entweder man tut es einfach, trotz aller Gegenargumente, oder man kommt nie dazu.

Advertisements

3 Gedanken zu “6 Dinge, die ich vom Avengers-Regisseur Joss Whedon über das Schreiben gelernt habe

  1. Joss Whedon ist wirklich gut. Besonders „Buffy“ ist geradezu ein Lehrstück für Drehbuchautoren. Besonders gut nachvollziehen kann ich den sechsten Punkt: Während eines Schreibprojektes bleibt irgendwie alles andere liegen, sogar die Dinge, für die man eigentlich trotzdem Zeit hätte.

    Gefällt mir

    • Dabei finde ich persönlich, dass Buffy das schwächste Werk von Whedon ist, Firefly und Dollhouse haben mir besser gefallen.
      Aber ich gebe dir Recht: Der letzte Punkt ist bestimmt der wichtigste. Ich finde den Vergleich von Whedon auch sehr treffend. Ein Aha-Moment.

      Gefällt mir

  2. […] Joss Whedons ruhmreicher Abschluss seiner unrühmlich und viel zu früh eingestellten SF-Fernsehserie “Firefly“. Whedon nutzt das Setting eines Planetensystems am Rand der Zivilisation für eine humorvolle Wild-West-Space-Opera. Durchdachter Spaß, der seine besondere Qualität dadurch gewinnt, dass er immer wieder die Metaebene mitliefert, ohne dabei in eine Parodie abzugleiten. […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s