Wie man Schreibblockaden garantiert überwindet

Jeder, der schreibt, kennt Schreibblockaden. Oder besser: meint, sie zu kennen. Tatsächlich glaube ich nicht an Schreibblockaden und denke, dass sie nur eine Worthülse für einen bunten Strauß tieferliegender Probleme ist. Diesen Schwierigkeiten muss man sich unbedingt widmen, wenn man die Schreibblockade für immer aus dem Schreiballtag verbannen will. Zum Glück gibt es ein Universalrezept, das ganz leicht anzuwenden, dafür aber um so schwerer durchzuhalten ist.

Formen der Schreibblockade

Bei manchen nimmt die Schreibblockade die Form des weißen Blatts an, das die Kreativität blockiert, aber auch der Durchhänger in der Mitte beim Schreiben eines Buchs oder im letzten Drittel können selbst dem gestandensten Autor das Fürchten lehren.

Mit einem weißen Blatt habe ich – zum Glück – noch nie gerungen. Im Gegenteil. Immerhin ist dies der spannendste Moment beim Romanschreiben. Ich kann ganz von vorn anfangen, etwas Neues schaffen, mich austoben.

Dafür kenne ich gut den Durchhänger in der Mitte, bei dem sich mein innerer Kritiker meldet und meinen Schreibprozess blockiert: „Was? Sooooo lange sitzt du schon an dem Text und das Ende ist noch so weit weg? Dann kann die Idee nichts taugen. Schau dir die ganzen Probleme an, die du noch lösen musst. Wozu weitermachen, noch mehr Zeit und Mühe investieren? Du kannst das doch eh nicht. Geh angeln, da fällt keinem auf, dass du nichts drauf hast.“

Hausmittelchen gegen die Schreibblockade

In Schreibbüchern, auf Schreibblogs, in Schreibpodcasts und -seminaren kann man sich haufenweise Anregungen holen, die einem dabei helfen können, sich aus dem Motivationsloch am eigenen Schopf herauszuziehen. Dazu gehören das Clustern von Ideen, freies oder meditatives Schreiben, das Wechseln des Schreiborts oder der Schreibgeräts, ja, sogar Malen oder Musizieren, Meditieren oder Spazieren gehen, Laufen oder andere Sportarten können dazu beitragen, dass ich die akute Schreibblockade überwinde.

Prinzipiell ist nichts dagegen zu sagen, mal mit der Hand zu schreiben, statt mit dem Computer, Musik beim Schreiben zu hören oder sich zur Abwechslung mit dem Laptop in den Garten zu setzen, statt am Schreibtisch zu versauern. Am eigentlichen Problem, das hinter der Schreibblockade steckt, ändert das jedoch nichts.

Was wirklich gegen Schreibblockaden hilft. Ehrlich. Es ist das einzige, das dauerhaft hilft

Professionelle Autoren, solche die mehrere Bücher pro Jahr veröffentlichen, schreiben überall zu jeder Zeit und mit dem Gerät, mit dem es schlichtweg am schnellsten und einfachsten geht.

Alle Tricks und Tipps zum Überwinden von Schreibblockaden sind gut und richtig, aber sie helfen nur über den Moment, kümmern sich nur um das Symptom der akuten Schreibkrise, nicht um die tiefere Ursache.

Ich kann nicht für andere sprechen, aber mein eigentlicher Grund für Schreibblockaden war schlichtweg die Tatsache, dass ich Schreiben lange Zeit nicht ernst genug genommen habe. Ich habe es als Hobby betrachtet, das ich mal im Urlaub betreibe oder im Alltag, wenn ich gerade nichts Besseres zu tun habe.

