Wie man die Aufmerksamkeit des Lesers bannt

Wenn ich einen Roman schreibe, möchte ich, dass er auch gelesen wird. Spannung ist eine gute Voraussetzung dafür. Was genau für jeden Leser spannend ist, ist allerdings nicht ganz so leicht zu entscheiden, denn hier hängt viel vom persönlichen Geschmack ab. Das ist jedoch eher eine Frage des Genres und/oder des Themas des Romans. Schreibe ich für Fans von Liebesromanen oder doch lieber Literatur, Krimis oder Thriller?

Zum Glück gibt es neben Genre und Thema drei würzige Zutaten, mit denen dramatisches Schreiben immer gelingt:

  1. dramatischer Konflikt
  2. Sog der Gefühle
  3. Schmelztiegel

Bon appetit!

1. Dramatischer Konflikt

Eine Geschichte ohne Konflikt ist keine Geschichte. „Ein Mann fiel ins Wasser, ich hab ihn gerettet.“ ist noch keine Geschichte. „Ein Mann fiel in den reißenden Fluss, von der Brücke 15 Meter in die Tiefe. Er konnte nicht schwimmen und begann praktisch sofort zu versinken. Ich sprang ihm hinterher, kämpfte gegen die reißende Strömung und musste unzählige Male nach ihm tauchen, bis ich es geschafft habe, ihn an die Oberfläche zu ziehen. Rasend schnell kam der Wasserfall auf uns zu. Hätte ich es nicht geschafft, den ins Wasser ragenden Ast mit letzter Kraft zu packen, wären wir beide draufgegangen.“

Das ist eine Geschichte, denn sie handelt von dem Kampf Mensch gegen die Naturgewalt und behandelt somit einen dramatischen Konflikt, bei dem Einiges auf dem Spiel steht.

Erst wenn etwas auf dem Spiel steht, meine Figuren etwas erreichen wollen oder müssen, das aber nur schwer erreicht werden kann, gibt es etwas zu erzählen. Aber nicht jeder Konflikt ist für ein Drama gleich  gut geeignet.

Kreatives und dramatisches Schreiben bedeutet zu einem großen Teil,  Konflikte auf einer ganz persönlichen Ebene mit der Hauptfigur zu verknüpfen. Zudem müssen so grundlegende Probleme behandelt werden, dass sie möglichst vielen Lesern wichtig sind. Nur dann entsteht Spannung, wenn die Leser die Konflikte der Figuren auch nachvollziehen und miterleben können. Erst dann habe ich einen dramatischen Konflikt.

Das ist der Grund dafür, dass der Krimi so erfolgreich ist. Ein Mord ist ein so verflixt grundlegendes Verbrechen, dass ich mich ihm kaum entziehen kann. Ich fühle als Leser mit dem Ermittler sofort mit, denn das gewaltsame Ende eines Menschen löst einen starken Konflikt aus. Ich will, dass er gelöst wird, indem der Mörder entlarvt und zur Strecke gebracht wird.

Noch spannender wird dieser Konflikt, wenn der Ermittler nicht nur gemütlich recherchiert, sondern auch noch selbst ins Fadenkreuz des Mörders gerät. Dann schreibe ich schon keinen einfachen Krimi mehr, sondern einen Thriller, denn eines der Hauptmerkmale des  Thrillers ist, dass die Hauptfiguren der Geschichte einer lebensbedrohlichen Gefahr ausgesetzt sind.

Deswegen sind Thriller ein so sicherer Weg zum spannenden Lesevergnügen. Es ist schlichtweg einer der größtmöglichen Konflikte, wenn die Leben der Hauptfiguren auf dem Spiel stehen. Denn zusätzlich zum Konflikt wird somit der Sog der Gefühle auf den Leser ausgeübt.

2. Der Sog der Gefühle

Im kreativen und dramatischen Schreiben dreht sich alles um Gefühle. Und zwar nicht um Gefühle, die ich beschreibe, also meine Figuren empfinden lasse, sondern um jene, die ich dem Leser beim Erleben meiner Story verschaffe.

