Top 10 Science Fiction Romane

Gut geschriebene Science Fiction gehört für mich zu einem der größten Lesevergnügen schlechthin. Da mein Lieblingsgenre Thriller- und Krimi-Romane sind, habe ich natürlich einen Hang zur „Low-SF“, in der sich die fantastischen Elemente in Grenzen halten. Große Space Opera ist – trotz des ersten Platzes – nicht so mein Ding. Trotzdem wirst du hier auch einige waschechte Klassiker finden:

10. Robert A. Heinlein: „Zwischen den Planeten“ 

Mein erster Roman, den ich vor langer, langer Zeit als Kind je gelesen habe. Eines von Robert Heinleins Jugendbüchern. Ganz bestimmt weder der beste SF-Roman, noch Heinleins bester Roman, aber ich musste ihm einfach einen Ehrenplatz geben.

Lesenswert ist „Zwischen den Planeten“ allemal: Der Junge Don Harvey ist nirgends zu Haus, da er in einem Raumschiff zwischen den Planeten geboren wurde. Nun ist er auf der Flucht quer durch eine 1950er-Jahre-Fantasieversion des Sonnensystems.

9. Philip Kerr: „Game Over“

Die KI eines High-Tech-Hochhauses verselbstständigt sich und ein Überlebenskampf Mensch gegen Computer beginnt. 2001 im Büro, sozusagen.

Game Over“ ist ein einfallsreicher Locked-Room-Thriller, lotet einerseits die Möglichkeiten der Technik aus und zeigt andererseits ihre Gefahren auf. Geradezu klassisch thematisiert Philip Kerr hier auch die verschiedenen menschlichen Schwächen, die letztendlich die Katastrophe herbeiführen und verbindet alles mit philosophischen Überlegungen über die Frage nach dem Verhältnis zwischen Maschine, Mensch und Gott, ohne dabei spröde zu werden.

8. John Scalzi: „Krieg der Klone“

John Scalzi ist von den aktuellen Science-Fiction-Schriftstellern mein Lieblingsautor. Er steht sicherlich auf den Schultern von Riesen, aber sein lockerer, am Hard-Boiled-Krimi angelehnter Schreibstil ist mir sehr sympathisch. „Krieg der Klone“ handelt von John Perry, der sich mit Mitte 70 dazu entschließt, in die intergalaktische „Koloniale Verteidigungsarmee“ einzutreten. Der Roman schwelgt in einer 1950er-SF-Atmosphäre und ist extrem unterhaltsame Military-SF mit überraschenden Wendungen.

7. Isaac Asimov: „Die Stahlhöhlen“

Isaac Asimov ist vielleicht der bedeutendste Science-Fitcion-Autor des 20. Jahrhunderts. Dabei finde ich, dass er eher durch sein solides Gesamtwerk glänzt als durch herausragende Einzelwerke. Mir haben seine Robotergeschichten besser gefallen als sein Foundation-Epos. „Die Stahlhöhlen“ ist meiner Meinung nach die beste in Romanlänge.

Elijah Baley muss in ferner Zukunft einen Mord aufklären. Die Menschheit auf der überbevölkerten Erde lebt entweder in Kuppelstädten oder als sogenannte Spacer im Weltraum. Spacer und Erdenbewohner begegnen sich voller Misstrauen und Abscheu. Nur Elijahs Roboterpartner Daneel Olivaw kann Baley helfen, denn die rationale Menschmaschine ist frei von rassistischen Vorurteilen.

6. Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“

Per Anhalter durch die Galaxis“ des viel zu früh verstorbenen britischen Autors Douglas Adams ist eines meiner Lieblingsbücher schlechthin. Prinzipiell hätte der Roman auch auf Platz 1 landen können, allerdings ist er eine Parodie, was ihm eine Außenseiterposition zuweist.

Von seinem Freund Ford Prefect erfährt Arthur Dent, dass die Erde gesprengt werden soll, um einer Hyperraumumgeheungsstraße Platz zu machen. Zum Glück ist Ford zu Arthurs Erstaunen gar kein Mensch, sondern ein Außerirdischer und weiß, wie man per Anhalter von der Erde wegkommt.

5. Michael Crichton: „Sphere – Die Gedanken des Bösen“

Mein Lieblingsroman von Michael Crichton. Ein extrem spannender und trotzdem nicht platter Roman. Im Prinzip ist „Sphere“ eine Thriller-Version von Stanislaw LemsSolaris„.