Der einzige Weg, der mich dauerhaft Schreibblockaden überwinden ließ, ist das Entwickeln von Schreiben als Gewohnheit. Manche Leute rauchen, können auf ihr morgendliches Yoga nicht verzichten oder brauchen ihr Betthupferl, um schlafen zu können. Ich muss inzwischen schreiben, damit ein Tag für mich ein gelungener Tag ist, sonst kriege ich Hummeln im Hintern. Schreibblockaden kenne ich nicht mehr, seit ich regelmäßig jeden Tag schreibe, wenigstens für fünf Minuten, auch am Wochenende, ganz egal, was um mich herum sonst noch passiert.

Sobald der Zustand erreicht ist, sobald Schreiben zur Gewohnheit geworden ist, können Schreibblockaden gar nicht mehr auftreten, denn Schreiben ist der Normalzustand. Oder hatte jemand schon einmal eine Zähneputzblockade?

Der Weg, den ich beschritten habe, um Schreiben zu einer Routinetätigkeit zu machen

1. Eine feste Zeit zum Schreiben wählen

Im Zweifelsfall ist das morgens. Ich mag den Morgen sehr gerne. Zu dieser Zeit kann ich am klarsten denken, alles ist ruhig, es gibt noch wenig Ablenkungen. Der Nachteil: Unter Umständen muss ich halt früher aufstehen, damit ich noch schreiben kann, bevor ich zur Arbeit muss. Manchmal auch sehr früh. Es gibt Tage, an denen ich um vier Uhr aufstehe, selten nach fünf Uhr. Man gewöhnt sich dran.

2. Klein anfangen

Wer ohne Training den Marathon laufen will, wird scheitern. Wer ohne Übung, gleich einen Roman schreiben will, ebenfalls. So wie der Laufanfänger in kleinen Einheiten sein Training beginnt, um über Monate oder gar Jahre die notwendige Fitness zu erreichen, muss ich auch als Auto mit kleinen Übungen meine Schreibmuskeln aufbauen, bis ich fit für den Romanmarathon bin.

Eine Seite, nicht mehr als eine halbe Stunde oder vielleicht 200 Wörter pro Tag zu Beginn genügen. Das genaue Schreibpensum muss am Ende jeder selbst finden. Hauptberufliche Autoren schreiben nicht selten acht oder mehr Stunden am Tag. Es ist also möglich, aber diese Leute haben auch jahrelange Übung. Mit so einem hohen Pensum fängt niemand an.

Ganz wichtig dabei: Alle Ansprüche begraben, den Perfektionismus Perfektionismus sein lassen. Womit wir auch schon beim dritten Punkt sind.

3. Schreiben und Überarbeiten trennen

Der innere Kritiker schlägt meistens schon beim ersten Satz oder ersten Wort zu. Passt das? Ist das gut? Das geht doch besser. Oh, Mann, habe ich viele Fehler gemacht … Schnell ertappt man sich dabei, dass man nicht mehr neuen Text schreibt, sondern an dem bastelt, was man bereits geschrieben hat.

Das ist demotivierend, denn wie auch beim Tapezieren oder Stricken, will man beim Schreiben einen Fortschritt sehen. Ich fühle mich einfach besser, wenn ich vom Schreibtisch aufstehe und eine Seite Text produziert habe, als wenn ich nur einen Satz geschafft habe, mit dem ich auch noch unzufrieden bin. Denn zum Überarbeiten gehört zeitlicher Abstand zum Geschriebenen.

4. Das Pensum langsam erhöhen

Erst, wenn es mir leicht fällt, das kleine Pensum zu bewältigen und das Gefühl der Unterforderung sich einstellt, darf ich das Schreibpensum langsam und schrittweise erhöhen.

5. Rückschläge zulassen

Manchmal gibt es solche Tage. Es klappt einfach nicht. Das Kind ist krank, das Dach leckt oder man hat einfach schlecht geschlafen, kann sich nicht konzentrieren und schreibt beim täglichen Pensum nur: „Gnah, gnah, gnah, gnah – schnurdeldiewurz.“

So lange so was die Ausnahme bleibt (und das wird es), ist das okay. Menschen sind keine Maschinen. Es geht hier darum, über Monate oder Jahre eine Gewohnheit zu etablieren. Was ist da schon mal ein Tag, der schiefgeht?