Wenn eine Figur in meiner Geschichte stellvertretend für den Leser nicht nur einen Konflikt bewältigt, sondern zudem auch noch eine große Krise durchmacht, übt dies auf den Leser den Sog der Gefühle aus. Eine Bedrohung von Leib und Leben erinnert an die eigene Sterblichkeit, was wiederum an das stärkste Gefühl des Menschen schlechthin appelliert, seinen Selbsterhaltungstrieb.

Wiederum ein Teil des Erfolgsrezepts vom Krimi und vom Thriller. Sie üben so universelle Reize aus, weil es in ihnen immer um die Bedrohung von Leib und Leben geht, weswegen der Sog der Gefühle praktisch automatisch entsteht, mit ihren Geschichten mit zu zittern.

Andere Möglichkeiten, den Sog der Gefühle zu erzeugen, sind Liebesgeschichten. So ziemlich jeder sehnt sich nach einer liebevollen Partnerschaft, deswegen fiebern wir mit, wenn eine solche auf dem Spiel oder wenigstens in Aussicht steht, aber nicht leicht zu erreichen ist. Die Chance auf Reichtum, das Lösen eines verzwickten Rätsels oder Rache können ebenfalls eine starke Sogwirkung beim Leser erzielen und ihn deswegen zum Weiterlesen einer Geschichte verleiten.

3. Der Schmelztiegel

Habe ich einen dramatischen Konflikt in meiner Geschichte, der so grundlegend ist, dass er den Sog der Gefühle auf den Leser ausübt, muss ich als Autor nur noch dafür sorgen, dass die Hauptfigur, mit der der Leser sich identifiziert, auch im Schmelztiegel der Ereignisse bleibt.

Mit anderen Worten: Alles in der Geschichte muss sich um die Hauptfigur drehen und sie darf keine Chance haben, dem Konflikt den Rücken zu kehren. Das ist der Grund, wieso Harry Potter nicht nur irgendein Zauberer ist, sondern den Schlüssel zum Sieg über den Bösewicht Voldemort in sich trägt (und nicht etwa Ron oder Hermine, was ja auch möglich wäre). Gleichzeitig ist Voldemort eine so große Bedrohung, dass Harry nicht einfach sagen kann: „Was juckt’s mich, ob der Kerl in Hogwarts regiert oder nicht, ich hau ab.“

Andere Möglichkeiten, die Figuren im Schmelztiegel zu halten sind abgelegene Orte. Stephen King hat sich für „The Shining“ nicht umsonst das Overlook-Hotel als Schauplatz ausgedacht. Denn im Winter gibt es von dort kein Entkommen. Ähnliches gilt für die Titanic oder für eine Raumstation.

Der Schmelztiegel kann aber auch in den Figuren selbst angelegt sein. Der ehrgeizige und idealistische Politiker wird von der Wahl zum Präsidenten nicht zurücktreten, nur weil mit einem Attentat auf ihn gedroht wird. Naturkatastrophen, denen niemand entrinnen kann, drohende terroristische Angriffe oder Kriegsschauplätze sind ebenfalls gute Schmelztiegel, die die Spannung einer Geschichte gewaltig erhöhen können.

Wer mehr über Konflikte, den Sog der Gefühle und den Schmelztiegel erfahren will und mehr praktische Tipps braucht, sollte einen Blick in Sol Steins „Über das Schreiben“ riskieren.

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12 Gedanken zu “Wie man die Aufmerksamkeit des Lesers bannt

  1. „Eine Geschichte ist erst dann gut, wenn sich die Hauptfigur in der größten Krise ihres Lebens befindet.“ – so oder so hab ich das wo gelesen und das trifft auf viele Romanhelden/heldinnen zu.

    Was meinst du dazu ?

    Herzliche Grüße

    Andrea

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  2. Ich fand es sehr hilfreich da ich selber einen Thriller oder Roman oder fantasty Buch schreiben wollte jetzt habe ich mich für die eins entschieden..

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