Der Psychologe Dr. Norman Johnson hat vor Jahren von der US-Regierung den Auftrag bekommen, ein Szenario für den Erstkontakt mit Außerirdischen zu entwerfen. Dass er diese Arbeit damals eher für einen Witz gehalten hat, soll sich schon bald rächen.

4. John W. Campbell: „Das Ding aus einer anderen Welt“

Jeder kennt die Verfilmungen, kaum einer den Roman von einem der bedeutendsten Verleger des Golden Age der SF John Campbell. Zu Unrecht. Der Roman „Das Ding aus einer anderen Welt“ ist als Text allen Verfilmungen überlegen. Eines der spannendsten Bücher, das ich je gelesen habe.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern findet in der Antarktis ein außerirdisches Raumschiff mitsamt schockgefrorener Besatzung. Zu ihrem Unglück taut der Fremde auf, stellt sich als mörderisch heraus und kann jede erdenkliche Gestalt annehmen. Wer ist noch er selbst?

3. George Orwell: „1984“

Winston Smith kämpft in einem fiktiven, faschistischen totalen Überwachungsstaat um seine Privatsphäre.

Obwohl schon vor fast 70 Jahren geschrieben, hat George Orwell mit diesem Thema einen Nerv getroffen, der auch heute noch offen liegt. Die Aktualität des Romans zeigt sich unter anderem darin, dass viele Redewendungen und Begriffe bis in unsere Alltagssprache eingedrungen sind. Es vergeht kaum eine politische Diskussion, ohne dass es direkt oder indirekt eine Referenz zu „1984“ gibt, in der das Szenario des Romans als Warnung an unsere Gegenwart erscheint.  Sehr viel mehr kann man als Autor eigentlich nicht erreichen.

2. Philip K. Dick: „Zeit aus den Fugen“

Dass Philip Dick einen Platz ganz weit oben in den Charts verdient hat, ist  nicht verhandelbar. Mit welchem Roman ich ihn hier erwähnen soll, hat mir jedoch ganz schön Kopfzerbrechen bereitet. „Ubik“ oder „Träumen Roboter von elektrischen Schafen“ sind natürlich hervorragende Bücher, genauso wie „Der dunkle Schirm“ oder „Das Orakel vom Berg„, die alle auf ihre Art besser sind als Dicks Frühwerk „Zeit aus den Fugen„. Aber wie das halt so ist: Der Roman war meine erste Begegnung mit Dick und ist deswegen auch mein Lieblingsbuch von ihm geblieben.

Eigentlich klingt Ragle Gumms Job ebenso skurril wie harmlos: Er verbringt seine Tage damit, Rätsel in Zeitschriften zu lösen – und da er so gut darin ist, räumt er regelmäßig Preisgelder ab. Sonst ist sein Leben in einer amerikanischen Kleinstadt so stumpf, eintönig und langweilig, wie es nur sein könnte. Wären da nicht die Déjà-vus, die immer schlimmer werden. Auch andere seltsame Vorkommnisse häufen sich. Schließlich muss Ragle erkennen, dass nichts, wie es scheint …

Schon lange, lange vor Filmen wie „Truman Show“ oder „The Matrix“ stellte Dick mit „Zeit aus den Fugen“ die Frage nach der wahren Wirklichkeit und etablierte damit den Konstruktivismus als ein zentrales Thema der Science Fiction.

1. Frank Herbert: „Der Wüstenplanet“

Der Wüstenplanet“ („Dune“ im Original) ist ein in allen Dimensionen gigantischer Roman. Sowohl das World-Building, als auch der Plot und die Figuren sprengen den Rahmen „normaler“ Science Fiction.

Erzählt wird im Wesentlichen die Ankunft des jungen Paul Atreides, dem Sohn des Herzogs Leto in einem intergalaktischen Kaiserreich, auf seinem neuen Lehen – Dune, dem Wüstenplaneten. Ausgerechnet hier, in einer lebensfeindlichen Umgebung, wächst Spice. Mit Spice wird es den Navigatoren ermöglicht, durch den Hyperraum zu steuern, was es zum Kostbarsten gut der Galaxis werden lässt. Es versteht sich von selbst, dass Dune ein Wespennest ist.

Sollte man in seinem Leben nur einen SF-Roman lesen, sollte er „Der Wüstenplanet“ heißen.