6. Belohnungen schaffen

Beim Holzhacken habe ich zwar hinterher Pudding im Bizeps, aber auch einen schicken Stapel Brennmaterial und am Abend ein gemütliches Feuer. Das motiviert.

Beim Schreiben habe ich am Ende … eine Datei. Das könnte der Grund sein, wieso manche lieber per Hand schreiben. Die motorische Tätigkeit und das physische Papier schaffen eine Form der Befriedigung, das Gefühl, etwas gleistet zu haben, das ich am PC nicht habe.

Deswegen ist es wichtig, sich Erfolge vor Augen zu führen, am besten gekoppelt mit einem angenehmen Reiz, zum Beispiel: „Meine erste Tasse Kaffee trinke ich nur, wenn ich vorher mindestens eine Seite geschafft habe.“ Im Zweifelsfall kann man sein Tagespensum ausdrucken und den Tag über mit sich herum tragen, um im Meeting stolz draufzuschielen oder unterm Schreibtisch heimlich zärtlich darüber zu streichen.

Auch das Anfertigen kleiner Urkunden für erreichte Ziele oder das Festhalten des Pensums in einer Strichliste oder einer Tabelle kann helfen.

Am Ende dieses Prozesses bist du ein Autor. Vielleicht kein veröffentlichter Millionen-Bestseller-Autor, aber zumindest jemand, der tagtäglich schreibt und einen Roman zu Ende bekommt. Vor allem bist du dann jemand, für den Schreibblockade ein Fremdwort ist, weil du Schreiben endlich ernst genug nimmst, um es in deinen Alltag zu integrieren.

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22 Gedanken zu “Wie man Schreibblockaden garantiert überwindet

  1. Danke für die Tipps, ich bin gerade (okay, seit fast einem Jahr) in einer Schreibblockade. Die Idee fesselt mich nach wie vor, aber es scheitert irgendwie an der Umsetzung. Mal fliegen meine Finger nur so über die Tasten, dann folgt aber wieder Monatelang überhaupt nichts weil ich Angst habe, das, was ich schreibe wird eh nichts oder weil ich die vorherigen Absätze so mag, dass ich sie nicht durch neues „zerstören“ will. Aber: ich kämpfe weiter, vielleicht schaffe ich es ja doch noch, das Schreiben zur Gewohnheit werden zu lassen.

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  2. So wie dir ging es mir länger als zehn Jahre – keine Übertreibung. Ich kann deine Situation also wirklich sehr, sehr gut nachvollziehen. Sei beruhigt, so wie dir geht es meiner Einschätzung nach den allermeisten Schriftstellern.

    Für mich klingt das, was du beschreibst, stark danach, dass bei dir der innere Kritiker noch die Oberhand hat, so wie das auch bei mir jahrelang der Fall war (und hin und wieder mal geschieht). Hast du schon meinen Artikel „Wie man den inneren Kritiker besiegt“ gelesen? Vielleicht hilft dir der ja ein bisschen weiter, ich würde mich jedenfalls freuen. Auch unsere Folge von „Die Schreibdilettanten“ zum Thema „Hilfe, ich kann nicht schreiben“ würde ich dir ans Herz legen.

    Wenn du das Bedürfnis danach hast, kann ich dir auch noch andere interessante Quellen zu dem Thema nennen, die mir zumindest sehr gut geholfen haben. Schicke mir am besten eine E-Mail oder kontaktiere mich über Twitter, dann kann ich dir was linken.