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49 Gedanken zu “Top 10 Science Fiction Romane

  1. Lustig, ich habe auch eine Schwäche für die Zeit aus den Fugen, auch wenn mein absoluter Dick-Liebling schon Das Orakel vom Berg ist. Oder doch Ubik? Hach.
    Mir fällt auf, dass sich auf deiner Liste kein Cyberpunk findet. Kein Fan von Neuromancer oder Snow Crash?

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    • Ja, ist mir wirklich schwer gefallen, einen Dick-Roman auszuwählen.

      Cyberpunk …, hm … Ich fürchte, ich habe ein wenig Berührungsängste mit dem Genre. Wobei ich gestehen muss, dass ich Snow Crash noch nicht gelesen habe. Wird gleich mal auf die Liste gesetzt.

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    • Berechtigter Einwand. Bei Lem habe ich lange überlegt. Ich mag ihn, aber für die Top 10 ist er mir ein bisschen zu verkopft. Zu den Strugatzkis habe ich nie so recht Zugang gefunden. Bestimmt keine schlechte Literatur, aber sie sprechen mich ganz persönlich einfach nicht an.

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      • Liegt leider daran – wie bei den meisten Werken – dass man sie im Original lesen muss. Weder die deutschen noch englischen Übersetzungen reichen da an das Original heran.

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  2. Ich bin noch ganz unberührt was Sci Fi Romane angeht, hab mir gerade erst ein paar der Werke von Dick bestellt. Bin sehr gespannt 🙂
    Angefangen hab ich aber mit Spektrum von Sergej Lukianenko, ist er nicht so gut als das er es in deine Top 10 schafft?^^

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    • Lukianenko habe ich einfach noch nicht gelesen. Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich, was SF-Autoren angeht, auf dem russischen Auge blind bin 😉 Werde ich irgendwann mal ändern müssen.

      Ich bin halt in den 1970ern und 1980erm mit den angloamerikanischen SF-Autoren aufgewachsen. Nach Osten reichte mein Arme nur bis nach Polen zu Stanislaw Lem.

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      • Hi Marcus

        Was Lem angeht kann ich deine Meinung sehr gut nachvollziehen. Nur hast du dich deutlich gewählter ausgedrückt als ich es gekonnt hätte. 😉
        Und ich gebe meinen Vorrednern Recht: Lukianenko ist einfach schöne Sci-Fi. Ich habe ein Rezis zu einigen seiner Bücher geschrieben, die ja jetzt umgezogen sind. 😉

        Gruss
        Marc

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      • Lukianenko, ist in sofern lohnenswert als das er eine Mischung aus sci-fi und fantasy schafft, besonders seine Wächterreihe sticht herraus 🙂

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  3. Ich persönlich hätte auf alle Fälle Arthur C. Clarke auf den vorderen Rängen eingereit. Aber zum Glück hat beinahe jeder Mensch einen anderen Geschmack und so dürften sich wohl kaum zwei von verschiedenen Personen erstellte Top-10-Listen komplett gleichen.

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    • Nein. Von LeGuin habe ich nur eher Fantasy gelesen, wie ich gestehen muss. Erdsee halt. Als SF-Autorin habe ich sie gar nicht wahrgenommen. Ich weiß, dass sie SF geschrieben hat, aber, hey, man kann nicht alles gelesen haben. Erdsee hat mich nicht so sehr begeistert, dass ich mehr von ihr lesen wollte. Schlecht fand ich’s aber auch nicht.

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      • Erdsee kenne ich nun wieder nicht 🙂
        Ich weiss nicht, ob „Die linke Hand der Dunkelheit“ objektiv gesehen zum Besten gehört, was ich je gelesen habe. Aber es gehört zu den drei Büchern, die mich am meisten zum Nachdenken gebracht und dadurch nachhaltig beeinflusst haben.

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        • Hallo, Katharina. Sorry, dass ich so lange gebraucht habe, um deinen Kommentar freizuschalten. War einfach ein bisschen hektisch auf den letzten Metern des NaNoWriMos.

          Was ist schon objektiv, wenn es um Literatur geht? Wichtig ist doch, was dir die Bücher bedeuten. Und ich muss gestehen, dass es auch schon verflixt lange her ist, dass ich mal was von leGuin gelesen habe. Vielleicht würde ich sie heute mit ganz anderen Augen lesen. Dass Ursula LeGuin eine gute und wichtige Autorin in der SF/Fantasy ist, kann nicht ernsthaft bezweifelt werden.

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      • 10 Titel sind halt auch nicht viel im Angesicht der ganzen Jahrzehnte SF Literatur.
        Farmers Dayworld hatte ich erst kürzlich wiedergelesen und war noch begeistert. Greg Bear hat mit Königin der Engel auch ein sehr intressantes Werk geschrieben. (Von ihm gefallen mir auch sehr gut Äon und Ewigkeit).
        Wie geschrieben, sind 10 Titel zu wenig, vielleicht 20 – 30 …

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        • Stimmt schon, zehn Romane sind ein Witz. Aber das haben Top 10 nun mal so an sich. Und das ist ja auch der Sinn einer solchen Liste, das man sich überlegt, was nun wirklich wichtig ist. Das würdigt natürlich die SF-Literatur in ihrer Bandbreite nicht.

          Farmer wurde hier und in den Kommentaren beim Podcast schon mehrfach erwähnt. Ja, gute Autor, zumindest Riverworld und World of Tiers hatte mir gut gefallen. Toller Abenteuerstoff, flüssig geschrieben. Dayworld habe ich auch mal gelesen, ist aber schon, uh, 25 Jahre her oder so. Wie gesagt, gut, aber nicht in meinen Top 10, wie man sehen kann 🙂

          Von Greg Bear habe ich mal einen seiner neueren Romane gelesen. Er schreibt ja jetzt eher High-Tech-Thriller. Stilistisch hat er mir nicht so gut gefallen. Etwas langatmig. Prinzipiell aber bestimmt kein schlechte Autor. Werde mal einen Blick auf die von dir erwähnten Romane werfen, vielen Dank für die Tipps.

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  4. Die neuen Romane von Bear sind m.M. nicht mehr so gut. Er macht jetzt mehr mit BioTech. Die frühen Werke sind halt SF.
    Ich habe mal eine Top Ten meiner Lieblingsfilme aufgestellt. Wurde irgendwann zu müselig und dann habe ich eine Top100 aufgeschrieben. Die war auch noch zu einschränkend (bei alleine über 40.000 amerikanischen Filmen ). Dann habe ich eine Top 500 erstellt. Die ist zwar immer noch hart umkämpft, da neue Filme immer einen spannenden alten verdrängen, aber bietet gleichzeitg einen guten Überblick über die Filmgeschichte. Und 500 Filme kann man in zwei Jahren locker gesehen haben. 🙂

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  5. Hey, tut nix zur Sache, aber kennt ihr Andromeda von Arne Sjöberg (issn Synonym), is die Fortsetzung von „die stummen Götter“ aber meiner Meinung nach ne ganz andere Liga als sein Vorgänger. Für mich gehört der allemal in meine Top10 und da er rel. unbekannt zu seien scheint (obwohl schon 30 Jahre alt) wollt ich mal fragen ob der euch geläufig ist und evt. zum lesen anregen…

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  6. Hallo Marcus,
    Ich bin hier mehr durch zufall über diesen Blog gestolpert, aber da ich selber eine Sci-Fi Bibliothek mein eigen nenne, die einem Fan das blanke Wasser des Neids in die Augen treibt, dachte ich, das ich noch anregungen für dich habe.
    1) Simon R.Green-Der Todtsteltzer Zyklus
    (Etwas abgedreht, und teilweise recht brutal, hat aber in den 90ern frischen Wind ins Sci-fi Action Genre gebracht)
    2)Daniel Suarez-Daemon und Darknet
    (Faszinierender neuer Stoff für alle Anhänger des Cyberpunk)
    3) Greg Egan-Quarantäne
    (Detektivroman vor einem quantenphysikalischen Hintergrund, ein muss für alternativ Realitäten und Vielwelten Theoretiker 🙂 )

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  7. […] Meinen ersten Schritt, um ein großes Publikum zu erreichen, unternahm ich mit zehn Jahren, als ich eine Kurzgeschichte bei einem John-Sinclair-Schreibwettbewerb einreichte. Ich gewann zwar nicht und sie wurde nie veröffentlicht (was auch besser so ist), aber ich ließ mich davon nicht beirren und schrieb kurz nach dem Wechsel zur Oberschule meinen ersten Roman, eine Space Opera im Stil meines Lieblings-SF-Autors Robert A. Heinlein. […]

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  8. Paßt vielleicht nicht so richtig hierhin; aber kennt noch irgedwer die drei Romane von Janet Morris: Traumtänzer/Traumschiffe/Traumwelten? Ich würde sie nicht unter die besten 10 SF-Werke einreihen, fand sie aber immer recht gut und habe sie gerade wieder gelesen.
    Ziemlich eigenwillig und mit ganz eigenen Ideen.

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