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    • Ich weiß nicht recht, was ich von den Kommentaren zum SCHREIBEN PER HAND halten soll. Ich finde den Eintrag super, aber Folgendes ist mein Problem:

      Seit ich bei meinem ersten ernstzunehmenden Romanprojekt anfing, mir Setting, Charaktere und Plot vorher zu überlegen, zähle ich mich beim Schreiben eher zu den Planern/Outlinern. Mir fiel schnell auf, dass ich die besten und tiefsten Einfälle erst bekam, wenn ich per Hand schrieb. So wie mit Stift und Notizblock (oder bspw. selbstausgedruckten Charakter-Formularen etc., die ich dann per Bleistift füllte), so tief und dicht kann ich mit der Tastatur nicht in meine Materie einsteigen. Vor dem Bildschirm bin ich wie blockiert.

      Als es dann ums Schreiben der Rohfassung ging, bin ich nach etwas Rumprobieren ebenfalls rasch wieder bei Schreibblöcken und Druckbleistift gelandet. Mehrere Jahre später hatte ich über 40 vollgeschriebene Blöcke (je 80-150 Blatt) für eine tolle Fantasy-Trilogie. An der Disziplin und Routine liegt es nicht.
      Das eigentliche Problem ist ein Logistisches: Man muss all die Seiten abschreiben, d. h. in eine Datei übertragen. Klar, man kann dabei gleich kürzen und überarbeiten, aber es ist dennoch ein gewaltiges Arbeitspensum.

      Ich habe seitdem öfter versucht, auf Tastatur umzustellen. Ich würde so gern am Rechner die erste Fassung schreiben können. Auch weil meine Stoffe eher lang und komplex sind (Fantasy). Gleichzeitig werden sie auch umso komplexer, je mehr ich per Hand Vorarbeiten mache.

      Sollte man Energie dort hineinstecken, so etwas umzulernen? Ist das Schreiben per Hand bloß Konditionierung? (Meine ersten Romane hab ich als 16- bis 20jähriger doch auch komplett auf Computer weggetippt – jedoch ohne viel Planung).

      Ich bin da mittlerweile etwas verunsichert, auch was meine erste Teilnahme am NaNoWriMo dieses Jahr betrifft. Ich kann nicht noch einmal soviel Zeit auf ein Buch verwenden wie damals. Bzw. es kommt mir mittlerweile zu langsam, aufwendig, unprofessionell vor.

      Oder soll ich mir sagen: „So funktioniert es für Dich, mach es eben so.“

      Viele Grüße und Danke für die Zeit, die Du Dir nimmst, das hier zu lesen.

      A.

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      • Ich finde, du solltest so schreiben, wie du dich am wohlsten fühlst. Schreiben mit der Hand scheidet für mich einfach aus. Zu langsam, zu anstrengend. Aber wenn es bei dir funktioniert, wieso nicht? Gibt viele berühmte Autoren, die mit der Hand geschrieben haben.

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      • Wolfgang Hohlbein verwendet einen digitalen Lesestift um seine handgeschriebenen Manuskripte in eine Datei zu übertragen. Erfordert aber eine saubere Handschrift.
        MfG

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  3. Ich schmökere jetzt schon eine halbe Stunde in Deinen Artikeln und finde Sie jetzt schon als sehr hilfreich, nicht nur diesen. Genauso geht es mir auch. Die Idee ist da, aber dann ist alles andere wichtiger. Ja, es stimmt, man muss einfach jeden Tag schreiben. Das Beruhigende ist nicht nur, dass es anderen auch so geht, sondern dass es einen Ausweg aus diesem ganzen Blockadedings gibt. Danke Marcus.

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  4. […] Sprich mit jemandem über die Blockade. Ob in Autorenforen, mit Freunden, deinen Eltern. Völlig egal, wichtig ist nur, dass du dich mitteilst und dein Projekt von einer anderen Seite betrachtest. Meist findest du erst nach einiger Zeit eine Lösung, aber je mehr Input du bekommst, umso wahrscheinlicher die Chance, dass irgendetwas dabei ist, was du für dein Projekt verwerten kannst. (Für mehr Ideen zu Schreibblockaden habe ich hier noch diese beiden Links: Leselupe und Marcus Johanus) […]

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